Sonntag, 30. November 2025

Zoomania 2 - Zootopia 2 (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt26443597/

Ex-Gauner-Fuchs Nick Wilde (Stimme im Original: Jason Bateman) und Polizeianfänger-Häsin Judy Hopps (Ginnifer Goodwin) haben gemeinsam den bis dato größten Fall in der Geschichte von "Zoomania" gelöst und wollen ihre ungewöhnliche Zusammenarbeit nun als frischgebackene Partner fortsetzen. Doch das ist längst kein Selbstläufer und die beiden hadern miteinander. Chief Bogo (Idris Elba) schickt die beiden deshalb zum Therapieprogramm "Partner in Krisen". Doch es dauert auch nicht lange, bis das Duo direkt in einen richtigen Fall und damit das nächste Abenteuer stolpert. Die Giftschlange Gary De’Snake (Ke Huy Quan) taucht in der tierischen Metropole auf und sorgt für Chaos und Panik, schließlich wurde ein solches gefährliches Reptil seit vielen Jahren nicht mehr in der Stadt gesichtet. Nick und Judy wollen herausfinden, was es damit auf sich hat, und müssen sich dafür auf einen gefährlichen Undercover-Einsatz in Ecken von Zoomania begeben, die selbst ihnen unbekannt sind.

"Zoomania 2" setzt als Fortsetzung eines modernen Disney-Klassikers - neun Jahre nach dem ersten Film - einen ambitionierten Spagat zwischen spektakulärem Worldbuilding, Buddy-Komödie und kluger Gesellschaftskritik. Die Erwartungen sind nach dem Oscar-prämierten Vorgänger von 2016 riesig, und Disney kontert mit einer Welt, die größer und bunter, aber auch dunkler und komplexer geworden ist. Die Story führt Judy Hopps und Nick Wilde in eine neue Tiefe der Metropole: Ein geheimnisvolles Reptil namens Gary De'Snake taucht auf und zwingt das Ermittlerduo, in bislang unbekannte Stadtviertel vorzudringen. Neu ist dabei nicht nur die tierische Bedrohung, sondern auch ein spielerischer Umgang mit hybriden und exotischen Tierarten; erstmals werden Reptilien und Meeresbewohner als Teil der Gesellschaft gezeigt. Die Buddy-Dynamik zwischen Judy und Nick bleibt das emotionale Herz: Ihre Partnerschaft wird in immer heikleren Situationen gestählt, und die Dialoge schwanken gekonnt zwischen Ironie, Warmherzigkeit und tieferem Ernst.

Im Vergleich zum ersten "Zoomania" ist die Welt deutlich erweitert. Während im Original die Rollenkonflikte von Raub- und Beutetieren im Mittelpunkt standen, öffnet Teil zwei den Blick auf neue Minderheiten und Verdrängungsmechanismen - die Reptilien, lange verborgen und "unsichtbar". Das wiederkehrende Motiv: Vorurteile und gesellschaftliche Spaltung können nur durch unvoreingenommene Zusammenarbeit und Mut überwunden werden. Der Vorgänger bestach durch sein Subtext-Wortspiel, hier wird der moralische Kommentar offensiver, aber bleibt stets im Rahmen einer kinderfreundlichen Erzählung - mit Elementen, die auch die erwachsenen Zuschauer zumindest zum Schmunzeln bringen. Die Animation ist erneut beeindruckend - Disney übertrifft sich mit einem Urban Jungle, der noch vielschichtiger und visuell verspielter wirkt als zuvor. Die Action lebt von rasanten Verfolgungsjagden und überraschenden Slapstick-Momenten, vom Marsh Market bis hin zu neonbunten Unterwasserquartieren. Michael Giacchinos Score schafft einen atmosphärischen Spagat aus Großstadtklängen, Abenteuerfeeling und Emotionalität, und Shakiras neue musikalische Beiträge fügen sich klanglich organisch ins Weltbild. Die Integration neuer Tierarten ist auch in der Animation ein Triumph: Jedes Detail, jedes Fell oder Schuppe wirkt lebendig und charaktervoll.

"Zoomania 2" nimmt sich erneut sozial relevanter Themen an: Diversität, Vorurteile und das komplexe Zusammenleben in einer Großstadt sind Kernelemente. Humor und Ernst greifen gekonnt ineinander und die Message wird nie moralisierend, sondern stets clever und zugänglich transportiert. Der neue Fall und die ungewöhnlichen Partnerschaften bieten immer wieder originelle Pointen, die die Handlung leichtfüßig vorantreiben. Bemerkenswert ist die Vielschichtigkeit der Schurkenfigur Gary De'Snake, deren Geschichte nicht auf reine Bösartigkeit reduziert wird, sondern auch für Empathie sorgt. Unterm Stricht ist "Zoomania 2" eine fulminante Rückkehr ins Herz der tierischen Stadt: Sowohl Fans des Originals als auch neue Zuschauer bekommen ein klug arrangiertes Abenteuer, dessen visuelle Details und emotionale Nuancen begeistern. Die Buddy-Dynamik, die raffinierte Animation und der gesellschaftliche Subtext machen den Film zu einem der besten Disney-Sequels der letzten Jahre. Die Fortsetzung steht ihrem Vorgänger in puncto Innovationsfreude, Scharfsinn und Herz in nichts nach - vielleicht ist sie sogar noch mutiger.

8/10

Quellen:
InhaltsangabeDisney
Poster/Artwork: Disney

Freitag, 28. November 2025

Down Periscope - Mission: Rohr frei! (1996)

https://www.imdb.com/de/title/tt0116130/

Schuld an dem Chaos ist eigentlich Admiral Graham. Er gibt Lt. Thomas Dodge, der die Intelligenz eines Rollmopses besitzt, das Kommando über ein U-Boot. Mit diesem soll er strategisch wichtige US-Militärhäfen einnehmen, ohne daß die eigene Flotte etwas merkt. Dodge ahnt nicht, daß Graham diese Mission nur plant, damit er die Angriffe medienwirksam mit den modernsten Schiffen stoppen kann. Dodge erhält eine Crew, die aus den unfähigsten Marines besteht, die in der Navy herumdümpeln. Und auch sein Gefährt ähnelt mehr einer verrosteten Sardinenbüchse als einem modernen High-Tech-Unterwasser-Kreuzer. Somit sind alle Voraussetzungen erfüllt, diese Operation zur Mission Rohrkrepierer werden zu lassen. Erleben Sie jetzt, wie naß Wasser sein kann.

"Mission: Rohr frei!" ist eine dieser Komödien, die man ohne große Erwartungen einschaltet und mit einem Schulterzucken wieder verlässt: nicht ärgerlich, aber auch selten wirklich komisch. Kelsey Grammer bringt als unorthodoxer U-Boot-Kapitän Dodge eine ruhige, leicht ironische Präsenz mit, die den Film immer dann trägt, wenn das Drehbuch ihm Raum gibt, mit Understatement und trockenem Timing zu arbeiten. Die Idee, eine veraltete Diesel-U-Boot-Schrottkiste mit einer Ansammlung von Versagern und Exzentrikern in ein Manöver gegen Hightech-Nuklearboote zu schicken, hat Charme, doch der Film nutzt sie nur halb: Vieles wirkt wie eine weichgespülte Mischung aus "Police Academy" und "Die Indianer von Cleveland", mit genau den Gags, die man erwartet, und kaum einem, der überrascht. Handwerklich ist das solide, aber unspektakulär - routinierte Inszenierung, eine TV-artige Optik und harmlose Militär-Slapstick-Szenen, die selten echten Biss entwickeln. Die Nebenfiguren bleiben überwiegend Stichworte-tragende Karikaturen, vom cholerischen Offizier über den verpeilten Sonarmann bis zur „experimentellen“ Frau an Bord, die trotz engagierter Schauspielerinnenleistung doch stark klischeehaft geschrieben ist. Am Ende funktioniert "Mission: Rohr frei!" als leicht verdauliche Wohlfühl-Militärposse für einen entspannten Abend, aber es fehlt ihm an Konsequenz und Mut, seine eigene Absurdität wirklich auszukosten - ein mittelmäßiger, unaufdringlicher Film, der so leise wieder aus dem Gedächtnis taucht, wie er hineingeschippert ist.

5/10

Quellen:
InhaltsangabeTwentieth Century Fox
Poster/Artwork: Sprockets Music/Twentieth Century Fox

Donnerstag, 27. November 2025

The Running Man (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt14107334/

In naher Zukunft gehört "The Running Man" zu den beliebtesten Fernsehsendungen. In der brutalen Show kämpfen sogenannte Runner ums Überleben, während Profikiller gnadenlos Jagd auf sie machen. Jede ihrer Bewegungen wird live vor einem sensationshungrigen Publikum übertragen. Für jeden Tag, den sie dem Tod entkommen, wächst das Preisgeld. Ben Richards (Glen Powell), ein Mann aus der Arbeiterklasse, sieht in der Teilnahme seine einzige Chance, das Leben seiner kranken Tochter zu retten. Dan Killian (Josh Brolin), der einflussreiche und skrupellose Produzent der Show, überzeugt ihn schließlich davon, sich dem gefährlichen Spiel zu stellen. Mit Entschlossenheit und Überlebenswillen gelingt es Ben, sich gegen die Jäger zu behaupten. Sein Mut und seine Unnachgiebigkeit ziehen bald die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich. Während die Quoten steigen, wächst der Druck. Ben muss nicht nur den Killern entkommen, sondern auch einer Gesellschaft trotzen, die seinen Untergang erwartet.

Die Neuverfilmung des dystopischen Sci-Fi-Romans von Stephen King (unter dem Psyeudonym Richard Bachmann), der bereits mit Arnold Schwarzenegger adaptiert wurde, "The Running Man" unter Regie von Edgar Wright ist ein glühender, postmoderner Ritt durch das dystopische Amerika nach Stephen King, der das Versprechen einer werkgetreuen Adaption nicht nur einlöst, sondern das Original von 1987 mit Entschlossenheit, Emotionalität und satirischer Schärfe auf den Kopf stellt. Gut, der 1987er "Running Man" hatte sich nur lose an die Buchvorlage gehalten, und setzte mehr auf Brutalitäten und Action mit einem ikonischen Schwarzenegger in der Hauptrolle und kann daher nur schwer als Vergleich Buch <> 1987er Film -<> 2025er Film herhalten. Doch das muss er auch nicht. beide Filme haben ihre Daseinsberechtigung, doch tatsächlich ist Wrights Film der bessere.

Glen Powell erweist sich als Idealbesetzung für Ben Richards: Wuchtig in seiner physischen Präsenz, bringt er zugleich Menschlichkeit und Verwundbarkeit ins Spiel, die das Publikum spüren lässt, worum es eigentlich geht - die Zerreißprobe zwischen Überlebenstrieb und letzter Würde, Familienliebe und gesellschaftlicher Zermalmung. An seiner Seite überzeugt Jayme Lawson als Richards' Frau, deren emotionale Zurückhaltung Powells Performance umso tragischer und zwingender erscheinen lässt. Die Besetzung wird von einem markanten Ensemble getragen, darunter Josh Brolin als zynischer Game-Show-Produzent, Colman Domingo, Lee Pace, Michael Cera und William H. Macy, die allesamt archetypische wie gebrochene Figuren in diesem grellen Untergangsszenario verkörpern. 

Wright inszeniert mit angriffslustiger Präzision: Von gnadenlosen Showdowns in Neon-beschienenen Arenen, in denen die Kamera von Chung-hoon Chung (bekannt für "Oldboy" und "Es") das Geschehen dynamisch und doch stets kontrolliert einfängt, bis zu ruhigeren Momenten, in denen die digital gleißende Kälte des Studios mit Erinnerungen an frühere Science-Fiction-Klassiker wie "Blade Runner" und "The Hunger Games" spielt. Die Effekte gehen Hand in Hand mit der Inszenierung, sind stilisiert und keineswegs Selbstzweck, sondern arbeiten die Verfremdung, das Spiel mit der Medienrealität und den Zynismus des Systems messerscharf heraus. Die Musik von Daniel Pemberton schafft den Spagat zwischen zeitgenössischem Synthwave und orchestralen Verzerrungen - ein Soundtrack, der die Künstlichkeit der Show-Welt betont und doch nie den emotionalen Resonanzraum der Figuren aus den Augen verliert. 

Im Vergleich zum berüchtigten Schwarzenegger-Film von 1987 ist dies ein entscheidender Schritt hin zum Kern der Buchvorlage: Wright inszeniert keine bloße "Tötungsshow" für die Massen, sondern ein gnadenloses Sozialexperiment, das sowohl die Verrohung als auch die Sehnsucht nach Menschlichkeit unter der Oberfläche abbildet. Die Satire erinnert dabei an Filme von Paul Verhoeven, während der Umgang mit dem Publikum und dessen Sucht nach Gewalt und Spektakel der Romanvorlage näher ist als dem testosterongeladenen Action-Vehikel von damals. Wright gelingt es, die nervösen, überzeichneten und doch stets geerdeten Kamera- und Erzähltricks seiner "Cornetto-Trilogie" hier in den Dienst einer bitterbösen Dystopie zu stellen, die das Genre neu denkt und zugleich Hommage bleibt. "The Running Man" schlägt damit die Brücke zwischen literarischer Vorlage - mit deren pessimistischer Gesellschaftsdiagnose und psychologischer Tiefe - und dem Bedürfnis nach großem, emotionalem Kino, wie es in seiner Form selten gelingt. Das Ergebnis ist eine scharfgeschnittene, von energiereichem Schauspiel getragene, kluge Mischung aus Action, Gesellschaftskritik und Kino der alten Schule.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Paramount Pictures

Until Dawn (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt30955489/

Ein Jahr nach dem rätselhaften Verschwinden von Melanie (Maia Mitchell) kehren ihre Schwester Clover (Ella Rubin) und eine Gruppe von Freunden in das abgelegene Tal zurück, in dem Melanie zuletzt gesehen wurde. Die Suche nach Antworten führt sie zu einem verlassenen Besucherzentrum, doch ihre Erkundung wird bald zum Albtraum: Ein maskierter Killer taucht auf und beginnt, sie auf grausame Weise zu jagen und zu töten. Doch anstatt zu sterben, erwachen Clover und ihre Freunde immer wieder am selben Abend, gefangen in einer endlosen Zeitschleife. Jeder Neustart bringt neue Schrecken, denn der Killer wird mit jedem Durchlauf unberechenbarer und brutaler. Während die Gruppe verzweifelt versucht, einen Weg aus dem Tal zu finden, erkennen sie, dass ihre Wiederauferstehungen begrenzt sind – jeder Tod bringt sie dem endgültigen Ende näher. Ihre einzige Chance auf Überleben: den Mörder bis zum Morgengrauen zu überlisten und den Albtraum zu durchbrechen. Doch mit jeder Runde wird der Kampf um ihr Leben immer hoffnungsloser.

"Until Dawn" ist ein Horrorfilm, der wie ein Dialog zwischen Genretradition und psychologischem Kammerspiel funktioniert: Er beginnt als scheinbar konventioneller Teenie-Slasher und verwandelt sich Schritt für Schritt in eine Reflexion über Trauma, Schuld und die Frage, ob man seinen eigenen inneren Dämonen jemals entkommen kann. Was auf dem Papier wie eine riskante Mischung aus Zeitschleife, Wendigos und Mystery-Mythologie klingt, erweist sich im Film als erstaunlich stringente Konstruktion, die ihre Regeln ernst nimmt und das Publikum nicht mit bloßen Schockeffekten abspeisen will. Im Zentrum steht Clover, eine junge Frau, die nicht nur nach ihrer vermissten Schwester sucht, sondern nach einem Halt im eigenen, von Depressionen und Selbstzerstörung gezeichneten Leben. Dass sie und ihre Freunde in Glore Valley in einer Art "Albtraum-Experiment" landen _ gefangen in maximal dreizehn Nächten, in denen jeder Tod Spuren an Körper und Seele hinterlässt -, macht den Film weniger zu einer Geisterbahnfahrt als zu einer Spirale aus wiederholter Konfrontation mit dem, was die Figuren am meisten fürchten. Jede Wiederholung der Nacht ist weniger ein Neustart als ein weiteres Kapitel im Protokoll eines psychischen Zusammenbruchs.

Die Zeitschleifen-Struktur ist das ehrgeizigste Element von "Until Dawn", und sie ist zugleich das, was den Film über die üblichen Spieleverfilmungs-Reflexe hinaushebt. Anders als das Spiel, das seine Entscheidungen in klaren, verzweigten Pfaden organisiert, lässt der Film die Wege der Figuren bewusst ineinanderlaufen: Die Nacht wiederholt sich, aber nie exakt gleich, und so entsteht ein ständiger Wettlauf zwischen dem Lernprozess der Figuren und der Eskalation der Bedrohung. Die Begrenzung auf dreizehn Leben - eine Art morbides Kontingent - fungiert dabei wie eine sichtbare Uhr im Hintergrund, weniger Gimmick als moralischer Druck: Jeder Fehler wiegt schwerer, jede impulsive Entscheidung wird nicht nur mit Blut, sondern mit verringertem Handlungsspielraum bezahlt. Die Stärke des Films liegt darin, diese Mechanik nicht wie ein bloßes Videospielsystem zu bespielen, sondern sie als Metapher zu lesen: Wie oft kann man dieselben destruktiven Muster wiederholen, bevor man an ihnen zerbricht. Wenn die Gruppe irgendwann versucht, sich im Badezimmer zu verbarrikadieren und dann - ironisch und grausam - am vergifteten Wasser explodiert, wirkt das wie eine bittere Pointe auf den Wunsch nach Kontrolle in einer Welt, die sich permanent der Kontrolle entzieht.

Auf der rein erzählerischen Ebene arbeitet "Until Dawn" wie ein Mosaik aus klassischen Horrortropen: maskierter Killer, verlassene Besucherzentrale, sturmumtoste Nacht, unterirdische Tunnel, ein Sanatorium voller Geheimnisse. Doch der Film arrangiert diese Versatzstücke mit einer fast verspielten Konsequenz, bei der jeder Schauplatz eine andere Facette der Geschichte und der inneren Zustände der Figuren spiegelt. Die Wendigos, der Pickaxe-Mörder, die besessene alte Frau - sie sind weniger "Monstergalerie" als Manifestationen von Clovers Ängsten, wie der Film in der Konfrontation mit Dr. Hill explizit macht. In diesen Momenten erinnert "Until Dawn" eher an eine Horrorversion von Therapie: Hill, der Psychiater, der zum sadistischen Spielleiter geworden ist, seziert seine Versuchspersonen, bis sie nicht mehr wissen, ob sie gegen äußere Kreaturen kämpfen oder gegen das, was längst in ihnen lebt. Wenn Clover erkennt, dass die Monster nicht zufällig, sondern gezielt aus ihrem Innenleben gespeist werden, kippt der Film endgültig von der Monsterjagd in ein Duell zwischen Patientin und Therapeut - oder, genauer: zwischen einer Frau, die endlich Verantwortung für ihr Leben übernehmen muss, und einem Mann, der diese Verantwortung pervertiert hat.

Interessant ist, wie nüchtern "Until Dawn" das Motiv der mentalen Gesundheit in seinen Plot integriert. Clover hat eine Vorgeschichte von Depressionen und Suizidversuchen; ihre Reise nach Glore Valley ist offiziell eine Spurensuche, aber unterschwellig auch ein Test, ob sie überhaupt noch an einen Neuanfang glaubt. Die Zeitschleife wird dadurch lesbar als Wiederholungsschleife von Selbstsabotage und Schuldgefühlen - jede Nacht endet im Tod, jeder neue Abend beginnt mit der Frage: "Was habe ich diesmal falsch gemacht?". Dass Hill ehemalige Katastrophenopfer in Monster verwandelt und die Einwohner der Stadt zu Wendigos werden, übersetzt das Thema Trauma in Körperlichkeit: Wer lange genug unter unaufgearbeiteter Angst lebt, wird selbst zum Teil eines Systems der Gewalt. Der Film übertreibt diese Metapher, aber er nimmt sie ernst; gerade in den ruhigeren Szenen, wenn Clover vor Entscheidungen steht, ob sie jemandem vertraut oder jemanden opfert, bekommt man ein Gefühl für das emotionale Gewicht hinter all der Genre-Mechanik.

Formell arbeitet "Until Dawn" mit einer Mischung aus klassischer Suspense und fast schon makabrem Timing: Viele Tode sind einstudiert wie Punchlines, jede Wiederholung der Nacht verschiebt den Rhythmus ein wenig. Der Regie gelingt es, die Wiederkehr der gleichen Orte – das Besucherzentrum, die Hütte, das Sanatorium - visuell zu variieren, sodass der Film selten wirklich monoton wirkt, obwohl er seine eigene Geschichte immer wieder erzählt. Kameraführung und Schnitt betonen die räumliche Orientierung, was bei einer Handlung, die bewusst auf Wiederholung setzt, entscheidend ist: Die Zuschauer sollen sich auskennen, damit sie merken, wann sich etwas verschiebt. Der Score unterstreicht eher die melancholische Grundstimmung als den reinen Schock; das passt zu einem Film, in dem es zwar reichlich brutale Tode, aber fast noch mehr Momente der Resignation gibt. Wenn schließlich Tageslicht in die Tunnel und über Glore Valley bricht, wirkt das Ende weniger wie ein triumphaler Sieg als wie ein mühsam erkauftes Aufwachen - mit dem bitteren Nachgeschmack, dass Hills Plan vielleicht noch nicht wirklich vorbei ist.

Die Schwächen des Films liegen in einem Mittelteil, der sich manchmal in seinen eigenen Regeln verheddert und Figurenentscheidungen erzwingt, weil die Dramaturgie noch eine weitere Variante der Nacht abspielen möchte. Manche Nebenfiguren bleiben eher Funktionsträger im System als vollwertige Charaktere, was in einem Ensemble, das so stark auf Gruppendynamik setzt, gelegentlich auffällt. Doch "Until Dawn" gelingt etwas, das vielen Spieleverfilmungen und vielen Horrorfilmen verwehrt bleibt: Er hat eine Idee, die über das nächste Blutbad hinausreicht, und er verfolgt sie konsequent. Im Kern ist es die Geschichte einer jungen Frau, die gezwungen wird, ihre Ängste so oft anzusehen, bis sie beschließt, die Regeln des Spiels zu brechen. Dass der Film dafür Wendigos, Zeitschleifen und einen wahnsinnigen Psychiater braucht, ist nicht sein Problem, sondern seine Besonderheit.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts/Sony
Poster/Artwork: Screen Gems/PlayStation Productions/Mångata Production

Mittwoch, 26. November 2025

Fear PHarm 2 - Field Of Blood 2 - Field Of Blood 2: Farm der Angst (2021)

https://www.imdb.com/de/title/tt13197764/

Die Teenagerin Melanie (Tiana Tuttle) befindet sich immer noch in der Gewalt der grausamen Familie Walker, die abgelegen am Rande eines riesigen Maisfeldes haust. Diese plant, aus ihrer Haut und der  anderer junger Mitgefangener eine bahnbrechende Hautcreme mit heilender Wirkung zu entwickeln. Melanie und den anderen Gepeinigten gelingt schließlich die Flucht, doch im Labyrinth des riesigen Maisfeldes sind ihnen die Killer-Familie und ihre kettensägenschwingende Helfer schon auf den Fersen...

Man muss schon masochistisch veranlagt sein, um nach dem abgrundtief schlechten "Field Of Blood: Labyrinth des Schreckens" den zweitren Teil, "Field Of Blood 2: Farm der Angst", direkt anzuschließen - und das nur in der vagen Hoffnung, es könne ja eh nicht mehr schlechter werden. Doch die Fortsetzung fühlt sich an wie die XXL-Version eines schlechten Witzes, der im ersten Teil schon nicht funktioniert hat: etwas mehr Laufzeit, mehr Figuren, mehr Gerede - aber nicht mehr Spannung oder Grusel. Die Story dehnt den ohnehin dünnen Maislabyrinth-/Hautfarm-Plot zu einer wirren Rache-und-Flucht-Geschichte, die vor allem aus erklärenden Dialogen und ziellos aneinandergeklebten Szenen besteht. Die Schauspieler liefern erneut bestenfalls TV-Niveau, oft darunter: Overacting, ungewollte Komik und völlig künstliche Emotionen lassen jede potenzielle Bedrohung verpuffen. Handwerklich bleibt alles auf Billig-Niveau - flache Bilder, generischer Score, holpriger Schnitt -, und selbst die etwas umfangreicheren Gore-Effekte wirken wie verzweifelte Versuche, fehlende Atmosphäre mit Kunstblut zu übertünchen. "Field Of Blood 2: Farm der Angst" ist damit kein Befreiungsschlag, sondern eine aufgeblähte, noch ermüdendere Wiederholung, die zeigt, dass aus einer schlechten Idee auch beim zweiten Mal kein guter Film wird.

1,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts/Lighthouse Home Entertainment
Poster/Artwork: Make The Movie

Fear PHarm - Field Of Blood - Field Of Blood: Labyrinth des Schreckens (2020)

https://www.imdb.com/de/title/tt9191844/

Wendy (Emily Sweet) und ihre Freunde erwartet in diesem Jahr eine ganz und gar außergewöhnliche Halloween-Attraktion: Ein gigantisches Labyrinth mitten in einem Maisfeld. Der vermeintlich harmlos anmutende Horror-Spaß entpuppt sich jedoch schnell als blutiger Ernst. Denn eine Handvoll maskierter Killer macht in dem Irrgarten erbarmungslose Jagd auf die Teenager und tötet einem nach dem anderen. Der Grund dafür? Die DNA der Jugendlichen...

"Field Of Blood: Labyrinth des Schreckens" wirkt wie ein Horrorfilm, der schon im Drehbuchstadium hätte entsorgt werden müssen: eine lächerliche Maislabyrinth-Prämisse trifft auf konfusen DNA-Creme-Unsinn, der jeden letzten Rest von Spannung sabotiert. Die Schauspieler stolpern lustlos durch Klischee-Dialoge, spielen Angst ohne Überzeugung und wirken eher wie Statisten in einer billigen Halloween-Attraktion als wie Figuren in einem echten Film. Visuell sieht das Ganze nach Discount-Slasher aus - flache Bilder, holpriger Schnitt, kaum Atmosphäre - und selbst der vorhandene Gore verpufft, weil man weder mit den Figuren mitfiebert noch die Inszenierung irgendeinen Rhythmus findet. "Field Of Blood: Labyrinth des Schreckens" ist damit weniger gelungener Trash als schlicht ermüdender Ausschuss, den man ohne Verlust überspringen kann. Zum Glück läuft er nur etwas mehr als 70 Minuten.

2/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts/Lighthouse Home Entertainment
Poster/Artwork: Make The Movie

Dienstag, 25. November 2025

Sisu: Road To Revenge (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt31844586/

Aatami Korpie (Jorma Tommila) aka „Der Mann, der nicht sterben will“ kehrt an genau den Ort zurück, an dem seine Familie im Krieg grausam getötet wurde. Doch er ist nicht bereit dazu, dieses traumabehaftete Stück Land hinter sich zu lassen – ganz im Gegenteil. Er beginnt nämlich damit das verlassene Haus in seine Einzelteile zu zerlegen, um es dann an einem anderen, sicheren Ort neu zu errichten und damit die Erinnerung an seine Familie und das gemeinsame Heim zu bewahren. Doch der Kommandant der Roten Armee, Yeagor Draganov (Stephen Lang), verantwortlich für das Massaker an Aatamis Familie, taucht erneut auf – entschlossen, sein Werk zu vollenden und auch Aatami zu ermorden. Es beginnt eine unerbittliche Jagd durch das gesamte Land, die schließlich in einem gnadenlosen Kampf auf Leben und Tod gipfelt.

"Sisu: Road To Revenge" ist ein Werk, das sich der kompromisslosen Entfesselung von Action und filmischem Wahnsinn verschrieben hat. Regisseur Jalmari Helander gelingt es mit diesem zweiten Teil, die Qualitäten des Erstlings radikal fortzuführen, indem er die Geschichte weiterentwickelt und sich erneut dem archetypischen Helden widmet, der wortkarg und unzerstörbar das Bild eines modernen Mythos zeichnet. Die Handlung setzt nach den Ereignissen des ersten Films an: Aatami Korpi (Jorma Tommila), der menschgewordene Widerstand, kehrt in das Heim zurück, das ihm durch den Krieg und den grausamen Mord an seiner Familie genommen wurde. Er entschließt sich, das Haus abzubauen, es auf einen Truck zu laden und an einem sichereren Ort wieder neu zu errichten - ein zutiefst symbolisches Unterfangen, das stille Trauer und unbeugsamen Willen vereint. Die Antagonisten, ein russischer General (Richard Brake) und der skrupellose Red-Army-Offizier Draganov (Stephen Lang), stellen klassische Kontrahenten dar, die im zweiten Teil noch bedrohlicher, aber auch zum Teil karikaturhaft gezeichnet sind. Die Chemie zwischen Tommila und Lang verleiht dem finalen Showdown eine bitterböse Würze; besonders Langs Monologe hallen emotional nach.

Die übertriebene, comichafte Action ist erneut das Lebenselixier dieses Films. Was Helander zeigt, ist eine orchestrierte Abfolge von Setpieces, die nie nach repetitivem Effekt suchen, sondern stetig eskalieren: Von brutalen Faustkämpfen, spektakulären Motorrad-Stunts bis hin zu einer irrwitzigen Sequenz, in der Korpi sein Gefährt als Waffe gegen ein Flugzeug verwendet - die Logik bleibt oft auf der Strecke, der Spaß aber nie. Helanders Arbeit mit Kameramann Mika Orasmaa verleiht den Szenen tempo- und bildgewaltige Energie, die an die cartoonhafte Übertreibung der Looney Tunes oder an die Slapstick-Genauigkeit eines Buster Keaton erinnert. Jede Tötung ist so clever inszeniert, dass sie mehr Teil einer Choreographie als bloße Brutalität ist. Doch der Film funktioniert nicht nur auf der Ebene der Zerstörung; er bewahrt sich einen unerwartet starken emotionalen Kern. Aatami Korpi ist kein roboterhafter Racheengel, sondern eine gebrochene, würdige Figur. Sein Schweigen ist Teil seines Seins, sein Blick spricht von Trauer und Schuld, und die Zuschauer bleiben mit ihm in Verbundenheit, weil er menschlich wirkt - trotz all seiner übermenschlichen Aktionen. Tommila schafft es, Leid, Zorn und Hoffnung allein mit Mimik und Gestik zu transportieren.

Im direkten Vergleich mit dem Vorgänger gelingt "Sisu: Road To Revenge" das Kunststück, keine bloße Kopie zu sein: Der Film baut auf das Fundament des Originals, erweitert Tempo, Kreativität und Humor und bietet eine neue Dynamik mit der Verschiebung der Handlung auf eine mobile, fast schon postapokalyptische Landschaft. Während der erste Teil seine Spannung aus minimalistischer Reduktion bezog, setzt Teil zwei auf ausufernde Action und steigert die Skurrilität deutlich. Die Gegner sind komplexer, der Einsatz emotionaler und die Kills kreativer gebaut. Und obwohl man weiß, worauf das unweigerlich hinauslaufen wird (und damit auch etwas Spannung flöten geht), ist "Sisu: Road To Revenge" eine Eskalationsspirale aus Gewalt, Witz und Verzweiflung - ein ebenso emotionaler wie anarchischer Ritt. Die Action ist unvergleichlich, die Inszenierung verspielt und die Figuren trotz aller Überzeichnung tiefgründig. Helander zeigt, dass Genre-Kino mehr sein kann als billige Effekthascherei: Es kann den Zuschauer auf eine Reise mitnehmen, bei der das Ziel bekannt ist, aber der Weg voller Überraschungen steckt. Wer den Vorgänger mochte, findet hier ein innovatives, selbstbewusstes Upgrade. Die größte Gefahr: Kann dieses Level im dritten Teil noch getoppt werden?

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts/Sony
Poster/Artwork: Sony

Montag, 24. November 2025

Nobody 2 (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt28996126/

Nach einem verhängnisvollen Vorfall mit der russischen Mafia vor vier Jahren hat Hutch noch immer eine Schuldenlast von 30 Millionen Dollar, die er mit einer Reihe gefährlicher Aufträge gegen internationale Gangster abbaut. Trotz des Nervenkitzels, den seine „Arbeit“ mit sich bringt, kämpfen er und seine Frau Becca (Connie Nielsen) mit der Belastung ihres Lebensstils und entfremden sich zunehmend. Um Abstand zu gewinnen, beschließen sie, zusammen mit ihren Kindern (Gage Munroe, Paisley Cadorath) einen Kurzurlaub im Wild Bill's Majestic Midway and Waterpark zu verbringen – dem einzigen Ort, an dem Hutch und sein Bruder Harry (RZA) als Kinder Ferien gemacht haben. Mit Hutchs Vater (Christopher Lloyd) an ihrer Seite erreicht die Familie die kleine Stadt Plummerville, voller Hoffnung auf Entspannung und gemeinsame Zeit. Doch als eine scheinbar harmlose Auseinandersetzung mit einigen Einheimischen sie in Konflikt mit einem korrupten Freizeitparkbesitzer (John Ortiz) und seinem zwielichtigen Sheriff (Colin Hanks) bringt, gerät Hutch unversehens in den Fokus einer gefährlichen Verbrecherbossin (Sharon Stone). 

"Nobody 2" ist eine solide bis gute Fortsetzung, die sich dem Rezept des Vorgängers verschreibt und dabei genau das liefert, was Fans erwarten: kompromisslose, kreative Action und einen erneut starken Bob Odenkirk als Hutch Mansell. Regisseur Timo Tjahjanto setzt weniger auf Innovation als auf die Weiterentwicklung der bekannten Formel: Die Handlung bleibt zweckdienlich und simpel, das Tempo hoch, und die Gewalt ist häufig grotesk und stets überzeichnet. Erneut steht der ganz normale Familienvater im Zentrum, der in absurden Situationen immer wieder zur brachialen Killermaschine mutiert. Der Film packt seine Action oft in originelle Settings wie eine Spielhalle oder einen Wasserpark, was für einige auffallende "Aua-Momente" sorgt.

Die Stärken liegen klar in der Choreografie der Kämpfe und im lakonischen Humor, den Odenkirk perfekt dosiert einstreut; Schwächen zeigt "Nobody 2" hingegen in der Charakterentwicklung, die leider kaum über das bekannte Flachbild hinausreicht. Wo "Nobody" den Überraschungseffekt des "Everyman als Actionheld" ausspielte und Genregrößen wie "John Wick" ironisch zitierte, bleibt die Fortsetzung im eigenen Fahrwasser und verzichtet auf echte Tiefe. Der Film startet zwar recht hektisch und die Kamera wirkt anfangs unübersichtlich, berappelt sich aber und liefert später saubere, dichte Bilder. Die Musik und das Sounddesign sind funktional und unterstützen die Action, ohne außergewöhnlich hervorzustechen. Im Vergleich zum ersten Teil fehlt dem Sequel der frische Überraschungsmoment, und die Story ist fast schon selbstreferenziell konstruiert, um möglichst viel Handlung in möglichst viel Action zu verpacken. Trotzdem bleibt "Nobody 2" sehenswert - nicht zuletzt, weil Odenkirk, der Cast und das kreative Team mit sichtbarer Freude am Genre ans Werk gehen. Für alle, die sich am Mix aus blutiger Komik, absurden Einfällen und handfester Action begeistern können, bietet der Film genug Unterhaltungswert, um als okay durchzugehen.

6,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Universal Pictures

Donnerstag, 20. November 2025

The Circle (2017)

https://www.imdb.com/de/title/tt4287320/

Als Mae Holland (Emma Watson) durch die Vermittlung ihrer Freundin Annie (Karen Gillan) einen Job bei dem weltweit dominierenden Internet-Unternehmen „Circle“ bekommt, ist sie überglücklich. Für sie ist es eine einmalige Gelegenheit. Das Ziel der Firma: sämtliche Aktivitäten der User verknüpfen und in einer Online-Identität vereinen. Mit immer neuen technologischen Fortschritten soll eine Welt der völligen Transparenz geschaffen werden. Mae ist begeistert von den Visionen des charismatischen Firmengründers Eamon Bailey (Tom Hanks) und kann Bedenken, wie die ihres Ex-Freundes Mercer (Ellar Coltrane), nicht verstehen. Das Firmengelände, wo die Mitarbeiter rundum versorgt werden, und ihre Arbeit werden nach und nach zu Maes Lebensmittelpunkt. Nur der mysteriöse Ty (John Boyega) bringt sie zum Stutzen. Er behauptet, auch ein Mitarbeiter zu sein, doch Mae kann ihn im Computer, der zu jeder Zeit anzeigt, wo sich die Mitarbeiter gerade befinden, nicht finden. Trotzdem kennt Ty auf dem Gelände Türen und Gänge, die nirgends verzeichnet sind. Und er versucht, Mae zu warnen...

Der von James Ponsoldt inszenierte und auf dem Bestseller von Dave Eggers basierende "The Circle" zeichnet einen beunruhigenden Blick auf die (damalige, der Film ist von 2017) digitale Gegenwart und zukünftige Gesellschaftsentwürfe. Mit Emma Watson und Tom Hanks prominent besetzt, gleitet der Film stilistisch zwischen Paranoia-Thriller und Silicon-Valley-Satire, schafft es aber trotz hochaktueller Thematik nicht ganz, seinem eigenen Anspruch als wegweisender Politthriller gerecht zu werden. Emma Watson überzeugt als (etwas naive) Mae Holland, die aus einfachen Verhältnissen stammt und bald zum Aushängeschild des mächtigen, allgegenwärtigen und titelgebenden Tech-Konzerns "The Circle" wird. Tom Hanks verkörpert CEO Eamon Bailey mit charismatischer Energie, irgendwo zwischen Steve Jobs und modernem Messias - stets freundlich, aber latent bedrohlich. Patton Oswalt als Tom Stenton bildet den manipulativen Gegenpart, während Karen Gillan als Annie und John Boyega als Ty ihrerseits Akzente setzen. Die Schauspieler treffen die Figurentypen moderner Technokraten durchaus, doch bleiben sie, wie auch ihre Charaktere, oft zu schablonenhaft und eindimensional, um echte Empathie oder Abgründe zu entfalten.

"The Circle" entfaltet seinen größten Reiz, wenn er die Überwachungsgesellschaft als logische Konsequenz digitaler Vernetzung weiterdenkt: Politische Transparenz wird zur Forderung, freie Wahlen drohen, in ein Kontrollinstrument zu kippen, Demokratie und Privatsphäre geraten zunehmend unter Druck. Die Kampagne, sämtliche Bürger digital zu erfassen und abstimmen zu lassen, wirkt vor dem Hintergrund echter Debatten um Wahlmanipulation und Social-Media-Einfluss heute - im Jahr 2025 - fast prophetisch. Der Film bleibt dabei jedoch in erster Linie Mahnung und Thesenstück, statt tiefere Ambivalenz zu gestalten: Die politischen Ideen werden plakativ inszeniert, echte Argumente wie Fürsorge, Bürgerrechte oder kollektive Verantwortung tauchen vage, aber nicht kompromisslos auf. Wenngleich die Prämisse auf einen starken Politthriller hoffen lässt - Kontrollverlust, Enthüllung, Opferung von Unschuldigen - fehlt es dem Film an einer echten Spannungskurve und psychologischer Tiefe. Die Inszenierung schafft zwar Momente subtiler Paranoia, etwa wenn Mikro-Kameras zur permanenten Überwachung genutzt werden, doch der dramaturgische Fluss bleibt fragmentarisch, manche narrative Fäden werden unaufgelöst liegen gelassen. Was klassischen Politthrillern ihre Qualität verleiht - scharfe Dialoge, überraschende Wendungen, widerstreitende Moral - bleibt hier eher Behauptung als filmische Realität.

Damit avanciert "The Circle" zu einem einerseits unterhaltsamen, andererseits manchmal erschreckend realistischer Film mit prominenter Besetzung, der sein Potenzial als gesellschaftskritischer Politthriller jedoch nur ansatzweise nutzt. Seine Kritik an digitalem Totalitarismus erscheint klug und relevant, aber auch zu didaktisch und mit zu wenigen echten Kanten inszeniert. Fans gesellschaftlicher Gegenwartsdiagnosen oder dystopischer Literatur dürften dennoch auf ihre Kosten kommen.

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Europacorp

Dienstag, 18. November 2025

The Silent Hour (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt22874848/

Frank Shaw (Joel Kinnaman) arbeitet als Detective für die Polizei der US-Großstadt Boston. Da wird er eines Tages bei einer rasanten Verfolgungsjagd von einem Auto angefahren. Frank trägt eine Kopfverletzung davon und verliert nahezu sein gesamtes Hörvermögen. Als er nach einem halben Jahr Rekonvaleszenz endlich in den Dienst zurückkehrt, wird er – sehr zu seinem Ärger – nur noch zum Schreibtischdienst eingeteilt. Dann kommt allerdings sein früherer Partner Doug (Mark Strong) und bittet ihn, beim Verhör der taubstummen Zeugin Ava Lopez (Sandra Mae Frank) als Gebärden-Dolmetscher zu helfen. Bei der Befragung vergisst Frank sein Smartphone in Avas Apartment und kehrt deshalb kurze Zeit später noch einmal dorthin zurück. So kann er gerade noch einen Mordanschlag auf die junge Frau vereiteln. Zu zweit müssen sie nun irgendwie aus dem riesigen Haus herausfinden. Haben die Killer doch bereits Verstärkung alarmiert und sind plötzlich überall.

"The Silent Hour" ist ein solide inszenierter Actionthriller, der gerade noch den Sprung ins "okay/gut"-Segment schafft, ohne sich jedoch deutlich vom Genre-Mittelfeld abzuheben. Die Geschichte von Detective Shaw (Joel Kinnaman), der nach einem Unfall einen Großteil seines Gehörs verliert, punktet mit einem ungewöhnlichen Setting - die Zusammenarbeit mit einer tauben Zeugin in einem vom Gangsterteam versiegelten und verwinkelten Apartmentkomplex erzeugt eine klaustrophobische Spannung, wie sie etwa "Stirb langsam" oder "Wait Until Dark" vorgeben und in Ansätzen besser ausspielen.

Während die Besetzung (insbesondere Sandra Mae Frank als Ava) überzeugende Leistungen zeigt und der Film sich teilweise um echte, glaubhafte Figuren bemüht, leidet "The Silent Hour" unter einer oft vorhersehbaren Handlung und einigen genretypischen Logikschwächen. Die Kameraarbeit hält die Action eng und direkt, verpasst es aber, das räumliche Potenzial voll auszuschöpfen. Das Sounddesign, das die Einschränkungen der Protagonisten betont, hebt sich positiv hervor, bleibt jedoch selten innovativ über das Erwartbare hinaus. Im Vergleich zu eleganteren Werken wie "John Wick" oder handwerklich dichten Thrillern von Brad Anderson selbst (z.B. "The Machinist", "The Call") wirkt die Inszenierung hier konventioneller, die Action oft routiniert statt nervenaufreibend.

Unterm Strich bietet "The Silent Hour" genug Spannung und Schauspiel, um für Genre-Fans sehenswert zu bleiben, ohne wirklich herauszuragen. Ein netter Genrebeitrag, der sein Potenzial verschenkt - mittelmäßig, aber nicht völlig enttäuschend.

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts/Leonine
Poster/Artwork: Valletta Pictures/AGC Studios/Meridian Pictures

Silent Night - Silent Night: Stumme Rache (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt15799866/

Eine Schießerei zwischen zwei verfeindeten Gangs endet an Heiligabend tragischerweise tödlich für einen gänzlich Unbeteiligten: den Sohn von Brian Godlock (Joel Kinnaman). Godlock fackelt nicht lange und macht sich kurzerhand selbst auf die Suche nach den Tätern. Dabei ist er zwar erfolgreich, muss jedoch einen hohen Preis zahlen: Als er bis zum Boss der Gang Playa (Harold Torres) vordringt und diesen zur Rechenschaft ziehen will, wird er so schwer verletzt, dass er um sein Leben fürchten muss. Doch er kann dem Tod schließlich noch einmal von der Schippe springen. Die Folgen sind jedoch schwerwiegend. Nicht nur kann er plötzlich nicht mehr sprechen, auch sein Lebenswille ist verflogen. Darunter extrem zu leiden hat Godlocks Frau Saya (Catalina Sandino Moreno). Denn die trauert eigentlich noch um ihren Sohn. Darüber zerbricht die Beziehung und sie zieht aus. Bei Godlock setzt dieser Einschnitt viel in Gang – vor allem sein Sinnen nach Rache...

John Woos Rückkehr nach Hollywood ist eine herbe Enttäuschung - und ein mehr als trauriges Zerrbild der Klasse früherer Werke wie "Hard Boiled" oder "Face/Off". Der Versuch, mit einem komplett dialogfreien Actionfilm innovativ zu sein, wirkt mehr wie eine Notlösung als ein künstlerischer Geniestreich. Wo Filme wie "John Wick" das Actiongenre mit origineller Choreografie und stilvollem Weltenbau beleben, gerät "Silent Night" zur bloßen Vorlage: Die Geschichte des rachsüchtigen Vaters (Joel Kinnaman) ist derart vorhersehbar, dass jede Wendung schon Minuten vorher spürbar ist, und selbst Marco Beltramis opernhafte Musik kann die Leere nicht überdecken - zu oft driftet die Melodramatik ins Kitschige ab, ohne echten Nachhall zu erzeugen.

Woo recycelt zudem seine eigenen Markenzeichen bis zur Parodie: Zeitlupen, düstere Close-ups, kraftlose Gewaltballette. Statt die Körperlichkeit pur spürbar zu machen, wie einst bei "A Better Tomorrow", regiert hier Austauschbarkeit. Einige bildschöne Totalen erinnern zwar an die große Kunst des alten John Woo, doch fehlt jeder Sinn für Rhythmus - im Gegensatz zu "John Wick", der immer noch das Maß ist, an dem sich ähnlich gelagerte Actionfilme seit 2014 messen lassen müssen, fehlt die Eleganz, die kinetische Energie, das Wuchtige, das nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Dialoglose Szenen treiben die Immersion nicht an, sondern erzeugen gepflegte Langeweile; die vermeintliche Stille wird zur Leerstelle. Schlussendlich bleibt "Silent Night" ein blasses Echo vergangener Meisterschaft: ein Film, der trotz aller Ambition im Mittelmaß stecken bleibt und als Fußnote im Oeuvre eines großen Regisseurs enden dürfte.

4,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts/Leonine
Poster/Artwork: Capstone Global/Thunder Road Pictures/Capstone Studios

Samstag, 15. November 2025

No Entres - Do Not Enter (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt27155283/

Die paraguayischen Brüder Cristian (Pablo Martinez) und Aldo (Lucas Caballero) haben einen YouTube-Kanal und träumen davon, mit diesem groß rauszukommen. Sieben Tage die Woche streamen sie 24 Stunden lang ihren Alltag in den Äther hinaus. Da dieser aber eher unspektakulär ist, halten sich die Klickzahlen für ihre Übertragungen in arg übersichtlichen Grenzen. Als sie bei einem Ausflug in den Regenwald allerdings auf ein verlassenes Herrenhaus stoßen, landen sie plötzlich einen viralen Hit. Das einst offenbar glamouröse, nun aber eher schaurig und heruntergekommen ausschauende, mitten im Nirgendwo stehende Gebäude fesselt die Zuschauer und bringt Cristian und Aldo eine ungeahnt hohe Menge an neuen Abonnenten. Natürlich hat das Duo dadurch Blut geleckt. Deshalb beschließen die zwei in der Nacht zu dem unheimlichen Kasten zurückzukehren. Und dieses Mal gehen sie – trotz der Warn- und Verbotsschilder überall – auch rein. Kaum haben sie sich Zutritt verschafft, müssen die Jungs allerdings feststellen, dass etwas übernatürlich Böses die Villa beherrscht …

"Do Not Enter" ist ein mittelmäßiger Found-Footage-Horrorfilm aus Paraguay, der zwei YouTuber beim Versuch begleitet, mit einem nächtlichen Ausflug in ein verlassenes Spukhaus Internetruhm zu erlangen. Die Story beginnt spannend und nutzt das Setting effektiv, doch verliert sich schnell in genretypischen Klischees wie vorhersehbaren Jumpscares und lauten Effekten, die echte Spannung vermissen lassen. Zwar ist die Atmosphäre stellenweise dicht und die Kameraarbeit für das kleine Budget überzeugend, aber die Hauptfiguren bleiben unsympathisch und ihre Entscheidungen wirken oft unlogisch, was die Identifikation erschwert. Die technische Umsetzung ist solide, das Finale bietet jedoch wenig Aufklärung und die narrative Struktur leidet unter mangelnder Kohärenz. Trotz einzelner gelungener Momente entsteht so insgesamt ein konventioneller Horrorbeitrag, der zwar unterhält, aber weder echten Nervenkitzel noch originelles Genre-Kino liefert.

5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: FilmSharks International/HJ Producciones/Urbanachievers Producciones

Freitag, 14. November 2025

Flight Risk (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt10078772/

Ein Pilot (Mark Wahlberg) soll Air Marshal Harris (Michelle Dockery) transportieren, die den flüchtigen Verbrecher Winston (Topher Grace) zu einem Prozess in New York begleitet, wo der gegen die Mafia aussagen soll. Während sie die Wildnis Alaskas überfliegen, wachsen jedoch die Spannungen zwischen den dreien und das gegenseitige Vertrauen wird auf eine harte Probe gestellt, da nicht jeder an Bord der ist, der er vorgibt zu sein. Denn der vermeintliche Pilot entpuppt sich schon bald psychopathischer Mafia-Killer, der die Agentin und den Zeugen zu ermorden versucht. Es ist der Beginn eines hitzigen Kampfes auf beengtem Raum in gefährlich luftiger Höhe...

"Flight Risk" ist ein mittelmäßiger Thriller von Mel Gibson, der trotz seines vielversprechenden Setups - ein Katz-und-Maus-Spiel über den Wolken mit Mark Wahlberg als zwielichtigem Piloten, Michelle Dockery als taffer Marshal und Topher Grace als nervösem Kronzeugen - nie sein volles Potential ausschöpft. Das Kammerspiel im engen Flugzeug schafft es zwar zeitweise, Spannung aus der Enge und Paranoia zu ziehen, doch die zahlreichen Twists bleiben vorhersehbar, die Charaktere wirken oft schablonenhaft, und die psychologische Dynamik kratzt nur an der Oberfläche. Visuell wird die atemberaubende alaskanische Kulisse zu wenig genutzt, der Fokus liegt stattdessen auf der klaustrophobischen Kabine, was auf Dauer eher repetitiv wirkt als nervenaufreibend. Mark Wahlberg liefert als Schurke solide ab, aber ansonsten bleiben die Figuren und Dialoge blass, und die Handlung verliert sich in platten Subplots. Flight Risk ist unterhaltsam genug für einen kurzweiligen Abend, bleibt aber ein konventioneller Genrebeitrag mit verschenkten Chancen und wenig Nachhall - ein Film, der weder wirklich begeistert noch enttäuscht, sondern irgendwo im luftleeren Raum zwischen Spannung und Mittelmaß schwebt.

5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Lionsgate/Media Capital Technologies/Hammerstone Studios

Dienstag, 11. November 2025

Futurama, Season 10 (2025)

https://www.imdb.com/title/tt0149460/

Die zehnte Staffel beinhaltet Episoden über weltweite Kuriositäten wie Menschen, die in den Himmel schweben ("Wicked Human"), einen verzweifelten Versuch, den Klimawandel durch die Entzündung eines Vulkans aufzuhalten ("The World Is Hot Enough"), Benders Verwandlung in Giganten ("Destroy Tall Monsters") und Frys Umgang mit der Tatsache, dass Leelas Seelenverwandter nicht er selbst ist ("Fifty Shades Of Green"). Weitere Handlungsstränge drehen sich um die Erkundung einer Zahlenwelt, Benders Besuch eines Camps für Bildschirmabhängige, eine Verschwörungstheorie gegen eine Pizzeria und die Crew, die mit Zoidbergs neuen Nachbarn zu kämpfen hat...

https://www.imdb.com/de/title/tt29730673/
10.1 Zerstöre große Monster (Destroy Tall Monsters)
Nachdem Bender von Barbot, einem weiblichen Roboterstar, wegen seiner geringen Größe abgewiesen wurde, fühlt er sich unsicher und nimmt Pillen, die ihn größer machen. Barbot ist von Benders neuer Größe begeistert, verliebt sich aber bald in noch größere Wesen, woraufhin Bender noch mehr Pillen nimmt, bis er zu einem randalierenden Riesen wird. Die Planet-Express-Crew muss den Riesen-Bender daran hindern, die Stadt zu verwüsten. - 7/10

https://www.imdb.com/de/title/tt29730677/
10.2 Die Welt ist heiß genug (The World Is Hot Enough)
Nachdem Professor Farnsworth Messungen in der Arktis durchgeführt hat, stellt er fest, dass die globale Erwärmung den Planeten in rasantem Tempo zerstört. Er präsentiert seine Daten auf einer Umweltkonferenz, und nach anfänglichem Widerstand werden seine Ergebnisse schließlich akzeptiert. Daraus resultiert ein Plan zur Verhinderung einer Katastrophe: Durch einen Vulkanausbruch am Vesuv soll die Sonneneinstrahlung auf die Erde gestoppt und die weitere Erwärmung verhindert werden. Unterdessen adoptiert Fry zwei vermeintlich verwaiste Eisbärenjunge. - 7/10

https://www.imdb.com/de/title/tt29730687/
10.3 Pflanzenliebe (Fifty Shades Of Green)
Fry veranstaltet eine Silvesterfeier, um Leela seine Liebe zu beweisen. Dabei tötet er jedoch Leelas Zimmerpflanze, was ihre Beziehung belastet. Um herauszufinden, ob die beiden füreinander bestimmt sind, besorgt sich die Crew ein verbotenes Gerät, das jedem seinen Seelenverwandten anzeigt. Während das Gerät bestätigt, dass Leelas Seelenverwandte Fry ist, behauptet es gleichzeitig, dass Leelas Seelenverwandte ein Botaniker im Central Park ist, den Fry daraufhin zur Rede stellt. - 7/10

https://www.imdb.com/de/title/tt29730707/
10.4 Der Numberland Gap (The Numberland Gap)
Benders Antenne empfängt eine mysteriöse Radiosendung eines Zahlensenders. Fry entdeckt derweil seine Leidenschaft fürs Malen nach Zahlen. Amy vermutet einen Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen und wandelt die gesendeten Zahlen in ein Malen-nach-Zahlen-Bild um. Dieses entpuppt sich als Schaltplan für eine Maschine, die ein Portal in die Welt der Zahlen öffnet. Nach der Erkundung dieser neuen Welt beschließt Professor Farnsworth zu bleiben und trifft bald auf den inhaftierten Georg Cantor, der die Nachricht gesendet hatte. Die beiden müssen Mathematik anwenden, um aus der Zahlenwelt zu entkommen. Unterdessen werden in der realen Welt Frys Gemälde bei einem Kunstwettbewerb eingereicht. - 8/10

https://www.imdb.com/de/title/tt29730739/
10.5 Schirmverbot (Scared Screenless)
Da sie genug von der Handysucht der Jungen haben, schicken der Professor, Hermes und Kif Cubert, Dwight, Axl und Bender in ein von Zapp geleitetes „bildschirmfreies“ Camp. Während ihre Kinder weg sind, verbringen die Jungs einen Männerabend und die Mädchen trinken sich in einer Bar einen an. Im Camp haben die Jungen Schwierigkeiten, ohne ihre Geräte auszukommen, und nachdem Zapp eingeschlafen ist, bekommen sie sie zurück - mit Bender als WLAN-Empfänger. Der Planet entpuppt sich als von anarcho-primitivistischen Hippies bewohnt, die die Jungen für das Verschwinden der Sonne während einer Sonnenfinsternis verantwortlich machen. Die Hippies greifen die Jungen mit primitiven Waffen an, und die Jungen müssen einen Weg finden, ihre Eltern um Hilfe zu bitten. - 7/10

https://www.imdb.com/de/title/tt29730783/
10.6 Himmelfahrt (Wicked Human)
Als Menschen in den Himmel aufsteigen, bestreitet Professor Farnsworth, dass es sich um die Entrückung handeln könnte, und sucht nach einer wissenschaftlichen Erklärung. Dabei gründet er ungewollt seinen eigenen wissenschaftlich orientierten Kult. Nachdem die Bevölkerung von Neu-New York schrumpft und all seine Versuche, eine wissenschaftliche Erklärung zu finden, scheitern, gerät er in eine Glaubenskrise und bekennt sich schließlich zum Glauben an eine höhere Macht. Schließlich steigt auch er in den Himmel auf, wo er die wahre Ursache der Aufstiege aufdeckt. - 7/10

https://www.imdb.com/de/title/tt29730811/
10.7 Der Salami-Keller (Murderoni)
In einer Parodie auf die Pizzagate-Verschwörungstheorie werden die Besitzer einer Pizzeria Opfer einer Verschwörungstheorie, die sie beschuldigt, ihre Peperoni aus menschlichen Babys im Keller ihres Restaurants herzustellen. Um die Unschuld der Restaurantbesitzer zu beweisen, begeben sich Hermes und sein Sohn tief in die labyrinthischen Archive der Zentralbürokratie, um alte Baupläne zu finden, die beweisen, dass das Restaurant keinen Keller hat. - 7/10

https://www.imdb.com/de/title/tt29730822/
10.8 Der Mutanten-Krabben-Sohn (Crab Splatter)
Ein Meteorit von Zoidbergs Heimatplaneten zerstört das Haus von Amys und Kifs Nachbarn, und diese ziehen in Zoidbergs Müllcontainer. Zoidberg ist gezwungen, bei Leelas Eltern in der Kanalisation unterzukommen, die ihn schnell ins Herz schließen und ihn schließlich adoptieren. Leela ist angewidert von Zoidberg als Stiefbruder, bis eine seltene Krankheit eine ungewöhnliche Verbindung zwischen den beiden entstehen lässt. - 8/10

https://www.imdb.com/de/title/tt29730836/
10.9 Trouble mit Trüffeln (The Trouble with Truffles)
Als Fry seine Restaurantrechnung wegen der horrenden Trüffelpreise nicht bezahlen kann, übernimmt die Robotermafia die Kosten - im Gegenzug für einen Gefallen. Nachdem Bender von den hohen Preisen erfahren hat, versucht er, mithilfe eines sprechenden Trüffelschweins im Trüffel-Asteroidengürtel reich zu werden. Als Bender erkennt, dass er gegen die anderen professionellen Trüffelsucher keine Chance hat, nimmt er einen tödlichen Trüffel-Asteroiden ins Visier, von dem noch nie ein Trüffelsucher zurückgekehrt ist. - 7,5/10

https://www.imdb.com/de/title/tt29730852/
10.10 Das Weiße Loch (The White Hole)
Über Neu-New York erscheint ein Weißes Loch und lädt eine Crew ein, die Entstehung eines neuen Universums mitzuerleben. Aufgrund der Zeitdilatation dauert die Reise ins Weiße Loch relativistisch betrachtet 10 Millionen Jahre. Die Planet-Express-Crew wird für diese Reise ausgewählt und kryogenisch eingefroren, um ihr schnelles Altern zu verhindern. Kurzlebige Klone der Crew werden bei Bedarf per 3D-Druck hergestellt, um die routinemäßige Wartung des Raumschiffs durchzuführen. Als sich die 10 Millionen Jahre dauernde Reise dem Ende zuneigt, rebellieren die Klone, als sie ihren letzten Auftrag erhalten: die echte Crew aufzutauen. - 8,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox

Samstag, 8. November 2025

Frankenstein (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt1312221/

Die Arktisexpedition rund um Captain Anderson (Lars Mikkelsen) kommt in der lebensfeindlichen Natur des Nordpols einfach nicht weiter – und dann läuft ihnen auch noch ein schwerverletzter Mann in die Arme. Dieser Mann ist Dr. Victor Frankenstein (Oscar Isaac), dem ein ein regelrechtes Monster dicht auf den Fersen ist. Dieses Monster, diese menschenähnliche Kreatur (Jacob Elordi) muss jedoch nach gemeinsamer Gegenwehr von Frankenstein und Andersons Truppe erst mal den Rückzug antreten. Diese unverhoffte Atempause nutzt der Doktor dafür, dem Captain die ganze Misere zu erklären: Der Tod seiner Mutter (Mia Goth) bei der Geburt seines Bruders William (Felix Kammerer) hat ihn gehörig aus der Bahn geworfen und dazu geführt, dass er gewissermaßen dem Tod den Kampf angesagt hat. Fortan setzte er nämlich alles daran, künstliches Leben zu schaffen. Möglich machte das sein wohlhabender Gönner Harlander (Christoph Waltz). Doch das Ergebnis lief aus dem Ruder und trachtet Frankenstein nun nach dem Leben...

Guillermo del Toro erfüllt sich einen Lebenstraum und präsentiert mit einer Neuauflage von "Frankenstein" nicht nur eine weitere Adaption des Stoffes, sondern ein zutiefst persönliches, künstlerisch bedeutendes Werk. Wer nun glaubt, den Mythos von Victor Frankenstein, dem ruhelosen Forscher, und seinem verstoßenen Geschöpf bereits zu kennen, wird hier eines Besseren belehrt. Del Toro gelingt nämlich das vermeintlich Unmögliche: Er verleiht einer altbekannten Geschichte neue emotionale und visuelle Kraft, ohne sich in nur nostalgischer Verbeugung zu verlieren. DelToro begeht dabei den (durchaus fragwürdigen) Kniff, gewisse Dinge und Wissen beim Zuschauer vorauszusetzen, wie etwa die Tatsache, dass Frankenstein eben die Dinge tut, die er tut und das eben auch kann. Nichts wird übererklärt, die Figuren werden als bekannt vorausgesetzt. Kleine Änderungen am Script und das Variieren von Begebenheiten (wie etwa, dass Elizabeth nicht Victors Geliebte ist, sondern die seines Bruders) setzen einen anderen Fokus. So kommt es, dass Elizabeth Victor nicht mehr hemmungslos verfallen sein muss, sondern ihm, als Schwägerin in spe, durchaus kritischen Konter zu seinen Vorhaben gibt. Sicher, "Mary Shelley's Frankenstein" gab den Figuren mehr Tiefe und Hintergrund und ist aus dieser Sicht heraus die bessere, weil tiefgründigere Version. Doch diese Adaption fühlt sich im direkten Vergleich frischer an, zeitgemäßer und aktueller.


Allein das Ensemble ist grandios. Oscar Isaac als Victor Frankenstein überzeugt in jeder Szene: Sein Spiel oszilliert zwischen arrogantem Genie und existenzieller Verzweiflung, ohne jemals in den albernen Wahnsinn anderer Darsteller abzurutschen. Jacob Elordi als Kreatur brilliert mit einer Leistung voller Zärtlichkeit, Schmerz und Verletzlichkeit; er schenkt dem Monster eine Tiefe, die an Boris Karloff in der Universal-Adaption erinnert und Kenneth Branaghs Creature in "Mary Shelley’s Frankenstein" weit übertrifft. Seine physischen Veränderungen spiegeln sowohl Horror als auch Mitgefühl wider - und erschüttern auf stille Weise. Mia Goth, Felix Kammerer und Christoph Waltz komplettieren das einschlägige Figurenensemble. Waltz spielt den Erfinder Harlander mit subtiler Abgründigkeit, Goth als Elizabeth trifft den Kern des viktorianischen Morbiden. Diese Nebenfiguren und ihre Schicksale geben Del Toros Interpretation zusätzliche Tiefe, wobei gerade der Kontrast zwischen der Schönheit und Grausamkeit der Welt die Handlung trägt.


Visuell ist der Film (erwartungsgemäß) eine Wucht. Set-Design und Kostüme sind atemberaubend und erinnern an die handwerkliche Exzellenz, die Del Toro schon in "Crimson Peak" oder "Pinocchio" gezeigt hat. Jeder Frame erzählt von Todessehnsucht und Schöpfungsrausch, von Blut und Blitz, von Albtraum und Schönheit. Die Kameraarbeit taucht die Szenen immer wieder in tiefe Schwarz- und Rottöne, verschafft den Gestalten darin aber Raum: Man fühlt sich einem Gemälde entsprungen, das der Finsternis widersteht. Das Design des Monsters ist glatter und nicht so roh und grobschlächtig wie noch in "Mary Shelley's Frankenstein". Es wirkt beinahe außerirdisch und erinnert etwas an die menschenähnliche "Konstrukteure" in "Prometheus". Auch dieses Update passt in die Zeit und vor allem zu DelToros Stil. Zugegeben: das muss man mögen und darüber hinwegsehen, dass dieser Frankenstein eben kein narbenüberzogenes Monster ist, sondern ein verletzliches Geschöpf, welches  ohne Frage seltsam, aber eben nicht abstoßend wirkt. Was auch die Brücke schlägt zu der aufkeimenden Zuneigung Elizabeths, die dem Monster interessiert, mitfühlend und helfend gegenübersteht, ihn zwar eindeutig nicht liebt, dafür aber begleitet und dessen Tragik am besten erkennt.

Der Score von Alexandre Desplat führt wie ein musikalisch schlagendes Herz durch die Geschichte: melodramatisch, düster, immer ein Echo der emotionalen Untiefen. Effekte und Makeup sind überragend - vor allem, weil sie auf Praktikabilität setzen und CGI gezielt meiden. Die Kreatur erscheint fleischlich und geisterhaft, nie wie ein animierter Sonderling: Das mag technisch beeindrucken, aber es wirkt vor allem menschlich und mitreißend.


Vergleicht man diesen "Frankenstein" mit früheren Adaptionen, zeigt sich Del Toros Liebe zum Original, ohne ihn zum Sklaven der Vorlage zu machen. Im Gegensatz zu Branaghs bombastischer "Mary Shelley's Frankenstein"-Version setzt Del Toro auf leise Zwischentöne, vielschichtige Charaktere und die emotionale Reise des Monsters. Er befindet sich in guter Gesellschaft mit James Whales Klassikern, doch er überträgt Shelley in die Sprache eines 21. Jahrhunderts, das nach Sinn, Zugehörigkeit und Erlösung dürstet. Del Toro glaubt an die Ernsthaftigkeit der Geschichte, an ihr philosophisches und spirituelles Gewicht - das spürt man in jedem Bild, jedem Dialog, jedem jähen Donnerschlag. Wer bereit ist, zweieinhalb Stunden in eine Welt aus Schnee, Schatten und Sehnsucht einzutauchen, bekommt hier ein Filmerlebnis von grimmiger Schönheit und überwältigender Melancholie geboten.

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Netflix

Freitag, 7. November 2025

Predator: Badlands (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt31227572/

Ein noch junger Predator namens Dek (Dimitrius Schuster-Koloamatangi) wird von seinem eigenen Clan verstoßen. Die anderen sehen in ihm keinen starken, furchtlosen Krieger heranwachsen. Damit ist er für die Gemeinschaft wertlos, da niemand glaubt, dass Dek eine glorreiche Zukunft bei der Jagd bevorsteht. Fortan muss er also alleine auf einem abgelegenen Planeten klarkommen. Doch dort bleibt er nicht lange alleine. Dek stößt auf die Androidin Thia (Elle Fanning), mit der er eine unverhoffte Verbündete findet. Von nun an gehen die beiden also gemeinsam auf die Jagd und müssen sich schließlich auch einer scheinbar übermächtigen Bedrohung stellen...

Nachdem Regisseur Dan Trachtenberg mit "Prey" einen Riesenhit landete (mit dem nach "Predator: Upgrade" von Shane Black, dem vierten Eintrag im "Predator"-Franchise wohl keiner mehr gerechnet hätte), übernahm er nicht nur das Ruder für den animierten Eintrag "Predator: Killer Of Killers", sondern durfte gleich noch mit "Predator: Badlands" völlig neues Terrain betreten. "Predator: Badlands" ist nicht nur der neueste Eintrag in einem Franchise voller ikonischer Actionfilme und cooler Effekte - er ist die vielleicht sogar erfrischendste Variation, die der Trophäenjäger jemals durchgemacht hat. Mit Trachtenberg am Steuer wagt sich der Film als erstes überhaupt in der Reihe an die Geschichte eines jugendlichen Predators namens Dek, dessen emotionale Reise dem Werk eine neue Tiefe verleiht, ohne die ureigenen Reize des Originals von 1987 zu verspielen.

Dimitri Schuster-Koloamatangi als der Predator Dek ist bemerkenswert: Trotz aufwendiger Masken versteht er es, Facetten wie Verletzlichkeit und Stolz in die Figur zu integrieren, die bisher kein Predator-Protagonist erreichte. Doch die wahre Entdeckung ist Elle Fanning - sie überzeugt in einer Doppelrolle als charmante Androidin Thia und deren kaltblütige "Zwillingsschwester" Tessa mit großer darstellerischer Bandbreite. Fannings Performance ist das emotionale Herz des Films, und sie schafft es, eine fast schon liebevolle Chemie mit Dek zu entwickeln. Trachtenberg startet mit einem Survival-Abenteuer, das an Science-Fiction-Versionen von "Robinson Crusoe" oder, ja, "Cast Away" erinnert, doch schon bald wächst daraus ein pures Buddy-Drama zwischen dem jungen Predator und der Androidin - eine Dynamik, die dem Franchise bisher fremd war. Die Regieführung und insbesondere die Kameraführung profitieren von kühnen Ideen: Die Welt des Planeten Genna ist ein tödlicher Mikrokosmos, in dem Flora und Fauna als clevere Kreaturen stilisiert werden. Die Kamera fängt nicht nur die spektakulären Actionsequenzen ein, sondern auch die Details im mimischen Spiel der Protagonisten. Beeindruckend ist, wie der Film trotz digitaler Effekte nie steril wirkt, sondern haptisch bleibt.

Der Einsatz von Effekten ist kreativ und differenziert: Von organischem Napalm bis hin zur inszenierten Jagd auf den Kalisk, einen scheinbar unbesiegbaren Monstergegner, zeigen sich sowohl die praktischen als auch die digitalen Tricks in ihrer besten Form. Die Effektarbeit hebt sich von der Genre-Konkurrenz ab und scheut nicht vor mutigen Ideen, etwa wenn die Bedrohungen von Tieren durch clevere Interaktionen und einfallsreiches Design geprägt werden. Der Showdown bleibt weniger bombastisch als vergleichbare Monsterfilme der letzten Jahre und konzentriert sich auf die intime und kreative Konfrontation zwischen den Figuren. Die Filmmusik unterstreicht diese Atmosphäre subtil, bleibt aber zurückhaltend genug, niemals die Bilder zu übertönen. Sie greift das Predator-Thema der 80er mit modernen Motiven wieder auf und öffnet dabei auch neue emotionale Fenster - ein gelungener Brückenschlag zwischen Nostalgie und Innovation.

Im Vergleich zum Originalfilm von John McTiernan aus dem Jahr 1987 markiert "Predator: Badlands" einen mutigen Richtungswechsel: Wo einst knallharte Männlichkeit und Survival-Horror dominierten, stehen jetzt Themen wie Zusammenhalt, Empathie und Selbstfindung im Vordergrund - und das auf eine Weise, die, trotz des altbekannten Motivs, nie aufgesetzt wirkt. Die Dynamik zwischen Dek und Thia ist ein starker Kontrapunkt zum Duell Schwarzenegger vs. Predator, und gerade deshalb gelingen neue emotionale Höhepunkte und ein smarterer Umgang mit dem Mythos der "Yautja". "Predator: Badlands" ist damit so viel mehr als nur ein weiterer Predator-Film: Er nimmt die Franchise-Geschichte ernst, kreiert liebevoll Neues und zeigt, dass Weiterentwicklung und Herz auch im Blockbuster-Kino möglich sind. Für Fans des Franchise, wie für Neulinge ist dies der unterhaltsamste und gefühlvollste Ausflug seit dem Original - und vielleicht der erste, der dem Mythos wahrhaftig gerecht wird.

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Twentieth Century Studios