Montag, 4. Juni 2018

Shutter Island (2010)

https://www.imdb.com/title/tt1130884/

US-Marshal Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) hat mit Chuck Aule (Mark Ruffalo) einen neuen Partner. Die zwei Ermittler reisen nach Shutter Island, einer abgelegenen Insel vor der US-Ostküste, auf der Gewaltverbrecher einsitzen. Eine Patientin (Emily Mortimer) ist verschwunden, ihren Verbleib gilt es zu klären. Doch als die Bundesbeamten die Anstalt erreichen, stoßen sie auf eine Mauer des Schweigens. Der ärztliche Leiter Dr. Cawley (Ben Kingsley) verweigert den Cops die Akteneinsicht und seine Mitarbeiter antworten nur widerwillig. Schnell finden Daniels und Aule heraus, dass die entflohene Patientin Hilfe bei ihrem Entkommen hatte. Irgendetwas stimmt nicht auf der Insel, da ist sich der Marshal sicher. Er vermutet, dass im Ashecliffe Hospital geheime Experimente an lebenden Patienten durchgeführt werden. Ferner macht ihm immer noch der Tod seiner geliebten Frau Dolores (Michelle Williams) zu schaffen, die in ihrem Appartement bei einem Brand erstickte...

Ein wahres Dreamteam: nach "Gangs Of New York", "The Aviator" und "The Departed" sitzt erneut Martin Scorsese auf dem Regiestuhl, während Leonardo DiCaprio die Hauptrolle spielt - und das Resultat ist ein Film der auf ganzer Linie das Prädikat "Meisterhaft" verdient. Vor allem durch die düstere und latent bedrohliche Atmosphäre gewinnt der Streifen ungemein. Es ist diese ständige Präsenz von etwas Unfassbarem und Unheimlichen, man ahnt ständig, dass da mehr im Busch ist, ohne jedoch konkrete Anhaltspunkte zu bekommen. Dazu die gekonnten Rückblenden und Traumsequenzen - dass Daniels sein Päckchen mit sich herumschleppt, ist von Anfang an klar, trotzdem überrascht das Ende. Dazu die tolle Landschaft und die Abgeschiedenheit der Insel. Das Wissen, dass man sich in Gefahr befindet, diese aber nicht erkennen kann, nicht wegkommt und sich auch nicht verstecken kann. Dies eine schöne Metapher für die posttraumatischen Belastungsstörungen Laeddis, der sich davor ja auch nicht verstecken oder diesen durch Flucht entkommen kann. Scorsese verflicht eine ansprechende Handlung mit entsprechender Stimmung und mitunter sogar eher billiger Effekthascherei (das permanente Regenwetter wirkt zwar gut, ist in dieser Ausprägung und Intensität jedoch nur wenig glaubhaft), was unter dem Strich aber sehr gut ankommt.

Man könnte den Film nun über weite Passagen als Horrorstreifen deklarieren, doch das würde ihm nicht gerecht werden, denn der Dramaaspekt überwiegt zunehmend, die Pointe ist eben dadurch so genial, dass der Film (ähnlich wie einst "The Sixth Sense" laufend Hinweise liefert die aber wohl kaum jemand in der ersten Sichtung so zusammensetzen kann wie es dann am Schluß richtig ist. Abgerundet wird dies durch die Inszenierung: seit "Kap der Angst" gilt Scorsese als Meister für Suspense und spannende Thrilleratmosphäre. Auch in "Shutter Island" zeigt er sich als Meister seines Fachs und erreicht eine selten gesehene Bestform, inszeniert bodenlossen Horror und knochenharten Thrill. "Shutter Island" ist der perfekte Beweiß das Horror und Anspruch sich nicht ausschließen und man nicht literweise Blut fließen lassen muss damit dem Zuschauer das Blut in den Adern gefriert. Getragen durch einen sehr guten Soundtrack wird ein Gespinst aus Psychosen, Lügen und Irrungen entflochten und letzten Endes kann man weder seinen, noch Daniels Sinnen wirklich trauen. Jedoch die Abgrenzung zwischen realen und metaphorischen Bildern gelingt Scorsese nicht immer vollends. So könnte man nun im Film viele Metaphern für Unterbewusstsein entdecken, verborgen und schwer zu erreichen, jedoch beinhalten diese weit mehr: nämlich versteckte Traumata und letztlich auch verklausulierte Antworten.

Ein weiteres Goodie ist der Cast, hier wurde bis in die kleinste Nebenrolle gut besetzt. Mark Ruffalo und Leonardo DiCaprio harmonierten ebenso gut wie Ben Kingsley und Max von Sydow, keiner drängt sich in den Vordergrund, sie ergänzten einander passend. Aber auch die kleineren Rollen sind gut gespielt, Michelle Williams etwa in der ersten Rolle, in der sie wirklich gut zu gefallen weiß. Allrounder Ted Levine ist dabei ebenso eine Bank wie Emily Mortimer, die beiden sind klassische Mosaiksteinchen, fallen nicht weiter auf, aber ohne sie würde etwas fehlen."Shutter Island" ist defintiv nichts für schwache Nerven - DiCaprio und Scorsese liefern eine nervenzefetzende Reise in den Wahnsinn mit Tragik und Anspruch. Wie so manch anderer Film läuft "Shutter Island" zwar ständig Gefahr, dass man ihn "totsieht", , aber mehr als eine Sichtung braucht es wegen der verwinkelten Machart und der Vielschichtigkeit der Handlung aber schon um alles zu erfassen.

9/10