Sonntag, 23. Juli 2017

xXx: Return Of Xander Cage - xXx: Die Rückkehr des Xander Cage 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt1293847/

Auf Bitten seines Kontaktmannes Agent Augustus Eugene Gibbons (Samuel L. Jackson) kehrt der für tot gehaltene Extremsportler Xander Cage (Vin Diesel) aus seinem selbstauferlegten Exil zurück, um erneut als Geheimagent für die US-Regierung zu arbeiten. Dieses Mal muss er eine ebenso unaufhaltbare wie zerstörerische Waffe namens „Die Büchse der Pandora“ bergen. Zeitgleich machen sich jedoch auch der sinistre und mit Waffen wie Fäusten tödliche Xiang (Donnie Yen) und dessen Schergen daran, die todbringende Technologie in ihren Besitz zu bringen. Zusammen mit seinem neuen Team kampfbereiter adrenalinsüchtiger Profis (u.a. Deepika Padukone, Ruby Rose, Rory McCann und Nina Dobrev) findet sich Xander schon bald in einer tödlichen Verschwörung wieder, in die sogar Repräsentanten auf Regierungsebene verwickelt sind...

Mit „xXx: Return Of Xander Cage“ kehrt ein Franchise in die Kinos zurück, mit dessen Fortsetzung 12 Jahre nach dem Sequel des Auftakts vermutlich eher die wenigsten gerechnet hätten. Auch wenn Hauptdarsteller Vin Diesel im Jahr 2002 nach seinem Mitwirken im ersten "The Fast And The Furious" mit "xXx" Chancen auf ein potentielles zweites Standbein hatte, blieb sein Auftritt als Extremsportler und Geheimagent Xander Cage ein einmaliger. Das drei Jahre später gefolgte Sequel mit Ice Cube in der Hauptrolle geriet zur finanziell enttäuschenden Angelegenheit, von dem Diesel bereits vorab Abstand nahm, nachdem selbst ihm das Drehbuch nicht zusagte. "xXx: State Of The Union" war ein Film, über den man angesichts seiner Qualität ohnehin lieber schnell den Mantel des Schweigens hüllte und der ebenso schnell wieder in Vergessenheit geriet.  


Nachdem sich die "The Fast And The Furious"-Filmreihe zum kommerziellen Kassenschlager entwickelte und einen Teil auf den anderen folgen ließ, versuchen sich Paramount Pictures im Jahr 2017 nun mit Diesel als zugkräftigen Star an einer Wiederbelebung des "xXx"-Franchise. Obwohl Xander Cage im zweiten Teil eigentlich für tot erklärt wurde, zeigt sich dieser in "xXx: Return Of Xander Cage" quicklebendig. Sein offensichtliches Wohlbefinden wird dadurch untermauert, dass er zu Beginn mit Skiern durch den Dschungel der Dominikanischen Republik brettert, sich auf einem Skateboard von einem Auto über die Straße ziehen lässt und anschließend, nachdem er seinen Verfolgern entkommen ist, die vermutlich attraktivste Frau der gesamten Region ins Bett bekommt.


Nach diesem Auftakt von D. J. Carusos Film könnte man meinen, dass das bisherige Konzept von Xander Cages Lebensstil mit voller Absicht keinen Veränderungen unterzogen wurde, doch der Regisseur dreht zusätzlich sämtliche Regler auf Anschlag. In "xXx: Return Of Xander Cage" wird nicht einfach nur dem altbewährten "größer, schneller, lauter"-Rezept gefolgt, das für zahlreiche Fortsetzungen im Blockbuster-Sektor zum Einsatz kommt, sondern ein völlig bizarres Paralleluniversum entworfen, das mit der Realität kaum noch etwas gemeinsam hat.


Die Jagd nach einem Gerät, mit dem sich Satelliten manipulieren und zum Absturz bringen lassen und das in falschen Händen somit zur mächtigen Waffe geraten könnte, entwickelt sich ab der Hälfte des Films zum fast schon kindlichen Wettstreit zwischen zwei Teams von Geheimagenten, die aus unterschiedlichen Gründen agieren. Dialoge, bei denen gefühlt jeder zweite Satz aus einer lässigen Bemerkung, einer gewitzten Anspielung oder abgebrühten Machismen besteht, Figuren, die sich vornehmlich in coolen Posen üben und Action-Setpieces, die sämtliche Grenzen der Logik aushebeln, physikalische Gesetzmäßigkeiten an den Rand des Wahnsinns befördern und Greenscreen-Effekte, die matschige Texturen aus dem Computer geradezu zelebrieren, sind die Bausteine dieses grellen Spektakels.


Auch wenn das Drehbuch von F. Scott Frazier deutlich zu lange braucht, um sämtliche Mitglieder des illustren Ensembles zusammenzuführen, aufeinander einzuspielen und im Schatten von Diesel, der sich nach wie vor als eher klobiger Sympathieträger aufspielt, von der Leine zu lassen, versprüht "xXx: Return Of Xander Cage" aufgrund der konsequent haarsträubenden Vermengung pubertärster Schauwerte, auf Krawall gebürsteter Stereotypen und einer sichtbaren Freude am irrationalen Exzess einen infantilen Unterhaltungswert, der in den besten Momenten durchaus ansteckend ist.

Wenn sich drei der Figuren in einer Konfliktsituation entschärfte Granaten wie bei einem ausgelassenen Brettspiel über den Tisch zurollen, Kämpfe in einem Flugzeug trotz eines Verlusts der Schwerkraft ausgetragen oder Motorräder zu Jetskis umfunktioniert werden, während Caruso alles wie ein protziges Musikvideo inszeniert, schwingt sich dieser Film in Höhen auf, in denen selbst die realitätsfremden letzten Teile der "The Fast And The Furious"-Reihe vergleichsweise wie subtile Charakterstudien wirken. Sicherlich hätte es den dritten Teil, der sein gesamtes Potential an Größenwahnsinn nicht einmal voll ausschöpft, nicht unbedingt gebraucht. Kurzweiligen Spaß kann man mit diesem Abenteuerspielplatz des albernen Schwachsinns und freudig zelebrierten Irrsinns aber trotzdem haben.

5,5/10