Dienstag, 30. Mai 2017

[KINO] Pirates Of The Caribbean: Dead Men Tell No Tales - Pirates Of The Caribbean: Salazars Rache 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt1790809/

Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) stolpert unversehens in ein neues Abenteuer, als eine Truppe Geisterpiraten unter der Führung von Sparrows erklärtem Todfeind Captain Salazar (Javier Bardem) das Teufelsdreieck verlässt, in dem sie bislang festgehalten wurde. Salazar und seine Crew sinnen auf Rache an allen lebenden Piraten und wollen sie töten, allen voran Captain Jack. Diesem bleibt nur eine Möglichkeit, sich aus der brenzligen Situation herauszuwinden: Er muss Poseidons magischen Dreizack finden, der ihm die Herrschaft über die Weltmeere verleiht und mit dem er Salazar in die Schranken weisen kann. Auf der Suche danach trifft er zum einen auf die junge Astronomin Carina Smyth (Kaya Scodelario), die ebenfalls den Dreizack finden will, um sich in der von Männern dominierten Welt der Wissenschaft beweisen zu können, sowie auf den jungen Seemann Henry Turner (Brenton Thwaites), der versucht, seinen Vater zu finden. Dieser ist allerdings mit einem Fluch belegt, der ein solches Zusammentreffen verhindert - und Captain Jack kennt Henrys Vater nur zu gut...

Der Vater Keith Richards, der Onkel Paul McCartney. Jack Sparrow müsste man sein. Die beiden Regisseure  Joachim Rønning und Espen Sandberg scheinen jedenfalls verstanden zu haben, worauf es bei einem "Fluch der Karibik"-Film ankommt. Dementsprechend im Vordergrund stehen flottes Abenteuer, purer Spaß, Action und vor allem das Gefühl der Freiheit. Tatsächlich mit am besten ist nämlich der fünfte Ableger der erfolgreichen Piratenreihe dann, wenn er wunderbar verträumt das Leben als Freibeuter auf hoher See romantisiert, wenn er sich wünscht, vom öden Landleben aufs Meer zu entfliehen. Dann nämlich träumt man selbst auch von der großen Freiheit, wird vom Abenteuerpathos des Films mitgerissen. Abseits davon erlaubt der fünfte Ableger des Franchise sich durchaus aber einige grobe Schnitzer. So spielt Javier Bardem zwar ganz hervorragend, seine Rolle ist aber leider furchtbar schwach geschrieben. Brenton Thwaites als großer Newcomer gibt zwar sein bestes (und das auch gut), geht aber neben Johnny Depp und Geoffrey Rush völlig unter und Kaya Scodelario überzeugt zwar schauspielerisch, ihre Rolle ist aber, wie Bardems, eher Drehbuchtechnisch schwach gehalten. Die Story ist nach rund zwei Dritteln des Films nicht mehr existent und 'Pacing' scheint den Autoren ein Fremdwort gewesen zu sein.



Aber wenn das Regie-Duo es dann endlich zu Eskalation kommen lässt und ihrem Wahnsinn freien Lauf lassen, dann erschlägt "Pirates Of The Caribbean: Dead Men Tell No Tales" das Publikum in großartigen Bildern, perfektem CGI und einem großartigen (Tiefenschärfe-priorisiertem) 3D. Mit einigen guten Einfällen und viel Detail plätschert "Salazars Rache" vor sich hin ohne aber jemals langweilig zu werden. Im Gegenteil. Man erwartet das hier Gezeigte ja in irgendeiner Form auch und freut sich über jede Variation.

Nach dem etwas mageren vierten Teil der Reihe ist der neue Streifen damit ein etwas mehr fesselndes und kreativ inszeniertes Abenteuer, dass mit allerlei Bonmots und mit, zugebenermaßen plumper aber dafür aufrichtiger, Romantik und Kitsch, der sich stellenweise hart an der Grenze bewegt, aber alles in allem durchaus begeistert. Johnny Depp kaspert zwar in bewährten Manier durch die Geschichte und übertreibt es dabei ab und zu auch mit dem Klamauk. Insofern, dass neueste Piratenabenteuer mag zwar inhaltlich ein wirres Kuddelmuddel sein, dessen Stroy immer ganz knapp an der Grenze zum Totalausfall wandert, ist aber inszenatorisch erneut aus einem Guss. Anfänglich zwar nopch verfangen in den Niveaugestaden des Vorgängers, spätestens gegen Ende aber auf dem Stand der Originaltrilogie. Rønning und Sandberg schlagen zudem sehr geschickt und bei dem einen oder anderen sogar sicher tränenreich einen recht ordentlichen Bogen zu "Pirates Of The Caribbean: At World's End", was so gar nicht zu erwarten und daher umso schöner ist.

Und auch wenn man Depp und Rush inzwischen bereits das Alter etwas ansieht - die beiden haben immer noch ganz offensichtlich Spaß an ihrer Rolle. Geoff Zanellis Soundtrack bedient sich - natürlich - im großen Stil von Hans Zimmers Soundtrack und sorgt damit für ein heimeliges Gefühl bei allen Freuden des wohl berühmtesten Piraten aller Zeiten. Er hat zwar nicht mehr die brachiale Gewalt und ist längst nicht so atmosphärisch wie in den Vorgängerteilen, die klassischen Themen sorgen aber weiterhin für Gänsehautmomente. Selbst wenn man das Gefühl hat, die Geschichte so oder so ähnlich bereits schon erzählt bekommen zu haben, macht auch dieser "Fluch der Karibik" immer noch Spaß, ja, entführt einen regelrecht immer noch auf hohe See. Braucht man dazu aber ein Sequel? Nein, wahrscheinlich nicht. Im Bereich des Piratenfilms gibt es aber nahezu keine Alternative. "Salazars Rache" ist ein witziger, turbulenter und kurzweiliger Spaß, bei dem man echte Spannung oder Originalität jedoch vergeblich sucht. Also wird "Fluch der Karibik" wohl oder übel zurückkehren müssen. Aber wenn wieder mehr Fokus auf Mythen und Story an sich gelegt wird - warum nicht? Das Ende gibt jedenfalls noch etwas her.

7,5/10