Donnerstag, 14. Juni 2018

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017)

https://www.imdb.com/title/tt5027774/

Die Tochter von Mildred Hayes (Frances McDormand) wurde vor Monaten ganz in der Nähe ihres Zuhauses vergewaltigt und ermordet, aber noch immer tut sich in dem Fall nichts. Von einem Hauptverdächtigen fehlt jedenfalls noch jede Spur und so langsam glaubt Mildred, dass die örtliche Polizei einfach ihre Arbeit nicht richtig macht. Und ganz anders als ihr Sohn Robbie (Lucas Hedges), der einfach nur sein Leben weiterleben möchte, kann sie das nicht akzeptieren. Darum lässt sie eines Tages an der Straße, die in ihren Heimatort Ebbing, Missouri führt, drei Werbetafeln mit provokanten Sprüchen aufstellen, die sich an Polizeichef William Willoughby (Woody Harrelson) richten. Klar, dass die Situation nicht lange friedlich bleibt. Als sich dann noch Officer Dixon (Sam Rockwell) einmischt, ein unreifes und gewalttätiges Muttersöhnchen, eskaliert die Lage...

Mit seinem neuesten Werk hat Regisseur Martin McDonagh den Finger ganz dicht am Puls der Zeit. Die Figuren der Kleinstadt Ebbing repräsentieren jene Gruppe Amerikas, die sich abgehängt fühlt in einer Welt der stetigen Veränderungen und die sich sehnsüchtig an alte Werte klammert. Vor der Einreise in das konservative Missouri wird ausdrücklich gewarnt, da dort rassistische Diskriminierung weit verbreitet ist. Der Bundesstaat, der als einer der letzten die Sklaverei abschaffte und bis heute an der Todesstrafe festhält, gilt als Hochburg der Republikaner. Die Protagonistin Mildred Hayes verkörpert in gewisser Weise ein altes Amerika, wie es etwa in den Westernklassikern anzutreffen ist. Als eine weibliche Variante John Waynes nimmt sie das Gesetz selbst in die Hand, nachdem die örtliche Polizei bei der Aufklärung des Mordes an ihrer Tochter versagt hat. Ihr Vorgehen erscheint dabei zunächst wie ein plumper Rachefeldzug, doch mehr und mehr wird deutlich, dass sie Polizeichef Willoughby und seinen Kollegen nicht persönlich ans Leder will. Vielmehr zielt Mildred auf etwas Übergeordnetes ab. Sie will einerseits Gerechtigkeit für ihre ermordete Tochter und gleichzeitig Buße tun, da sie mit dieser im Streit auseinander gegangen ist und sich seither eine Mitschuld an ihrem Tod gibt. Die Gewalt gegenüber ihren Mitmenschen funktioniert dabei wie ein Ventil, durch welches sie den erlittenen Schmerz und die Selbstvorwürfe in die Welt hinauslassen kann. Dementsprechend ist "Three Billboards" auch kein konventioneller Rachethriller, sondern eher ein berührendes Drama, welches von seinen vielschichtigen wie skurrilen Figuren lebt. Denn ebenso präzise wie Mildred sind auch die anderen Charaktere des Films ausgearbeitet. Der tumbe Polizeichef offenbart nach und nach den ausgeprägten Wunsch um eine diplomatische Lösung und selbst der rassistische Officer Dixon zeigt sich zunehmend als ungeahnt facettenreich.


Es sind besonders die feinen Nuancen, die "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" so sehenswert machen. Der tiefschwarze Humor existiert hier nicht um der bloßen Belustigung willen, sondern fügt sich stets organisch in die Handlung ein. Jeder Witz sagt hier etwas über Denjenigen aus, der ihn erzählt. Das Wechselspiel zwischen humorvollen und melancholischen Momenten gelingt hier auf absolut herausragende Weise. Mit dem Feingefühl eines Artisten, der über ein Seil balanciert, bewegt sich der Film über diese beiden Ebenen zwischen Freude und Schmerz. Möglich wird dies auch durch den ausgezeichneten Cast. Frances McDormand gibt Mildred als die nach außen hin schroffe Powerfrau mit einer inneren Verletzlichkeit, die die Identifikation nie schwer fallen lässt. Neben ihr darf Sam Rockwell als von Hass gegenüber allem Andersartigen zerfressener Officer, der von seiner Mutter zu immer neuen Schandtaten getrieben wird, so richtig aufdrehen. Und auch Woody Harrelson, Caleb L. Jones, Peter Dinklage u.v.m. bringen hier jede Menge Schauspieltalent mit ein.

Doch nicht nur die ungemein lebendigen Figuren und ihre starken Darsteller machen "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" zu einem Erlebnis. Auch die Handlung ist unverbrauchter und wendungsreicher, als es vielleicht nach einem ersten Aufmerksamkeitswerden den Eindruck macht. Das liegt auch daran, dass sich der Film durchgängig ein gewisses Krimielement beibehält und immer auch ein bisschen die klassische "Whodunit" Frage über allem schwebt. Ganz nebenbei wartet der Film auch mit einigen wirklich starken Bildern auf und hat ausschließlich realistisch wirkende Effekte zu bieten. McDonagh ist somit insgesamt ein Film gelungen, der geschickt Komisches mit Tragischem verbindet. "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" stimmt nachdenklich, lässt bisweilen das Lachen im Halse stecken und hat ganz viel über unsere heutige Gesellschaft zu erzählen.

9/10