Sonntag, 20. März 2011

[KINO FFFnights] 十三人の刺客 - Jûsan-nin No Shikaku - 13 Assassins (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1436045/

Lord Naritsugu (Gorô Inagaki) ist ein perverser Sadist! Aus reinem Vergnügen tötet, foltert und vergewaltigt er unschuldige Untertanen. Leider ist der dekadente Adelige der Halbbruder des Shogun, was ihn unantastbar macht und ihm eine Stimme im Rat verschaffen wird. Sir Doi (Mikijiro Hira), der weise und loyale Ratgeber des Shogun, nimmt es auf sich, das “Problem” zu lösen. Lord Naritsugu muss sterben! Doi beauftragt den ehrenwerten Samurai Shinzaemon (Kôji Yakusho) damit, den von einer zahlreichen Leibgarde beschützten Lord zu töten. Shinzaemon sammelt eine kleine Gruppe von tapferen, zu allem entschlossenen Samurai um sich. Die 13 Attentäter wissen sehr wohl, dass sie auf dieser Mission den Tod finden werden. Doch das Leben eines Samurai bemisst sich nicht nach Jahren!

Wieder einmal ein geniales Werk aus der Hand von Takashi Miike, so langsam werde ich zu einem richtigen Fanboy.

Bei "13 Assassins" handelt es sich nicht um einen konventionellen Martial Arts Film, indem der Held und der Kampf im Vordergrund steht, Miike erzählt nichtmal eine richtige Heldengeschichte, denn am Ende gelingt es zwar das Ziel zu erreichen, doch einen Sieger gibt es nicht, nur Verlierer, die ihre Menschlichkeit verloren haben und zu mordlustigen Bestien geworden sind. Deshalb wird es dem Film auch nicht gerecht, wenn man ihn nur als Dekonstruktion seines Genres bezeichnet, seine Aussage ist vielmehr von gesellschaftlicher universeller Bedeutung. Natürlich sieht man hier auch Kampfkunst und Schlachten, doch diese stehen in einem eindeutig negativen Licht und dienen absolut nicht zur Unterhaltung, ganz im Gegenteil.

Zwei Gruppen: auf der einen Seite die Samurai, die alles dafür tun, um den grausamen, tyrannischen Fürsten zu töten und auf der anderen Seite eine riesige Armee gut ausgebildeter Kämpfer, die eben diesen Fürsten beschützen müssen. Diese Gruppe dient Miike dazu auf hervorragende Art und Weise die Sinnlosigkeit und Gefahr von Gehorsamkeit zu verdeutlichen, denn sie veranlasst die Menschen dazu sich bereitwillig bei vollem Bewusstsein ins Verderben zu stürzen. Die Aufgabe der Gefolgsleute ist es, das Leben ihres Fürsten zu schützen, auch, wenn sie ihr eigenes dabei verlieren, das spielt überhaupt keine Rolle. Wird ihr Fürst angegriffen müssen sie sich dazwischenwerfen um die Waffe aufzuhalten und die selbst in den Leib gestoßen zu bekommen. Sie müssen ihr Leben opfern, um das eines anderen zu retten (in diesem Fall das eines bestialischen Despoten) und das tun sie nicht etwa aus Liebe, sondern nur, weil es ihre Aufgabe ist und sie zu Gehorsam verpflichtet sind, ihre Fähigkeit selbst zu denken und zu hinterfragen wurde vollkommen ausgeschaltet, sofern sie überhaupt jemals vorhanden war, denn Leute die garnicht erst anfangen zu denken, kann man viel leichter kontrollieren. Die Soldaten fühlen sich in keiner Weise emotional mit dem Fürsten verbunden, wahrscheinlich kennen sie garnicht mehr von ihm, als sein Gesicht, ihr einziger Antrieb um den unausweichlichen Weg ins Verderben zu bestreiten ist Pflichtbewusstsein und Gehorsam - absurder geht es in meinen Augen garnicht mehr. Und gegen Ende stellt sich heraus, dass der Fürst, den Dienst, den ihn die Soldaten erweisen nicht im minddesten Schätzt oder wenigstens beachtet, für ihn sind sie nichts weiteer als Ungeziefer, die ihre pflicht erfüllen - und wenn sie dabei draufgehen ist es nicht weiter schlimm.

Doch auch an den Samurai lässt Miike kein gutes Haar. Auch sie dienen ihrem Anführer Shinzaemon Shimada in demütigem Gehorsam, doch es gibt noch etwas anderes, was sie antreibt: Tapferkeit. Die 13 Samurai sind tapfere, ehrbare Krieger, die unvorstellbare MÜhen auf sich genommen haben, um den Fürste den sie töten wollen zu finden und im Kampf scheuen sie nicht die Auseinandersetzung, sie werfen sich direkt ins Schlachtfeld, nehmen es mit möglichst vielen Gegnern gleichzeitig auf, machen die waghalsigsten Angriffmanöver und kämpfen selbst weiter nachdem sie mehrmals getroffen wurden und sich wegen dem drastischen Blutverlust kaum noch auf den Beinen halten können und am Ende stellt sich eine Frage: War es das wirklich wert? - Selbstverständlich war es das nicht, Tapferkeit ist eine Absurdität, welche ungleich mehr Schaden anrichtet, als das sie einen Nutzen erfüllt. Zudem veranlast sich mich dazu Menschen auf brutale Art und Weise abzuschlachten und damit zu einer Bestie zu werden, die einfach drauf los schlägt ohne nachzudenken und den Feind als Menschen wahrzunehmen.

Überdies vernichtet Miike noch den Mythos des ehrenhaften Kriegers. Krieg kennt keine Ehre, Ehre und Krieg sind zwei, die unmöglich zu vereinigen sind und so kommt es, dass es die Samurai (also diejenigen, die sich selbst für ehrenhafte Krieger halten) sind, die die Soldaten des Königs aus dem Hinterhalt angreifen und sie wie die Wilden abmetzeln, als wären es keine Menschen sondern Ungeziefer. Wiedermal ist Takashi Miike ein sehr intelligenter Film gelungen, dessen Aussage mich ziemlich fasziniert hat.

8,5/10