Mittwoch, 25. Juli 2018

[KINO] Ant-Man And The Wasp 3D (2018)

https://www.imdb.com/title/tt5095030/

Nach den Ereignissen in "The First Avenger: Civil War" bemüht sich Scott Lang um eine Balance zwischen seinem Superheldendasein und als Vater einer Tochter. Gemeinsam mit Hope Van Dyne, der Tochter seines Mentors Hank Pym, wird Ant-Man von diesem auf eine Mission entsandt, um Geheimnisse der Vergangenheit aufzudecken. Pyms Tochter trägt hierbei einen Fluganzug, den früher ihre Mutter trug und den ihr Vater durch eine Ausstattung mit Flügeln verbessert hat...

Im Jahr 2015 kam mit "Ant-Man" ein kleiner Held in die Kinos und wurde mit eher geringer Erwartungshaltung vom Publikum aufgenommen. Nun kann man durchaus auch sagen, dass Ant-Man nicht gerade zu den bekanntesten Superhelden des übermächtigen "MARVEL Cinematic Universe" (MCU) gehört und so machte sich im Vorfeld Spott breit, der Satze wie "Ich dachte, sie hätten keine Charaktere mehr und jetzt haben sie den erfunden" hervorbrachte, welchen Evangeline Lilly äußerte, als ihr das Drehbuch zum ersten Teil angeboten wurde. Aber nicht nur diese Tatsache sorgte für Wirbel, auch der Umstand, dass Drehbuchautor und Regisseur Edgar Wright nach 11 Monaten das Projekt verließ und Peyton Reed den Regiestuhl übernahm. Regiewechsel sind oft problematisch, das zeigt die Vergangenheit, und so schrumpften die Hoffnungen auf mikroskopartige Größe, dass "Ant-Man" doch noch ein guter Film werden könnte. Aber es stellte sich heraus, dass "Ant-Man" einer von Marvels lustigsten Stand-Alone-Filmen war, mit einem perfekten Ant-i-Helden, der von Paul Rudd perfekt dargestellte, ehrliche Kleinganove, Scott Lang.

Die maßstabsgetreue Action brachte frischen Wind ins MCU und Ant-Man wurde direkt in einem der nachfolgenden Filme, "Captain America: Cavil War", erneut einbezogen, wo er großen Einfluss auf der Seite seines Idols Captain America ausübte. Jedoch war er nirgendwo in dem geradezu apokalyptisches Epos, "Avengers: Infinity War" zu sehen, angeblich wegen Hausarrest wegen Beteiligung an den Sokovia-Abkommen. Mit dem neuen "Ant-Man And The Wasp" erfährt der Zuschauer nun endlich, was inzwischen mit Scott Lang passierte und um nach dem gewichtigen, bahnbrechenden und ambitionierten "Avengers: Infinity War" auch eine Art Pause zu bieten, die als Erinnerung daran dient, wie viel Spaß ein leichter, schlanker Stand-Alone-MCU-Film sein kann.


"Ant-Man And The Wasp" ist dabei eher ein unterhaltsamer Umweg als ein Sprung nach vorne für das Marvel-Universum. Ein kurzer Prolog fasst zusammen, dass die ursprüngliche Wasp, Janet Van Dyne (Michelle Pfeiffer), im Quantenbereich verloren gegangen ist, und nun glaubt ihr Ehemann und der originale Ant-Mann, Hank Pym (Michael Douglas), dass er sie irgendwie wiederbringen könnte. Danach sind wir zurück in der Gegenwart (aber ganz klar in einer zeit, bevor Thanos auf die Erde kam) mit dem etwas unterforderten Lang, der die letzten Tage seiner zwei Jahre Hausarrest erlebt und dabei recht kreative Wege fand, um sich zu unterhalten, wenn sein Freund Luis (Michael Pena) und seine Tochter Cassie nicht in der Nähe sind. Seine Beteiligung im Aufeinandertreffen von Captain America und Iron Man bedeutet, dass er Hank oder seine Tochter Hope (Evangeline Lilly), die auf der Flucht nach ihrer lockeren Verbindung mit ihm sind, nicht kontaktieren darf (sie haben schließlich den Anzug entworfen, den Scott benutzt). Ein verrückter Traum mit Janet bringt die Handlung in Bewegung, die Hank und Hope, das FBI, ein zwielichtiges Kollektiv von Schwarzmarkt-Waffenhändlern (unter der Leitung von Walton Goggins fröhlich-öligem Sonny Merch) und der mysteriösen Ghost (Hannah John-Kamen) beinhaltet.


Für all die High-Tech- (und meist unsinnigen) Wissenschaften, die hier gezeigt werden, ist dies eine recht straffe Handlung was die Superhelden-Filme angeht, und so ist es umso besser, dass der komödiantische Anteil bewusst in den Vordergrund tritt. Von Anfang an zeigt Peyton Reed, der nun von Anfang an auf dem Regiestuhl Platz nahm, einmal mehr seine selbstbewusste Hand für solch eine solch absurde, actionreiche und doch liebenswerte Handlung und die damit einhergehenden Gags. Rudds angeborene Sympathie sind durchgängig entwaffnend - wenn er im Film zu sehen ist, hat man wie schon im ersten Teil ein wohliges Gefühl, denn Rudd ist einfach ein Kumpeltyp, ein Jedermann, ein freundlich lächelnder Nachbar. Aber er ist nicht der einzige der für Gags sorgt, auch Michael Peñas Luis kehrt zurück, um nahezu jede Szene zu stehlen in der er sich befindet, und bringt seine besten Momente aus dem ersten Film in "Ant-Man And The Wasp" wieder. Auch Randall Park gilt es zu erwähnen, aber im Grunde macht der gesamte Cast nichts falsch und passt - wie so oft - wir die Faust aufs Auge. Mit Rudd im komödiantischen Segment bekommt Lilly die Chance, als scharfe, einfallsreiche Hälfte des Duos als Wasp MKII zu glänzen. Sie hat einen Supersuit mit Flügeln und Blastern geschenkt bekommen, kann damit die ernsthafte Action des Films vollauf beherrschen und garniert Scotts naiv-gewitztes Heldentum mit Einfallsreichtum und Intelligenz.

Der Film man nun vielleicht ein wenig langsam sein, aber er hat einige großartige Charaktermomente sowie Humor rund um den Aufbau der Action-Sequenzen. Die Action, wenn sie kommt, mischt einige großartige visuelle Effekte mit einigen Hintergrund-Spielereien, während Hope und Scott zwischen alltäglichen Gegenständen in verschiedenen Größen springen, um sich den Bedrohungen zu stellen, die ihnen entgegenschlagen. Die Besetzung arbeitet sehr gut miteinander und es gibt einige großartige Momente, die wahrscheinlich zu Favoriten für Fans der Charaktere und Marvel werden.


Soweit es Marvels Schurken angeht, steht Ghost irgendwo in der Mitte. Ihre "Phasing-Power" sieht schlicht cool aus, ist aber leider schlecht definiert, doch Hannah John-Kamen schafft es sogar, ihren Charakter mit etwas Pathos zu versorgen, trotz einer etwas überkomplizierten Hintergrundgeschichte, die für eine größere Wirkung eleganter gestrafft hätte werden müssen. Wie fast immer bei den Gegnern im MCU wirkt sie trotzdem wie etwas, was einfach da sein muss und der Rest des Films sich nur darum aufbaut. Einerseits muss das wohl so sein, wirkt aber vor allem mittlerweile zu beliebig. "Ghost" ist dennoch eine ziemlich interessante Wahl als Gegner, da sie nicht auf Eroberung, Rache, Massenzerstörung oder Akkumulation von Macht und Reichtum bedacht ist. Während es in einem Marvel-Film vielleicht merkwürdig erscheint, einen bodenständigeren und relatierbareren Bösewicht zu haben, setzt er doch einen neuen Trend fort, Gegner zu zeigen, die komplex, schwerer zu definieren und ähnlich wie der "Winter Soldier" sympathisch sind. Zu viel über Michelle Pfeiffers Engagement zu sagen würde ins Spoiler-Territorium abgleiten, aber natürlich investiert sie ihre minimale Screentime mit dem Gewicht, das man von einer Präsenz ihres Kalibers erwartet.

So macht es immer noch eine Menge Spaß mit den Maßstab-verlagernden Set-Pieces. Gebäude und Autos sind für einige großartige Gags miniaturisiert, und es gibt eine Menge Gags, die man von einem Problem ableiten kann, das Scott mit einem schlecht funktionierenden Anzug hat. Das herausragendste Set-Piece kommt bei einer Verfolgungsjagd durch die Straßen von San Francisco zum Tragen, welches gleichermaßen spannend und witzig ist. "Ant-Man And The Wasp" ist damit insgesamt eine äußerst unterhaltsame Kombination aus purem Popcorn-Spaß und einem etwas beschwingterer Kost nach den gewichtigeren Filmen wie "Black Panther" und "Avengers: Infinity War". "Ant-Man And The Wasp" ist sicher nicht so episch wie einige der früheren Marvel-Filme, aber dank einer sympathischen Besetzung und etwas zeitgemäßem Humor sollte es die Fans bis zum nächsten Kapitel der Serie glücklich machen. Wie immer sollte man auch hier die mittlerweile schon üblichen Mid- und Post-Credit-Sequenzen abwarten. Eine von beiden ist zwar "nur" ein Wegwerf-Gag, die andere aber ist, in Bezug auf zukünftige Geschehnisse, absolut entscheidend.

8/10