Sonntag, 13. August 2017

Four Lions (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1341167/

Vier junge Moslems planen den Djihad und damit die in ihren Augen gerechtfertigte Rache an einer Welt, die den Islam missachte. Außerdem ist ihnen ziemlich langweilig - und die Hellsten sind sie obendrein auch nicht. Trotzdem: Omar (Riz Ahmed), Waj (Kayvan Novak), Barry (Nigel Lindsay) und Faisal (Adeel Akthar) haben sich bereit erklärt, für ihre Sache in den Märtyrertod zu gehen und einen fatalen Schlag gegen den Satan des Westens auszuführen. Doch sind die Trottel überhaupt in der Lage sind, ihren Plan in die Tat umzusetzen?

Frech, unkonventionell und unglaublich bösartig. Wenn man über moderne Komödien redet, dann fallen einem da in den meisten Fällen keine Filme mehr ein, die wirklich etwas haben wie Anspruch oder das gewisse Etwas, dass sie zu einem Film für die Ewigkeit macht. Doch "Four Lions" hat all dies. Regisseur Christopher Morris nimmt sich hier einem sehr heiklem Thema an und sicherlich erwies es sich als schwer, den Balken zwischen guter Satire und Geschmacklosigkeit zu treffen, aber Morris ist das Kunststück komplett geglückt, er schafft es sogar, neben all der Komik, eine gewisse Grundideologie in seiner Film zu integrieren. So geht es die ganze Zeit darum, wie die Protagonisten etwas aus Überzeugung tun, sie möchten aus Überzeugung töten. Antworten auf die Hintergründe haben sie jedoch nicht, sie wissen eigentlich gar nicht so recht, was sie dort tun, wissen nicht, warum sie so handeln möchten, sondern rechtfertigen alles mit dem Aspekt, es sei eben so wie es sei und das sei ihre Bestimmung. Morris widmet sich dabei gar nicht mal zwingend muslimischen Selbstmordattentätern, sondern nimmt diese lediglich als Beispiel und widmet sich viel mehr der Sinnlosigkeit von Gewalt.

Warum müssen Menschen sterben? Warum neigt der Mensch zur Gewalt? Warum handeln wir so unüberlegt? - Morris stellt uns all diese Fragen und macht dies über die komplette Lauflänge hinweg, am Ende lässt er uns dennoch in Melancholie schwelgen, denn die bittere Erkenntnis kommt erst danach: es mussten Menschen sterben und jeden Tag gibt es sinnlose Morde, ganz egal, ob von Christen, Moslems, Atheisten oder Juden ausgeübt, jeden Tag werden Menschen getötet, aus purem Zorn, aus eigener Überzeugung. Die Grundzüge der Komödie waren damals oftmals mit einer gewissen Tragik verbunden, man denke an "Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt, Morris führt wieder zu diesen Grundzügen "Komödie-ist-wenn-man-trotzdem-lacht" zurück, er konfrontiert den Zuschauer mit einem ernsthaftem Thema, das komplett witzlos, ja, sogar tragisch ist und schafft es mit so viel Ironie und Sarkasmus zu arbeiten, dass beim Zuschauer dennoch eine gewisse Komik entsteht, die den Film letztendlich auch zu einem kurzweilig witzigen, aber eben auch nachdenklichen Spaß avancieren lässt. In seiner überdrehten und sehr makaberen Satire gelingt es Chris Morris, die fanatische Beschränktheit seiner "Dschihadisten"-Helden zu demaskieren, sie selbst aber zugleich sehr menschlich darzustellen. Ein Film, der nicht den Islam aufs Korn nimmt, sondern Fanatismus jeglicher Couleur.

8/10

Von CAPELIGHT PICTURES kommt der Film in deutscher Erstveröffentlichung in HD im Mediabook mit 24-seitigem Booklet: