Samstag, 5. Mai 2018

[KINO FFFnights] Pyewacket (2017)

http://www.imdb.com/title/tt5119116/

Leah (Nicole Muñoz) leidet unter dem kürzlichen Tod ihres Vaters und dem schlechten Verhältnis zur Mutter (Laurie Holden), die sie schließlich sogar zwingt, mit ihr in ein mitten im Wald gelegenes Haus umzuziehen. Das von Trauer und Wut getriebene Mädchen versucht sich ein wenig an schwarzer Magie. Doch während diese okkulten Rituale zuerst nur ein harmloser Spaß sind, belegt Leah nach einem besonders heftigen Streit ihre Mutter mit einem Todesfluch. Den bereut sie zwar umgehend und versucht ihn zurückzunehmen, doch er ist nicht mehr aufzuhalten. Bald muss Leah erkennen, dass sie etwas in den Wäldern erweckt hat. Sie hat eine böse Präsenz, Pyewacket, heraufbeschwört und diese dunkle Macht scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Und bald macht Pyewacket so Jagd auf Mutter und Tochter...

Der Regisseur des neuen Horror-Thrillers "Pyewacket", Adam MacDonald, arbeitet seit den späten 90ern als Schauspieler, aber kaum einer kennt den Kanadier als Regisseur. In seinem 2014er abenfüllenden Debütfilm "Backcountry" machte er aber schon auf sich aufmerksam, denn dieser Film avancierte schnell zu einem der besten Survival-Tierfilme, die es in letzter Zeit gab. Natürlich klebt so ein Debüt, bzw. die Art desselben immer ein wenig an einem Regisseur, aber dennoch tauscht MacDonald in seinem zweiten Film den natürlichen Schrecken gegen einen ausgesprochen Übernatürlichen, der aber nicht minder furchteinflössend ist. Denn Autor und Regisseur MacDonald liefert mit "Pyewacket" eine wundervolle schwelende Frage, die die Notwendigkeit und Macht des Glaubens sowie deren Gefahren erforscht. Genauso wie es sein vorheriger Film getan hat, indem er die Zuschauer (für eine Weile) unsicher ließ, ob die Bedrohung tierischer oder menschlicher Natur war, geht das Finale hier mit dem Ursprung der Bedrohung und der damit verbundenen Auflösung in Ordnung. Stellt Leah sich die Dinge vor, die sie sieht und hört? Oder ist da wirklich ein boshafter und mörderischer Geist auf der Suche nach Seelen? Man weiß es nicht so genau.

Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg gut, aber Nicole Muñoz beeindruckt am meisten als Protagonisin. Ihre Verwandlung vom ängstlichen Teenager in eine schuldbeladene Tochter zu einem verängstigten Mädchen trägt den Zuschauer mit sich und man kommt nicht umhin, jeden Schritt des Weges der jungen Frau förmlich zu spüren. Wie bei den jüngsten Horrofilmen "Es" oder "The Devil's Candy" legt MacDonalds Film großen Wert darauf, sicherzustellen, dass der Zuschauer mit der Protagonistin mitfühlt, sobald er terrorlastige Szenarien hinzufügt und Situationen eine gefährliche Intensität mitgibt. Und einige dieser Szenen sind tatsähclich spannend/furchterregend. Die Anwesenheit eines "Etwas" macht sich zunächst durch Geräusche im Haus bemerkbar, bevor es schließlich als dunkle Gestalt erscheint, die langsam am Fuß von Leahs Bett aufsteigt. Es sind diese Arten von Schrecken - solche, die auf Atmosphäre, Ton und Momenten aufbauen, die den Zuschauer den Atem anhalten lässt -, die diesen Film antreiben, der kaum Jumpscares oder ähnliches benötigt. Nein, MacDonald nutzt dafür Subtitlität und Geräusche genauso gut und vermeidet jedes lautes Geräusch oder musikalische Spitze, der das Publikum üblicherweise zum Schreien bringt. Er überzeugt mit Regie, Schnitt und Inszenierung.

MacDonalds Drehbuch macht die Geschichte auch realistisch, da Leah und ihre Freunde glaubwürdige Teenager sind, die Heavy-Metal-Band-Aufnäher auf ihren Jacken tragen und gleichzeitig das sinnliche Gesicht des Billy Corgan von 'The Smashing Pumpkins' zu schätzen wissen. Sie versuchen, das Okkulte zu schätzen - sie lesen Bücher, reden darüber, wie cool es ist, und einer von ihnen versucht sich sogar an Beschwörungsformeln, die ihm die "Liebe seines Lebens" bringen soll - aber keiner von ihnen nimmt das jemals wirklich ernst. Das ändert sich erst, sobald Leahs Welt seitwärts kippt. "Pyewacket" hat eine einfache Prämisse, einen stetigen Aufbau und einen guten gruseligen dritten Akt, der mit einem kleinen Schlag in den Bauch finalisiert wird. Nicht umsonst hieß es schon immer: sei vorsichtig mit dem, was du dir wirklich wünschst.

6,5/10

"Pierrot Le Fou UNCUT #13", so lautet der Editionsname des limitierten Mediabooks, welches den Film in der ungeschnittenen Fassung enthält: