Dienstag, 1. Januar 2019

BuyBust (2018)

https://www.imdb.com/title/tt5938084/

Eine Spezialeinheit macht Jagd auf Verbrecher im gefährlichsten Viertel von Manila und steht kurz davor einen besonderen Coup zu landen. Man hat Biggie Chen (Arjo Atayde), einen der größten Drogenbosse, im Visier. Doch um ihn zu schnappen, braucht es die Besten der Besten, die die kommandierenden Offiziere Dela Cruz (Lao Rodriguez) und Alvarez (Nonie Buencamino) bei diesem Einsatz haben wollen. Gemeinsam müssen sie alle tief in die Slums von Manila vordringen. Doch die taffe, rebellische Nina Manigan (Anne Curtis), die gerade als Einzige eine von korrupten Polizisten verratene Razzia überlebt hat, ahnt schnell, dass sie erneut in einen Hinterhalt laufen. Und so sitzen die Polizisten bald mitten im Slum fest - umzingelt von Chens Schergen und den ihnen nur in seltenen Fällen freundlich gesinnten Anwohnern...

"The Raid" trifft auf "Sicario". So titelt der Klappentext des Films und teasert großes an. Doch das hätte "BuyBust" wohl nur gern. Denn zu keiner Zeit erreicht der Film die Klasse eines "Sicario" oder gar die schweißtreibende Kampfchoreografie von  "The Raid". Die Blaupause beider prominenten Vorbilder ist deutlich zu erkennen, einen wirklich brauchbare Kopie ist "BuyBust" aber leider nicht geworden. Die von Logiklöchern durchsiebte, äußerst schlecht erzählte Story, in der eine vermeintliche Eliteeinheit von Kartellmitgliedern und Slum-Bewohnern, die sich tatsächlich wie eine Zombiehorde aufführen, in die Mangel genommen wird, kann nie überzeugen. Die Charaktere sind vollkommen uninteressant, schwach gespielt und für eine Spezialeinheit sind die Jungs erschreckend naiv und schlecht ausgerüstet. Oft ist es unfreiwillige Komik, die den Moment rettet. Zum Beispiel folgt auf den Hinweis Munition zu sparen keine zwanzig Sekunden später eine hemmungslose Ballerorgie auf eine Gebäudefront, ohne dass auch nur ein Schuss trifft. Über die immensen inhaltlichen Unzulänglichkeiten könnte man locker hinwegsehen, wenn das Herzstück - die Action - brauchbar wäre. Dabei klingt der Einsatz, der die Einheit tief in die von Spannungen durchzogenen Slums von Manila führt noch halbwegs interessant. Hier präsentiert sich auch der zentrale Schauplatz von "BuyBust" als drastisch verschlungenes, von Dunkelheit und Regen eingehülltes Labyrinth, in dem länger nicht klar wird, wer gerade wen umzingelt hat. Dabei inszeniert der Regisseur seinen Film als dramaturgisch zerfahrenes Katz- und Mausspiel, in dem die Anspannung inmitten der schier endlos ineinander verlaufenden Häusergassen nur noch von der Gewissheit der unnötig hinausgezögerten Konfrontationen überschattet wird.

Tatsächlich lässt sich Regisseur Erik Matti gut 45 Minuten Zeit, bis die überwiegend schablonenhaft gezeichneten Figuren in Stellung gebracht und schleichend in den Alarmzustand versetzt wurden, ehe "BuyBust" in eine ausgiebige Aneinanderreihung erwartbarer Action-Setpieces und Mixed-Martial-Arts-Einlagen zerfällt. Auch hier bietet sich erneut der Vergleich zu "The Raid" an, wenngleich Mattis Film rein handwerklich bedeutend kruder und schlechter daherkommt. Stattdessen erweist sich "BuyBust" aufgrund der unübersichtlich-hektischen Kameraführung, die zusätzlich mit wirren Schnitten kombiniert wird, als bisweilen gar dilettantische Action-Dauerbefeuerung mit mäßigen Shootouts, in der die rohen Choreographien in Verbindung mit den zahlreichen unerfahrenen Darstellern recht bald wie unbeholfenes Laientheater wirken. Anstelle der angestrebten Intensität stellt sich in Mattis Film sehr bald Ermüdung ein, zumal sich der Regisseur nie so recht zwischen ernster Abneigung gegenüber plötzlich aus Menschen hervorbrechender Gewalt und im Gegenzug maßlos zelebrierten Tötungseinlagen entscheiden kann. Neben Hauptdarstellerin Anne Curtis, die nach anfänglicher Charakterisierung bald nur noch auf ihre pure Physis reduziert wird, spielt sich in diesem Zusammenhang immer wieder ihr Schauspielkollege Brandon Vera in den Mittelpunkt, dessen hünenhafter Rico Yatco vom Regisseur wie eine Art philippinischer Dave Bautista in Szenen eingesetzt wird, die teilweise Comic Relief-Charakter ausstrahlen. Passend dazu ist auch der Soundtrack des Films ein unentschlossenes Hin und Her, in dem harte, treibende Punk-Rock-Klänge stellenweise innerhalb weniger Minuten von langsamer Mundharmonika-Musik abgelöst werden.

Erst im Finale, dem eine ungemein gekünstelte Plansequenz vorausgeht, scheint der Regisseur plötzlich noch Kritik gegen die philippinische Regierung einstreuen zu wollen. Zu spät kommt der ungelenk über die kaum vorhandene Handlung gestülpte Ansatz, all die zuvor zerstochenen Gliedmaßen, gebrochenen Knochen und das literweise vergossene Blut mit einer bitteren Enthüllung rechtfertigen zu wollen, die lediglich von einer apokalyptisch anmutenden Kamerafahrt über die Blechdächer des Slums nachdrücklich eingerahmt wird. Längst hat der dramaturgisch fehlgeschlagene, oftmals dilettantisch inszenierte und vor allem in seinen Action-Momenten stark ermüdende "BuyBust" in dieser abschließenden Sequenz hingegen jegliche Wirkung verloren. Trotzdem siedelt sich "BuyBust gerade noch einen Fingerzeig über dem Mittelmaß an.

5,5/10

Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film hierzulande in HD in einem tollen Mediabook: