Dienstag, 6. November 2018

Hook (1991)

https://www.imdb.com/title/tt0102057/

Peter Pan hat Nimmerland den Rücken gekehrt. Schon vor Jahren ist der Junge, der niemals erwachsen werden wollte, in die „normale“ Welt zurückgekehrt. Peter Banning (Robin Williams) ist mittlerweile ein seriöser und leicht reizbarer Anwalt. An seine Kindheit als verwegener Held kann er sich kein bisschen mehr erinnern. Sein alter Erzfeind Captain Hook (Dustin Hoffmann) jedoch hat nichts vergessen. Noch immer sinnt er auf Rache, seit er im Kampf gegen Peter eine Hand an ein gefräßiges Krokodil verloren hat. Hook entführt die beiden Kinder von Peter in die verborgene Welt. Fee Glöckchen (Julia Roberts) gelingt es, Peter zurück nach Nimmerland zu führen. Zunächst ist er völlig überfordert mit der Situation. Doch mit Hilfe der „verlorenen Jungs“ gewinnt er schließlich seine kindliche Fantasie zurück. Gemeinsam stellen sie sich dem entscheidenden Kampf gegen den schurkischen Piratenkapitän...

Jeder kennt seine Geschichte. Die Kinder lauschen gespannt und starren mit offenen Mündern auf die Bühne, wo sein Stück gespielt wird. Es ist fast so, als würden sie den Atem anhalten. Steven Spielberg denkt mit oft dem gescholtenen "Hook" die Geschichte des ewigen Jungen weiter und dichtet sie um. Er denkt dabei an einen Erwachsenen Peter Pan (der jetzt mit Nachnamen Banning heißt und mit Robin Williams besetzt wurde), einen spießigen Anwalt, der ständig an seinem Telefon hängt. Der fliegende Junge, der als Mann nun Angst vor dem Fliegen hat. Der Junge, der jetzt als Mann keine Zeit mehr für seine Kinder hat und das Baseballspiel seines Sohnes von einem Mitarbeiter mitfilmen lässt. Er ist ein Vater, der nicht da ist, lieber mit seiner Arbeit liebäugelt und seinen Kindern ins Gesicht schmettert, dass sie erwachsen werden sollen. Und Steven Spielberg erzählt hiermit mit einer kindlichen Naivität und Leichtfertigkeit ausgestattet wie wieder das Kind in ihm erwacht. Es ist die Suche nach Peter Pan, der sich hier nun selbst finden muss. Weiterhin ist es natürlich auch eine Geschichte über Familie, die am Anfang bröckelt durch den egoistischen Peter und die bei Spielberg wieder zusammenfinden muss. Zuerst macht Spielberg aber den Mythos von Peter Pan seinen Zuschauern wieder schmackhaft, wenn Peter mit seiner Familie zu Wendys Haus zurückkehrt, die nun eine alte Dame ist, die meint, dass Peter nun selbst ein Pirat geworden sei. Spielberg lässt (durchaus auch gewitzt) den Blick durch das Haus schweifen, an den bestimmten Ort der Erzählung, das Kinderzimmer, sieht die illustrativen Bilder an den Wänden, lässt seine Figuren sich erinnern und erzählen. Dieser (zauberhafte) Beginn, für den John Williams auch motivierende und treffende Musik findet, macht Lust auf die Magie des Abenteuers.

Wenn Peter dann wieder durch die Hilfe von Glöckchen im Nimmerland landet, wird dort Spielbergs Film dann zu einem pompösen und zügig erzählten Märchen, das keine (wirkliche) Ruhe mehr kennt, bei dem Spielberg zu einer herzhaften Sentimentalität neigt und er sich auch zu affigen Blödsinn hinreißen lässt. In diesem Sinne ist sein Film zweifelsohne infantiler und kindischer Unfug, eine Schelmerei, der er sich hingibt und auch ein buntes und vor allem auch putzmunteres Brimborium. Es ist so, als würde dort im Nimmerland Spielberg eine Mottenkiste plündern und allen möglichen Krempel und Krimskrams herausschmeißen. Somit könnte man auch sagen, dass Spielberg selbst wie ein Pirat oder Räuber ist, der hier alles mögliche aus seiner Schatztruhe zu ziehen scheint. Oder noch anders gesagt: Er ist wie ein Zauberer, der jede Menge (irgendwie bezaubernden) Plunder aus seinem Hut zieht. Denn so deutlich auch die tradierte Studiokulisse hervorscheinen mag, so hat diese doch auch etwas liebenswert-altmodisches, etwas, das man heute wohl nicht mehr in einem (aktuellen) Film vor Augen bekommen würde.

Steven Spielberg tobt sich hier komplett aus und verneigt sich vor dieser legendären Geschichte. Gerade wenn man viel Bezug zu Peter Pan hat, wird man diesen wundervoll inszenierten Film als endgültigen Abschied empfinden. Der Film hat unglaublich viele witzige, emotionale und spannende Stellen, die immer zur richtigen Zeit kommen. Es ist mal wieder Robin Williams, der diesem Film eine besondere Magie verleiht. Wer außer dieses viel zu früh verstorbene Genie hätte einen "erwachsenen" Peter Pan besser verkörpern können? Natürlich improvisiert er hier wieder was das Zeug hält und besonders beeindruckend sind die Schwertkämpfe, die er zum größten teil alle selber macht. Dustin Hoffman ist ebenfalls ein perfekter Hook und fast genauso groß wie Williams hier. Er hat sichtlich Spaß in dieser Rolle und trotz seines fiesen Charakters, ist er stets sympathisch.

Natürlich muss man auch sagen, dass Spielbergs Film in einem gewissen Rahmen auch einen überladenen und ulkigen Pomp darstellt, der oft auch zu plumpen und albernen Klamauk wird, der aber auch seine Vorzüge hat. Denn mit welch schillernder Entzückung Dustin Hoffman diesen Bösewicht, diesen Hook, der Angst vor den tickenden Uhr hat, die verkünden, dass seine Zeit bald abgelaufen ist, interpretiert, das ist eine helle Freude ihm dabei zu zusehen. Demnach möchte man "Hook" als quietschendes und doch charmant-harmloses Trödelstück betrachten, als einen Film, den man vielleicht aus den Augen eines Kindes (wieder) sehen muss, um seine Faszination zu begreifen.

7/10