Dienstag, 8. Januar 2019

True Lies - True Lies: Wahre Lügen (1994)

https://www.imdb.com/title/tt0111503/
Harry Tasker (Arnold Schwarzenegger) führt schon seit 15 Jahren ein Doppelleben: Während seine Frau Helen (Jamie Lee Curtis) und seine Tochter Dana (Eliza Dushku) annehmen, er wäre ein langweiliger Computerfachverkäufer, operiert er als Geheimagent der Organisation "Omega Sector" weltweit gegen den Terrorismus. Seine ständige Abwesenheit von Zuhause - selbst an seinem eigenen Geburtstag - trägt Helen mit Fassung, fühlt sich von ihrem Ehemann aber zunehmend vernachlässigt. Harrys neuester Auftrag: Arabische Terroristen sind in den Besitz von vier russischen Atomsprengköpfen gelangt und wollen damit die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen erzwingen. Zusammen mit seinem Partner Albert "Gib " Gibson (Tom Arnold) soll er den Extremisten das Handwerk legen. Sein einziger Anhaltspunkt ist die attraktive Kunsthändlerin Juno Skinner (Tia Carrere), die mit den Terroristen gemeinsame Sache macht. Währenddessen erwacht in seiner Frau Helen die Abenteuerlust: Sie trifft sich mit einen Mann namens Simon (Bill Paxton), der sich als Spion in geheimer Mission ausgibt. Harry kann nicht glauben, dass seine Frau eine Affäre hat und mobilisiert alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel, um sie auszuspionieren. Nun muss sich Harry an zwei Fronten beweisen: Im Kampf gegen die Terroristen und im Ehekrieg...

Die Ausflüge Arnies in das blütenreine Komödiengenre war vielleicht nicht die beste Entscheidung in seinem Leben. Sobald der Actionsuperstar sein gewohntes Terrain völlig verlassen hatte und mit "Junior" oder als weltfremder "Zwilling" neue Ufer entdecken wollte, war das Publikum nicht gerade begeistert. Selbst "Kindergarten Cop", der noch eine rühmliche Ausnahme, in dem Mr. Multiversum verschiedene Facetten abdeckte und immerhin Respektsbekundungen einheimste, darstellte, war unterm Strich eher gehobenes Mittelmaß. Dennoch mussten die Filme einen Eindruck auf Arnie hinterlassen haben, weil schon mit "Last Action Hero" Arnies Heimgenre ordentlich parodiert wurde. Mit breitem Grinsen ballerte sich die Actionikone durch alle Actionklischees der Epoche, die ihn ganz groß gemacht hatte. Und auch "True Lies" schlägt in diese Kerbe.

Allerdings sollte man einen recht robusten Sinn für Humor parat haben, weil der Vorwurf der Film sei Menschenverachtend nicht völlig verkehrt ist: die bösen Terroristen sind ein Haufen verschwitzter schnurrbärtiger Turbanträger deren einzige Aufgabe es ist, von Arnold irgendwie lustig, cool oder einfach nur brachial beseitigt zu werden – aber trotzdem machts einen Heidenspaß. Außerdem beinhaltet der Film ein paar überaus kultige Filmszenen, wie Arnolds Ritt auf einem Pferd durch ein Hotel oder den Showdown auf einem Jet, den jeder mindestens einmal gesehen hat. Doch mit James Cameron hinter der Linse sollte es keine reine Parodie geben, ohne wieder etwas Ernsthaftigkeit einzustreuen. Der Geheimagentenplot wirkt in sich brachial und vielleicht ein wenig stereotyp aufgezogen, punktet aber auch durch ausgefeilte Coolness und mehr augenzwinkerndem parodistischen Faktor denn mit überdrehtem Klamauk. Trotzdem wird hier wieder amtliches Actionkino geboten, das das Kinoherz höher schlagen lässt. Anfangs etwas entrückt wirkt dann der zweite Handlungsstrang der Geschichte um die familiären Probleme der Taskers. Darin ist dann Jamie Lee Curtis' Charakter die tragende Figur und offenbart eine sehr interessante Facette, die man im Actiongenre so noch nicht gesehen hat. Die einstige Scream-Queen schlägt hier aus jeder Szene Kapital und wirkt zu jeder Zeit äußerst glaubwürdig (und auch verdammt sexy, man denke nur an die Hotelzimmerszene), von der biederen Hausfrau bis zu ihrem Mann ebenbürtigen Konterfei. Eine Plotentscheidung, die den Film stark aufwertet. Dass diese Storyline sogar die eigentliche für mehr als 20 Minuten in die Ecke stellt, empfindet man da nicht mal als störend.

Eher störte da Tom Arnolds Gebrabbel, das gagmäßig nicht immer zündet. Hier mag man nun hin- und hergerissen sein, trotzdem wäre hier weniger mehr gewesen. Für sich betrachtet ist "True Lies" aber eine mehr als spaßige Agentenfilmparodie mit dem typisch Schwarzenegger´schem Krach-Bumm-Faktor und passenden One-Linern, wird aber durch den familiären Touch und einer schwer auftrumpfenden Jamie Lee Curtis um mehrere Punkte aufgewertet. Man muss Arnies Ausflüge ins Komödienfach nicht mögen, sollte aber anerkennen, dass er seine Erfahrungen mit in die 90er trug, um die Rückkehr ins Actiongenre mit Selbstironie zu feiern.

8,5/10