Seit 40 Jahren sitzt Michael Myers (Nick Castle) in einer psychiatrischen Anstalt in Haft. Er ist mit anderen hochgefährlichen Insassen vollkommen abgeschottet von der Außenwelt. Doch als Myers verlegt werden soll, verunglückt der Gefangenentransport mitten in der Nacht auf offener Straße. Der Killer nutzt die Chance und flüchtet. Sein bestialischer Drang, Menschen zu töten, zieht ihn erneut nach Haddonfield, wo die Bewohner jetzt wieder um ihr Leben fürchten müssen, nachdem der maskierte Myers die US-amerikanische Kleinstadt bereits vor vier Jahrzehnten in einer brutalen Mordserie terrorisierte. Laurie (Jamie Lee Curtis), inzwischen Mutter von Karen (Judy Greer) und Oma von Allyson (Andi Matichak), ist dem stoischen Mörder mit der weißen Maske damals knapp entkommen - und sie ist darauf vorbereitet, ihn fertigzumachen. Laurie hat sich sogar gewünscht, dass Myers ausbricht, damit sie ihn endlich töten kann...
Der 2018er "Halloween" fühlt sich irgendwie ein wenig falsch an. Ob es eine gute Idee war, David Gordon Green und Danny McBride für diesen zweiten Versuch eines zweiten Teils der Original-Reihe zu verpflichten? Nun, auf jeden Fall ist der neue "Halloween" eine sehr lukrative Angelegenheit für Fans, denn man fiebert gleichermaßen mit Michael und Laurie mit, für die man - welch einmaliger Clou nach immerhin 40 Jahren - erneut die originalen Darsteller verpflichten konnte. Das sorgt für einige lauwarme Zitate an das kraftvolle Original, aber auch für jede Menge erwartbare Twists, abgestandene Drehbuchzeilen und etliche, übertrieben ehrvoll abgespulte Momente, die ohne jede Frische oder Eigenständigkeit daherkommen.

Optisch setzen die Filmemacher keine großen Akzente und abgesehen von der wirklich gelungenen - und hiermit ausgiebig gelobten - Maske alter Tage, dem nur nett variierten Score und den ikonischen Figuren, ist "Halloween" (2018) ein beliebiger, klischeebeladener und austauschbarer Slasher mit einer glatten Mystik, die einfach nicht abholt. Auch wenn nicht jeder Halloween großes Horrorkino ist, so bleibt es immer kantig und schroff, eigen und fordernd, manchmal sogar grotesk oder albern. Selbst die gescholtenen und schrammeligsten Filme der vierzig Jahre alten Marke langweilen nicht wirklich und kippen sämtliche Erwartungen der Vorgänger munter und oft ungewollt unterhaltsam. Green und McBride kommen in keinem Moment an John Carpenters Original heran, verpassen die eigenen und flächigen Ansätze des einzig wahren echten zweiten Films um Längen und selbst ein "Halloween H20" hallt klaffender und endlicher nach. Green und McBride haben eine schwachbrüstige und wenig subtile Huldigung geschaffen, die sich zu sehr in vertrockneten Lorbeeren bettet und enttäuscht zurück lässt.
Plötzlich hat man auch das Verlangen, Rob Zombies kratzige, mutige, verschrobene und schiefe Filme ein wenig aufzuwerten. "Halloween" (2018) geht keinen einzigen Schritt nach vorne, zerkaut ohne Esprit die Mythen und subtilen Spitzen der Reihe und versteckt sich als erster Film der Reihe hinter dem faszinierenden Original. "Halloween" (2018) ist ein stilistisch und inhaltlich so feiger wie harmloser Film ohne jegliche Magie, auch wenn der Film ob seines gehobenen Budgets immerhin keine Katastrophe ist. Das Original zelebriert Michael Myers so genial, simpel und effektiv, da kann dieser x-te zweite Teil nur wenig gegenhalten. Zumindest Michael Myers ist eine körperliche Konstante die nicht enttäuscht. Wie denn auch? Er ist die flächige Silhouette, the Shape, die Inkarnation des Bösen. Auch an Laurie liegt es nicht, zumindest nicht auf darstellerischer Ebene. Sowohl Jamie Lee Curtis als auch Nick Castle sorgen immerhin für ein bisschen (Un)wohlsein. Sämtliche Teenies dieser vergessenswerten Wiederbelebung sind nur wenig charmant gezeichnet und auch die reiferen Figuren bestehen nur durch ihre fähigen Darsteller.
"Halloween" (2018) macht zwischendurch auf falsches Mitleid, viel Gerede und schmerzvoll verhobenes, existentielles Drama, was in dieser langatmigen Einfältigkeit seine Wirkung verfehlt. Der Kontext, der dann in der zahmen Regie und dem mutlosen Drehbuch verwässert, stimmt einfach nicht. Die Zeit offenbart keinen unbefangeneren Blick, denn die schrecklich eindimensionalen Dialoge, die (selbst für "Halloween"-Verhältnisse) schwachen Figuren und die furchtbar verklebte Familiensituation von Laurie Strode, erinnern ein wenig an den zerfahrenen und überfrachteten sechsten Teil der Serie. Gegen diesen lahmen und verschandelten Holzschnitt ist die Hokuspokus-Story vergangener Zeiten geradezu goldig und wenigstens interessant verdreht. McBride und Green sagen mit ihrem lauten, wenig subtilen und reichlich überheblichen Film nicht direkt "auf Wiedersehen", auch wenn ein zweiter dritter Film so gut wie sicher scheint. Naja, immerhin ist der Vorspann ein Genuss.
6/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Universal Pictures
Poster/Artwork: Universal Pictures
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