Freitag, 8. September 2017

Leprechaun - Leprechaun: Der Killerkobold (1993)

http://www.imdb.com/title/tt0107387/

Es ist nicht leicht, rechtzeitig ans Ende eines Regenbogens zu gelangen (zudem wenn er bekanntlich zwei Enden hat), um sich des dort vorzufindenden Goldtopfes zu bemächtigen. Und so ist einem Leprechaun, dem grüngewandeten kleinen Mann, das schwer erlaufene Gold mehr als lieb und teuer. Wehe dem also, der ihm den Topf abspenstig zu machen gedenkt! Und so folgt der Leprechaun (Warwick Davis) Dan O'Grady (Shay Duffin) in die Staaten, nachdem dieser dem Kobold das Gold abgeluchst hatte. Nachdem der Leprechaun O'Gradys Gattin getötet hat, gelingt es O'Grady den bösen Zwerg mithilfe eines vierblättrigen Kleeblatts in eine Kiste zu bannen, bevor ihn ein Hirnschlag niederstreckt. Zehn Jahre später zieht  J. D. Redding (John Sanderford) mit seiner halwüchsigen Tochter Tory (Jennifer Aniston) in das Farmhaus, nicht um die düstere Geschichte wissend. Bei Renovierungsarbeiten durch Nathan (Ken Olandt) und seinen Bruder Alex (Robert Hy Gorman) sowie den zurückgebliebenen Kumpel Ozzie (Mark Holton) wird der Leprechaun unbeabsichtigt befreit. Und dieser setzt sofort alles daran, sein Gold zurückzubekommen - notfalls mit todbringender Gewalt.

"Leprechaun" von Mark Jones wäre gerne hemmungsloses 80er Horror-Trash-Amüsement. Doch so wenig er zeitlich noch in dieses Jahrzehnt passt, so wenig gelingt es ihm auch, eine kurzweilige und bündige Horrorshow mit viel gewolltem und ungewolltem Humor zu inszenieren. Dabei ist der titelgebende grüne Kobold von der Insel wohl eine der interessantesten, weil merkwürdigsten und eigenwilligsten Figuren der Horrorfilmgeschichte. Entgegen der vielen altbekannten Bösewichte, die mit ihrer unterschiedlichen Bewaffnung und einem festen Vorsatz zu töten ausgestattet sind, liegen dem Leprechaun vor allem zwei Dinge am Herzen: Gold und saubere Schuhe. Die Gleichung ist mit diesem Wissen leicht: Wer das Gold des Kobolds stiehlt, wird getötet; wer dreckige Schuhe trägt oder besitzt, bekommt sie geputzt. Als wäre das nicht schon schräg genug, macht der Winzling, der im Übrigen grandios von dem kleinwüchsigen Warwick Davis verkörpert wird, aus jeder Konfrontation mit seinen Opfern ein tödliches Spiel, das von seinem allgegenwärtigen Gackerlachen begleitet wird. Dieser Knirps hat einfach immer eine Menge Spaß und setzt dem grimmigen Ernst vieler Slasher eine kindlich verspielte Seite gegenüber - obwohl natürlich hier wie in ähnlich gelagerten Horrorstreifen im Endeffekt gemordet wird.

Aber trotz dieses irrwitzig unterhaltsamen Antagonisten ist "Leprechaun" nicht mehr als eine wirre und überwiegend langweilige Nummern-Revue. Während jede einzelne Jagd- und Killsequenz für sich genommen mit sprühenden Einfällen verspielt und amüsant daherkommt, ist das restliche Handlungsgeschehen inklusive aller beteiligten Figuren ein Totalausfall. Entweder wurde dem Drehbuch zu wenig Zeit gewidmet oder es wurde schlichtweg verhunzt, denn selten hat man so überwiegend leblose und unsympathische Figuren in ein wirres Spektakel geschickt. Selten war ein Horrorfilm so zerfahren inszeniert, dass das erste Auftreten des Bösewichts viel zu früh kommt, um dann im Anschluss in ein wüstes "Ups, da bin ich wieder!" ohne erkennbare Logik zu verfallen. Es fehlt "Leprechaun" an alle Ecken und Enden an einer narrativen Gesamtstruktur, die das Kasperletheater des grünen Winzlings in eine konsumierbare Form gießt. So bleiben am Ende zweifellos einige Höhepunkte im Gedächtnis, sodass jeder für sich selbst entscheiden sollte, ob er das nötige Sitzfleisch für die volle Spielfilmlänge mitbringen will.

4,5/10