Dienstag, 13. Juni 2017

Monster (2003)

http://www.imdb.com/title/tt0340855/

Als die Prostituierte Aileen Wuornos (Charlize Theron) ihrem Leben, gezeichnet von Misshandlung, Vergewaltigung und Gewalt, ein jähes Ende setzen will, entschließt sie sich kurzerhand, für ein letztes Bier in eine nahe gelegene Kneipe zu gehen. Hier trifft sie auf die junge Selby (Christina Ricci), die unter der Obhut ihrer Tante, von ihrer Homosexualität ‘geheilt’ werden soll. Während sich Selby und Aileen allmählich ineinander verlieben, geht Aileen weiterhin der Prostitution nach, zerbricht aber langsam unter ihrem wachsenden Hass auf Männer. Sie hinterlässt eine blutige Spur, die nach und nach die Polizei auf die Fährte der beiden Frauen führt...

Die realen Hintergründe, bei denen Aileen Wuornos insgesamt sieben Männer erschoss, woraufhin sie für sechs der Morde angeklagt und im Jahr 2002 schließlich hingerichtet wurde, sind der ideale Stoff für einen finsteren Psychothriller. Und tatsächlich lotet Regisseurin Patty Jenkins in ihrem abendfüllenden Debütfilm die Psyche ihrer Hauptfigur in einigen Szenen auf beängstigende Weise aus, wofür mitunter lediglich der qualvoll stechende Blick aus den Augen von Hauptdarstellerin Charlize Theron genügt, um beängstigende Abgründe offenzulegen, durch die der Titel des Films immer wieder auf unangenehme Weise in physischer Form heraufbeschworen wird. Ist Aileen Täter oder Opfer? Hier verschwimmen Grenzen. Wurde sie zur Mörderin gemacht? Eigentlich thematisiert der Film dies nicht, aber trotzdem kommt die Frage auf. Die Regie hat es geschafft, dies völlig wertfrei zu verfilmen. Aileen wird nicht verurteilt für ihre Taten, nur vor Gericht.

Und gerade in den einfühlsamen Zwischentönen des Films offenbaren sich aber erst die wahren Qualitäten, durch die sich "Monster" eher zu einem Liebesdrama entwickelt, in dessen Kern sich zwei Menschen befinden, die an den Bedingungen und Eingriffen ihres gesellschaftlichen Umfelds zerbrechen oder längst gebrochen wurden. Nachdem Aileen zu Beginn in einer Homosexuellenbar auf Selby trifft, scheint das alte Sprichwort von den sich anziehenden Gegensätzen unmittelbar zu greifen. Die ruppige, fluchende und körperlich nicht sonderlich gepflegt wirkende Frau findet in dem naiven, verschüchterten Mädchen, das die typische Unschuld vom Land darstellt, einen Menschen, der sich nicht nur sofort für sie interessiert, sondern mit aller Kraft in das Innenleben von Aileen vordringen will. Das ungewöhnliche Liebesverhältnis, in dem die traumatisierte Prostituierte mit dem von der eigenen Familie verstoßenen Küken durchbrennen will, formt die Regisseurin nach und nach zu einer bewegenden Spirale ins Verderben, in der mörderische Tendenzen weniger Raum erhalten als intensive, aufrichtige Gefühlsausbrüche.

"Monster ist ein erschütterndes Porträt einer gescheiterten Existenz. Auch wenn es vielen Zuschauern trotz der beeindruckenden Leistung von Theron weiterhin schwerfallen dürfte, ansatzweise Sympathien für diese Figur zu entwickeln, lassen sich zumindest Funken von Empathie kaum vermeiden. Gerade in den unschuldig verträumten Voice-over-Einschüben sind beide Frauen von der Art her kaum noch zu unterscheiden. Im Schicksal von Aileen Wuornos bündelt Jenkins provokative Abscheu genauso wie ergreifende Tragik, denn am Ende bleibt die Frage offen, wer denn nun das Monster war, für das im Laufe des Films zahlreiche potentielle Kandidaten in Frage kommen. Einfach mal anschauen.

8/10