Donnerstag, 24. August 2017

[KINO] Atomic Blonde (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2406566/

Berlin, November 1989: Kurz vor dem Fall der Berliner Mauer wird ein MI6-Offizier tot aufgefunden. Er sollte Informationen einer geheimen Quelle auf der Ostseite der Stadt in den Westen schmuggeln – genauer gesagt: eine Liste mit allen Namen der auf beiden Seiten Berlins tätigen Spione. Doch die Liste wird bei der Leiche nicht gefunden. Gebrieft von ihrem MI6-Vorgesetzten Gray (Toby Jones) und dem CIA-Chef (John Goodman) wird die erfahrene Spionin Lorraine Broughton (Charlize Theron) in das Pulverfass sozialer Unruhen, Spionageabwehr, gescheiterter Missionen und geheimer Hinrichtungen geschickt, um die streng vertrauliche Liste und damit die Identität britischer Agenten zu sichern, deren Leben davon abhängen. Lorraine trifft den Ex-Geheimdienstler David Percival (James McAvoy), der ein wichtiger Kontaktmann ist – und sie trifft die verführerische französische Agentin Delphine (Sofia Boutella)...

"John Wick"-Regisseur David Leitch verbindet in seinem aktuellen Film "Atomic Blonde" spektakuläre und knallharte Actionszenen, die den Kinobesuch lohnenswert machen, gewürzt mit unerwartet knisternder Erotik und einer starken Besetzung. Insbesondere Charlize Theron gibt physisch offensichtlich ihr Äußerstes und James McAvoy - über den muss man eigentlich gar nichts mehr schreiben, denn der Mann spielt seit längerer Zeit einfach jeden an die Wand. Auf dem Papier sollte also eigentlich alles stimmen. Allerdings sind all diese Elemente in einen unnötig komplizierten und überlangen Plot einbetoniert, der sich kaum oder nur sehr schwerfällig vorwärts bewegt. Der Film basiert auf dem  Comic "The Coldest City" von Antony Johnston und Sam Hart. Der Zuschauer wird vor vollendete Tatsachen gestellt und begibt sich zusammen mit einem Untersuchungsausschuss retrospektiv nach Berlin, um dort zu klären, was in den letzten Tagen vor dem Fall der Mauer geschah. Doch um den Fall der Mauer per se geht es hier gar nicht, Drehbuchator Kurt Johnstad gefiel es wohl besser eine recht konventionelle Agentenstory auf die Leinwand zu bringen.
 

Auch wenn ein paar gelungene Gags eingestreut werden so nimmt sich der Film selbst doch viel zu ernst in seiner unterschwelligen Albernheit und Unlogik, will mehr sein als er ist und lässt - bis auf eine Szene - das "Wow-Feeling" vermissen. Leider passt auch Sofia Boutella als französische Angentin Delphine Lasalle nicht wirklich als Gesicht in das Konzept des Films. Sie wirkt etwas fehlplatziert und wenig erfahren in einer solchen Rolle. Erschwerend kommt hinzu, dass man als Zuschauer schon von Anfang an weiß, wer der gejagte Doppelagent sein muss. Auch das nimmt ein wenig an Spannung und Twist-begeisterte Zuschauer werden wohl auch nur müde lächeln.

Wie schon "John Wick" ist aber auch "Atomic Blonde" unglaublich stylisch inszeniert und mit einer ordentlichen "One-on-One"-Action garniert, inklusive mit einer ohne Schnitt konzipierten Szene, die tatsächlich phantastisch aussieht, gut choreographiert wurde und damit eine der besten Action-Sequenzen des Jahres aufzeigt. Der Neon-Look überzeugt und auch die Kameraführung lässt den Zuschauer immer am Geschehen teilhaben, ohne das er den Überblick verliert. "Atomic Blonde" bietet aufgrund der (leider auch etwas zu spärlich eingesetzten) Action und einer toughen Charlize Theron gute Unterhaltung, auch wenn sich der Film mit der beschriebenen Rahmenhandlung, welche die Heldin nach der Mission zeigt, selbst ein wenig um die Spannung bringt. Da helfen auch die schon reichlich inflationär eingesetzten Musikstücke des aber dennoch extrem coolen achtziger Soundtracks nur bedingt. Dass man aber trotz der halbgaren Story noch durchaus seinen Spaß mit "Atomic Blonde" haben kann, liegt am gelungenen Look des Films und einer stellenweise tollen Inszenierung. Hier kann man durchaus einen Blick riskieren.

6,5/10