Donnerstag, 7. September 2017

[KINO] American Made - Barry Seal: Only In America (2017)

http://www.imdb.com/title/tt3532216/

Der Pilot Barry Seal (Tom Cruise) nutzt in den 80er-Jahren seinen Flugschein, um mit Drogen- und Waffenschmuggel das große Geld zu machen. Einen wesentlichen Teil seiner illegalen Aktivitäten wickelt er dabei im kleinen Örtchen Mena im US-Bundesstaat Arkansas ab. Doch seine Erfahrung als Schmuggler macht ihn auch für die CIA interessant, die ihn schon bald für verdeckte Operationen in Südamerika rekrutiert. Barry entdeckt jedoch schnell, dass er weiterhin mit den verschiedensten Parteien Geschäfte machen kann und so verstrickt er sich in ein kompliziertes Netz aus Machenschaften, an dem amerikanische Geheimdienste, Guerrillakämpfer aus Nicaragua und das von Drogenbaron Pablo Escobar geführte Medellin-Kartell beteiligt sind. Schon bald macht ihn sein Doppelleben als Schmuggler und Geheimagent zu einem der reichsten Männer der USA, doch das zieht schnell neue Probleme nach sich...

Es gibt wahre Geschichten, für die Drehbuchautoren eigentlich nur dankbar sein können. Die von Pilot Barry Seal, der während der Hochphase des kolumbianischen Drogenhandels für die Kokain-Könige (u.a. Pablo Escobar) schmuggelte und zeitgleich außerdem für den CIA arbeitete und im Flug über den mittelamerikanischen Raum Fotos schoss, ist so ein Fall. Als fiktive Handlung würde man sie wohl als zu konzipiert, übertrieben und schlicht und ergreifend unrealistisch abtun. Als historische Begebenheit offenbart die Geschichte aber alles, was ein gut unterhaltender Film bieten sollte: eine interessante Hauptfigur, ein gelungener Spannungsbogen und die Erkenntnis, dass selbst absurdeste Dinge möglich sind. Dieses Gesamtpaket wird dazu von der flotten und stilistisch sauberen Inszenierung von Regisseur Doug Liman komplettiert, der nach "Edge Of Tomorrow" erneut mit Tom Cruise zusammenarbeitet, der hier zwar erneut sein Sonnyboy-Image pflegt, aber anders als im Flop "Die Mumie" verkommt es hier nicht zum öden Exzess. Seine Darstellung bleibt trotz seines tpyischen Lächelns stets menschlich und es ist gerade diese Charakterisierung, die dazu führt, dass viele Szenen des Films erst richtig kraftvoll wirken. Wobei "Barry Seal: Only In America" keine Produktion ist, die sich selbst so ernst und wichtig nimmt. Mit den Werkzeugen der sanften satirischen Überzeichnung und ironischen Stichelei wird zum einen die Zeitepoche immer wieder als ambivalent entlarvt, zum anderen wird die wirklich absurde Situation, in der sich der Titelheld befindet, als schlechter Witz präsentiert.

Liman macht von Beginn an kein großes Geheimnis daraus, dass "Barry Seal: Only In America" vor allem ein primäres Ziel hat, nämlich für knapp 2 Stunden wunderbar zu unterhalten. Die Story ist zweifellos nicht neu, die Thematik wurde schon oft in Filmen und Serien aufgegriffen, dennoch hat der Film sehr viel Charme. Er ist ein durch und durch kurzweiliger, wunderbar konsumierbarer und dabei wirklich nicht dummer Unterhaltungsreigen, der das Publikum durchaus fassungslos zurück lassen könnte. Doch darauf zielt Liman nicht ab. Viel mehr setzt er auf eine Art Verwunderungs-Effekt. Irgendwann lösen die einzelnen Fäden, mit denen Seal agiert, nur noch Verblüffung aus. Dass dahinter im Grunde nur die typisches Geschichte einer Figur steht, die dank Glück, Zufall oder Schicksal an die richtige, bzw. falschen Kontakte gerät und damit zu schmutzigen Reichtum kommt, ist verzeihlich. Vor allem wenn es eben so einnehmend dargeboten wird wie hier. Außerdem verzichtet "Barry Seal: Only In America" weitestgehend darauf seine Titelfigur zu läutern. Der Barry am Ende des Films ist zwar nicht mehr der gleiche wie zu Beginn, oder zur Hochphase seines Schaffens, aber dem Zuschauer wird keine allzu große, moralische Botschaft vor die Stirn geknallt, kurz bevor der Abspann einsetzt. Das ist erfrischend.

Wie es sich für Cruise gehört, macht er seine Stunts natürlich wieder alle selber. Aber nicht nur das, denn Cruise flog auch die waghalsigen Flugzeugstunts selber, praktisch, wenn man einen Flugschein hat. Auch ansonsten verzichtet Liman zum großen Teil auf CGI. Die Locations fühlen sich zu jedem Zeitpunkt sehr organisch und echt an, die Action ist sehr gut inszeniert, das eingesetzte CGI fällt kaum bis gar nicht auf. Die Kameraarbeit ist abwechslungsreich, Liman ist immer mitten im Geschehen, ab und zu wirkt "Barry Seal: Only In America" dabei wie eine Dokumentation. Auch abseits von Hauptdarsteller Tom Cruise kann der Cast überzeugen. Domhnall Gleeson als Strippenzieher spielt sehr motiviert, Sarah Wright als verzweifelte Ehefrau von Barry Seal ist glaubwürdig. Der restliche Cast macht ebenfalls einen guten Job, auch wenn der Star des Films ganz klar Tom Cruise ist. In den knapp 115 Minuten gibt es so gut wie keine Verschnaufpause und zum Glück keine unnötigen Längen. Ohne Schwächen ist "Barry Seal: Only In America" aber dann auch nicht. Das größte Vergehen den Films ist, dass er oftmals mit seinem eigenen Potenzial protzt, aber es teilweise komplett verschläft, wirklich einzusetzen. Vor allem bei den Nebenfiguren ist das deutlich zu erkennen. So wird z.B. plötzlich ein Kleinstadt-Sheriff (Jesse Plemons, Fargo) eingeführt und welche Aufgabe dieser innerhalb der Handlung haben wird, wird von Liman szenisch sehr klar aufgezeigt. Doch wie die meisten Nebenfiguren mit Potenzial dieser Produktion wird er einfach fallen gelassen.

Dennoch bleibt der Streifen eine einnehmende Geschichte, verpackt in eine flotte, ironisch fixierte, aber niemals alberne, Inszenierung und Tom Cruise in Bestform. Dass der Film immer wieder mit seinem vorhanden Potenzial protzt, dieses aber leider nie wirklich konsequent zu nutzen vermag ist der wohl der größte Makel dieses dennoch empfehlenswerten Biopics.  "Barry Seal: Only In America" ist charmant, streckenweise irre witzig und einfach perfekte Unterhaltung, der es sicherlich an etwas Substanz fehlt, aber vermutlich wollten Cruise und Liman auch gar nicht mehr.

8/10