Donnerstag, 1. November 2018

The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen (1977)

https://www.imdb.com/title/tt0077681/

Familie Carter reist durch die Yucca-Wüste. Plötzlich werden Vater „Big Bob“ (Russ Grieve), seine Ehefrau Ethel (Virginia Vincent), Sohnemann Bobby (Robert Houston), die Töchter Brenda (Susan Lanier) und Lynne (Dee Wallace Stone) sowie deren Ehemann Doug (Martin Speer) mitten in der verlassenen Steppe mit dem puren Bösen konfrontiert: Ein Clan von Kannibalen unter Führung von Oberhaupt Jupiter (James Whitworth) setzt ihnen zu. Zuerst töten sie den Schäferhund Beauty. Dann muss „Big Bob“ dran glauben. Er wird gekreuzigt und angezündet. Auch dem Rest ergeht es schlecht. Um zu überleben, müssen sich die Überlebenden der Kannibalenfamilie entgegenstellen, ihre Kraft sowie ihre Wut bündeln und selbst töten...

Inmitten der endlosen Weite der Wüste von Nevada sieht sich eine Familie nach einer Autopanne zunehmend einem Albtraum ausgesetzt, in dem sie von wilden Mutanten terrorisiert werden. In "The Hills Have Eyes", Wes Cravens erst zweitem Spielfilm, verfolgt der Regisseur ein ähnliches Konzept wie in seinem Debüt "The Last House On The Left", in dem Craven gutbürgerliche Wertevorstellungen und vermeintlich familiäre Sicherheit in einem brutalen Delirium aus Vergewaltigung, Tötung und Vergeltung ins Gegenteil kehrte.
Das Familiengefüge der gestrandeten Carters nutzt Craven dabei als uramerikanisches Sinnbild, in dem er sämtliche Befindlichkeiten der damaligen Ära reflektiert, darunter das unbedingte Vertrauen in die Hilfe von Gott, welchem ein ähnlich hoher Wert beigemessen wird wie das Vertrauen in offensive Waffengewalt.

Bibeltreue und Schusswaffen erweisen sich im Verbund jedoch als zunehmend nutzlos, denn durch die Konfrontation mit den Mutanten, dem vermeintlich Bösen, inszeniert der Regisseur ein ebenso verstörend wie tragisch verzerrtes Spiegelbild der Carter-Familie. Die Mutanten sind die Ausgestoßenen der Gesellschaft, Resultate atomarer Versuche, die nun als Abfallprodukte ein Dasein als Monster fristen und in ihrer verzweifelten Aggression zum rational unverständlichen Gegenschlag ansetzen. "The Hills Have Eyes" ist dadurch genauso gesellschaftskritisches Zeitdokument, in dem sich Craven mit einer stigmatisierten sowie gebrandmarkten Minderheit solidarisiert, wobei er absurde Wertevorstellungen der heilen Familiensymbolik durch stereotype Figuren in noch absurdere Höhen überspitzt. Den Konflikt zwischen strahlender Privilegierung und verstrahlter Degenerierung führt der Regisseur dabei bewusst in Regionen des beklemmenden Terrors, der aufgrund begrenzter finanzieller Mittel und womöglich noch unausgereifter handwerklicher Fertigkeiten hinter dem Niveau seines intelligenten Konzepts zurückbleiben muss.

Die ungefilterten Bilder werden durch Anschlussfehler, schlechte Beleuchtung oder überfordertes Schauspiel noch stärker verunstaltet als durch den ohnehin rohen Ansatz des Regisseurs. Durch groben Dilettantismus raubt Craven seiner durchaus kraftvollen Illusion des Schreckens viel Wirkung, womit "The Hills Have Eyes" zwischen einem erschreckenden Spiegelbild des damaligen Amerikas, einem effektiven Horrorfilm voller unangenehmer Impressionen und einem unfreiwillig komischen Zirkus der grotesken Attraktionen auf ungestüme Weise hin und her wankt.

7/10

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