Montag, 26. Februar 2018

Sharknado 4: The 4th Awakens 3D (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4831420/

Seit den Ereignissen in "Sharknado 3" sind fünf Jahre ins Land gegangen und die Menschheit konnte in Ruhe und Frieden leben – Hai-Tornados scheinen nur noch eine Erinnerung aus der Vergangenheit zu sein. Kein Wunder, schließlich arbeitet Aston Reynolds (Tommy Davidson), zusammen mit seiner Firma Astro-X an einem neuen System, dass die Atmosphäre energetisch stabilisieren soll. So sollen eventuelle Sharnados in Schach gehalten und verhindert werden. Von einem auf den anderen Tag ändert sich allerdings die Lage. Haie bevölkern plötzlich Orte, an denen sie absolut nichts zu suchen haben – damit hat niemand gerechnet. Fin (Ian Ziering) und seine Frau April (Tara Reid) müssen sich den Bestien stellen. Ebenfalls mit von der Partie: Aprils Vater Wilford (Gary Busey) und Fins Vater Gil (David Hasselhoff)...

Wurde "Sharknado" mit Teil 2 und 3 immer abgedrehter und besser, ist Teil vier nur noch eine hirnrissige Aneinanderrehung von Skurilitäten und an Beknacktheit nicht mehr zu überbieten... und dann merkt man deutlich : es ist Asylum, natürlich können die das noch überbieten. Einer verdient besondere Erwähnung: Steve Guttenberg, bekannt aus den "Police Academy"-Filmen der 80er-Jahre. Er tritt in "Sharknado 4: The 4th Awakens" als Colton aus "Lavalantula: Angriff der Feuerspinnen" in Erscheinung. Das zwar nur kurz, aber er erwähnt das Spinnenproblem jenes Films, in dem ja auch Ian Zierings Fin Shepard zu sehen war. Deutet sich da etwa ein "Asylum Expanded Universe" an? Nicht auszudenken!

Trotz all dieser Späße und Seitenhiebe ist "Sharknado 4: The 4th Awakens" (ein Hoch auf dieses grandiose Wortspiel!) wesentlich schwächer als seine Vorgänger. Diesmal kommt es nicht nur zu Sharknados, wir erleben unter anderen einen Oilnado, einen Firenado, einen Lightningnado und einen Lavanado, sogar einen – Trommelwirbel – Cownado. Zu nicht enden wollendem dramatischem Score geht es von Anfang an rund, die Action ufert aus. Teil 4 hält das Niveau der Reihe, wo immer man es auch ansiedeln mag – die Filme entziehen sich jeder objektiven Bewertung. Manche verabscheuen sie, andere lieben sie. Beides hat seine Berechtigung, auch wenn kritisch anzumerken ist, dass es sich bei vielen Trashfilmen mittlerweile um knallhart kalkulierte Produktionen handelt. Was ist verwerflicher? Schlechte Filme zu drehen, weil man es nicht besser kann? Oder miese Machwerke zu inszenieren, weil es den Markt dafür gibt? Nicht jeder miese Einfall gibt eine gute Trash-Idee ab. Den Vorwurf muss sich mittlerweile auch die "Sharknado"-Reihe gefallen lassen.

Kurzum: viele Filmzitate, viele Wiederauferstehungen und nie abreißende Action schon nach den ersten drei Minuten. Eines muss man den Machern lassen: die knapp 80 Minuten rasen nur so dahin und sind absolut unterhaltsam. Weil David Hasselhoff mitspielt, bekommt der Film sowieso einen extra Punkt

Trash-Wertung: 7,5/10
Real-Wertung: 4/10

Alle 4 Filme gibt es in der limitierten "Sharknado: The Ultimate Collection"-Box, inkl. Bonus-DVD mit Making-of und 3 Bonus-Filmen.

Sonntag, 25. Februar 2018

68 Kill (2017)

http://www.imdb.com/title/tt5189894/

Chip (Matthew Gray Gubler) pumpt für seinen Lebensunterhalt Klärgruben aus – nicht gerade sein Traumberuf, aber er will sich auch nicht beschweren, schließlich steht mit Liza (AnnaLynne McCord) eine sexy Freundin an seiner Seite. Dass die total herrisch ist und ihn im Grunde genommen komplett kontrolliert, übersieht er gerne mal. Über ihrer Beziehung schwebt ein äußerst lästiger Schatten, denn Liza lässt sich ihr Einkommen durch einen schmierigen Wohltäter aufstocken. Eines Tages schlägt sie vor, ihrem Sugar Daddy ein sattes Sümmchen abzuzweigen – was Chip erstaunt, ist ihm diese Seite an seiner Freundin doch völlig unbekannt. Schnell ist ein perfekter Plan geschmiedet, doch natürlich läuft die Aktion aus dem Ruder: Plötzlich hat Chip ein Knarre in seinen Händen und eine Frau im Kofferraum. Ihm bleibt nicht einmal ein Tag, um diese Katastrophe doch noch abzuwenden...

Dass Überfälle in Genre-Filmen generell nie nach Plan verlaufen, ist eine geradezu heilige Regel, an die sich auch Trent Haaga in seiner wüsten Groteske "68 Kill" hält. Der Einbruch, den das Pärchen möglichst zügig und ohne Komplikationen durchziehen wollen, führt daher schnell zu einem blutigen Desaster. So enden der Freier und dessen Lebensgefährtin durch Lizas (AnnaLynne McCord) diabolisches Temperament als Leichen, während dem Paar im Haus zu ihrer Überraschung eine weitere unbekannte Frau begegnet, die sie als Geisel in den Kofferraum verfrachten. Mit deutlich erkennbarer Vorliebe am grellen Exzess stürzt sich der Regisseur mitten in das Szenario, in dem der chaotisch verlaufende Überfall erst den Auftakt einer noch viel turbulenteren Odyssee markiert, bei der Haaga bizarre Handlungswendungen, skurrile Situationen, überzeichnete Figuren sowie blutige Eskalationen aneinanderreiht.

In seinem ungezügelten Neo-Grindhouse-Noir verliert er zwischen den unterschiedlichen Genre-Bausteinen und einem teilweise holprigen Pacing aber bereits früh die Kontrolle über einen Film, der sich irgendwann nur noch in hanebüchene Entwicklungen flüchtet und Figuren präsentiert, die wie Abziehbilder aus einem schrägen Cartoon wirken und sich irgendwann in ebenso cartoonartiger Gewalt gegenseitig zerlegen. Mit dem zentralen Protagonisten-Duo versucht sich der Regisseur zudem an einer Umkehrung der altbekannten Geschlechterrollen aus typischen Horrorfilmen. Während Matthew Gray Gubler seine Figur des Chip als handzahmen, sensiblen Schönling verkörpert, der vor Gewalt zurückschreckt, wirft sich AnnaLynne McCord mit verruchter Boshaftigkeit in die Rolle von Liza und spielt ihre Figur als schrilles White-Trash-Flittchen, das unentwegt zwischen verführerischer Erotik und psychotischem Wahnsinn hin und her schaltet. Nach gut 25 Minuten verschwindet McCords Figur jedoch für fast eine ganze Stunde aus der Handlung, während sich Chip, der plötzlich vor seiner zuvor geliebten Freundin flüchtet, auf eine Art Road-Trip durch die abgründigen Regionen Amerikas begibt.

Auch wenn Haaga aufgrund der irrsinnigen Unberechenbarkeit des Drehbuchs gelegentlich einige spaßige Szenen gelingen, erschöpft sich "68 Kill" zu schnell in seiner brachialen, plakativen Over-the-Top-Mentalität. Des Weiteren erweist sich der feministisch gedachte Ansatz, Chip mit einer Reihe von Frauen zu konfrontieren, die ihm weitaus überlegen sind, als Debakel, das auf katastrophale Weise in die exakt gegensätzliche Richtung umschlägt. Mit seiner Darstellung von gewaltgeilen Frauen, die Männer unterdrücken oder mit ihren weiblichen Reizen manipulieren wollen, gibt sich der Regisseur eher misogyn als feministisch, was auch die bizarre Schlusspointe des Films unterstreicht, in der es letztlich nur darum geht, wie sich die männliche Hauptfigur über den Einfluss des weiblichen Geschlechts hinwegsetzt. Trotzdem ganz nett.

5,5/10

Samstag, 24. Februar 2018

The Dead Zone - Dead Zone: Der Attentäter (1983)

http://www.imdb.com/title/tt0085407/

Nichts deutet darauf hin, daß das Leben des Englischlehrers Johnny Smith nicht auch weiter in ruhigen, normalen Bahnen verlaufen soll - bis es zu dem gräßlichen Unfall kommt. Als Johnny nach fünfjährigem Koma wieder erwacht, merkt er, daß er jetzt die übernatürlichen Gaben eines Hellsehers besitzt. Nur ihm ist es zu verdanken, daß Menschen gerettet werden, aber jede seiner Visionen zehrt an Johnnys Körper und nimmt ihm Jahre seines Lebens. Er wird zum Objekt einer sensationslüsternen Presse und zieht sich angewidert aus der Öffentlichkeit zurück. Doch noch steht ihm seine größte Herausforderung bevor: Johnny lernt Greg Stillson kennen, den Mann, der auf dem besten Weg ist, neuer Präsident der USA zu werden...

Die künstlerische Synergie, die "The Dead Zone" in der plastischen Zusammenführung von David Cronenberg und Stephen King findet, scheint retrospektiv geradezu sinnfällig. Denn, wenn man so möchte, finden die beiden Kreativköpfe hier auf einem gemeinsamen Nenner zusammen, der weder die eine, noch die andere Seite zu Kompromissen zwingen sollte. Was das nun konkret bedeuten soll? Nun, der umfangreiche, gründlich beschriebene Roman Dead Zone bereitet Motive und Themen auf, für die sich eine Verfilmung von David Cronenberg als geradezu prädestiniert versteht. Und Stephen King darf sich bei dem kanadischen Filmemacher, dessen nächstes Werk auf den Namen "Die Fliege" hören sollte, sicher sein, dass dieser ein wahrer Meister darin ist, inhaltliche Reduktionen organisch auszuführen. Natürlich, "The Dead Zone", der fünfte Roman von Stephen King, lässt sich nicht akkurat auf die Leinwand übertragen, beweist sich Stephen King doch als ein zu ausführlicher Literat, der den Nebensächlichkeiten, den Randnotizen ebenso viel Aufmerksamkeit spendiert wie dem eigentlichen Haupthandlungsstrang. Allerdings, und auch dafür ist "The Dead Zone" ein gutes Beispiel, sollte ein Filmemacher immer noch in der Lage sein, die Vision der Vorlage zu wahren – und gerade dieser Streifen erzählt eine Geschichte, die man unweigerlich in Verbindung mit dem Schriftsteller aus Maine bringen wird. Durch einen Verkehrsunfall, verbunden mit einem fünfjährigen Komaschlaf, erhält ein unscheinbarer Englischlehrer (Christopher Walken), die Fähigkeit, in die Vergangenheit von Menschen zu blicken oder deren Zukunft maßgeblich zu beeinflussen. Eine famose Ausgangssituation.

Schon die wunderbar stimmungsvolle Eröffnung von "The Dead Zone" spielt mit der inhaltlichen Verschmelzung des Greifbaren und Unbegreiflichen; des Alltäglichen und Übersinnlichen, wenn sich flächendeckend in die idyllischen Landschaftsimpressionen in riesigen Lettern der Filmtitel stanzt und von den sich anbahnenden Veränderungen berichtet, deren Opfer vor allem Johnny Smith wird. Bereits zu Anfang mit stechenden Kopfschmerzen ausgestattet, gehört er zu den rücksichtsvollen Menschen, die einen Kuss im prasselnden Regen mit ihrer Liebsten bevorzugen, anstatt sich mit ihr direkt aufs Zimmer begeben – eine verhängnisvolle Entscheidung. David Cronenberg und Jeffrey Boam offenbaren hier eine ungemeine Begabung dahingehend, die stoffliche Eindampfung zu nutzen, um den narrativen Fokus zu intensivieren. Sicherlich mag "The Dead Zone" zuweilen etwas oberflächlich erscheinen, er funktioniert aber dennoch als tieftrauriges Seelendrama. "The Dead Zone" erzählt viel darüber, wie es sich anfühlen muss, fremd in seinem eigenen Körper zu sein. Wie es sein muss, zu einem Fremden in der Welt zu werden. Durch die Fähigkeiten, den weiteren Lebensverlauf von Menschen zu durchschauen und somit auch einen Blick in ihre Abgründe, ihre Traumata, ihre Verstörungen zu richten, wird Johnny ein Segen angedichtet, den er für sich jedoch nur als Fluch begreift. Begreifen kann. Er findet irgendwann keine Zeit mehr, seine eigenen Wunden zu pflegen, wachsen die Probleme um ihn herum doch in immer extremeren Ausformungen voran – ja, irgendwann steht sogar der dritte Weltkrieg auf dem Spiel. Und doch bleibt sich David Cronenberg einem sorgsam gewählten Rahmen treu; nämlich der Tragödie eines Mannes, der niemals auffallen wollte, über Nacht zur Sensation aufstieg und zu einem Dasein als Ausgestoßener gezwungen wurde.

Wenn sich Christopher Walken mit Ichabod Crane vergleicht, kann man sich heute ein Schmunzeln nicht verkneifen (eben weil Walken in "Sleepy Hollow" den kopflosen Reiter verkörperte). Allerdings bringt er hier den Konflikt der Geschichte eines Mannes, der vergessen werden würde, wenn er nichts leistet, auf den Punkt. "The Dead Zone" ist das tieftragische Psychogramm eines solchen Mannes, der nie auffallen wollte und vom Schicksal zur Sensation gezwungen wird. Sorgsam inszeniert, tadellos gespielt und bisweilen auf ehrliche Weise berührend.

7,5/10

Von KOCH Media erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den ungeschnittenen Film auf Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial.

Freitag, 23. Februar 2018

Perfume: The Story Of A Murderer - Das Parfum: Die Geschichte eines Mörders (2006)

http://www.imdb.com/title/tt0396171/

Jean-Baptiste Grenouille (Ben Whishaw) besitzt ein Ausnahmetalent. Er hat die beste Nase Frankreichs und kann Millionen von Gerüchen meilenweit erschnuppern. Als ihn eines Tages der Parfumeur Giuseppe Baldini (Dustin Hoffman) entdeckt und zum Gesellen macht, geht für Grenouille ein Traum in Erfüllung. Er lernt das Handwerk des Parfumeurs, muss aber schnell feststellen, dass die Mittel von Baldini beschränkt sind. Er geht also in eine große Stadt, um eine besondere Technik erlernen zu können, mit der man sämtliche Düfte festhalten kann. Seine Arbeit nimmt eine dunkle Wendung, als er sich für die Gerüche von Menschen zu interessieren beginnt...

Lange Zeit galt das "Das Parfum" von Autor Patrick Süskind als unverfilmbar, doch 2006 nahm sich Regisseur Tom Tykwer dem literarischen Stoff an und adaptierte das Buch für die Leinwand. Das zu den teuersten deutschen Filmproduktionen gehörende Kostümdrama schildert die Lebensgeschichte eines Menschen, der aus Liebe zu Düften über Leichen geht. Die 50 Millionen Euro teure Romanverfilmung von Tom Tykwer glänzt durch eine ganz starke Story und eine bis in die Nebenrollen erstklassige Besetzung, allen voran Dustin Hoffmann und Alan Rickman.

Optisch ist "Das Parfum" ein Meisterwerk. Die Bilder die Tykwer erschaffen hat, transportieren den Zuschauer direkt zurück ins Paris des 18. Jahrhunderts. Schön spiegelt die Bildsprache das Leben der damaligen Zeit wieder, wodurch man sich schnell mitten in der Geschichte fühlt. Auf der anderen Seite bleiben die Charaktere von "Das Parfum" etwas blass. Ohne die literarische Vorlage zu kennen, kann man durchaus behaupten, dass die Charakterzüge der Figuren in Tom Tykwers Films nur angerissen werden und sich nicht so weit entfalten können wie es auf Papier der Fall ist. Dennoch will man wissen wie sich die einzelnen Figuren entwickeln, wobei es vor allem Hauptdarsteller Ben Whishaw zu verdanken ist, dass Jean-Baptiste Grenouille so authentisch wirkt.

Auch Dustin Hoffman verleiht seiner Figur die nötige Tiefe. Er passt einfach in die Rolle des erfolgreichen Parfümeurs und Mentors. Hier wurde eine gute Wahl bei der Besetzung getroffen. Wer sich auf einen Film einlassen kann und nicht nur stupide Berieselung braucht, der wird Spaß an "Das Parfum" haben. Denn obwohl man die Buchvorlage mit Sicherheit noch werksgetreuer hätte adaptieren können, hat man jederzeit das Gefühl einen guten Film mit Anspruch zu sehen. Von einem ganz großen Meisterwerk ist Tom Tykwers Film zwar noch ein gutes Stück entfernt, doch "Das Parfum" ist ein Film, der sich von der Klasse her vom Massenmarkt abhebt.

Kurzum: "Das Parfum" ist ein wunderbarer und tiefer Film mit fabelhafter Besetzung, dem phantastischen Otto Sander als Erzähler und traumhafter Musik. Für mich stimmt hier alles: Die Kamerafahrten, die Grenouilles Nasenfreuden und -ekelhaftigkkeiten sozusagen visualisieren, die zwischen Abartigkeit und Ästhetik hin- und her schwankende Kulisse in Grenouilles Odeurwelt, die Details der Epoche und auch der Spannungsbogen. Die Bacchanalien-Szene Richtung Ende finde ich nicht Fehl am Platz, die gibt es auch so im Buch und es muss ja klar sein, dass Grenouilles "perfektes" Parfum auch etwas Niedagewesenes produziert, sobald es frei gesetzt wird. Schließlich ist es ja neben anderen Gesichtspunkten, die ihm beim Mitansehen der Orgie klar werden der durch äußere Umstände wie Dufststoffe beeinflussbare Verstand der Menschen, der Grenouille desillusioniert und ihn letztlich handeln lässt, wie er es am - zugegeben ärgerlichen - Ende tut.

8,5/10

Dienstag, 20. Februar 2018

Neighbors 2: Sorority Rising - Bad Neighbors 2 (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4438848/

Nachdem sich Mac (Seth Rogen) und Kelly Radner (Rose Byrne) einen erbitterten Kleinkrieg mit den Jungs aus dem nachbarlichen Studentenverbindungshaus geliefert hatten, ist nun endlich Ruhe eingekehrt und das gutbürgerliche Leben der Radners nimmt seinen Lauf: Töchterchen Stella schläft endlich durch, Kelly ist wieder schwanger und der Umzug in die Vorstadt steht bevor. Doch gerade, als das Ehepaar sein Häuschen zum Verkauf anbieten will, zieht wieder eine Studentenverbindung ins Nachbarhaus ein – und die Mädels von Kappa Nu, angeführt von der durchtriebenen Shelby (Chloë Grace Moretz), sind noch feierwütiger als die Jungs davor und verwandeln die beschauliche Straße in eine vermüllte Party-Zone. In dieser Lage will keiner ein Haus kaufen und so holen sich die Radners Rat bei ihrem Ex-Erzfeind, dem ehemaligen Verbindungs-Rüpel Teddy (Zac Efron)...

Warum ausgerechnet ein Film wie "Bad Neighbors" eine Fortsetzung bekommen hat, das wissen wohl nur die Verantwortlichen. Der erste Teil war weder dafür ausgelegt, noch ein besonders großer Kinoerfolg. Und was kann man von einer Fortsetzung dieses Schlags wohl erwarten? Von daher sind die ganzen schlechten Kritiken und Verrisse nicht so ganz nachzuvollziehen. "Bad Neighbors 2" liefert nämlich genau das ab, was man von einem solchen Film erwarten konnte. Das gleiche Prinzip, derselbe Humor, eine ähnliche Story und ein paar Gags, die noch weiter unter der Gürtellinie sitzen. Dass das ganze nicht mehr so witzig wie beim Vorgänger ist, sollte bei einer solch dünnen Story klar sein. Dass sich alles wiederholt und nur ein wenig variiert wird auch (siehe "Hangover 2"), und dass das ganze nicht mehr ganz so frisch wirkt wie noch beim Erstling ist doch auch keine große Überraschung. Hier ist einfach alles beim alten und jeder spielt seine gewohnte Rolle, wobei Zac Efron sogar aus dem Darstellerensemble heraussticht.

Kurzum: wenn man den ersten Teil noch ganz witzig fand, dann ist dieser hier eigentlich überflüssig und im Grunde eine 1:1-Kopie. Dafür gibt es verständlicherweise Punktabzug.

5/10

Montag, 19. Februar 2018

Tonight She Comes (Family-Friendly-Version) (2016)

http://www.imdb.com/title/tt5161376/

Als die junge Kristy (Dal Nicole) spurlos verschwindet, führt die Suche nach ihr ihre beiden besten Freundinnen Ashley (Larissa White) und Lyndsey (Cameisha Cotton) zu einer abgelegenen Hütte mitten in den Wäldern. In der Umgebung treffen sie auch auf den Postboten James (Nathan Eswine) und seinen sexbesessenen Freund Pete (Adam Hartley). Obwohl sie dem Mysterium um Kristys Verbleib noch nicht wirklich nähergekommen sind, wollen sich Ashley und Lyndsey auf eine vergnügliche Nacht mit den Jungs einlassen. Diese findet jedoch ein jähes Ende, als sie von einer blutüberströmten Frauengestalt überrascht werden, die sie attackiert. Die Teenager flüchten zur nahegelegenen Hütte und machen dort Bekanntschaft mit einer unheimlichen Hinterwäldler-Familie. Diese plant, die draußen wütende Dämonin mit einem mysteriösen Ritual zu bezwingen, und pocht dafür auf die Unterstützung der Neuankömmlinge. Doch hat diese einen hohen Preis...

"This film should be played loud… as hell" wird zu Beginn von Matt Stuertzs Film "Tonight She Comes" eingeblendet. Es ist ein Hinweis, den der Regisseur sicherlich zu dem Zweck erdacht hat, die atmosphärische Wirkung des Streifens noch zu intensivieren. Tatsächlich sollte man die Einblendung nicht nur als Hinweis, sondern als unbedingte Pflicht wahrnehmen, denn der Score von Wojciech Golczweski, der wieder einmal auf penetrante Weise vertraute Synthie-Klangmuster aus Horrorfilmen der 80er nachstellt, intensiviert sich eine anfangs recht unsympathische Story bis hin zum ekelerregenden Finale.

Der Anfang ist wirklich sehr plump und die Dialoge teilweise zum Fremdschämen unterirdisch. Um reißerisch wirken zu wollen, deutet man an, dass ein Mann, der die nackte Leiche der jungen Kristy findet, sich an ihr vergehen will. Kurz vorher wird er erwischt, wie er sich aus der Ferne sich entkleidende, Badende erblickend, selbstbefriedigen will. Man kann hier so sehr für Subtilität sein wie man will, aber warum man solche Szenen nicht wagt, auszuschöpfen, ist unverständlich. Das wäre zumindest spannender gewesen, als die mit Blut besudelte Kristy stets nackt herum laufen zu lassen, ohne diese Nacktheit plump hinzustellen. Das findet vielleicht bei Horrorneulingen Anklang, aber bei Horror geht es doch nicht nur um Blut.

Der Hauptteil der Story ist zwar nicht sehr vorhersehbar, aber in "Tonight She Comes" wird nur wenig bis überhaupt nichts gewagt. Nur andeutend, um den Zuschauer heiß zu machen und das Loch fehlender Spannung wird dadurch eher nur größer. Das schadet der Ernsthaftigkeit der Geschichte. So wird bei der Frage, wer im Raum eine Jungfrau ist, an einer Vagina geschnuppert, um sich von der Wahrheit zu überzeugen, aber diese ganzen Ansätze, Neues einzubringen, bleiben leider inhaltsleer und langweilig vom Niveau. Das konnte der ansatzweise ähnlich gelagerte "The Night Of The Virgin" wesentlich besser. Diesen Film hier kann man getrost auslassen. Es gibt relativ viel Blut und nach B-Movie sieht das auch nicht wirklich aus, aber der Inhalt zieht sich trotz kurzer Laufzeit von nur 82 Minuten zu sehr in die Länge, anstatt aufgeklärt zu werden. Schade.

4/10

Von Illusions, Unltd. kam der Film in einem Mediabook, welches den Film in HD, natürlich ungeschnitten und in der "Uncut Version" enthält:

Sonntag, 18. Februar 2018

Ég man þig - I Remember You (2017)

http://www.imdb.com/title/tt4966532/

Der Isländer Garðar (Thor Kristjansson) kommt eigentlich aus der Stadt, doch auf einer abgelegenen Insel mitten im Nirgendwo hat er ein altes Haus erstanden, das er jetzt auf Vordermann bringen will. Seine Frau Katrin (Anna Gunndís Guðmundsdóttir) und ihre gemeinsame Freundin Líf (Ágústa Eva Erlendsdóttir) wollen ihm dabei helfen und zunächst sieht es danach aus, als würde alles nach Plan verlaufen. Doch je länger sie an diesem unwirtlichen Ort verweilen, desto mehr häufen sich unheimliche Vorkommnisse, die sie sich nicht erklären können und die allesamt mit Kindern zu tun haben. Langsam wird klar, dass der Ort ein finsteres Geheimnis verbirgt. Und das irgendwie mit dem Psychologen Freyr (Jóhannes Haukur Jóhannesson) verbunden zu sein scheint, dessen Sohn vor Jahren verschwunden ist und von dem seitdem jede Spur fehlt...

"I Remember You" ist ein unterkühlter isländischer Mix aus Krimi und übernatürlichem Grusler, der mit tollen, kargen und trostlosen Landschaftsaufnahmen und einer ganz guten, aus zwei Handlungssträngen bestehender Geschichte, die nach und nach miteinander verwoben werden, hervorstechen kann. Bewusst langsam brütet der Film sein tragisches Geheimnis aus. In Verbindung mit den famos eingefangenen, mysteriös-nebligen Bildern eines kargen und kalten Islands entsteht eine drückend-deprimierende Stimmung. Die Schauspieler machen ihre Sache auch gut und das Ganze ist recht ansprechend inszeniert. Die Geschichte ist sehr ruhig eingefangen, hätte aber hier und da etwas mehr Tempo vertragen können. Einzelne Figuren und deren Motivationen hätten gerne etwas ausgeklügelter dargestellt werden können.

Einzig und allein das Ende des Films ist zwar gut gemacht, wenn dann der Zusammenhang zwischen den Handlungen klar wird, muss man leider sagen, dass bei vielen Sachen und Zusammenhängen, doch noch einiges an Klärungsbedarf besteht. Filmemacher Óskar Thór Axelsson verzichtet (fast) auf billige Jump-Scare-Tricks um Spannung zu erzeugen, aber sein Versuch das abgegriffene Thema Spukhaus irgendwie anders zu revitalisieren gelingt ihm irgendwie dennoch nicht vollends. Im Gegenteil, denn trotz interessanter Auflösung enthält der Film wieder nur abgedroschene Horror-Motive (spukende Kindern, knarzenden Türen usw.). Die Figuren sind seltsam unnahbar und das Skript wirkt zu lang gezogen für seinen wenig dramatischen Inhalt. Netter Versuch, aber etwas mehr Feuer hätte dem Film gut getan. Fazit: "I Remember You" ist ein netter und durchaus atmosphärischer Gruselthriller, der aber am Ende hinsichtlich Aufklärung und offene Fragen doch ein wenig schwächelt.

6,5/10

Samstag, 17. Februar 2018

The Evil That Men Do - Der Liquidator (Unrated) (1984)

http://www.imdb.com/title/tt0087222/

George, ein Freund des Profi-Killers Holland (Charles Bronson), wurde von einem gewissen Dr. Clement Moloch, zu Tode gefoltert. Welcher schon mehr als nur ein Menschenleben auf dem Gewissen hat. Von einem Freund nimmt Holland letztendlich den Auftrag an, Moloch zu töten. Eine mörderische Jagd auf die bösen Jungs beginnt und endet in einer stillgelegten Mine...

"Der Liquidator" schürt anfangs Hoffnung richtig gut abzugehen, als ein Folterknecht eine beherzte Rede über eben das Foltern schwingt - samt Vorführung und als Lippenleser Holland (Charles Bronson), der es sich bereits im Paradies heimelig machte, erst durch Schilderungen auf Video überredet werden muss, wieder als Berufskiller aktiv zu werden. Bronson ist zwar stoisch wie immer, wirkt aber in diesem bedrohlich-repressiven Umfeld nicht so unbesiegbar wie sonst. Mit der ausgedehnten Folterdemonstration am Anfang nordet sich "Der Liquidator" schon mal nachdrücklich im Unangenehmen ein und läßt auch nie mehr so richtig locker. Das ist kein geringer Verdienst. Im Mittelteil schwächelt "Der Liquidator" dann aber leider trotzdem ein wenig. Das liegt mitunter an Rhiana Hidalgo (Theresa Saldana), die mit ihrer scheinheiligen Moralapostel-Masche ziemlich nervt. Denn eigentlich hat der Mittelteil schon seine Momente, die aufgrund Brutalität oder Spannung den Zuschauer trotzdem bei der Stange halten können.

Das sehr gelungene Finale findet dann in einer verlassenen Mine statt, die gar nicht so verlassen ist. Der Doc hat sich auch etwas einfallen lassen, doch Holland ist ja nicht auf den Kopf gefallen. Da Holland ein Mann ist, der das Böse tut, wenn ein Mann Böses tun muss, tut er es nicht nur für lau, er stiftet auch den Opfern des Docs die Genugtuung. Kurz und gut: "Der Liquidator" ist ein anspruchsloses und primitives Action-Vehikel, aber macht zwischendrin irgendwie schon Laune. Es ist ein schön fieser Reißer, der sich überraschend kritisch gegenüber der Duldung von Menschenrechtsverletzungen durch die US-Regierung gibt.

6,5/10

Von NAMELESS Media kommt der Film ungekürzt und in beiden Filmfassungen (Uncut/-R-Rated und Unrated) in HD im auf 555 Stück limitierten Mediabook:

The Assassination Of Jesse James By The Coward Robert Ford - Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0443680/

Der Film erzählt vom Leben des Jesse James (Brad Pitt) und seiner Gang. Nach dem Bürgerkrieg überfallen sie Züge und Banken und werden in der Bevölkerung als moderne US-Variante von Robin Hood gefeiert. Während sie als Helden dastehen, geben sich die Pinkerton Detectives immer mehr der Lächerlichkeit Preis, weil es ihnen nicht die gelingt, die Jagd nach Jesse James und seinen Spießgesellen erfolgreich zu gestalten. Zur Bande um Jesse James stößt auch der junge Robert Ford (Casey Affleck). Aber schon bald muss Ford feststellen, dass der wahre Jesse James wenig mit dem idealisierten Mythos zu tun hat, der in der Bevölkerung kursiert. Er ging als der Feigling in die Geschichte in, welcher Jesse James rücklings ermordete. "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ergründet diese kaltblütige Tat und die Legende vom Feigling, der Jesse James umgebracht hat.

"Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" zählt zu den besseren Vertretern des Westerngenres der letzten zwei Jahrzehnte und bietet eine ungewöhnliche Seherfahrung. Vor allem, weil der Film gar kein klassischer Western im eigentlichen Sinne ist. Wie der Titel bereits andeutet, dreht sich der zweite Film von Regisseur und Drehbuchautor Andrew Dominik weniger um die Schurkenstücke eines der bekanntesten Outlaws des Wilden Westens, sondern um dessen Niedergang und verwehrt sich damit der typischen Heroisierung, wie wir sie aus klassischen US-Western kennen. Im Gegensatz zu anderen modernen Western zeigt Dominiks Werk auch kein Interesse daran, die Stilmerkmale zu dekonstruieren oder zu ironisieren, um ganz postmodern eine Meta-Ebene zu etablieren.

Damit gesellt sich "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" tatsächlich zu den Werken einer ausgestorbenen Strömung – dem Kino des New Hollywood, das sich dem Genre mit Werken wie McCabe & Mrs. Miller, "Pat Garrett jagt Billy the Kid" oder "Der weite Ritt" melancholisch näherte und mit dramaturgischen Konventionen brach. Statt die archaische Welt des Western zu glorifizieren, entpuppte sich das weite Land als leer und karg, warf die Menschen auf sich selbst zurück und hinterfragte uramerikanische Ideale wie Freiheit und Selbstbestimmung. All dies trifft auch auf Andrew Dominiks Werk zu. Sieben Jahre, nachdem Dominik in Australien das so flippige wie misslungene Serienkillerporträt "Chopper" inszenierte, zeigt sich der Filmemacher bei seinem Hollywooddebüt erstaunlich gereift, legt einen gänzlich gegenteiligen Film vor und setzt auf totale Entschleunigung: Einhundertsechzig Minuten beträgt die Spielzeit von "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford", der sich ganz seiner elegischen Stimmung und den so ansehnlichen wie untypischen Bildern von Kameramann Roger Deakins hingibt.

Dominik setzt seine Figuren nicht ständig aktiv in Szene, um die Handlung voranzutreiben, sondern beobachtet sie in oft passiven Momenten und nutzt stille Szenen, um ihrem Geist nachzuspüren. Der von Brad Pitt wunderbar lethargisch verkörperte Jesse James wirkt im Verlauf des Films immer weniger wie von dieser Welt, sondern scheint, müde und seelisch ausgehöhlt von den Taten seiner Jugend, zunehmend willenlos dem Tod entgegenzutreiben und erinnert dabei an den Protagonisten aus Jim Jarmuschs Dead Man. Sein Gefährte Robert Ford hingegen muss seine Lebendigkeit im Zaum halten: das scheue schiefe Grinsen, das ständige Niederschlagen der Augen und die weinerliche Stimme mögen die Gedanken und Wünschen des jungen Banditen verbergen, doch dank Dominiks aufmerksamer Regie und der herausragenden Darstellerleistung von Casey Affleck erkennen wir – ebenso wie James – Fords Schwäche: "Do you want to be like me or do you want to be me?"

Der ambitionierte Mittelteil des Films mag deutlich zu lang erscheinen und dürfte vor allem jene Filmfans enttäuschen, die sich zumindest ein Mindestmaß an Handlung wünschen; tatsächlich mag vordergründig nicht viel passieren, doch "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ist ungemein reich an Zwischentönen und sinniert über Werte, Seelenheil und das Miteinander der Menschen. In der letzten halben Stunde läuft Dominiks Werk zur Höchstform auf und etabliert einen wuchtigen Fatalismus shakespearscher Prägung, der intensive Szenen hervorbringt und viel Spannung, wenn wir erkennen, dass Robert Ford kein Feigling war, sondern Opfer in einem abgekarteten Spiel, das keinen Sieger kennt. Trotz seines gemächlichen Tempos beeindruckt "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" und hallt lange nach.

8/10

Donnerstag, 15. Februar 2018

[KINO] Black Panther 3D (2018)

http://www.imdb.com/title/tt1825683/

Nach den Ereignissen von "The First Avenger: Civil War" begibt sich T'Challa alias Black Panther (Chadwick Boseman) zurück in seine afrikanische Heimat Wakanda. Er bereitet sich darauf vor, seinen rechtmäßigen Platz als König des isolierten, aber technologisch höchst fortschrittlichen Staates einzunehmen, obwohl er das nicht geplant hatte. Der Söldner Erik Killmonger (Michael B. Jordan) will ihm die Regentschaft jedoch streitig machen und sucht sich für sein Vorhaben Unterstützung beim zwielichtigen Waffenschieber Ulysses Klaue (Andy Serkis). Um das Erbe seines Vaters und seine Position als König zu bewahren, tut sich der Held mit CIA-Agent Everett K. Ross (Martin Freeman) zusammen. Außerdem unterstützt von den Mitgliedern der Dora Milaje (unter anderem Danai Gurira), einer exzellent ausgebildeten Kriegerinnentruppe, und seiner Exfreundin, der Spionin Nakia (Lupita Nyong'o), nimmt der Black Panther den Kampf gegen die beiden Schurken auf...

Es gab in "Captain America: Civil War" eine Szene, in der wie aus dem Nichts ein neuer Superheld auftauchte. Ganz in schwarz, das Gesicht unter einer schwarzen Maske, mit katzenhafter Agilität. Der "Black Panther". Und viele Kritiker waren damals wie heute der Ansicht, dass es doch endlich mal Zeit für einen schwarzen Superhelden sei, der nicht wie der "Falcon" oder "Nick Fury" beinahe ausschließlich im Hintergrund oder als Sidekick agiert, dass dies "richtig und wichtig" und noch dazu von historischer Bedeutung sei. So ein ausgemachter Unsinn. Erinnert sich keiner der Kritiker an Spawn oder "Blade"? Letzterer war der erste "richtige" Superheld im MCU, aber beide werden - so hat man das Gefühl - gern vergessen. Erinnert sich auch keiner dieser Kritiker mehr an den Satz "Setzen Sie immer auf schwarz." (aus "Passagier 57")...? Long story short: es würde kein MCU geben, wäre da nicht der Erfolg von "Blade" gewesen. Und es ist ausgemachter Unsinn, dass Menschen diesen Film lieben, weil er "historisch wichtig" ist. Einen Film soll man mögen, weil der Filme gut ist, unterhält und nicht weil er eine schwarze Besetzung hat. So. Genug der Schimpftirade, beschäftigen wir uns lieber mit dem  "Black Panther".

"Black Panther" ist der nunmehr achtzehnte Film (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) im MARVEL Cinematic Universe (MCU) und er ist der erste, der sich stark auf einen Ethos, bekannt als Afrofuturismus, stützt - grob gesagt, ein Ansatz zu Science Fiction und Fantasy, der auf schwarzer Erfahrung und den Kulturen des afrikanischen Kontinents basiert. Dies ist selten im cineastischen Bereich, da solche Filme kaum aus Nischen herauskommen und so manche epische Visionen neigen auch oft dazu, hohe Budgets zu fordern. Regisseur Ryan Coogler wagte es dennoch und liefert mit seinem Beitrag zum MCU "Black Panther" einen Streifen ab, der dem vorgenannten Afrofuturismus endlich einen gewissen Tribut zollt. Und das mit Stil, Style und und einem geradezu überwältigendem Produktionsdesign. Davon sind die Fans des MCU ja mittlerweile schwer verwöhnt, gerade wenn man Ausstattungskolosse wie "Captain America: Civil War", "Guardians Of The Galaxy" oder "Avengers: Age Of Ultron" betrachtet. Doch irgendwie schafft MARVEL es immer und immer wieder, auf einen sowieso schon extrem hohen Standard noch eins draufzusetzen. Es ist beinahe schade, dass es der "Black Panther" nicht schon früher ins MCU geschafft hat, doch eines weiß man so schon: er fügt sich hervorragend in das vorhandene Konstrukt ein.


Und vielleicht ebenso, weil er ein Stück weit vom restlichen MCU isoliert steht. Nicht vollends, das würde nicht funktionieren, aber die Welt ist doch eine ganz andere. Es fällt auf, dass MARVEL sich sehr darauf konzentrierte, die in "Phase III" laufenden Filme jeweils als separate Einheit zu etablieren. Schon "Thor: Ragnarok" grenzte sich deutlich von seinen beiden Vorgängern ab und mit "Doctor Strange" oder "Spider-Man: Homecoming" wurde gar ein gänzlich neues Kapitel (wie auch hier) aufgeschlagen. Selbst "Guardians Of The Galaxy, Vol. 2" bot alle Kraft auf, sich vom "Avengers"-Universum zu distanzieren - und nun präsentiert sich dem Zuschauer die Welt von Wakanda. Die Handlung von "Black Panther" überbrückt die Lücke zwischen "Captain America: Civil War" und dem bevorstehenden "Avengers: Infinity War", und nimmt T'Challas Krönung und eine schlummernde Bedrohung für sein Königreich auf, das mit dem Tod Königs T'Chaka  wachgerüttelt wird. Dies geschieht die Form von Michael B. Jordans Figur Erik "Killmonger" Stevens, einem rachsüchtigen Exil-Wakandaner, der ebenfalls ein Auge auf den Thron geworfen hat, und Ulysses Klaue, ein von Andy Serkis gespielter, bulliger Waffenhändler. Seine Aufmerksamkeit richtet sich auf die riesigen Vibranium-Lagerstätten des Landes, ein unzerstörbares Metall, das in Filmen wie diesem oft sehr nützlich ist. Hier hat MARVEL schon wieder grandiose Arbeit geleistet, denn egal wie altbacken diese Story nun auch klingen mag, sie schaffen es immer und immer wieder, eine perfekte Besetzung zusammen zu bringen, die wirklich Lust und Freude am Spiel haben und "Black Panther ist dabei keine Ausnahme.


Chadwick Boseman beweist sich hier als einer der besten, unbesungensten Schauspieler, die gerade in Hollywood agieren, und er hat die Chance bekommen, hier wirklich zu brillieren. Er strahlt eine stille Kraft, Anmut und Intelligenz aus, die eine solche Rolle erfordert. Sein Charakter T'Challa / Black Panther hat einfach die nötige "Freshness". Er ist ein junger Anführer, der entscheiden muss, in welche Richtung er sein Land gehen lassen soll. Lässt er Wakanda mit der übrigen Welt in Verbindung treten oder hält er sein Land weiterhin versteckt? Um seiner Aufgabe Herr zu werden, hat er auch ein starkes Unterstützungssystem in Form seiner immer für einen Gag bereiten Schwester Shuri (Letitia Wright), einem wissenschaftlichen Genie, seiner Ex-Liebhaberin Nakia (Lupita Nyong'o) und sein treuer General Okoye (Danai Gurira). So weit, so gut. Einer der Bereiche, in denen nahezu alle Superheldenfilme, egal ob nun DCU oder MCU, fast immer versagen, ist die Schaffung überzeugender Schurken, die nicht irgendwelche lahme Charakterklischees sind. Die einzige Ausnahme bildet hier Loki, aber das liegt eher an Tom Hiddlestons erstaunlicher Leistung als an dem Bösewicht selbst.

Vielleicht werden die Leute nach "Black Panther" auch Michael B. Jordan etwas gewogener aufnehmen und zugeben, dass er ein richtig guter Schauspieler ist. Sein Killmonger ist einer der besten Bösewichte, die Marvel jemals geschrieben hat. Er ist erstaunlich komplex und wie alle großen Schurken sind seine Motivationen nicht komplett böse. Sicher, Hass ist in gewisser Weise involviert, aber seine Figur ist nicht in seinem Hass falsch. Im gegenteil: man kann seine Situation nachempfinden. Der Konflikt zwischen ihm und T'Challa erfährt einen erfrischend langsamen Aufbau und führt zu einer mehr oder minder erwartbaren Enthüllung, was aus ihm aber einen gleichwohl sympathischen und hasserfüllten Charakter macht. Es gab auch einige nervige Stereotypen in diesem Film, jedoch sind diese einerseits belanglos, andererseits kann man darüber mit einem wohlwollenden Achselzucken einfach darüber hinwegsehen.

Das Drehbuch bietet aber auch die zu erwartenden Unebenheiten, doch sowohl Charakterdynamik und Motivationen fühlen sich größtenteils natürlich und rhythmisch an und sorgen dafür, dass es in der knapp zweistündigen Laufzeit des Films nie langweilig wird. Es gibt ein paar Szenen außerhalb von Wakanda, aber der Film als Ganzes spielt innerhalb der Stadtmauern und zentriert sowohl über, als auch unter der Oberfläche. Die Zuschauer werden in eine funktionale Welt eingeladen, die durch Metall und Technologie glänzt, aber auch durch Kultur, Sitte und Bürgerlichkeit Leben erhält.


"Black Panther" ist in zwei Dingen mehr als bemerkenswert. Zum einen, weil Wakanda so schön ist und hier der Film vom Produktionsdesign bis hin zur Kostümierung nahezu perfekt aussieht. Es gibt zwar hier und da einige raue CGI-Einschläge, durch die sich aufgrund überhasteter Übergänge und einer zu starken Abhängigkeit vom Green Screen Risse unter der ansonsten atemberaubenden Oberfläche offenbaren, aber dies nur am Rande. Zweitens ist er nicht das große Actionspektakel, was man vielleicht erwarten würde. Es gibt ein größeres Schlachtfeld im Finale, welches schön mit den Kräften des Metalls Vibranium spielt und eine sehr von "Captain America" motivierte und inspirierte Verfolgungsjagd, aber im großen und ganzen konzentriert sich die Geschichte mehr auf den Teil der Erzählung, die wirklich etwas aussagt, als alles in Materialschlachten untergehen zu lassen. Es gibt auch ein paar One-on-One-Kämpfe, die, während sie präsentiert werden, sogar noch einen etwas faden Geschmack hinterlassen, wenn man erkennt, dass diese unglaublich fortschrittliche Utopie ihren Anführer durch Kämpfe bis zum Tod (oder zur Konzession) wählt. Das ist irgendwie... seltsam weil rückständig. Aber okay.

In "Black Panther" sind es damit gerade auch die zuvor genannten kurzen Action-Einschübe, während man darauf wartet, zu Rachel Morrisons prächtiger Cinematographie zurückzukehren, zu Hannah Beachlers auffallendem tollen Produktionsdesign und Ruth E. Carters faszinierenden Kostümentwürfen. Wieder ist es ein Teil des Gesamtbildes, aber es lohnt sich zu applaudieren, dass diese drei Frauen zusammen mit Coogler (und dem mittlerweile wohl allmächtigen CEO Kevin Feige) für den gesamten Look und das Design eines der größten Filme 2018 verantwortlich sind. Das ist keine Kleinigkeit und die Ergebnisse sind wirklich außergewöhnlich.

"Black Panther" ist also eine unterhaltsame Mischung aus Vertrautem und Neuem und erzählte eine komplette Geschichte und wird so zu einem hochgradig unterhaltsamen, handwerklich perfektem Blockbuster, der sich vor einer politischen Haltung nicht drückt und trotzdem nicht fehl am Platz in seinem Franchise wirkt. Vor zehn Jahren, als "Iron Man" zum ersten Mal seinen Arc-Reaktor in Gang setzte, hätte die obige Besetzungsliste wie ein Hirngespinst ausgesehen. Aber MARVELs kreatives Risiko - wenn überhaupt, das Studio selbst als solches zählt - haben die komische Angewohnheit, im Nachhinein als sichere Bank durchzugehen. Die Mid-Credits-Sequenz ist tasächlich dann noch eine Botschaft an die Welt, die sogar passt und nicht aufgesetzt wirkt. Was soll man da noch sagen, außer: erneut gewonnen, MARVEL. Chapeau!

8,5/10

Auch dieser Film erschien von MARVEL Enterprises im limitierten Steelbook, welches den Film auch in 3D enthält. 

Mittwoch, 14. Februar 2018

赤壁 - Chi Bi - Red Cliff (2008)

http://www.imdb.com/title/tt0425637/

Die letzten Tage der Han Dynastie sind gezählt. Der kluge Premierminister Cao Cao überzeugt den wankelmütigen Kaiser Han, dass es nur einen Weg gibt, China zu vereinen: Er muss den Königreichen Xu im Westen und East Wu im Süden den Krieg erklären. So beginnt in ganz China ein beispielloser Krieg, angeführt vom Premierminister Cao Cao. Der letzte Ausweg für die eigentlich verfeindeten Königreiche Xu und East Wu ist eine Allianz. Nach zahlreichen Schlachten auf Land und Wasser endet der Krieg schließlich in der Schlacht von Red Cliff am Jangtse, wo die Geschichte Chinas neu geschrieben wird...

Vorneweg: Wer sich die sehr stark gekürzte internationale Filmschnittfassung mit ihren vergleichsweise kümmerlichen 143 Minuten ansieht, ist selber schuld, denn nur im fast-5-Stunden-Zweiteiler-Marathon kann das historische Schlachtenepos dann doch im Großen und Ganzen seine von den Machern angestrebte Wirkung entfalten. Vielfach wurde auch von Fans und Kritikern die Tatsache beanstandet, dass das ursprünglich zweiteilige Filmwerk für das westliche Publikum um fast die Hälfte gekürzt und zu einem Film zusammengeschnitten wurde, was zu unlogischen Handlungssträngen und fehlenden Hintergründen führte. Doch zurück zum Zweiteiler.

John Woo versucht alles, um mit dem bis dato teuersten asiatischen Film, dieser historischen, im kulturgeschichtlich essenziellen chinesischen Roman "Die Geschichte der drei Reiche" niedergeschriebenen Zeit am Ende der Han-Dynastie mit ihren verschiedenen Persönlichkeiten und wechselseitigen Fehden, Schlachten und Bündnissen gerecht zu werden. Die Bilder der akribisch rekonstruierten Schlachtordnungen in epischer Breite sind gigantisch und trotz der teilweise überstrapazierten Anwendung von Schwenks und Zooms gut gefilmt und geschnitten. Viel Zeit wird auf Kriegstaktiken und -listen verwendet. Die vom einschlägig für seine Arbeit bekannten Corey Yuen choreografierten Actionsequenzen sind rasant und fantasievoll inszeniert. Mit Slow Motion, pfeil- und speerdurchbohrten Kriegern sowie Kunstblutspritzern wird nicht wirklich gegeizt, sodass die "Bloodshed"-Anforderungen an einen John-Woo-Film durchaus erfüllt werden. Wenn ein Baby auf abenteuerliche Weise im Kampfgetümmel gerettet wird, ist die Freude des geneigten Fans über eine solche Anspielung auf ein anderes epochales Werk des Regisseurs doch recht groß. Selbst die beim Actionmeister nicht wegzudenkenden Tauben sind anzutreffen und eine von ihnen bekommt ziemlich zur Mitte hin einen wunderbaren Soloauftritt spendiert. Da Wire Work in den Martial-Arts-Szenen nur sehr begrenzt zum Einsatz kommt, ist das vorliegende Werk eher dem zum Realismus tendierenden chinesischen Historienkino zuzurechnen und gehört nicht wirklich zum fantastischen Wuxia-Film mit seinen durch Baumwipfel und über Häuserdächer schwebenden Protagonisten. Die historischen Helden Zhou Yu, Zhuge Liang, Liu Bei, Guan Yu und Cao Cao, die in China jedes Kind kennt, sind aber trotzdem in bester Asia-Film-Manier überlebensgroß in Szene gesetzt worden und kämpfen schon mal alleine gegen Dutzende Feinde.

Dem Schwertergeklirre gegenüber stehen die ruhigen, fast schon kontemplativ anmutenden Sequenzen, in denen geredet, taktiert, musiziert, und sich belauert wird, wo der chinesischen Lebensart gefrönt, Weisheiten ausgetauscht, Bünde geschmiedet und zaghafte Liebesbekundungen ausgetauscht werden. Hier kann der durchaus erlesene Cast zeigen, was er auf dem Kasten hat. Allen voran begeistert Takeshi Kaneshiro als gerissener Kriegstaktiker Zhuge Liang, ganz ohne einen einzigen Kampfeinsatz. Ihm zur Seite steht in der Rolle des Oberkommandierenden Zhou Yu der allseits bekannte chinesische Schauspielstar Tony Leung Chiu-Wai, der kurz nach Ang Lees "Gefahr und Begierde" mal wieder sowohl als begabter Kämpfer als auch Charakterdarsteller zu überzeugen weiß. Beide haben sichtlich Spaß daran, das Zweckbündnis der eigentlich verfeindeten Kriegsherren schauspielerisch zu interpretieren. Hier sitzt jede noch so kleine, unterschwellige Geste. Große Wiedersehensfreude bereitet der Auftritt von Zhang Fengyi als Premierminister Cao Cao, der schon in den Chen-Kaige-Filmen "Lebewohl, meine Konkubine" an der Seite des leider verstorbenen Leslie Cheung und in "Der Kaiser und sein Attentäter" schauspielerische Glanzpunkte setzte, seitdem aber eine zehnjährige Auszeit vom Film nahm. Alle anderen markanten männlichen Charaktere bekommen zwar ihren Auftritt, verblassen aber etwas hinter den genannten Herren. Nur die Damen können da noch einige Akzente setzen, Zhao Wei aus "Wächter über Himmel und Erde" als freche, den Konventionen trotzende Kampfamazone und Lin Chiling als fatalerweise von gleich zwei verfeindeten Kriegsherren begehrtes Edelfräulein in ihrer ersten Filmrolle.

Trotzdem wird das Epos einer bei diesen Ausmaßen verständlichen Erwartungshaltung nicht vollends gerecht. Dies liegt zum einen an den doch eher dürftigen visuellen Effekten, die vor allem bei der gigantischen, den Jangtsekiang hinaufschippernden Flussarmada negativ auffallen. Bei einem Budget von umgerechnet rund 80 Mio. US-Dollar muss da definitiv mehr drin sein. Zum anderen weist das Drehbuch, dem manchmal die Fokussierung auf das gerade Wesentliche abhandenzukommen scheint, durchaus Längen und Defizite auf. Oft scheint es so, als könnte man sich bei all dem inszenatorischen Überschwang und der Hingabe nicht so recht entscheiden, wie viel Raum man denn nun den Schlachten und wie viel den eher ruhigen Dialogszenen lassen sollte, damit das Ziel, ein größtmögliches Publikum zu unterhalten, nicht verfehlt wird. Auch der eine oder andere Humorversuch in der zweiten Hälfte wirkt eher unausgegoren und platt bei der durchweg ernsten Thematik. Schlussendlich weiß man nach Sichtung dieses Mammutwerks, dass man ein großes Stück historisches Actionkino aus Asien gesehen hat, fühlt aber gleichzeitig eine gewisse Distanziertheit und bleibt von den Geschehnissen doch seltsam unberührt.

7,5/10

Dienstag, 13. Februar 2018

Assassination Of A High School President - Lange Beine, kurze Lügen und ein Fünkchen Wahrheit... (2008)

http://www.imdb.com/title/tt1018818/

Bobby Funke (Reece Thompson) ist Schüler der katholischen St. Donovan's High School und gilt als einer, der eine große Zukunft vor sich hat. Als Prüfungsfragen des Abschluss-Tests gestohlen werden, überredet Francesca (Mischa Barton) ihn - einen Redakteur der Schülerzeitung -, dem Fall nachzugehen. Er findet heraus, dass Schülersprecher Paul (Patrick Taylor) hinter dem Diebstahl steckt. Nun ist Bobby ein Journalistik-Stipendium sicher, genauso wie die (Ex-)Freundin von Paul, Francesca. Noch dazu nimmt Direktor Jared T. Kirkpatrick (Bruce Willis) ihn von der Abschussliste. Doch irgendetwas stimmt an Bobbys Story nicht...

Die High School. Ort pubertärer Phantasien, erster Sexual- und Drogenkontakte, feucht fröhlicher Parties, und dumm-dreister Streiche. Dieses in all seinen Facetten inzwischen massiv ausgebleichte Bild malen US Teenie-Komödien (und manchmal auch -Dramen) in ermüdend eintöniger und gefühlt jahrzehntelanger Dauerrotation. Da massiert man sich schon mal verwundert die ob solch penetranter Einfallslosigkeit bleischweren Augenlider, wenn es dann doch einmal anders kommt.

"Assassination Of A High School President" (über den dämlichen deutschen Titel Lange Beine, kurze Lügen (und ein Fünkchen Wahrheit ...) breiten wir mal lieber den Mantel des Schweigens) ist ein solch seltenes Pflänzchen. Auf den ersten Blick wirkt alles wie gehabt: ein schüchterner, aber intelligenter Loser begehrt die Schulschönheit, die natürlich mit dem Sportstar der Anstalt liiert ist. Unnötig zu erwähnen, dass dieser mit deutlich mehr Muskel- denn Hirnschmalz gesegnet ist und in etwa so sympathisch wie Nachbars Kampfhund rüberkommt. Aber halt. Dieses vertraute Szenario dient lediglich als Hintergrundmusik für ein gepfeffertes "Noir Dramödchen". Es ist nicht nur die durchaus ernsthaft durchgezogene Krimihandlung, die "Assassination Of A High School President" aus dem High-School-Komödien-Einheitsbrei hervorhebt. Auch der durchgängig schwarzhumorige Unterton, die scharfzüngigen Dialoge und der lakonische Erzählstil der Hauptfigur lassen einen weit mehr an Film Noir als an "Film Teen" denken. Bobby Funke ist ein (zugegebenermaßen nicht ganz so) abgebrühter Detektiv in einem undurchsichtigen Verschwörungsszenario. Ein Losertyp mit Köpfchen und Biss, der um jeden Preis die Wahrheit ans Licht bringen will. Francesca ist natürlich die unnahbare femme fatale in dem wendungsreichen Spiel. Überhaupt sind viele der handelnden Figuren nicht das, was sie zunächst zu sein scheinen.

Auch visuell verlässt man ausgetrampelte Genrepfade. Ein clever arrangierter Plot und eine feine Figurenzeichnung brauchen keine hektischen Schnitte oder knallbunten Bilder. Hier müssen keine Schwächen übertüncht werden. Das ruhige Erzähltempo und die ebenso ruhige Bildsprache unterscheiden sich wohltuend von den heute offenbar zunehmend als obligatorisch empfundenen Zappel-Sperenzien, wenn man ein jugendliches Publikum erreichen will. Der Film verlässt sich ganz auf seine wendungsreiche Geschichte und seine teilweise skurrilen Charaktere, was auch prächtig funktioniert. Neben Hauptdarsteller Reece Daniel Thompson - der Bobby Funke gekonnt als Mischung aus einem grüblerisch-abgeklärten Erwachsenen (als Detektiv) und einem unsicher/schüchternem Teenager (als Liebhaber) spielt - hinterlässt vor allem Mischa Barton als undurchsichtige High-School-Queen Fancesca einen nachhaltigen Eindruck. Sie ist gleichzeitig kühl, berechnend, verführerisch, unschuldig und schutzbedürftig. Eine explosive Mischung, die nicht nur für Bobby Funke einer Tretmine gleichkommt. Und schließlich ist da noch Bruce Willis. Seine Darbietung als Golfkriegserfahrener Schulleiter Kirkpatrick ist trotz, oder vielleicht gerade wegen seiner wenigen Auftritte das komödiantische Sahnehäubchen. Willis spielt genüsslich mit seinem Image als wortkarger Actionheld und feuert eine wahre Salve an trockenen Sprüchen auf seine eingeschüchterten Schüler ab.

"Assassination Of A High School President" ist lediglich auf den ersten Blick eine weitere Komödie aus der filmisch mehr als ausgelutschten High-School-Welt. Hinter der klassischen Fassade verbirgt sich eine clever arrangierte Krimi-Dramödie, die mit klugem Wortwitz, schwarzem Humor und skurrilen Figuren für beste Unterhaltung sorgt. Lediglich der etwas abrupte Schluss enttäuscht etwas. Actionstar Bruce Willis beweist zum wiederholten Mal eine gehörige Portion Selbstironie und ist als kriegsversehrter, lakonische Sprüche klopfender Schulleiter das i-Tüpfelchen auf einem Genreübergreifenden Filmspass, der auch für der Schulpflicht Entronnene eine Empfehlung wert ist.

7/10

Sonntag, 11. Februar 2018

The Magnificent Seven - Die glorreichen Sieben (1960)

http://www.imdb.com/title/tt0054047/

Ein kleines mexikanisches Dorf wird jedes Jahr von einer Räuberbande unter der Führung des Banditen Calvera (Eli Wallach) überfallen und all seiner Habseligkeiten beraubt. Das wollen sich die Dorfbewohner nicht mehr länger gefallen lassen und beschließen, einen Trupp Revolverhelden zu engagieren, die sie vor der raubenden, brandschatzenden und vergewaltigenden Horde beschützen soll. Mit Müh und Not schaffen sie es, sieben Männer unter der Führung des Revolverhelden Chris (Yul Brynner) davon zu überzeugen, diese lebensgefährliche und profitlose Aufgabe zu übernehmen. Seine sechs Gefährten sind alte Weggefährten wie der fruchtlose Vin (Steve McQueen) oder der gutherzige Bernardo (Charles Bronson), aber auch neue Abenteurer wie der junge Chico (Horst Buchholz). Sie stellen sich der Überzahl der Banditen in der Hoffnung, das kleine Dorf endlich befreien zu können...

Was für ein Aufgebot: Charles Bronson, Steve McQueen, Eli Wallach und James Coburn sind Namen, die jedem Filmfan auf der Zunge zergehen. Umso erstaunlicher ist es, wenn man bedenkt, dass im Jahre 1960 keiner der Genannten die Hauptrolle in "Die glorreichen Sieben" übernahm. Aus heutiger Sicht unverständlich, damals war eben ein gewisser Yul Brynner der Star im Aufgebot. Und das nicht ohne Grund, denn er spielt seinen Part großartig, wirkt in jeder Einstellung souverän als Anführer der "Sieben".


Ein James Coburn wirkt dagegen unscheinbar, einzig Charles Bronson und Steve McQueen merkt man ihr Können bereits deutlich an. Die Weltkarriere stand den Beiden damals aber noch bevor. Der Deutsche Horst Buchholz spielt den unbeholfenen Chico auffällig, wirkt jedoch hin und wieder ungewollt komisch. Eli Wallach tritt mit solider Leistung als Anführer der Banditen in Erscheinung, jedoch ohne auch nur annähernd sein ganzes Können unter Beweis zu stellen. Hierzu fehlte ihm wohl die darstellerische Freiheit, die er erst in "Zwei glorreiche Halunken" von Sergio Leone zugesprochen bekam. 

Bekannt sein dürfte, dass "Die glorreichen Sieben" ein amerikanisches Remake des japanischen Films "Die sieben Samurai" von Akira Kurosawa ist und schon die Titelmelodie dürfte auch dem noch so größten Westernfeind bekannt sein. Und schon dort wird einem klar, dass es nur klasse werden kann, was man jetzt vor sich hat. Obwohl oder gerade weil der Film in vielerlei Hinsicht als Vorreiter der beliebten Italo-Western gesehen werden kann, offenbart ein Vergleich mit den Größen des Sub-Genres gleichzeitig auch die Schwachstellen des Helden-Epos. So wirken die Kulissen gerade bei Nachtsequenzen altbacken und primitiv. Die zahlreichen, schauspielerisch mitunter mäßig interpretierten Nebenrollen lassen zudem wenig Platz für charakterliche Tiefe der Hauptfiguren, was sehr schade ist - angesichts aller anderen cineastischer Komponenten. Mit der heldenhaften Musik amerikanischer Western-Klassiker muss man sich hingegen anfreunden können, allerdings gelingt es Bernstein, sich hin und wieder von der klischeehaften Musik zu lösen und in spannenden Situationen sogar sehr passende, tiefere Klänge einzubauen, die beinahe schon an Altmeister Ennio Morricone erinnern.


Seine ganze Stärke offenbart der Film erst in den Actionszenen. Die Kamerafahrten sind spektakulär und lassen den Zuschauer mitten im Geschehen teilhaben, wenn es zur Sache geht. Gerade bei dem ersten Aufeinandertreffen der Banditen mit den "Sieben" im Dorf wird deutlich, dass hier keine Kosten und Mühen gescheut wurden. Auch die Schießereien sehen super aus, was für die damalige Zeit keine Selbstverständlichkeit ist. Eine weitere große Stärke des Klassikers ist die Story, die man wohl als absolut zeitlos bezeichnen muss: Ein mexikanisches Dorf wird regelmäßig von einer Banditenbande überfallen und engagiert sieben Männer, die sie vor ihnen beschützen sollen. Simpel aber gut. Einer der großen Western-Klassiker. Die fantastische Ensemble-Leistung der Darsteller, die tolle Kamera-Arbeit und die makellose Regie von John Sturges machen "Die glorreichen Sieben" auch heute noch zu einem unterhaltsamen Film.

8/10 

Samstag, 10. Februar 2018

Payback - Payback: Zahltag (Straight Up: The Director's Cut) (1999)

http://www.imdb.com/title/tt0120784/

Jede Woche zur gleichen Zeit transportiert eine asiatische Verbrecherorganisation einen Koffer mit viel Geld quer durch die Stadt. Wer das weiß, ist natürlich auch daran interessiert, dieses Geld in seinen Besitz zu bringen. Mit einem guten Plan will Porter (Mel Gibson) den Koffer gemeinsam mit seiner heroinabhängigen Ehefrau Lynn und seinem Freund Val stehlen. Das klappt so weit auch ganz gut – wenn Porter nur seine Partner besser kennen würde. Lynn und Val wollen das Geld nämlich keineswegs mit ihm teilen, sondern ihn aus dem Weg räumen, damit sie die 140.000 Dollar nicht mit ihm teilen müssen. Die beiden hätten sich aber besser vom Tod Porters überzeugt, und ihn nicht schwerverletzt mit einer Kugel im Rücken liegen lassen, denn er überlebt unerwartet, und will jetzt nur zwei Dinge: seinen Anteil von 70.000 Dollar und vor allem Rache! Dummerweise können Lynn und Val ihm das Geld aber nicht geben, selbst wenn sie es wollten, denn Val hat sich mit fast der kompletten erbeuteten Summe in ein Verbrechersyndikat eingekauft, und das Geld bekommt er von denen sicherlich nicht zurück. Also muß Porter sich selbst auf den Weg nach ganz oben machen, und den "Dienstweg" des Syndikats von unten nach oben durchlaufen, um an das Geld zu kommen.

"Payback" von Brian Helgand ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich ein Filmstudio auch mal in die Produktion eines Films einmischen kann, weil der düstere Ton des Films nicht dem Geschmack des Studios entspricht. Dies bedeutete das Helgand nicht seine gewünschte Schnittfassung in die Kinos bringen konnte und er an dem Projekt kein Mitspracherecht mehr hatte. Es kam sogar soweit, das neue Szenen gedreht werden mussten um den Film in eine ähnliche Richtung wie die "Lethal Weapon"-Reihe zu bringen. Dabei wurde die Handlung im letzten Drittel verändert und neue Darsteller gecastet. Dieser Aufwand zwang Warner Brothers sowie die Produktionsfirma von Mel Gibson nochmal Millionen in das Projekt zu investieren um das gewünschte Produkt vom Filmstudio zu veröffentlichen. Der fertige Film war kein Kassenschlager, wurde von den Kritiker verhalten aufgenommen und sollte erst einmal so in Erinnerung bleiben. Erst im Jahre 2006 wurde über eine Veröffentlichung eines "Director's Cuts" nachgedacht - nämlich die gewünschte Schnittfassung des Regisseurs Brian Helgand.

Dieser hatte nun die Möglichkeit - mit der Rückendeckung von Mel Gibson - den Film für das Heimkino so herauszubringen, wie er es sich vorgestellt hat. Der "Director's Cut" ist etwas kürzer als die Kinofassung aber auch etwas härter und konsequenter, zudem wurde auch der Blaufilter der Kinoversion entfernt. Die Unterschiede werden durch den Vergleich beider Fassungen deutlicher, da einige Charaktere nun anders präsentiert werden. Ein großer Unterschied ist der Charakter Bronson. In der Kinofassung von Kris Kristofferson gespielt aber im Director's Cut nur gesprochen und im Hintergrund verbleibend von der Darstellerin Sally Kellerman. Zudem ist das Ende des Director's Cut anders als das der Kinoversion. "Payback" ist ein grandioses Beispiel dafür, dass ein Film durch Umschnitt und alternative Szenen, Filter und Rating völlig differenzierte Sichtweisen präsentieren kann.

Aber ob nun Kinofassung oder Director's Cut - "Payback" ist so oder so ein richtig guter Action-Thriller, der einen gut aufgelegten Mel Gibson zeigt. Er spielt seinen Charakter Porter herrlich zynisch, mit Köpfchen und nimmt den Zuschauer mit auf seinem Weg, um an seine 70.000$ heranzukommen. Der hier besprochene Director's Cut von "Payback" ist ironisch, weitaus härter und konsequenter. Absolut zu empfehlen. Welche Fassung von beiden aber nun die Bessere ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

8/10