Mittwoch, 24. Mai 2017

[KINO] Alien: Covenant (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2316204/

Der fremde Planet, den die Crew des Kolonisationsraumschiffs Covenant erforscht, wirkt paradiesisch: Doch als die Terraforming-Spezialistin Daniels (Katherine Waterston) und ihre Kollegen, darunter der Android Walter (Michael Fassbender), Christopher (Billy Crudup) und Tennessee (Danny McBride), durch die bergige, bewaldete Landschaft laufen, fällt ihnen vor allem die merkwürdige, beunruhigende Stille auf: Kein Vogel ist zu hören – und auch kein anderes Tier. Bald schon merken die Entdecker, dass sie auf einem Planeten gelandet sind, der lebensfeindlicher kaum sein könnte. Blitzschnelle, hochintelligente und Säure-spritzende Aliens überfallen die Covenant-Crew, töten ein Mitglied nach dem anderen. Und dem Rest der Gruppe wird klar: So weit weg von der Heimat sind sie komplett auf sich allein gestellt...

Nach Ridley Scotts einflussreichen cineastischen Meilenstein "Alien", in dem der Regisseur durch die Verschmelzung von Science-Fiction und kammerspielartigen Horror eine völlig neue Dimension des Terrors schuf, war es in der Vergangenheit faszinierend zu beobachten, wie sich das Franchise unter der Führung wechselnder Regisseure verformte. Während die sieben Jahre später erschienene Fortsetzung "Aliens" von James Cameron mit seinem Fokus auf explosive Action einen ähnlich hohen Status in der Filmgeschichte erzielen konnte wie Scotts Ursprung der Reihe, brachte Regisseur David Fincher mit "Alien³" den ersten Sorgenbringer ins Kino. Infolge der problematischen Produktion und der kontroversen Umstände bei der Veröffentlichung wurde "Alien³" immer mehr zu einer Kuriosität unter den Hardlinern der "Alien"-Fans. Der damalige Regiedebütant David Fincher ist heute nicht nur einer der gefragtesten Regisseure Hollywoods, auch sein Erstlingswerk hat heute aufgrund aufgeheizter Gerüchte über kreative Einmischung, verschollene Szenen und sogar einer vollkommen unterschiedlichen Schnittfassung, die angeblich die ursprüngliche Vision Finchers wiederherstellen sollte, Kultstatus erreicht. Viele waren allerdings der Meinung, dass Finchers Werk ernsthaften Schaden davongetragen hatte und erst in der "Director's Cut Version" seine volle Wirkung entfaltet. Mit "Alien: Resurrection", dem vierten Teil der Reihe übernahm der Franzose Jean-Pierre Jeunet, doch er scheiterte, trotz eigenständiger, markanter Ansätze in den Augen vieler daran, dem Todeskampf in den Weiten des Weltalls noch gelungene Facetten abzuringen.

2012 kehrte Scott schließlich persönlich auf den Regiestuhl zurück, um das Franchise nicht nur zu seinen Anfängen zurückzuführen, sondern noch weiter in die Vergangenheit. "Prometheus" entpuppte sich als Prequel, das die Meinungen der Zuschauer massiv spaltete. Es war ein Werk, das neben der eigentlichen Bedrohung durch die Xenomorphs viel mehr um einen umfassenden Schöpfungsmythos bemüht war, bei dem die Entstehung der Menschheit mit fremdartigen Mysterien und philosophischen Denkansätzen unterfüttert wurde. Scotts Film wurde dabei jedoch von rauen Widersprüchen durchzogen, bei dem die faszinierenden, tiefgründigen Elemente um jegliche Form von Antworten beraubt wurden und der kopflastige Ansatz von der Simplizität der Figuren unterwandert wurde, die zu sehr nach klischeehaften, stupiden Strickmustern geschrieben wurden und sich zeitweise nicht wie die Charaktere verhielten, die sie darstellen sollten. Dennoch war "Prometheus"  ein beeindruckendes, faszinierendes Werk, über dem die ganze Zeit über die Wolke des "unheimlichen Wesens aus einer fremden Welt" schwebte und das lediglich von seiner kuriosen Endsequenz zu Boden gerungen wurde. "Prometheus" bleibt in seiner interessanten Fragestellung so eben leider nur (auf eine seltsame Art) eine Episode.


Mit "Alien: Covenant" inszeniert Scott nun die rachsüchtige und verstörende, filmische Antwort, die sich auf höchst bizarre Weise zwischen sämtliche Stühle setzt. Vorsorgliche Bedenken, bei dem Film handele es sich um puren Fanservice, der vor allem auf Anhänger von "Alien" abzielen sollte, verwirft der Regisseur bereits mit einem Prolog, der Michael Fassbenders Figur aus "Prometheus", Android David,  gewidmet ist. Mit einer Diskussion zwischen ihm und seinem menschlichen Schöpfer greift Scott die Schöpfungsthematik seines Vorgängers unmittelbar auf, um sie in diesem 10 Jahre später angesiedelten Nachfolger wiederum auf andere Weise weiterzuspinnen. Und handwerklich ist dies auch richtig gut gemacht und in einer Düsternis gestaltet, die stellenweise schon satanische Züge annimmt.

Doch die eigentliche Mission der titelgebenden 'USS Covenant', einen 7 Jahre entfernten Planeten zu kolonisieren, um die Menschheit vor dem Aussterben auf der Erde zu bewahren, erweist sich in der Geschichte als wesentlicher Stolperstein, der den eigentlichen Ambitionen von Scotts Film massiv im Weg steht. Die Besetzung des neuen Raumschiffs besteht erneut aus dürftig gezeichneten, überwiegend austauschbaren Figuren. Abgesehen von Michael Fassbender, der mit dem Androiden Walter eine weiterentwickelte Version seiner Figur aus dem Vorgänger verkörpert, soll der Zuschauer in einer überlangen Einleitung hauptsächlich durch den Umstand, dass die Männer und Frauen der Crew Pärchen sind, emotional an die Charaktere gebunden werden. Nachdem die Besatzung einem zufällig abgefangenen Funkspruch von einem nähergelegenen, unbekannten Planeten folgt und nach rund 40 Minuten der Laufzeit eine Expedition unternimmt, um eine mögliche Kolonisierung dieses Planeten in Erwägung zu ziehen, entwickelt "Alien: Covenant" eine kuriose Eigendynamik. Hin- und hergerissen zwischen Überresten aus "Prometheus", bei denen einer bedeutenden Figur des Vorgängers eine besondere Bedeutung zugemessen wird, der absonderlichen Vision einer pervertierten Schöpfungs- und Allmachtsfantasie und Konventionen eines geradlinigen "Alien"-Schockers pendelt das zweite Drittel dieses Films zwischen eindringlichen Schauwerten, beeindruckenden Gedankengängen und konventionellen Horrormomenten, die letztendlich aber so nicht zusammenpassen wollen und einen etwas faden Geschmack hinterlassen. Auch, wenn der Soundtrack von Jed Kurzel so herrlich passend ist und mehr als nur einmal an den düsteren Erstling erinnert.


Spätestens hier ist klar, dass sich Scott und seine Drehbuchautoren In "Alien: Covenant" sehr tief in die Mythologie der Xenomorphs graben, was sicher nicht jedem zusagen wird. Die Hintergründe der ikonischen Alien-Rasse, die sich zunächst im menschlichen Körper einnistet, um auf überaus brutal-blutige Art und Weise aus ihm hervorzubrechen, ist eng mit dem gelungensten Handlungsstrang von "Alien: Covenant" verbunden. Für viele Zuschauer, die sich nicht auf den ambitionierten, gewagten, aber eben auch extrem erklärenden Erzählansatz einlassen wollen, könnte dies eine enttäuschende Entmystifizierung eines bisher effektiv gehüteten Geheimnisses zur Folge haben. Im letzten Drittel, in dem Scott Horror und Spannung mit aggressivem Tempo und unnötigem Spektakel verwechselt, bricht dann aber das interessante Potential des Streifens schließlich endgültig in sich zusammen. Die beunruhigenden, langsamen Kamerafahrten, mit denen "Alien" damals durch die dunklen Gänge des Raumschiffs geschlichen ist und an jeder Ecke pures Grauen versprach, weichen gehetzter, wirkungsloser und blutiger Gewalt, einem abstrusen Plottwist, der lange im Voraus ersichtlich ist und zahlreichen Gedächtnismomenten, die nicht ansatzweise an die eindringliche Atmosphäre vergangener Glanzzeiten anknüpfen können.

"Alien: Covenant" sabotiert hierdurch seine eigenen Ambitionen einer innovativen Schreckensvision, indem der Xenomorph-Aspekt nachträglich eingefügt wirkt und etwas zu lieblos abgehandelt wird. Michael Fassbender und die Geschichte(n) seiner Figur(en) sind das einzige, das diesem Film einige Szenen beschert, die wohlig unter die Haut gehen und großen Horror andeuten, der fernab des eigentlichen Alien-Terrors nie aus sich selbst hervorbrechen darf. Der Film ist in jedem Fall aber sehenswert, wenngleich man die Ansprüche etwas herunterschrauben sollte.

7/10