Montag, 18. November 2019

Trauma - Trauma: Das Böse verlangt Loyalität (2017)

https://www.imdb.com/title/tt6705640/

Vier Frauen wollen einige Tage in einem abgeschiedenen Ferienhaus in der Landschaft Lateinamerikas verbringen. Doch werden sie direkt am ersten Abend von zwei Männern angegriffen und brutal misshandelt. Die Frauen, die die Attacke überlebt haben, versuchen am nächsten Tag zu fliehen. Doch scheint es kein entkommen zu geben, denn ihre Peiniger leiden selbst unter einem schrecklichen Trauma und haben jegliche Skrupel verloren...

Oft werden Filme mit der Superlative "Der brutalste Film aller Zeiten" beworben und mittlerweile wird mit dieser Phrase so beliebig um sich geworfen, dass man am Ende nur enttäuscht sein kann. Bei "Trauma" hieß es, dass dies die Antwort auf "A Serbian Film" aus Chile sein soll. Die Überraschung kam doppelt. Nicht nur, dass "Trauma" wirklich ein sehr fieses Werk ist; er ist zeitgleich auch noch echt gut gemacht, was ihn im Endeffekt nur noch derber erscheinen lässt. Im Grunde genommen bekommt man storytechnisch einen weiteren Rape'n'Revenge-Streifen geboten. Vier Freundinnen begeben sich in Chile auf die Reise in einen abgelegenen Ort und werden Opfer einer derben Vergewaltigung. Bis hierhin ist der Plot wirklich ganz "normal", aber "Trauma" sollte man trotzdem nicht unbedingt als reinen Schund abtun. Wenn man sich nämlich bewusst macht, dass er aus Chile stammt und wenn man sich ein wenig über die lang herrschende Militärdiktatur informiert, bekommt das Szenario in diesem Film eine weitere Ebene, die sich politisch auffassen lässt. Die Grausamkeit, die in "Trauma" geschieht, besitzt einen Hintergrund – der Filmtitel verrät darüber auch schon einiges. Die Story lässt sich also ganz leicht als weiteren, menschenverachtenden Dreck ansehen oder aber man schaut genauer hin und erkennt hier eine Substanz, die solche Werke sicherlich nicht oft haben. Dies soll jeder für sich selbst entscheiden, doch man könnte dem Drehbuch tatsächlich einen Hauch von Anspruch attestieren.

Aber warum ist der Film dermaßen derb? Schwer zu erklären ist das nicht. Schon in der Anfangsszene (die es bei der deutschen Veröffentlichung gar nicht zu sehen gibt) werden keine Gefangenen gemacht. Dort paart man Torture-Porn mit Inzest; eine wirklich abartige Szene, die allerdings nur die Marschrichtung vorgibt und noch nicht das Ende der Fahnenstange bedeutet. Es ergibt übrigens gar keinen Sinn diese Szene zu entfernen, denn sie besitzt doch eine enorme Wichtigkeit, um die Grausamkeiten, die noch folgen werden, zu erklären. Sicherlich kann man behaupten, dass Regisseur Lucio A. Rojas das alles so krass bebildert, um den reinen Selbstzweck zu bedienen. Richtig kranke, brutale Stoffe lassen sich eben auch gut vermarkten. Teilweise ist es sicherlich auch der Selbstzweck des Tabubruches wegen, doch diese Gedanken kann man getrost beiseite schieben. Danach ist es vor allen Dingen gut gelungen, dass es eine längere Einleitung gibt. Die vier Mädels werden recht sympathisch vorgestellt und sind nicht zu belanglos. Das macht den Rest dann nur noch schwerer erträglich. In der zweiten Hälfte ereignen sich dann alle abscheulichen Grausamkeiten. Viel menschenverachtender könnte es nicht zur Sache gehen. Und Rojas ist sich dem wohl bewusst, baut immer wieder erotische Momente als Kontrast ein, so dass man sich seiner eigenen Gefühlsregungen nur noch unsicherer sein kann. Dass man "Trauma" nicht nur auf die ekelhaften Szenen reduzieren kann, liegt an seiner handwerklich wirklich guten Umsetzung. Der Film wirkt überhaupt nicht billig, besitzt gute Kulissen, die so richtig schön heruntergekommen aussehen und sich bestens anbieten. Die Inszenierung ist effektiv, die Darsteller sind ziemlich gut und dazu gibt es auch noch einen gelungenen Score, der das bestens ergänzt. Die Stimmung, die "Trauma" entstehen lässt, ist eiskalt, dreckig und unsagbar böse; Humor braucht hier niemand zu suchen. Und dann wären da eben noch die guten Effekte. Weil der Splatter so gut getrickst wurde, wirkt die Gewalt zu jedem Zeitpunkt ziemlich echt und es ist am ehesten diese Kombination, die das Ganze so heftig macht. Es wird gar nicht andauernd gesplattert; diese Szenen kommen seltener vor, besitzen im Zusammenspiel mit den kranken Ideen aber eine ungeheure Wucht. Mit seinen 107 Minuten besitzt "Trauma" im Endeffekt zwar ein paar Längen und flacht zum Ende hin auch ab, trotzdem bietet er eine gewisse Spannung und eben weil er so derb ist, kann er den Zuschauer relativ stark fesseln.

"Trauma" ist unterm Strich ein böser und kranker Film, der es aber nicht verdient hat, nur auf seine tabubrechenden Szenen reduziert zu werden. Dafür ist das alles zu hochwertig gemacht und besonders die Kulissen sind echt stark. Außerdem kann man in die Handlung eine Substanz hinein interpretieren, was bei solchen Werken nicht oft der Fall ist. Am Ende ist das hier absolut nichts für schwache Nerven und man kann jeden verstehen, der das für kranken Mist hält.Wer sich darauf einlassen kann, den zieht die eiskalte Atmosphäre in ihren Bann. In Deutschland erschien "Trauma" mal wieder nur gekürzt, und zwar um über 10 Minuten, dabei ist der Film tatsächlich und vor allem wegen der einleitenden Szene nur uncut empfehlenswert, denn die Brutalität ist hier wichtig für das Endergebnis.

6,5/10

Sonntag, 17. November 2019

Trautmann (2018)

https://www.imdb.com/title/tt4642192/
Mit gerade einmal 17 Jahren wird Bernd Trautmann (David Kross) in die Wehrmacht eingezogen und gerät als Soldat gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Kriegsgefangenschaft in der Nähe von Manchester. Die deutschen Soldaten veranstalten während ihrer Gefangenschaft Fußballspiele und bei einem dieser Spiele ist auch Jack Friar (John Henshaw), Trainer des kleinen Vereins St. Helens, anwesend, der sofort Trautmanns großes Talent als Torwart erkennt. Friar engagiert den deutschen Soldaten als Torhüter für St. Helens, doch dort bleibt er nicht lange, auch wenn er sich in Margaret (Freya Mavor), die Tochter seines neuen Trainers, verliebt hat: Schon bald verpflichtet der äußerst erfolgreiche Club Manchester City Trautmann als Keeper, was von den Fans allerdings mit Entrüstung aufgenommen wird, schließlich gehört Trautmann zu den ehemaligen Feinden. Erst während des legendären FA-Cup-Finales von 1956 gelingt es dem deutschen Torwart, die Herzen der Fans zu erobern…

Der neue Film von Regisseur Marcus H. Rosenmüller erzählt die Geschichte von Bernhard Carl Trautmann. "Bert" nannten ihn die Briten schon in der Zeit seiner Kriegsgefangenschaft, da es ihnen schwerfiel, Bernd, die Kurzform seines Vornamens, korrekt auszusprechen. Trautmann (* 22. Oktober 1923 in Bremen-Walle; † 19. Juli 2013 in La Llosa, Valencianische Gemeinschaft, Spanien) war ein deutscher Fußballspieler, der in seiner aktiven Zeit als einer der besten Torhüter der Welt galt. In England unvergessen ist das Finale des FA Cups 1956 im Londoner Wembley-Stadion, in dem Manchester City gegen Birmingham City antrat und 3:1 gewann. In der 75. Spielminute warf sich Trautmann in eine flache Hereingabe vor den Fünfmeterraum und wurde dabei von Birminghams Stürmer Peter Murphy mit dem Knie im Nacken getroffen. Da zu dieser Zeit noch keine Auswechslungen erlaubt waren, spielte Trautmann auch die restliche Viertelstunde und avancierte zum Spieler des Tages, weil er trotz Verletzung sein Tor verbissen gegen das anstürmende Birmingham sauber hielt. Eine Röntgenuntersuchung drei Tage nach dem Spiel ergab, dass Trautmann sich bei dem Zusammenprall mit Murphy einen Genickbruch zugezogen hatte und fünf weitere Halswirbel ausgerenkt waren. Diese Verletzung hätte unter unglücklichen Umständen tödlich enden können. Er war gezwungen, fünf Monate von Kopf bis zu den Hüften in Gips eingehüllt zu verbringen und musste danach mit einer Schutzkappe spielen.
(Quelle: Wikipedia)

Bei "Trautmann" entschloß sich der Regisseur zu der Mammutaufgabe, fast das gesamte Leben von Bernhard Carl Trautmann nachzuerzählen. Und obwohl der Film mit seinen 120 Minuten bereits eine stattliche Länge aufweist, musste Marcus H. Rosenmüller an der ein oder anderen Stelle zwangsläufig Kürzungen vornehmen. Das merkt man besonders im letzten Viertel des Films. Denn dort wirkt das Geschehen leider arg gestaucht und den einzelnen Entwicklungen im Leben Trautmanns wird nicht genug Zeit eingeräumt. Deswegen wirkt die Nacherzählung von durchaus prägenden Ereignissen in der zweiten Hälfte seines Lebens wie die stoische Abarbeitung einer Checkliste. Doch bis dahin lässt sich der Film angenehm viel Zeit und gewährt sowohl Charakteren als auch Story ausreichend Luft zum Atmen. In der deutschen Fernsehlandschaft wäre der Film vermutlich direkt als Zwei- oder sogar Dreiteiler angelegt worden.

Ein großes Thema im Leben von "Bert" Trautmann war der Umgang mit seiner Zeit in der deutschen Luftwaffe. Verbunden mit seinem Engagement bei Manchester City sorgte dies im Nachkriegs-Britannien dementsprechend für viel Sprengkraft und diverse Anfeindungen. Dieses Spannungsfeld überträgt der Film sehr gut und in jeder Szene nachvollziehbar auf den Zuschauer. In seinen besten Szene kann man die Spannung zwischen den Charakteren förmlich spüren und wartet nur auf eine Eskalation zwischen den Parteien, die sich nur Jahre zuvor im Zweiten Weltkrieg gegenseitig bekämpft hatten. Brisant ist diese Thematik gerade wieder. Obwohl der Film eine Geschichte erzählt, die vor über einem halben Jahrhundert stattgefunden hat, liefert er genug Denkanstöße und Ansatzpunkte für eine Einordnung in den Kontext der heutigen Gesellschaft.

Das schöne ist: "Trautmann" sieht definitiv nach Kino aus. Dass man das bei deutschen Filmen anmerken muss, ist zwar traurig, durch viele deutschen Kinofilme aus den letzten Jahren, die eher nach TV-Produktionen aussahen, aber unumgänglich. Der Film wirkt über die kompletten 120 Minuten sehr wertig und ist durchweg gut inszeniert. Auch die Fußballszenen, besonders diejenigen im altehrwürdigen Maine Road Stadium von Manchester City, überzeugen auf ganzer Linie trotz relativ vieler Schnitte. Störend fällt allerdings die Synchronisation auf. Im Original auf Englisch vertont, wurde "Trautmann" für den deutschen Markt komplett synchronisiert. Das führt zu einigen seltsam anmutenden Szenen, in denen die Darsteller spielen, dass sie ihr Gegenüber nicht verstehen, alle Charaktere aber perfektes Deutsch sprechen. Da wäre ein wenig mehr Mut und etwas mehr Glaube an ein mündiges Publikum wünschenswert gewesen.

Aber fernab von solchen Patzern erzählt "Trautmann" eine gute, wahre Geschichte, übernimmt sich lediglich etwas mit der Idee, ein ganzes Leben in einen Kinofilm von 120 Minuten zu zwängen, was im etwas antiklimaktisch wirkenden letzten Viertel störend auffällt. Bis dahin bekommt man ein tadellos inszeniertes und packendes deutsches Drama serviert, welches beim Zuschauer in den emotionalen Szenen die richtigen Knöpfe zu drücken vermag. Verbunden mit kleinen Schlenkern im Drehbuch, die auch für Leute, die über das Leben von Bert Trautmann Bescheid wissen, Spannung und Aha-Effekte in das Geschehen bringen, überzeugt "Trautmann" im Gesamtbild auf fast ganzer Linie. Unter dem Strich bleibt eine klare Schauempfehlung, auch für ausgemachte Fußballmuffel.

8/10

Samstag, 16. November 2019

The Way Of The Gun - Way Of The Gun (2000)

https://www.imdb.com/title/tt0202677/

Die Kleinkriminellen Mr. Parker (Ryan Phillippe) und Mr. Longbaugh (Benicio Del Toro) haben nicht viel Geld. Samen- und Blutspenden halten sie über Wasser. Ihre Chance auf den großen Reichtum sehen sie greifbar, als sie von der schwangeren Leihmutter (Juliette Lewis) einer reichen Familie hören, Robin (Juliette Lewis). Kurzerhand entführen sie die junge Frau und verlangen 15 Millionen Dollar Lösegeld für sie. Mr. Chidduck (Scott Wilson), Robins reicher Chef, will die Entführung ohne Geldzahlung beenden - und auch ohne Polizei, weil er selbst in illegale Geschäfte verwickelt ist. Währendessen spitzt sich die Lage im Auto der Entführer zu: Robins Kind kann jeden Moment zur Welt kommen, und die Verfolger lassen nicht locker...

"The Way Of The Gun" hat auf jeden Fall seine Schwächen. Zum einen ist die Geschichte um zwei Kleinganoven, die das große Geld wittern, nicht wirklich ausgegoren. Mal bewegt sich der Film hin zum schnörkellosen Actiontrhiller, dann schlägt es um Richtung Drama um dann wieder komödiantische Merkmale aufzuweisen. Das Problem des Films ist, das er sich nicht entscheiden kann. Auf der einen Seite will er eine Gangsterballade ala Tarantino oder Guy Ritchie sein, auf der anderen ein glaubhaftes Actiondrama dass durchaus Emotionen zulässt. Das ist ein Ritt auf einem schmalen Grat, so entwickeln sich viele sprunghafte Szenen, die dem Werk nicht gut tun und so kann man auch nachvollziehen, wenn andere Kritiker hier mehr Punkte abziehen.

Auf der anderen Seite jedoch punktet der Film auf jeden Fall mit seiner Action, die realistischer ist, als in 90 Prozent aller Actionfilme. Hier wird nicht sinnlos drauflos geballert. Es wird taktisch vorgegangen, die beteiligten Personen bleiben zumeist ruhig und alle stellen sich auch nicht dumm an. Vor allem die letzten zwanzig Minuten sind wirklich spannend und lassen so den Leerlauf, der sich hin und wieder im Mittelteil einstellte, vergessen. Der Wendungen sind es tatsächlich zu viele, als das ein menschliches Hirn sie alle logisch nachvollziehen kann. Doch das ist gerade der Sinn der ganzen Sache. Jeder hier dreht sein eigenes Ding - und keiner ist ein Superheld, nicht mal ein Held, eher ein Haufen von Antihelden. Es sind kleine Ganoven, die, wenn sie intelligenter wären, nicht Ganoven geworden wären. Und so handeln sie auch nicht so genial wie die gottähnlichen Superhelden aus den gängigen Actionthriller - dafür haben sie emotional umso mehr zu bieten.

Die Schauspieler sind allesamt in Ordnung, auch wenn Ryan Phillipe einfach nur grottig synchronisiert wurde. Generell ist die Synchro zum Vergessen. Trotz dessen ist "The Way Of The Gun" spannend und in seiner Ausführung konsequent. Der Film hätte mehr sein können, ist aber so, wie er jetzt ist trotzdem unterbewertet und zu Unrecht so unbekannt. Alles in allem, ein Actionthriller mit viel Situationskomik, menschlicher Ironie und sympathischen Losertypen, der mal ganz anders funktioniert als die gängigen Actionthriller und daher eher als feinfühlige Actiontragödie zu bezeichnen ist: für feinfühlige Actionthrillerliebhaber sehenswert. Ein kleiner, aber überzeugender Ganovenfilm, mit dem ein oder anderen markigen Spruch und einer zu deutlichen Anlehnung an ältere Genreklassiker.

7,5/10

Von KOCH Media erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den ungeschnittenen Film auf Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial.

Freitag, 15. November 2019

Frailty - Dämonisch (2001)

https://www.imdb.com/title/tt0264616/

Ein junger, ungepflegter Mann namens Fenton Meiks (Matthew McConaughey) behauptet, die Identität des seit 1979 gesuchten "God's Hand"-Serienkillers lüften zu können. Dem FBI-Agenten Doyle (Powers Boothe) wird der Mann immer verdächtiger. Fenton behauptet steif und fest, den seit Jahrzehnten gesuchten Mörder zu kennen und sogar sein Bruder zu sein. Der Bericht des jungen Mannes führt zurück ins beschauliche Texas der 70er Jahre und eröffnet eine bedrückende Reise in den Wahnsinn. Doyle hört, dass Fentons Vater angeblich von religiösen Wahnvorstellungen getrieben ist und dass Fenton glaubt, dessen Familie sei von Gott dazu auserkoren, Dämonen in Gestalt von normalen Menschen zu vernichten...

Der Psychothriller aus dem Jahr 2001 punktet vor allem mit seiner ruhigen Erzählweise, die dennoch eine intensive, düstere und fesselnde Atmosphäre ausstrahlt. Langsam und stetig wird der Spannungsbogen aufgebaut, der bis zum Schluss Spannung pur bietet. Und immer schwingt etwas Beklemmendes und Mysteriöses in der Handlung, die gekonnt permanente Neugier erzeugt. Langweilig wird es nie. Überzeugend wird der Vater-Sohn-Konflikt dargestellt, der in dieser morbiden Serien-Mörder-Story eingebettet ist. Über weite Strecken speist sich das Grauen in "Dämonisch" daraus, dass der Vater seinen Söhnen seine Vision aufnötigt und sie zwingt, an seinem grausigen Tun teilzuhaben. Das steht und fällt mit den schauspielerischen Leistungen des Trios – es steht, die drei harmonieren vorzüglich miteinander. Die Szenen, in denen Papa Meiks – sein Vorname wird nicht genannt – vor den Augen seiner Söhne die Axt gegen seine gefesselten Opfer hebt, prägen sich nachhaltig ein. Wenn sich der junge Fenton mehr und mehr verstört zeigt und überlegt, wie er seinem Vater Einhalt gebieten kann, überträgt sich seine Verängstigung gelungen auf die Zuschauer.


Bill Paxton ist ein großartiger Schauspieler. Leider verstarb er 2017 während einer Operation. Das er als Regisseur etwas taugt, zeigt sein Werk eindrucksvoll. Aber auch seine beiden Söhne, gespielt von Matt O'Leary und Jeremy Sumpter machen einen hervorragenden Job. Gelungene Twists und eine wahrlich überraschende Wendung am Filmende verleihen dem Film zusätzlich eine schmackhafte Würze und pushen ihn qualitativ nach oben. Die Gewalt ist zwar jederzeit präsent, wird aber nicht drastisch gezeigt – sobald die Axt schwingt, folgt der Schnitt. Splatterfans mögen das missbilligen, es nimmt "Dämonisch" aber nicht ein bisschen von der Intensität, die den Horrorthriller auszeichnet. "Frailty" (englisch für Zerbrechlichkeit, Schwächlichkeit) lautet der Originaltitel, das war dem deutschen Verleih vielleicht fürs hiesige Publikum zu vage, weshalb man sich für das etwas deutlichere "Dämonisch" entschied – kann man machen. Eine Wendung zum Finale setzt dem hoch spannenden Geschehen dann noch die Krone auf. "Dämonisch" ist ein großartiger Thriller, der fesselt und mitnimmt.

8,5/10

Von KOCH Media erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den ungeschnittenen Film auf Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial. 

Donnerstag, 14. November 2019

En las Afueras De La Ciudad - Hidden In The Woods (Unrated) (2012)

https://www.imdb.com/title/tt1920956/

Ana (Siboney Lo) und Anny (Carolina Escobar) sind Schwestern, die von Kindesbeinen an den schweren Misshandlungen ihres drogendealenden Vaters (Daniel Antivilo) ausgesetzt waren und in kompletter Isolation aufgewachsen sind. Als die Polizei Jahre später Wind von der Sache bekommt und sich der verwahrlosten jungen Erwachsenen annehmen möchte, bringt der Vater zwei der Polizisten auf grausame Weise mit einer Kettensäge um. Zwar wird der Peiniger der Mädchen zur Rechenschaft gezogen und kommt ins Gefängnis, aber die Schwestern fliehen zusammen mit ihrem Bruder zu einer Hütte im Wald, wo sie vom Regen in die Traufe geraten. Der psychotische Drogenbaron Castello (François Soto), bei dem es sich um den Onkel der Geschwister handelt, erscheint und will um jeden Preis seine Ware wiederhaben. Dafür würde er auch über Leichen gehen.

Bei "Hidden In The Woods" handelt es sich um einen der Skandalfilme des Jahres 2012. Düster, dreckig, hart und für eine deutsche Veröffentlichung musste er zudem ordentlich Federn lassen. In der vorliegenden ungeschnittenen Fassung kann man den Ruf jedoch nicht ganz nachvollziehen. Es ist zwar ein expliziter und gleichzeitig harter Film, jedoch nichts, was man an anderer Stelle, bzw. in anderem Kontext so nicht schon einmal gesehen hätte.

"Hidden In The Woods" ist damit zwar auch kein totaler Reinfall aber weitaus hinter seinen Möglichkeiten. Dabei sollte man natürlich den Low-Budget-Charakter nicht aus den Augen verlieren. Immerhin ist die Atmosphäre wirklich solide und dank der erdig-gelben Farbgebung stimmig. Die Story ist auch recht gut und weiß zu überzeugen. Ein klassischer Rape&Revenge-Streifen (wie angekündigt) ist er jedoch nicht. Richtig schlimm ist die deutsche Synchronisation. Viel zu oft wirkt die Betonung aufgesetzt und unnatürlich. Damit einhergehend ist die Kamera bzw die Schnittführung unübersichtlich und zieht das Treiben oft ins Lächerliche. Hier sieht man dem Film den Low-Budget-Charakter an. Insbesondere bei den Gewaltakten wirken die Umschnitte unprofessionell und erinnern an deutsche Gore-Amateurwerke. Und apropos Gewalt... sicher ist der Film nicht ohne, doch die Darstellung der Exzesse verfehlt oft aufgrund der stümperhaften Schnitte ihre Wirkung. Ob wirklich so viele Schnitte notwendig waren um den Film nicht doch ungekürzt durch die FSK zu bringen ist fraglich. Negativ fallen auch so manche Handlungsweisen der Darsteller ins Auge, die einfach selten dumm, klischeehaft und vorhersehbar handeln, sodass manche Situationen eher unlogisch gehandhabt werden.

"Hidden In The Woods" könnte man als gut gemeinten Versuch ansehen. Die Story kann verhältnismäßig adäquat unterhalten uns gibt einiges her. Längen sind auch nicht weiter zu verzeichnen, das Treiben präsentiert sich recht flott. Am meisten ärgert die Synchronisation und die stümperhafte Inszenierung, die leider viel Potenzial verschenken. So ist "Hidden In The Woods" noch okay, aber kein Must-See.

5/10

Dienstag, 12. November 2019

Robin Hood: Men In Tights - Robin Hood: Helden in Strumpfhosen (1993)

https://www.imdb.com/title/tt0107977/

Robin von Loxley (Cary Elwes) wird bei den Kreuzzügen unter König Richards (Patrick Stewart) Fahne gefangen genommen und ins Verlies gesperrt. Mit Hilfe eines arabischen Mitgefangenen namens El Niesreiz (Isaac Hayes) gelingt ihm die Flucht. Beim Abschied verspricht er ihm, sich um dessen Sohn Hatschi (David Chappelle) zu kümmern, der sich zur als Austauschstudent in England aufhält. Während König Richard auf den Kreuzzügen war, hat sich dessen Bruder, der kaltherzige Prinz John (Richard Lewis) selber zum Alleinherrscher über England ernannt. Mit Unterstützung des skrupellosen Sheriffs von Nuttingham (Roger Rees) unterdrückt er das arme Volk und beutet es nach Strich und Faden aus. Als Robin zu seinem Schloss zurück kehrt, erfährt von Blinzler (Mark Blankfield), dass seine Eltern gestorben sind. Gemeinsam mit Little John (Eric Allan Kramer) und Will (Matthew Porretta) stellt er sich den reichen Emporkömmlingen.

Leider etwas zu spät: Mel Brooks hatte seine große Zeit in den siebziger und achtziger Jahren und war damals wohl der absolute Hit - diese "Robin Hood"-Verlade wäre damals wahrscheinlich auch ein großer Brüller gewesen. Zu der Zeit als sie kam und auch heute kann man sie leider nur noch als eine Blödelei nehmen, nicht besonders ernst zu nehmen und von Grund auf nicht versaut oder eklig sondern durch und durch harmlos. Brooks selber beschränkt sich auf eine kleine Nebenrolle und überläßt dem gar nicht mal so schlechten Cary Elwes das Feld - der kann aber auch nur das machen was das dünne Drehbuch ihm vorgibt.

Sieht man davon einmal ab, bleibt ein Klamauk, der sich stark an "König der Diebe" bzw. den Roman von Howard Pyle orientiert, was für eine Parodie ja durchaus verständlich ist. Ernst nehmen braucht man in diesem Film jedenfalls nichts. Dave Chapelle als Hatschi, ein tuntiger Prinz John, ein notgeiler, oftmals sprachbehinderter Sheriff, ein doch recht witziger blinder Helfer Robins mit dem treffenden Namen "Blinzler", Little John, der doch ziemlich groß ist oder Patrick Steward als König Richard - die oft benutzte Phrase "Hirn ausschalten" darf man bzw. muss man hier ruhig ernst nehmen. So wird ja zum Beispiel auch Robin Hoods elterliche Burg abgeschleppt, weil keine Steuern bezahlt wurden - übrig bleibt Blinzler, der in der Zeit auf dem Klo sitzt und eine hochgeprägte Variante des Playboy für Blinde „fühlt“. Da darf dann auch mal gelacht werden, das sollte man nicht hinterfragen: dumpf, albern, aber erträglich. "Robin Hood: Helden in Strumpfhosen " ist unterm Strich eine harmlose Kasperei mit vereinzelt brauchbaren Pointen, ganz nett aber leider auch völlig belanglos.

6/10

Montag, 11. November 2019

Cujo (1983)

https://www.imdb.com/title/tt0085382/

Nachdem der Bernhardiner Cujo auf der Jagd nach einem Kaninchen von einer Fledermaus gebissen wird, infiziert er sich mit Tollwut. Cujos Herrchen Joe Camber (Ed Lauter) erhält von seiner Frau Charity (Kaiulani Lee), die soeben in der Lotterie gewonnen hat, eine eigene Werkstatt geschenkt, während Cujo zunehmend seiner Krankheit verfällt. Vic Trenton (Daniel Hugh-Kelly) auf der anderen Seite muss erfahren, dass seine Frau Donna (Dee Wallace) fremdgeht. Während er auf einer Dienstreise ist, bleibt sie mit ihrem gemeinsamen Sohn Tad (Danny Pintauro) mit ihrem Wagen liegen und die beiden machen sich auf den Weg zu Joes Werkstatt. Doch sie finden nur die Leiche Joes, der von seinem eigenen Hund getötet wurde. Als der tollwütige Cujo die beiden angreift, fliehen Donna und Tad zurück in ihren defekten Wagen und müssen auf Hilfe warten...

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Regisseur Lewis Teague, zuvor eher berüchtigt als berühmt für den trashigen Tierhorror "Der Horror-Alligator" mit "Cujo" einen frühen Klassiker der King-Verfilmungen landen konnte? Rein handwerklich beeindruckt der Hunde-Horror noch heute mit tollen Tiertricks, überzeugenden Schauspielerleistungen und einer (für damalige Verhältnisse) entfesselte Kameraarbeit (Jan de Bond, der knappe zehn Jahre später mit "Speed" einen Klassiker des Actiongenres schuf). Inhaltlich verpassen es Teague und seine Drehbuchautoren Don Carlos Dunaway und Lauren Currier allerdings die Romanvorlage sinnvoll einzukürzen, wodurch sich in der ersten Hälfte kleinere Längen ergeben.

Das nimmt der Geschichte um einen wild gewordenen Bernhardiner zwar ein wenig Gravitas, trotzdem ist "Cujo" ein verdammt gelungenes Stück Terrorkino. Das liegt zum einen an der Tragik des titelgebenden Antagonisten. Dessen Verfall vom grundguten Familienhund hin zur reißenden Bestie wider Willen ist auch ohne die Buchkapitel aus der Egoperspektive des Hundes herzzerreißend. Dazu reicht ein Blick in tieftraurigen Augen des Hundes. Auf der anderen Seite liefern Dee Wallace als Ehebrecherin Donna Trenton auf Kreuzgang und vor allem Danny Pintauro, als traumatisierter Sohn Tad, eine extrem überzeugende Performance als Terroropfer. Doch am besten bleibt - wie so oft bei King-Verfilmungen - die Grundidee der Handlung. Einen Familienhund als Metapher für das Auseinanderbrechen einer Familie unfreiwillig Amok laufen zu lassen ist einer dieser berühmten Ideen, bei denen man sich fragt, warum da vorher noch nie jemand draufgekommen ist. "Cujo" verkörpert die Schuld, die Donna Trenton auf sich geladen hat. Der Virus, der Cujo befallen hat, steht symbolisch für das Gift, das der Ehebruch in ihre Familie gebracht hat. Diese Grundkonstellation ist so stark, dass es die zweite Familie rund um den herrischen Hundebesitzer Joe Camber, dessen Ehefrau und Sohn im Laufe der Handlung förmlich vor ihm fliehen, im Grunde gar nicht gebraucht – im Gegenteil, die Geschichte wäre um einiges stärker, wenn Cujo einfach der Hund der Trentons wäre, der sich gegen sein eigenes Rudel wendet. "Cujo" spielt definitiv im oberen Drittel aller King-Verfilmungen und erwies sich trotz mäßiger Kritiken immerhin als so gelungen, dass jener eher berüchtigte als berühmte Lewis Taegue direkt im Anschluss mit einer weiteren Stephen-King-Verfilmung betraut wurde. Da braucht man nicht lange zu überlegen, warum und wer in "Katzenauge" einen Cameo-Auftritt hat.

7,5/10

Samstag, 9. November 2019

Dracula: Dead And Loving It - Dracula: Tot aber glücklich (1995)

https://www.imdb.com/title/tt0112896/

Nachdem Graf Dracula in dem Engländer Renfield einen neuen Assistenten gefunden hat, verlässt er im Jahre 1893 Transsylvanien und reist nach London. Während Renfield kurz darauf in der Nervenklinik von Dr. Seward landet, versucht Dracula, seinen Durst bei Sewards Tochter Mina und deren Freundin Lucy zu stillen. Doch der Blutsauger hat nicht mit der Hartnäckigkeit des ausgewiesenen Vampirjägers Van Helsing gerechnet. Der gewiefte Professor versteht es, Dracula einen äußerst fatalen Stolperstein zu stellen...

Mel Brooks' Parodie zum Vampirfilm-Genre fällt überraschend verhalten aus und verbeißt sich schnell in den zwei Gegenspielern Dracula (Leslie Nielsen) und Van Helsing (Mel Brooks), die den kompletten Film tragen und neben denen die anderen Charaktere ziemlich blass aussehen. (Mit Ausnahme von Peter MacNichol als Draculas Assistenten Renfield, der ihn einfach überragend dämlich spielt.). Leider schafft es Leslie Nielsen nicht, der als vertrottelter Sauger stets zur falschen Zeit am falschen Ort stolpert, ausrutscht oder sich den Kopf anschlägt, dem Film den nötigen Biss zu geben. Mel Brooks hält zudem die Gagfrequenz für seine Verhältnisse sehr niedrig und das Ganze wirkt recht blutleer. Dabei hat gerade die beste Szene Jonathan Harker (gespielt von Steven Weber), der bei der Pfählung seiner Geliebten so viel Blut verspritzt - und vor allem nicht wusste, dass ihm dabei so viel Blut ins Gesicht spritzen würde - dass er diese Szene herrlich fassungslos aber souverän spielt. Und zumindest die altbekannte Handlung und die angestaubten Requisiten wie das Spuckschloß oder die Gruft lassen etwas Dracula-Feeling aufkommen und verleihen dem Film, trotz einiger Längen, einen gewissen nostalgischen Charme und Altmeister Brooks schafft es immerhin vereinzelt ein paar köstliche Lacher gekonnt zu platzieren. Dafür veralbert Mel Brooks "Dracula: Tot aber glücklich" aber sehr schön und mit viel Liebe zum Detail den übersexualisierten und pathetischen Draculafilm von Francis Ford Coppola

6/10

Freitag, 8. November 2019

It Comes At Night (2017)

https://www.imdb.com/title/tt4695012/

Die Welt von Paul (Joel Edgerton), seiner schüchternen Frau Sarah (Carmen Ejogo) und ihres jugendlichen Sohns Travis (Kelvin Harrison Jr.) wird von einer bösartigen, pestähnlichen Krankheit bedroht, die beinahe das gesamte Leben auf der Erde ausgelöscht hat. Um Schutz vor den lebensgefährlichen Umständen zu finden, haben sie sich in ein abgelegenes Haus im tiefsten Wald zurückgezogen. Doch die Ruhe wird gestört, als eines Tages das junge Pärchen Will (Christopher Abbott) und Kim (Riley Keough) vor der Tür des Unterschlupfs steht und dort gemeinsam mit ihrem jungen Sohn Andrew (Griffin Robert Faulkner) Schutz sucht. Widerstrebend nehmen Paul und seine Familie die verzweifelten Flüchtlinge bei sich auf. Doch bald bricht Paranoia zwischen den neuen und alten Bewohnern aus, die von den Schrecken ihrer zerstörten Umgebung gleichermaßen traumatisiert sind...

"It Comes At Night" ist wieder einer dieser Filme, den viele Zuschauer hassen werden und man kann guten Gewissens zugeben, dass das Marketing ziemlich ungeschickt war, denn die Trailer suggerieren etwas völlig falsches. "It Comes At Night" hat im Grunde genau den Stil, der den nicht minder genialen "A Quiet Place" in noch höhere Sphären gehoben hätte. Hier wird nicht gezeigt und erklärt, was da draußen lauert, sondern die Tatsache an sich, dass dort etwas lauert stellt die Gefahr dar. Der Film verzichtet auf alle Mainstream Horror-Elemente und ist eine atemberaubende Charakterstudie im Kammerspiel-Stil. Hier steht das Thema Paranoia und Panik im Vordergrund und der Film zeigt sehr eindrucksvoll, was solch eine Extremsituation mit Menschen macht und wie paranoid unsere Charaktere werden. "It Comes At Night" ist insgesamt ein eher ruhiger Survival-Horror, mit ab und zu aufblitzenden Gruselelementen, die aber nicht vorrangig im Vordergrund stehen. Diese werden meist in Traumsequenzen gezeigt. Dabei ist "It Comes At Night" ein schönes kleines und vor allem böses Filmchen. Atmosphärisch sehr packend aber sicherlich nicht für jeden geeignet, denn er lässt dem Zuschauer sehr viel Spielraum für Interpretation. Um was es beim sogenannten "It" aus dem Titel überhaupt handelt, kann jeder für sich entscheiden. Wenn man mit solchen Freiheiten umgehen kann, ist der Film extrem spannend und einige wenige aber dafür perfekt inszenierte Szenen lassen einem die Haare zu Berge stehen.

Joel Edgerton ist einfach ein grandioser Schauspieler. Zwar sind alle Charaktere in diesem Film brillant und glaubwürdig, aber es ist vor allem Edgerton, der hier einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Seine Angst und seine Paranoia kommen extrem echt herüber und man kann ihn, trotz heftiger Entscheidungen, immer voll und ganz verstehen. Carmen Ejogo als Sarah weiß ebenso gut zu gefallen und hat eine brillante Chemie mit Edgerton. Auch Kelvin Harrison Jr. als Travis beeindruckt und besonders seine Visionen und Halluzinationen sind mit einem meisterhaften Score untermalt. Christopher Abbott als Will spielt eine sehr tragische Figur, genau wie seine Frau und sein Sohn. Auch ihn kann man voll und ganz verstehen, allerdings misstraut man ihm als Zuschauer genauso sehr wie Paul. Alle Charaktere interagieren brillant miteinander und jeder einzelne Dialog ist perfekt. Das Hauptaugenmerk des Films liegt auf der Bindung der einzelnen Familienmitglieder, und deren Angst vor dem Ungewissen. Der Drama Anteil überwiegt hier zwar, doch wirkt zu keiner Zeit gezwungen oder unpassend. Das ganze erzeugt eine sehr dichte bedrückende Atmosphäre, die zum Schluss unfassbare Ausmaße annimmt. Man wird hier von Anfang bis Ende konstant bei der Stange gehalten, und das auf hohem Niveau. 

"It Comes At Night" ist unterm Strich brillant geschrieben, meisterhaft inszeniert und erstklassig gespielt. Ein Film, der nachhallt, der Interpretationsspielraum bietet und über den man reden kann, ja, muss. Gerade beim dritten Akt stockt dem Zuschauer der Atem. Aber Vorsicht: Zu diesem Film muss man Zugang finden und einige werden diesen Film, dank der fehlgeleiteten Trailer, verteufeln und sich vor allem langweilen. Es ist ein Kammerspiel und eine tiefgründige Studie über Paranoia. Das wird nicht jeder mögen.

7/10

Donnerstag, 7. November 2019

Don't Say A Word - Sag' kein Wort (2001)

https://www.imdb.com/title/tt0260866/
Das Familienglück des New Yorker Psychiaters Dr. Nathan Conrad (Michael Douglas) und seiner Frau Aggie (Famke Janssen) wird jäh überschattet, als Gangster unter Führung von Patrick (Sean Bean) ihre Tochter Jessie (Skye McCole Bartusiak) entführen. Die Verbrecher haben es auf die Beute eines lange zurückliegenden Raubzuges abgesehen. Doch nur eine nervlich labile Patientin von Dr. Conrad weiß um den Verbleib der Beute: Elisabeth (Brittany Murphy), die kein Wort spricht. Sie ist der Schlüssel zum Leben von Conrads Tochter. Von den Kidnappern mit hochmodernem Equipment überwacht, muss Dr. Conrad auf eigene Faust versuchen, das Leben seiner Tochter zu retten. Versagt der Psychiater, wird sie getötet. Er hat nur sieben Stunden Zeit...

Der Film verdankt seinen Erfolg wohl insbesondere dem guten Timing: er startete im Kino nur wenige Wochen nach dem 11. September 2001 und da war das Publikum in Stimmung einen Mann zu sehen der auf eigene Faust und mit hammerharten Methoden seine in Gefahr geratene Familie rettet. Abgesehen davon ist der Film letztlich gehobene Massenware mit guten Komponenten. Ob die stark gezeichneten Charaktere, die stetige Spannungssteigerung oder das ungeheuer atmosphärische Finale, der Film hat wohl alles, was ein gelungener Thriller haben sollte.

Michael Douglas agiert als sympathischer Held, Sean Bean kopiert seine Bond-Fieslingsrolle aus "Goldeneye", während Brittany Murphy als psychopathisches Wrack eine eindrucksvolle Visitenkarte vorlegt die sie für ernsthaftere Rollen qualifiziert. Zwar spielt auch Douglas gewohnt überzeugend, doch kommt er nicht an die Paraderolle einer Brittany Murphy heran, der die psychisch Kranke oder wirre Persönlichkeit wie auf den Leib geschneidert ist.

Die Story enthält zwar an einigen Stellen Logikfehler, Hänger und Unglaubwürdigkeiten (Brittany Murphy wurde im Film 10 Jahre lang von über 20 Psychiatern untersucht und Douglas ist nach einem Blick in ihre Akte weiter als sie) aber letztlich geht’s hier darum rasante Spannung zu erzeugen was auch voll gelingt. Nicht mehr oder weniger. "Sag' kein Wort" ist ein vom Anfang bis zum Ende durchweg spannender und durchdachter Thriller, der von der schnellen Erzählweise lebt, bis in die Nebenrollen ganz stark gespielt ist, aber letztlich doch nur ein Psychothriller von der Stange.

6,5/10

Dienstag, 5. November 2019

The Internship - Prakti.com (2013)

https://www.imdb.com/title/tt2234155/

Billy (Vince Vaughn) und Nick (Owen Wilson), zwei Armbanduhren-Verkäufer der alten Schule, haben so ihre Probleme mit der sich ständig wandelnden digitalen Alltagswelt. Als sie ihre Jobs verlieren, hecken sie einen Plan aus: Sie wollen sich zwei der begehrten Praktika beim Mega-Konzern Google schnappen. Dort verdient ein Praktikant nämlich gut und gerne 6000 Dollar im Monat und betreut Projekte, die in anderen Firmen nur für Festangestellte reserviert sind. Auf 1500 freie Stellen kommen jährlich jedoch 40000 Bewerber – und Google nimmt nur die Superstars unter ihnen. Als sich die beiden Mittvierziger am Ende tatsächlich mitten in einem Bataillon von brillanten Studenten an vorderster Front des Internetgiganten wiederfinden, müssen sie das technische Genie in sich entdecken, um zu beweisen, dass ihre kostbaren Arbeitskräfte absolut unverzichtbar sind...

Manche Filme sind halt einfach eine simple, perfekt durchkoordinierte Sache - dieser hier auch. Die gute Nachricht ist, dass man genau weiß was man erwarten kann und eben dies dann auch genau so bekommt. Die schlechte Nachricht ist, dass dies nicht wirklich "großes Kino" darstellt. Wohl aber sehr vertrautes: Owen Wilson und Vince Vaughn zeigen sich ein weiteres Mal vereint als lässiges Kumpelgespann (wenn die sich mal mehr prügeln würden gehen sie irgendwann als legitime Nachfolger von Bud Spencer und Terrence Hill durch) das irgendwo hin gerät wo sie an sich fehl am Platze sind, hier ist es die Variante wo sich die beiden als technikferne Verkäufer versuchen einen Platz bei Google zu erarbeiten.

Was dabei kommt kann man nach Schema F abzählen: eine Serie peinlicher Situationen, eine Lovestory, die natürlich zu einem Happy End kommt und die kauzigen Nebenfiguren erweisen sich in ungewöhnlichen Momenten als genau richtig. Nichts, aber auch gar nichts was man nicht erwarten kann, aber dennoch kurzweiliges Spaßkino wie man es erwartet und wünscht. Lediglich Vince Vaugn hat ein wenig zu viel Text bekommen und macht hier und da mal den Dampfplauderer - das hätte man kürzen können. Aber letztlich hat man nichts zu klagen, sondern zwei vergnügliche Filmstunden. Es geht um einen humorig verpackten Generationenkonflikt. Reicht doch manchmal aus.

Etliche scheinen ein Problem damit zu haben, dass "Prakti.com" offensichtlich ein Google-(Werbe-)Film ist, bzw. Google vertritt. Damit kann man aber leben, denn Google ist in unserer Gesellschaft dermaßen präsent, dass ein Werbeeffekt bzw. gesteigertes Interesse an deren Produkten mit dieser Darstellung kaum auftreten kann. So bleibt der Film eher ein gesellschaftsrelevantes Thema, das man eben aus dieser Perspektive beleuchtet. "Prakti.com" ist unterm Strich eine kurzweilige Klamotte nach Schema F die nicht wirklich was bringt, aber auch keinem wirklich weh tut.

6/10

The Toxic Avenger Part II - Atomic Hero 2 (1989)

https://www.imdb.com/title/tt0098503/

Nach seinen Erlebnissen im ersten Teil war es ein wenig ruhig um den grünen Rächer - doch das Böse schläft bekanntlich nicht. Dem skrupellosen Chef von "Apocalypse Inc." steht nämlich nur noch Melvin, der Beschützer der Stadt Tromaville, im Weg, um den Ort in seine Gewalt zu bringen. Sein Plan geht fürs Erste sogar auf, indem er den mutierten Held mit einer List nach Japan lockt. So lässt unser Held seine geliebte blinde Blondine zurück und begibt sich per Surfbrett auf den Weg nach Japan, um seinen Papa zu suchen. Einmal in Tokio angekommen, zeigt er den bösen Japanern, wo die Sushi hängt. Toxi räumt auf im Land der Sonne, natürlich alles im Namen von Liebe und Frieden. Als nun Tromaville dank der Übernahme von "Apocalypse Inc." erneut in große Gefahr gerät, lässt aber Toxies Vergeltungsschlag nicht lange auf sich warten...

"Atomic Hero" war ein gutes und überzeugendes Werk aus dem Hause Troma und dazu noch sicherlich eines der bekanntesten Werke. Zu einem zweiten Teil (und zu dem dritten) sollte es eigentlich gar nicht kommen, doch man stellte fest, dass man noch viel mehr Material hatte, als gedacht und so konnte man daraus noch zwei Fortsetzungen erschaffen. "Atomic Hero 2" zu bewerten, fällt dabei nicht so ganz leicht. Einerseits hat der Film was, auf der anderen Seite ist er aber auch arg langatmig.

Tatsächlich verschiesst der Streifen sein Pulver in der ersten halben Stunde. Das Regie-Duo Lloyd Kaufman und Michael Herz lassen nach einer kurzen Einleitung, unterlegt mit dem Voice-Over von Melvin/Toxie die Sau, bzw. Körperteile raus. Die bösen Jungs und Mädels von "Apocalypse Inc." dringen in das nun friedliche Städtchen Tromaville ein und jagen prompt das Blindenheim von Toxies Freundin in die Luft. Dieser lässt seinen Ärger freien Lauf. In einer langen Prügelszene werden viele Bad-Guys, unter anderem bestehend aus Bauarbeiter, menschlicher Vierbeiner, Indianer, Klu-Klux-Klan Mitglied und kleinwüchsiger Bodybuilder kreativ um die Ecke gebracht. Damit wird das Gewaltlevel des Vorgängers getoppt. Doch nach diesem frühen Highlight stürzt der Held in eine "Monster-size depression", da er die Menschen im Blindenheim nicht retten konnte. Von seiner Therapeutin erfährt er, dass sich sein Vater "Big Mac" (Spitzname: "…with cheese") im Land des Lächelns befindet. Kurzerhand steigt er auf sein Windsurfboard und fährt nach Tokio. Dort muss er sich erst mal an die fremde Kultur gewöhnen und sich wieder mit üblen Gangstern herumschlagen. Unterdessen nutzt "Apocalpyse Inc." seine Abwesenheit um Tromaville in Angst und Schrecken zu stürzen.

Die Idee, den Schauplatz zu wechseln ist nicht schlecht. Tatsächlich macht die Ankunft in Japan, inklusive "Jaws" und "Godzilla"-Referenzen echt Spass. Doch der Film ist mit seinen 102 Minuten eh zu lang und eine Straffung hätte nicht geschadet. Besonders die Verfolgungsjagd am Ende ist behäbig und endet dann plötzlich abrupt. Die Suche nach dem Vater hört sich dramatischer an als sie es in Wahrheit ist. Sie dient als Vorwand für weitere Splatter-Einlagen und schrägen, platten Humor. Business as usual. Das Beste am Film sind die erneut herrvorragend handgemachten Effekte, die Schlacht am Anfang, das Setting sowie einige nette Sprüche.

Klar gibt es einige Witze über die Eigenheiten Japan’s und Vergleiche mit der USA. Diese sind aber, untypisch für Troma, nicht allzu derbe. Man merkt den Respekt der Filmemacher für das Land an.
Eines bleibt aber gleich: Das schrille Overacting. Die asiatischen Kollegen beherrschen das mindestens genauso gut wie die Amis. Dazu werden sie noch gezwungen, bemüht schlecht und langsam Englisch zu sprechen. Michael Jai White gibt hier sein Filmdebüt als Karatekämpfer und taucht auch im dritten Teil auf. Die Hauptdarsteller des Vorgängers wurden allesamt durch neue ersetzt. Toxies Freundin heisst nun Claire statt Sara und wird von der Sängerin Phoebe Legere gespielt.

"Atomic Hero 2" ist damit keine Fortsetzung, die man unbedingt gesehen haben muss. Wer den ersten Teil gut fand, kann sich diesen Teil auch ohne Probleme angucken, doch man sollte sich bewusst sein, dass man nichts Besonderes bekommt. Also kein schlechter Film und Dank ein paar guten Splatterszenen und einem insgesamt doch zufriedenstellenden Unterhaltungswert auch noch leicht über dem Durchschnitt. Dennoch nicht uneingeschränkt zu empfehlen.

Trash-Wertung: 7/10
Real-Wertung: 5,5/10

Von Eightyfour Entertainment kommt der Film auch im auf 333 Stück limitierten Mediabook.

Montag, 4. November 2019

All Hallows' Eve - All Hallows' Eve: Komm raus und spiel! - Terrifier: The Beginning (2013)

https://www.imdb.com/title/tt2900624/

Als Babysitterin Sarah (Katie Maguire) an Halloween auf zwei Kinder aufpasst, findet sie unter der Ausbeute von Timmy (Cole Mathewson) außer einer ganzen Menge an Süßigkeiten noch ein altes Videoband, das ihm jemand zugesteckt haben muss. Die Neugier der drei ist geweckt und so schieben sie die Kassette ahnungslos in den Videorekorder, um dann jedoch von einer Reihe schockierender Bilder überrascht zu werden. Denn zu sehen sind drei grauenhafte Kurzgeschichten, in denen jedes Mal ein mordlüsterner Clown (Mike Giannelli) einen prominenten Auftritt hat. Sarah schickt die beiden zwar ins Bett, kann der Versuchung aber nicht widerstehen, das Band erneut anzumachen. Je weiter die Nacht fortschreitet, desto mehr seltsame Dinge fallen in dem Haus vor. Es dauert nicht lang, bis die Babysitterin die grauenhafte Wahrheit erkennt… Der verrückte Clown bahnt sich seinen Weg in ihre Realität!

Nachdem das Potential von Art, dem Clown spätestens nach dem ultra-sadistischen Horrorfilm "Terrifier" bloßgelegt wurde, dachte man sich, es wäre doch nett, wenn man den Vorgänger, der Art, den Clown bereits einführte, noch einmal unter neuem Namen herausbrächte. Und was schien da naheliegender als "All Hallows' Eve", so der Originaltitel, umzubenennen in "Terrifier: The Beginning"? Klar, ein reiner Marketing-Gag, denn "All Hallows' Eve" baut lediglich eine Rahmenhandlung um den sadistischen Clown mit dem fiesen Grinsen auf und liefert in dieser Rahmenhandlung 3 Horror-Kurzfilme ab.

Allgemein vereint "All Hallows Eve" düstere, atmosphärische Bilder, einen guten, passenden Score und einen ziemlich fiesen, unheimlich bösen Clown. Die drei Horrorfilm-Episoden im VHS-Look fügen sich passend ein und allein schon dadurch weiß "All Hallows' Eve" richtig gut zu unterhalten. Die Episoden sind interessant und überzeugen durch Einfälle und eine herrlich gruselige Atmosphäre. Lediglich die zweite Episode wirkt etwas billig und fehl am Platz, doch sei's drum, das Gesamtpaket stimmt. Denn dazu kommt ein völlig überzeugender Syntax zwischen Handlung der einzelnen Episoden und deren immer bedrohlich wirkendere Stimmung. Kaum vorhersehbare Wendungen und schräge Ideen runden die Story ab. Selbst die Rahmenhandlung wird mit den Episoden verwoben und dient nicht nur als Füllstoff. Dem gegenüber stehen leider nur eher mittelmäßige (Neben-)Darsteller. Da dies aber in Horrorfilmen nicht unbedingt Gewicht hat, ein vernachlässigbarer Punkt. Auch darf man nicht zu sehr über Logik nachdenken. Denn jenseits all dessen ist "All Hallows' Eve" ein amüsanter, kurzweiliger Gruselspaß.

6,5/10

Von MARITIM Pictures kommt der Film als "Limited Cinestrange Extreme Edition" im limitierten und nummeriertem Mediabook:

Samstag, 2. November 2019

The Condemned - Die Todeskandidaten (2007)

https://www.imdb.com/title/tt0443473/

Multimillionär Breckel (Robert Mammone) ist ein ausgezeichneter Geschäftsmann, sein riesiges Vermögen spricht Bände. Aber Breckel will immer mehr Geld anhäufen und hat sich dafür ein ganz besonders perfides Internetspektakel ausgedacht. Zahlungswillige Nutzer können über eine spezielle Seite dabei zusehen, wie sich zehn ehemalige, todgeweihte Gefängnisinsassen gegenseitig zerfleischen, bis nur noch einer übrig ist. Die Kandidaten, die auf einer einsamen Insel gegeneinander antreten müssen, hat Breckel aus diversen Gefängnissen herausgekauft. Am Körper der Ex-Knackis befestigte Sprengstoffbänder sollen dazu beitragen, dass die Schwerkriminellen auch kämpfen. Denn nach 30 Stunden explodieren sie. Jack Conrad (Steve Austin), aus einem schmierigen Gefängnis in El Salvador auf die Insel gebracht wurde will eigentlich nicht an dem Spektakel teilnehmen. Aber der Sprengstoff und seine Gegner, zu denen unter anderem der psychopathische Ex-Elitesoldat McStarley (Vinnie Jones), die japanische Kampfmaschine Saiga (Masa Yamaguchi), Kreston Mackie (Marcus Johnson) und Yasantwa (Emelia Burns) gehören, lassen das nicht zu.

Eine weitere Verfilmung des "Running Man"-Themas, wie man es nicht zuletzt aus "Gamer" oder deutlich abgewandelt "Death Race" kennt. Todgeweihte, die antreten, um ihr nacktes Leben in einem perversen Spiel zu gewinnen, welches medial perfide ausgeschlachtet wird. Nach Arnie, Butler und Statham darf sich nun also Steve Austin mit Psychopathen und einem mehr als abgebrühten und eiskalten Medienguru herumschlagen. Doch eine Sache stört bei diesem brutalen Actionspektakel massivst: die völlig hirnrissigen Charakteraktionen. Bestes Beispiel ist, dass ein Elite-Spezialist wohl niemals eine ausgeschaltete Wache mitten auf dem Weg liegen lassen würde. Und auch das Camp hat was von nem Plothole. Da war "Running Man" deutlich konsequenter.

Was der Film gut macht, ist nicht zuletzt der satte Sound und natürlich die Action. Für manchen Geschmack sicher teilweise zu brutal, auch wenn man nicht alles sieht. Hier hätte es wohl auch gereicht, wenn man einige der Perversionen weniger drastisch präsentiert. Auf der anderen Seite sind einige der Kämpfe und auch Kills ziemlich gut arrangiert. Da die Gewalt und Abartigkeit des Systems bzw. Spiels so stark hervorgehoben wird, ist auch die Moralpredigt als Gegenpol ziemlich deutlich zu vernehmen. Die Gerechtigkeit wird geradezu zelebriert, wie es eben auch mit der Gewalt geschieht. Auch, wenn das "Auge um Auge" zum Ende hin sehr vorhersehbar ist, überkommt einen am Ende ein seltsames, perfides Gefühl von Gerechtigkeit. Und gleichzeitig findet man die Menschheit irgendwie scheiße, denn man weiß genau, dass sich wirklich verdammt viele hirnlose Idioten da draußen befinden, die sich so eine Show wirklich ansehen würden. Eine Show, in der Menschen sich vor laufenden Kameras gegenseitig auf teils brutalste Weise misshandeln und umbringen. Live-Snuff für 50$! Wollen Sie mehr wissen?

6/10

Von NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 777 Stück limitierten Mediabook: 

Freitag, 1. November 2019

Blind Fury - Blinde Wut (1989)

https://www.imdb.com/title/tt0096945/
Der Vietnamkrieg hat Nick Parker (Rutger Hauer) gezeichnet. Als Blinder kehrte der Soldat zurück, aber nicht, bevor er die Kunst des Schwertkampfes gelernt hat. Beim Besuch seines alten Kameraden Frank Devereaux (Terry O’Quinn) erlebt Nick eine böse Überraschung. Drei finstere Gesellen versuchen, Franks Sohn Billy (Brandon Call) in ihre Gewalt zu bringen. Frank selbst ist nicht anwesend. Der Kampf endet mit dem Tod von Billys Mutter Lynn (Meg Foster) und der Flucht von Nick, der den Jungen unter seine Fittiche nimmt. Der erfahrene Vietnamveteran macht sich auf die Suche nach den Hintergründen der Gewalttat. Dabei kommt er dem Kasinobesitzer MacCready (Noble Willingham) auf die Spur, der Frank unter Druck setzen will, um eigene Ziele zu erreichen. Drogen, Geldschulden und zwielichtige Typen bilden einen gefährlichen Cocktail, mit dem Nick umgehen muss.

Er kam, sah nichts, und siegte. Das trifft es ganz gut. Ein straff inszenierter Rachethriller voller Action und Blut. Würde man meinen. Nun entpuppt sich der Film "Blind Fury" des australischen Regisseurs Philip Noyce aber als ein Vertreter einer recht merkwürdigen Phase Ende der 80er Jahre, der das klassische Actionkino noch nicht ganz hinter sich lassen konnte, die 90er jedoch bereits mit offenen Armen empfing. Rutger Hauer wandelt hier auf den Spuren des blinden Samurais Zatoichi, doch letztlich kämpft "Blind Fury" vor allem mit seiner Zerrissenheit zwischen Action und auf witzig angelegter Unterhaltung für die ganze Familie, bar jeglicher FSK-Freigabe. Zuweilen driftet das alles gar in den Slapstick ab und gibt sich nicht selten albern, ist aber vielleicht auch gerade wegen dieser gnadenlosen Überzeichnung so unverschämt unterhaltsam in all seinem Schwachsinn und seiner Sinnlosigkeit. Auf der handwerklich Ebene hingegen ist "Blind Fury " wirklich gelungen und sieht manchmal sogar richtig gut aus. Und zu langweilen vermag er bei all dem Irrsinn auch nicht, zumal die Laufzeit von etwas mehr als 80 Minuten das alles herrlich komprimiert. "Blind Fury" unterläuft etwaige Erwartungshaltungen gewaltig, war doch sehr anders als gedacht, und kann gerade dadurch Punkte sammeln. Es ist ein schöner bunter Quatsch für zwischendurch. Und die Mimik von Rutger Hauer ist ein Genuss.

7/10

Von NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 444 Stück limitierten Mediabook:

Dienstag, 29. Oktober 2019

Batman & Robin (1997)

https://www.imdb.com/title/tt0118688/

Mr. Freeze (Arnold Schwarzenegger) ist ein eisiger Geselle, der die Sicherheit von Gotham City bedroht. Wenn die Temperatur über Null Grad steigt, fühlt sich Mr. Freeze nicht mehr wohl. Auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung versucht er, ein wertvolles Schmuckstück zu stehlen, findet dort aber seinen Meister und wandert in den Knast. Damit ist die Bedrohung aber noch nicht dauerhaft beendet, denn Poison Ivy (Uma Thurman), eine gefährlich verführerische Frau, die seit einem Giftpflanzenunfall tödlich wirken kann, und ihr kraftstrotzender Gehilfe Bane (Jeep Swenson) befreien Mr. Freeze. Gemeinsam mit dem Kälteliebhaber möchte Ivy Bruce Wayne (George Clooney) in die Schranken weisen, da er sie öffentlich gedemütigt hat. Aber natürlich sind Batman, Robin (Chris O'Donnell) und Batgirl (Alicia Silverstone) zur Stelle, um sich der Dreierbande des Bösen entgegen zu stellen...

Schlecht, schlechter Joel Schumachers "Batman & Robin". Batman & Robin schlägt den gleichen Weg ein wie sein Vorgänger. Man versucht sich erneut am lustigen Over the top-Trash - Versuch fehlgeschlagen. Hier ging eigentlich alles in die Hose, was in die Hose gehen konnte. Die Vorgeschichte von aus dem Comic der im DC-Universum bekannter und beliebter Figuren wie Bane und Batgirl wurde komplett verändert was für jeden Fan schon in erster Instanz ein absolutes No-Go ist. Es leuchtet an allen Ecken und Enden zudem alles Knallbunt auf, dass man meinen könnte, die Designer hätten einen immensen Blankoscheck bekommen um wirklich alles lächerlich übertrieben bunt, künstlich und kitschig aussehen zu lassen. Keine Spur eines düsteren Rächers. Die Kostüme von Batman, Robin und erstmals Batgirl haben jetzt sogar Nippel und allein das reicht, um sich gar nicht weiter über den Humor des Films auslassen zu müssen. Dieser ist oft mehr peinlicher Natur als lustig und treffsicher. Stichwort: "Batcard".


Wie schon beim Vorgänger "Batman Forever" saß wieder Joel Schumacher auf dem Regiestuhl. Aber diese Arbeit spottet jeder Beschreibung. War der Vorgänger gerade noch akzeptabel, schießt hier Schumacher den Vogel völlig ab. Schumacher ging mit "Batman & Robin" in die Geschichte ein. Viel zu bunt, penetrant und nervig kommt dieses Machwerk daher. Ein Schlag ins Gesicht für die, die es mit dem dunklen Ritter halten. Von Tiefgang wie in den Comics keine Spur. Mittlerweile hat sich Schumacher für diesen Film entschuldigt. Die Schauspieler können leider nicht überzeugen und es fehlen die eindrucksvollen Bösewichte. Die Dialoge sind so dämlich, dass die Akteure verständlich Schwierigkeiten haben, das erzwungende Overacting zu vollziehen, bestes Beispiel: Uma Thurman als wohl krankeste, dümmste Ökologin der Filmgeschichte wenn sie in ihr Mikrofon ihren Monolog hält. Die Feinde fliegen meterweit in die Höhe, wenn sie in einer schlappen Choreographie besiegt wurden. Alles ist übertrieben, der übertriebene Trash ist ja häufig sehr amüsant, dieser hier verfehlt leider sein Ziel und ist ziemlich langweilig. Lahme Action, einschläfernde Musik, totale Einfallsarmut und schlechtes Schauspiel trotz Star-Besetzung. Lediglich ein paar quietschbunte Szenenbilder und ein paar Dialoge, über die man schmunzeln muss, halten einen wach.


Eine filmische Erfahrung, die man ruhig (mit-)machen kann, ist aber kaum besser als die Scheibe Käse was Schauspiel, Story, Intelligenz, Einfallsreichtum und Spaß betrifft. Man könnte sagen, dieser Film war das größte Fiasko 1997.

4/10

Von WARNER BROS. gab es die 4-teilige Filmreihe exklusiv bei BestBuy in einem Metall-Slpcase, welches die 4 Filme auf 4K Ultra-HD Blu-ray im Steelbook enthielt.