Sonntag, 13. August 2017

Beauty And The Beast - Die Schöne und das Biest 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2771200/

Belle (Emma Watson) ist eine ebenso kluge wie anmutige junge Frau, die gemeinsam mit ihrem etwas verschrobenen Vater Maurice (Kevin Kline) ein ruhiges und recht zufriedenes Leben in dem kleinen Dorf Villeneuve lebt. Ihr beschaulicher Alltag wird nur durch den selbstverliebten Schönling Gaston (Luke Evans) gestört, der Belle regelmäßig den Hof macht und sich auch durch ihre Ablehnung nicht abschrecken lässt. Da gerät Belles Vater während einer Reise in die Fänge des Biestes (Dan Stevens), das in einem verwunschenen Schloss in der Nähe des Dorfes wohnt. Das Biest war einst ein selbstsüchtiger Prinz, der dazu verflucht wurde, als hässliches Ungeheuer zu leben, bis er jemanden dazu bringen kann, ihn trotz seines abschreckenden Äußeren wahrlich zu lieben. Doch davon ahnt Belle noch nichts, als sie sich selbstlos anstatt ihres Vaters in die Gefangenschaft des Biestes begibt. Erst langsam freundet sie sich mit den ebenfalls verzauberten Bediensteten (u.a. Ian McKellen, Ewan McGregor, Emma Thompson) im Schloss an und beginnt zu ahnen, dass hinter der abscheulichen Fassade des Biestes noch mehr steckt...

Im Jahr 1991 veröffentlichte Walt Disney den Zeichentrickfilm "Die Schöne und das Biest", der schnell in die Riege der zahlreichen Disney-Klassiker aufstieg und etliche Neuauflagen nach sich zog. Doch 26 Jahre später legt Disney im Zuge dieser Realverfilmung den Stoff selbst noch einmal neu auf. Nachdem der Konzern mit Realverfilmungen wie "Maleficent" und "The Jungle Book", der 2017 den Oscar für die besten visuelle Effekte gewann, große Erfolge an den Kinokassen feierte, ist nun die Geschichte um den verfluchten Prinzen und die schöne Frau, die den Fluch brechen soll, an der Reihe. Der etwas hölzern spielende "Harry Potter"-Star Emma Watson beweist in der Hauptrolle als Belle dabei ihr Gesangstalent, denn wie der gleichnamige Zeichentrickfilm setzt auch die Neuverfilmung auf viel Gesang und Musik. "Die Schöne und das Biest" orientiert sich größtenteils am Zeichentrick-Original und ist bisweilen so dicht an ihm, dass es fast unheimlich ist, wie schnell man sogar einzelne Szenen mitsprechen kann, obwohl man die Realverfilmung vielleicht das erste Mal sieht. Sie dichtet allerdings auch einige Szenen dazu. Das Altbewährte versprüht dabei auch wieder die gewohnte Magie, die neuen Szenen sind - vermutlich aufgrund des unbekannten Faktors - jedoch nicht ganz so gut gelungen.


Die Handlung von "Die Schöne und das Biest" ist damit selbstverständlich altbekannt, erwähnenswert sind somit lediglich die Unterschiede zum Original. Während etliche Szenen 1:1 dem Zeichentrickfilm entnommen sind, hat Regisseur Bill Condon die zusätzliche Zeit dafür genutzt, um den Charakteren eine größere Hintergrundgeschichte zu verschaffen. In der gelungensten Extra-Szene sieht man beispielsweise wie Belles Mutter starb. Ansonsten erinnern diese Szenen jedoch eher an eine Extended-Edition. Es ist nett diese zusätzlichen Szenen drin zu haben, allerdings bremsen sie auch immer wieder das Tempo und wirken nicht unbedingt notwendig. Trotzdem habe ich vollstes Verständnis für diese Entscheidung, denn immerhin muss sich eine Neuverfilmung ja auch von seinem Original unterscheiden.

Audiovisuell ist "Die Schöne und das Biest" natürlich der erwartete Genuss. Die prunkvoll-düstere Optik bleibt den weiteren Disney-Realverfilmungen treu und sorgt für durchgängig tolle Bilder. Beim Design der Kostüme und der lebendigen Einrichtung im Schloss bleibt Condon dem Original ebenfalls treu, wobei vor allem die starken CGI-Effekte erwähnt seien, die den hervorragend animierten Einrichtungsgegenständen Leben einhauchen. Lediglich die Gesichtsanimationen des Biests geben minimalen Anlass zur Kritik, alles in allem sieht "Die Schöne und das Biest" aber einfach nur bombastisch aus. Wie eingangs bereits erwähnt, setzt auch dieser Film auf etliche Gesangsszenen und hält sich dabei nicht zurück. Die Musikeinlagen sind so vielzählig das "Die Schöne und das Biest" locker als Musical durchgeht. Dementsprechend sollte man den Film auch möglichst in der englischen Originalfassung sehen, da dort der Gesang noch einmal deutlich überzeugender ausfällt. In der deutschen Fassung hat man sich nämlich bei den Gesangseinlagen wieder für die deutsche Synchronisation entschieden, anstatt wie in Musicals sonst üblich den Originalgesang mit Untertiteln zu unterlegen. Die Stimmen klingen zwar ansprechend gut, doch die Übersetzung hat deutlich mit der Lippensynchronisation zu kämpfen. Da der Liedtext Sinn ergeben muss, kann natürlich nicht auf die Lippenbewegungen geachtet werden, doch die unpassenden Mundbewegungen reißen den Zuschauer immer wieder aus der Immersion heraus. Was bei Zeichentrick- und Animationsfilmen problemlos funktioniert, sollten die Disney-Verantwortlichen bei Realverfilmungen besser noch einmal überdenken.


Ansonsten vereint Regisseur Bill Condon aber eine mehr als ansehnliche Riege von Schauspielern. Emma Watson entpuppt sich erwartungsgemäß als eine Idealbesetzung für die Rolle als Belle, obgleich ihrer vor allem anfangs etwas steifen Art. Die gebürtige Französin besitzt dennoch genügend Charisma und genügend Talent um den Film problemlos auf ihren Schultern zu tragen. Luke Evans macht als arroganter Schönling Gaston eine ebenso gute Figur und das gleiche gilt für Josh Gad als sein untersetzter Sidekick LeFou. Dan Stevens' Performance als Biest ist hingegen schwer einzuschätzen, da er sich im Motion Capture-Anzug befindet und die Gesichtsanimationen nicht immer vollends überzeugen können. Auch wenn später im Film der Fluch aufgelöst wird, bekommt er nicht sonderlich viel zu tun. Dafür erscheint zu diesem Zeitpunkt eine herausragende Darstellerriege auf der Leinwand, die bis dato der Einrichtung um Lumiere und Cogsworth im Original ihre Stimme geliehen haben. Ewan McGregor, Stanley Tucci, Emma Thompson und Ian McKellen sorgen für viel Star-Power. 


Abschließend noch ein Wort zur großen Kontroverse um "Die Schöne und das Biest": Der erste homosexuelle Charakter in der Disney-Geschichte ist sehr subtil eingebaut und da es keinen Kuss oder dergleichen gibt, ist der Boykott eines amerikanischen Kinos und die Freigabe aus ebenjenen Gründen ab 16 Jahren in Russland ist völlig überzogen und ohnehin längst nicht mehr zeitgemäß.

Alles in allem ist "Die Schöne und das Biest" eine gelungene Realverfilmung aus dem Hause Disney. Zahlreiche Szenen bringen die Magie und Gänsehaut des Zeichentrick-Klassikers auf die Leinwand zurück und die Optik und Darsteller können überzeugen. Neben den Problemen bei der Synchronisation sorgen insbesondere die dazugedichteten Szenen dafür, dass der Film knapp am Original (8/10) scheitert. Die neue Szenen fühlen sich wie Füllmaterial an und nehmen der Erzählung immer wieder ihr Tempo. Wer die Geschichte zum ersten Mal erleben will, dem sei daher eher der starke Zeichentrickfilm ans Herz gelegt. Trotz dem Fehlen neuer, starker Impulse ist "Die Schöne und das Biest" aber mindestens ebenso unterhaltsam geworden.

7,5/10

In der Schweiz gibt es den Film schon jetzt auf Disney 3D-BD, und während wir hierzulande noch knapp 2 Monate warten müssen kann man das schicke und limitierte Steelbook jetzt schon in den Händen halten.