Dienstag, 12. September 2017

Body Of Lies - Der Mann, der niemals lebte (2008)

http://www.imdb.com/title/tt0758774/

Der CIA-Agent Roger Ferris (Leonardo DiCaprio) arbeitet undercover im Nahen Osten. Seine Aufgabe ist es, den USA wichtige Informationen im Kampf gegen den Terrorismus zu verschaffen. Dabei wird er von seinem Verbindungsoffizier Ed Hoffman (Russell Crowe) von Langley aus mit Instruktionen versorgt. Mit dem Mobiltelefon am Ohr und den Augen auf dem Satellitenschirm, der jede Bewegungen von Ferris erfasst, ist Hoffman stets live mit dabei. Als Europa von mehreren schweren Bombenanschlägen erschüttert wird, soll Ferris die Urheber aufspüren. Er versucht, das Netzwerk des Terrorchefs Al-Saleem (Alon Aboutboul) zu infiltrieren, jedoch ohne einen entscheidenden Schritt voranzukommen. In Jordanien sucht er deswegen die Zusammenarbeit mit Hani Salaam (Mark Strong), dem zwielichtigen Chef des jordanischen Geheimdienstes. Ferris muss Salaam vertrauen, um an Ergebnisse zu kommen. Doch sein Vorgesetzter Hoffman hat andere Pläne für die Operation...

"Ein Menschenleben ist oft nicht mehr Wert als die Information, die man aus diesem herausquetscht!" - allein mit dieser Aussage im Film ist "Body Of Lies" auch nach fast 10 Jahren noch ein leider allzu aktueller Film zum großen "Schachbrett des Terrors". Hier sind Menschenleben nicht viel wert, im Gegensatz zu Informationen, wen man als nächstes gegeneinander ausspielen, foltern oder töten muss, um an die nächsten Informationen zu kommen, bis man der Hydra endlich wieder mal einen Kopf abschlagen kann.

Der Agenten-Action-Thriller von Altmeister Ridley Scott spielt auf sehr hohem Niveau, sodass man es sich kaum leisten kann auch nur eine Minute zu verpassen. In gewohnter Scott-Qualität, sehr stylish, durchdacht und modern in Szene gesetzt - wie man es erwarten würde. "Body Of Lies" ist aber nicht nur deswegen ein sehr guter Film. Er versucht, das Handeln und Denken der USA mit ihrer Nahost-Politik anschaulich darzustellen, welches bestimmt wird von Paranoia, Weltführungsanspruch und teilweise sogar verzerrter Wahrnehmung der Realität. Dazu kann Scott mit seinem Schauspielgespann Russell Crowe und Leonardo DiCaprio aus dem Vollem schöpfen, die beide mit einer sehr starken Leistung aufwarten. DiCaprio kann als Agent, dessen Ansichten zum Erreichen des großen Ziels langsam ins Straucheln geraten, souverän überzeugen. Crowe schiebt auf dem Schachbrett, welches augenscheinlich mehr als 64 Felder zu haben scheint, die Figuren von der amerikanischen Seite aus ins Spiel. Sein Charakter ist recht selbstgefällig, skrupellos und nicht weniger fanatisch. Seine Schach-Figuren bewegt er oft ganz beiläufig, während er sich um seine Kinder kümmert, sie zur Schule bringt und dabei wie selbstverständlich über Exekutionen spricht oder nur frühstückt. Die daraus resultierende und kalkulierte Ineffizienz zwischen beiden führt dazu, dass selbst der jordanische Geheimdienst mit seinen begrenzten Mitteln zum Erfolg kommt, während die Amerikaner eher das Bild von Hazardeuren abliefern. Das dürfte der Realität überraschend nahe kommen - man merkt schlicht, dass hier nicht Michael Bay Regie führt.

Matchwinner des Films ist aber mal wieder ganz klar Mark Strong als Leiter des jordanischen Geheimdienstes, der 'Fingernagelfabrik'. Seine Aura gleicht der eines lauernden Raubtieres, elegant in der Erscheinung, immer bereit zum tödlichen Sprung. Eine geniale Vorstellung. Im Film wird immer wieder gesagt, dass "in diesem Mist niemand unschuldig sei", und genau darauf wird es hinaus laufen. Der Plot des gut zweistündigen Films ist offensichtlich durchdacht und hochspannend, wenn auch manchmal etwas weit hergeholt. Jedoch fällt dies gegenüber der ansonsten hohen Qualität und der Kernaussage von "Body Of Lies" kaum ins Gewicht. Es ist ein leicht nachhaltiger Agenten-Thriller mit sehr gutem Cast in geleckter Optik, brisant, elektrisierend und verzwickt, aber sicherlich auch 10 Minuten zu lang.

8/10