Samstag, 5. Januar 2019

Sicario: Day Of The Soldado - Sicario 2 (2018)

https://www.imdb.com/title/tt5052474/

Zwei Jahre nach ihrem letzten Einsatz sind FBI-Agent Matt Graver (Josh Brolin) und Auftragskiller Alejandro Gillick (Benicio Del Toro) erneut an der amerikanisch-mexikanischen Grenze unterwegs. Dort herrscht mittlerweile vollkommener Ausnahmezustand. Terroristen schleusen ihre Anhänger massenweise unbemerkt in die USA, wo diese blutige Anschläge verüben. Als ein Selbstmordattentäter in einem Kaufhaus zahlreiche Zivilisten ermordet, soll Alejandro einschreiten. Für Matt soll er einen Krieg zwischen den verschiedenen Drogenkartellen vom Zaun brechen. Um das zu erreichen, will er Isabela (Isabela Moner) entführen, die Tochter des Kartellbosses und Terroristenschleusers Carlos Reyes. Außerdem hat Alejandro noch eine private Rechnung mit Reyes offen, die er in der Gunst der Stunde begleichen will...

Nach Denis Villeneuve darf nun der Italiener Stefano Sollima auf dem Regiestuhl Platz nehmen und ihm gelingt eine dezente Neuausrichtung. In "Sicario: Day Of The Soldado"  sind ungeschönte und von hartem Realismus geprägte Studien krimineller Milieus und korrupter Machenschaften scheinbar seine Spezialität und diesen Weg schlägt er dann auch mit seinem ersten US-Film ein. So ist "Sicario: Day Of The Soldado" grimmiger, rauer, dreckiger, härter und insgesamt noch desillusionierender, pessimistischer und deprimierender geraten als damals "Sicario". Zumal die Abwesenheit von Emily Blunt als idealistische FBI-Agentin Kate Macer dem Zuschauer nun auch den letzten moralischen Ankerpunkt nimmt und damit auch den leichten Hauch von Hoffnung zwischen all der Gewalt und Skrupellosigkeit verblassen lässt. Was bleibt, das sind Matt Graver und Alejandro Gillick, losgelöst von jeglichen moralischen Instanzen im aussichtslosen und zermürbenden Kampf gegen Drogen und nun auch Terrorismus, wenn sie sich besonders rücksichtslosen Methoden bedienen und auch vor Kindesentführungen nicht mehr zurückgeschreckt wird.


Zwar erreicht "Sicario: Day Of The Soldado" nie die enorme Dringlichkeit und Intensität seines Vorgängers, kann sich als harter Thriller jedoch durchaus sehen lassen. Sollima setzt mehr auf Gewalt und Eskalation, verteilt diese aber über die gesamte Laufzeit von rund 120 Minuten in Form von immer wieder aufblitzenden Nadelstichen. Visuell ist sein Film weniger von der stilisierten Bildsprache eines Roger Deakins dominiert wie noch "Sicario", sondern vielmehr von stark ungeschönt realistischen Bildern, die zwar gekonnt das schmutzige Treiben unterstreichen, aber auch weniger erinnerungswürdig sind. Sollima wirft einen noch zynischeren Blick auf den Kampf der Geheimdienste gegen die Drogenkartelle, wenn inzwischen nahezu alles erlaubt ist und Grenzen schlicht und ergreifend nicht mehr existent sind. Wachsende Gewalt als das Ergebnis wachsender Hilflosigkeit.

Die Interessenlage dahinter ist so komplex, dass sie auch für Insider kaum noch zu durchschauen ist, und ständig ändern sich Pläne, Pakte und Fronten in diesem Wechselspiel unterschiedlichster Interessen. Besonders zynisch: wenn sich herausstellt, dass die Selbstmordattentäter von Kansas gar nicht mit Hilfe von Schleusern über die Grenze kamen, sondern sogar amerikanische Staatsbürger waren, dann wird das mehr oder weniger als Nebensatz abgetan und geht im bereits angezettelten Krieg beinahe unter. Überhaupt verliert das Motiv des Terrorismus mit zunehmender Laufzeit immer mehr an Bedeutung, wenn sich nach und nach noch reichlich andere Motivationen verschiedenster Parteien abzeichnen. "Sicario: Day Of The Soldado" endet recht offen und gibt sich relativ klar als eine Art Brückenfilm zu erkennen, der die Weichen stellt für den Abschluss der geplanten Trilogie, dennoch ist der Film dadurch nicht weniger sehenswert. Im Endeffekt zieht Sollima weiterhin sein Ding inhaltlich wie stilistisch durch und als eine weitere Facette der von Sicario etablierten Welt passt das gut.

Würde der enorm große Schatten des brillanten ersten Teils von Denis Villeneuve nicht über "Sicario: Day Of The Soldado" hängen, wie ein übermächtiger und allgegenwärtiger Schatten, dann würde der Nachfolger noch besser da stehen, als er es ohnehin schon tut. Nun ist dieser zwar bei weitem kein solches Meisterwerk, wie noch der erste Teil, macht seine Sache aber außerordentlich gut und fühlte sich für mich sich von hinten bis vorne würdig an, auch wenn sich Sollima etwas in Villeneuves Fußstapfen verliert.

8/10