Donnerstag, 1. Juni 2017

Dog Eat Dog (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4054654/

Der arrogante und geniale Troy (Nicolas Cage), der unberechenbare Mad Dog (Willem Dafoe) und Mafia-Symphatisant Diesel (Christopher Matthew Cook) sind entlassene Sträflinge, die versuchen, ihre neu gewonnene Freiheit zu genießen. Dabei dürfen sie sich keinen Fehler erlauben, denn ein Verstoß gegen die strengen Bewährungsauflagen würde sie umgehend wieder in eine dunkle Zelle bringen. Aber das Trio will sich niemandem beugen und nur nach seinen eigenen Regeln spielen. So holt die Vergangenheit den von einem beschaulichen Leben träumenden Troy alsbald ein, während sich Diesel von seiner Familie abwendet und sich sein Geld bei der Mafia verdient. Mad Dog zieht Katastrophen derweil beinahe magisch an. Die Drei wollen das perfekte Verbrechen verüben. Sie sollen für einen mexikanischen Mafia-Boss das Kind seines Kontrahenten entführen. Doch der Auftrag geht schief und ein Mann kommt ums Leben. Für die Ex-Knackis ist jedoch klar, dass sie nie wieder ins Gefängnis wollen, und so müssen sie sich etwas einfallen lassen...

"Dog Eat Dog" ist einer dieser Filme, bei denen man sich zunächst denkt: "War eigentlich ganz okay." Aber je mehr man über ihn nachdenkt, desto auffälliger werden seine zahlreichen Schwächen: blasse Charaktere, laienhafte Nebendarsteller, mehr Logiklöcher als vorhandene Handlung und diese ist spätestens ab der Hälfte des Films so egal, das nahezu nichts im Film eine Konsequenz hat. Lediglich Nicolas Cage und Willem Dafoe stechen aus diesem Konstrukt heraus und Dafoe steckt mit seinem Overacting Cage sogar noch locker in die Tasche. Schon der in grellem Pink gehaltene Prolog macht keine Kompromisse und lässt einen entfesselt aufspielenden Willem Dafoe von der Leine, der in der Rolle eines kürzlich entlassenen Häftlings zu Surfrock-Klängen erst die Ex-Freundin brutal absticht, um anschließend noch deren jugendliche Tochter zu erschießen, da sie ihm keinen Unterschlupf bieten wollten. Hier holt einen der Film gleich ordentlich ab, lässt im weiteren Verlauf die Kupplung aber immer weiter kommen, sodass am Ende fast Leerlauf herrscht.

Früher war Regisseur Paul Schrader einer der ganz großen Drehbuchautoren des Hollywood-Kinos. Heute ist er das schwarze Schaf an der reich besetzten Branchentafel. Paul Schrader weiß natürlich um seinen Ruf in der Traumfabrik, aber juckt ihn das? Offensichtlich nicht. Stattdessen läuft er, nachdem er in "Dying Of The Light" künstlerisch gnadenlos in die Schranken gewiesen wurde, mit "Dog Eat Dog" mal ordentlich Amok. Den Streifen könnte man, wenn man ihn denn unbedingt einem Genre zuordnen möchte, als neongrelle Gangster-Farce deklarieren, in der drei Ex-Knackis nicht gegen ihre Bewährungsauflagen verstoßen wollen, aber auch keinen Bock darauf haben, den ehrenwerten Weg zu gehen. Den gibt es nämlich nicht mehr. Paul Schrader berichtet von einem verwahrlosten, vom Medienkonsum vollkommen gelähmten Amerika, in dem sich alle Menschen vor Irren mit einer Pumpgun unter dem Kopfkissen beschützen sollten - und er berichtet somit natürlich auch von einem Amerika, in dem sich Irre ohne Probleme eine Pumpgun beschaffen können. Das ist zuweilen tiefschwarz, manchmal giftig, oftmals vollkommen daneben und konsequent verstreut. Leider ist dies nicht wirklich gut, aber grell.

"Dog Eat Dog"ist insgesamt ein schwarzhumoriger Gangsterstreifen, der vom glorifizierenden Pulp über Charakterdramamomente bis zum fast schon fiebrig-surrealistischen Finale allerlei Genreversatzstücke bunt mischt, was zugegebenermaßen nicht immer ganz glückt, dank der Hauptdarsteller Cage und Dafoe aber dennoch halbwegs gut funktioniert. Immerhin.

5,5/10