In den 1940er Jahren verspricht Walt Disney (Tom Hanks) seinen beiden Töchtern, dass er aus ihrem Lieblingsbuch "Mary Poppins" einen Film machen wird. Allerdings durchkreuzt die Autorin des Romans, P.L. Travers (Emma Thompson), seine Pläne und weigert sich, ihm die Filmrechte zu verkaufen. Erst nach jahrelangen Verhandlungen reist Travers 1961 schließlich von London nach Hollywood, um persönlich mit dem Produzenten über dessen Vorhaben zu sprechen. Doch sie ist weiterhin kaum bereit, Kompromisse bei der Adaption ihres Buchs einzugehen und lehnt Disneys Vorhaben, ein Musical aus "Mary Poppins" zu machen, strikt ab. Travers' Arbeitssitzungen mit dem Drehbuchautoren Don DaGradi (Bradley Whitford) und den Komponisten Richard (Jason Schwartzman) und Robert Sherman (B.J. Novak) sind von gegenseitigem Unverständnis geprägt. Bald zeigt sich, dass ihre Abwehrhaltung längst nicht nur rein künstlerische, sondern auch sehr persönliche Gründe hat, die mit ihren Erinnerungen an ihren Vater Travers Goff (Colin Farrell) zusammenhängen. Walt Disney ist aber nicht bereit, seinen eigenen Traum von "Mary Poppins" aufzugeben...
"Saving Mr. Banks" ist ein herzerwärmendes Drama über Kreativität, Verlust und die Magie hinter dem Disney-Spielfilm "Mary Poppins", das die Disney-Maschine auf gewisser Ebene als menschlich entlarvt - ein Duell zwischen Sturheit und Charme, gespickt mit Rückblenden in eine schmerzhafte Kindheit. Der titelgebende Name Mr. Banks bezieht dabei auf den Vater der Familie George Banks, der später im Realfilm von 1964 das Kindermädchen Mary Poppins, die mit aufgespanntem Regenschirm vom Himmel geschwebt kommt, anheuert. "Saving Mr. Banks" ist so weniger ein Biopic, als ein kurzer Ausschnitt im Leben von Walt Disney und der Disney Studios. Im Jahr 1961 reist die britische Autorin P. L. Travers (Emma Thompson, bissig und verletzlich) widerwillig nach Los Angeles, um Walt Disney (Tom Hanks, jovial mit verborgener Tiefe) die Rechte an ihrem Buch zu überlassen. Und während er mit Songs und Storyboards für den Film wirbt, enthüllen Flashbacks ihren trauernden Vater als Inspiration für Mr. Banks.
Thompson verkörpert Travers als zimperliche Perfektionistin, deren Spitzen gegen Animationsfirmen und Animation "keine Magie, nur Tricks" sind - doch unter der Schale lauert Trauma: Ihr Vater, ein charmanter Bankangestellter in Australien, versinkt im Alkohol und stirbt jung, was Travers' Schreiben zu einer Art Rettung macht. Hanks' Disney ist kein Karikaturist, sondern ein hartnäckiger Enthusiast, der 20 Jahre wartete und nun mit Sherman-Brüdern-Liedern wie "Supercalifragilisticexpialigetisch" (im Original "Supercalifragilisticexpialidocious") lockt; die Probelesen-Szenen, wo Travers' Tränen fließen, sind pure Katharsis. Regisseur John Lee Hancock balanciert Humor (besonders mit Travers' Chauffeur Ralph, gespielt von Paul Giamatti) und Melancholie, ohne jemals in puren Kitsch abzugleiten. Die Chemie zwischen Hanks und Thompson passt hervorragend und Thomas Newmans Score, der Nostalgie webt, passt punktgenau.
Jedoch trübt Travers' reale Ablehnung des fertigen "Mary Poppins" den Gesamteindruck. Laut belegter geschichtlicher Überlieferung war Travis mit dem Mary-Poppins-Film von Walt Disney aus dem Jahr 1964, an dessen Drehbuchkonzeption Travers überdies mitgewirkt hatte, in weiten Teilen nicht einverstanden. Sie fand die Musik der Sherman-Brüder unpassend, das Kindermädchen nicht streng genug und die Umsetzung insgesamt zu süßlich. Am meisten missfielen ihr jedoch die Animationen. Nach der Premiere bat sie Walt Disney persönlich, die Animationen vor der Veröffentlichung des Films restlos zu entfernen, eine Bitte, die Disney ihr prompt ausschlug. Deswegen weigerte sie sich auch, die Filmrechte an einem der anderen Bände zu veräußern, obwohl Disney danach fragte. Diese Tatsache wird im Film massiv verharmlost, Flashbacks wirken manipulativ und etwas klischeehaft. "Saving Mr. Banks" stellt sich damit auf eine Seite und ist damit kein neutrales Biopic, sondern ein reines Tribut an das Geschichtenerzählen - Travers "rettet" Mr. Banks, indem sie ihn idealisiert, und Disney rettet sie finanziell. Dennoch besitzt der Film auch eine gewisse, wenngleich hintergründige Authentizität: Das Schreibmaschinengeklapper und die Tonstudio-Sessions fühlen sich echt und lebendig an. Trotz der oben beschriebenen Ungenauigkeiten ist "Saving Mr. Banks" am Ende aber doch ein Film, der den Zuschauer lehrt, warum Geschichten heilen: Er nimmt ein Märchen auseinander und setzt es liebevoll wieder zusammen.
7,5/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Disney

