Donnerstag, 13. Juli 2017

[KINO] Spider-Man: Homecoming 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2250912/

Nach seinem Aufeinandertreffen mit den Avengers ist Peter Parker alias Spider-Man (Tom Holland) wieder zurück in New York, wo er bei seiner Tante May (Marisa Tomei) wohnt. Seitdem er mit bzw. gegen die anderen Helden kämpfte, fragt er sich, ob er mit seinen herausragenden Fähigkeiten nicht mehr machen sollte, als nur die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zu sein, die den einen oder anderen Einbruch verhindert und Taschendiebe stoppt. Doch daneben muss der von seinem neuen Mentor Tony Stark (Robert Downey Jr.) geförderte Jugendliche auch noch den Alltag auf die Reihe bekommen, den Alltag als Teenager an einer Highschool. Blöd, dass ausgerechnet in dieser Situation ein Bösewicht für Unruhe sorgt, der technisch bestens ausgestattet ist und von Rachedurst getrieben: der Vogelmann Vulture (Michael Keaton)...

Mit seinem nunmehr dritten Reboot schwingt sich der rot-blaue Held zurück auf die große Leinwand. Was bereits in "Captain America: Civil War" für eine (angekündigte) Überraschung sorgte, wird nun fortgeführt und endlich Spideys Geschichte weiterentwickelt, sein Charakter beleuchtet und natürlich sein Wesen getestet. Und man sollte sich nun bei dieser Version des Spider-Man über eines im Klaren sein: es kein junger Erwachsener wie einst Tobey Maguire und auch kein cooler Draufgängertyp wie der großartige Andrew Garfield. Der Zuschauer begleitet in "Spider-Man: Homecoming" den fünfzehnjährigen Peter Parker und darauf muss man sich einlassen können, denn der Typ ist genauso flapsig und vorlaut, sogar teilweise genauso nervig wie in den Comics. Und das ist dann vielleicht sogar die größte Stärke des Films.

Trotzdem ist alles hier altbekannt und doch auch irgendwie anders: bei diesem Solo-Ausflug wird sogar etwas schizophren vorgegangen weil "Spider-Man: Homecoming" im Grunde zwar ein eigenständiges Ding sein soll, sich aber andererseits an die Handlungen von "The Avengers" nahtlos anknüpft und Dinge daraus als bekannt voraussetzt. Obendrein ist "Spider-Man: Homecoming" eine Origin-Story und wiederum auch nicht, denn Peter Parker hat im Film bereits seine Superkräfte und beginnt nicht bei Null, ist aber unsicher, unerfahren und muss sich seinen Platz bei den Avengers erkämpfen, seine Stärken und Schwächen (vor allem die) ausloten. Und der Film der dabei rausgekommen ist hat eben alle Qualitäten eines typischen Marvel-Titels: lang, groß, laut, gigantische Action die - nebenbei bemerkt - in 3D super aussieht und einen humorigen Grundton einschließlich einiger netter Gags auffährt. Aber auch hier bleibt der Gegner blass, selbst wenn sich mehr Mühe gegeben wurde, "Vulture" (dennoch großartig gespielt von Michael Keaton) eine Art Geschichte und Motivation zu geben. Das kennt man schon.

Eigentlich und oberflächlich also kaum etwas zu bemängeln, aber es gibt eben nichts Innovatives oder Neues und wenn man hinter die Fassade schaut wird es plötzlich delikat. Denn wenn man etwas bemängeln wöllte, dann der holprige Versuch der Eingliederung ins MCU, auch wenn einige bekannte Figuren aus anderen MCU-Filmen ihren Auftritt haben und eine davon sogar überraschen kann. Und mal abgesehen vom Anzug, der Spider-Man plötzlich eine Art "Iron Man"-Maskerade mit allerlei Gimmicks verleiht. Und das ist ein ganz kritischer Punkt, wenn der neue Spider-Man Anzug ebenso technisch ausgestattet ist und Peter oftmals die Arbeit abnimmt. Zu bemängeln gibt es dann auch die zahllosen Filmfehler und physikalischen Blödsinnigkeiten, die sogar im Sinne eines Superheldenfilmes sauer aufstoßen. Darüber hinaus ist auch die Figurenbesetzung etwas fehlgeschlagen, denn auch wenn man versucht, altbekannte Charaktere einzubringen, so sollte man sie doch so lassen wie sie in den Comics waren, Stichwort: MJ. Alles andere wird Unsinn und stößt dem Comicfan auch vor den Kopf.

Doch trotz all dieser Negativpunkte hat der neue "Spider-Man" irgendwo dann doch sein Herz am rechten Fleck. Die Stimmung passt, die Unterhaltung ist gegeben und sogar eine großartige Wendung weiß den Zuschauer eiskalt zu überraschen. Neben dem ganzen Bumm und Krach ist nämlich der neue "Spider-Man" etwas näher am Comic und auch wenn seine Origin-Story nur darauf abzielt im kommenden "Avengers: Infinity War" mitspielen zu können, so hinterlässt "Spider-Man: Homecoming" insgesamt einen positiven Eindruck. Es ist beileibe nicht der beste Film und auch nicht das beste Reboot (dafür war Andrew Garfield zu perfekt), aber es ist eine neue Art Spinne - und die kann man durchaus empfehlen.

7,5/10