Freitag, 29. Dezember 2017

Contagion (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1598778/

Nachdem eine Frau (Gwyneth Paltrow) nach einer Auslandsreise an einem mysteriösen Virus stirbt und ähnliche Fälle auf dem ganzen Planeten auftreten, ist schnell klar: eine Epidemie breitet sich aus, die schnell weltweit immer größere Teile der Bevölkerung hinwegrafft. Während die Wissenschaftler des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention Dr. Ellis Cheever (Laurence Fishburne), Dr. Erin Mears (Kate Winslet) und Dr. Ally Hextall (Jennifer Ehle) versuchen mehr über das Virus herauszufinden und ein Heilmittel zu entwickeln, reist Dr. Leonora Orantes (Marion Cotillard) von der Weltgesundheitsbehörde in Genf nach Hongkong, wo man den Ursprung der Krankheit vermutet. Unterdessen muss Mitch Emhoff (Matt Damon) mit dem Tod seiner Ehefrau fertig werden und versucht verzweifelt, seine Tochter (Anna Jacoby-Heron) vor einer Infektion zu schützen. Derweil schafft es der fanatische Blogger Alan Krumwiede (Jude Law) mit seinen Texten weltweit Panik auszulösen...

Im Gegensatz zu diversen anderen Genrevertretern versucht "Contagion" den Ausbruch eines mutierten "Super-Virus" mit hoher Ansteckungs- und Mortalitätsrate realistisch darzustellen- das scheint (ohne das Expertenwissen zu besitzen) auch zu gelingen. Aber in seiner ganzen emotionslosen Nüchternheit kommt dem Streifen leider zuweilen eine Kernessenz, die Spannung, abhanden. Vielleicht wäre es ab und an angemessener gewesen den Schrecken der Seuche etwas deutlicher/drastischer zu zeigen, das hätte dem Zuschauer vlt. an mancher Stelle einen kalten Schauer über den Rücken gejagt, den man bei aller Neutralität von "Contagion" teilweise allzu schmerzlich vermissen musste. 


Zeigt sich auf den ersten Blick natürlich ein Top-Cast, so wirken aufgrund des kalten Stils manche der Stars seltsam beschnitten und blass. Überhaupt scheint "Contagion" mit seiner Vielzahl an Charakteren zu überladen, eine große Varietät verschiedener (meist gut/top besetzter) Protagonisten kommt zum Zug, deren Rollen allerdings oft nur äußerst schnell (teilweise beinahe wirr) eingeführt werden um dann ein Nischen-/Nebenrollendasein zu fristen. Ein bisschen entfalten können sich hier nur wenige der bekannten Gesichter, nicht zuletzt ebenfalls ein Produkt der gewollten Emotionslosigkeit und des nüchternen Stils. 


Regisseur Steven Soderbergh geht mit seinem Seuchen-Film eben einen ganz speziellen Weg und legt seinen Fokus weniger auf Einzelschicksale oder eine klare Hauptperson, sondern verfolgt tatsächlich den Verlauf und die Verbreitung der Krankheit selbst, macht diese quasi zum Hauptdarsteller. Er nutzt dafür einen sehr nüchternen, distanzierten Stil und springt wild zwischen verschiedenen Zeiten, Schauplätzen und Personen hin und her, was oft an Dokumentationen erinnert. Diese schnellen Wechsel können natürlich auch sehr anstrengend sein, aber wenn man sich nicht auf die Geschichte einer der vielen Personen beschränkt, sondern versucht, die dargestellte Epidemie als ganzes zu betrachten, funktioniert der Film sehr gut.

Wo sich ein Roland Emmerich auf ein Einzelschicksal beschränkt und eine dramatische, aber austauschbare Geschichte ohne viel Tiefgang erzählt hätte, versucht Soderbergh möglichst realistisch zu sein und so viele Aspekte einer Epidemie wie möglich zu zeigen. Er geht auf die Ausbreitung und Entstehung einer Seuche selbst, die Arbeit der Wissenschaftler, die Entscheidungen der Weltpolitik, die Rolle der Medien (sowohl Fernsehen, Printmedien und unabhängige Blogger), Panikmache, soziale und gesellschaftliche Folgen und die dubiosen Machenschaften der Pharmaindustrie ein und schlägt dabei oft sehr kritische Töne an. Natürlich bleibt bei einer solchen Flut an verschiedenen Themen einiges sehr oberflächlich, man bekommt aber schon den Eindruck, dass das Ganze fundiert recherchiert und differenziert dargestellt wurde.

Insgesamt gefällt "Contagion" damit sehr gut. Zum einen wegen seiner ungewöhnlich distanzierten, emotionslosen Machart und zum anderen wegen seinem Realismus und Informationsgehalt. Wer allerdings große Emotionen, sentimentale Momente oder große Actionszenen sucht, ist hier falsch. Wer sich darauf einlassen kann, bekommt einen erfrischenden, sehenswerten Katastrophenfilm.

7,5/10