Freitag, 21. April 2017

Les Rivières Pourpres 2: Les Anges De l'Apocalypse - Die purpurnen Flüsse 2: Die Engel der Apokalypse (2004)

http://www.imdb.com/title/tt0337103/

In dem Kloster Lothaire fließt Blut aus einer Wand, als Mönche dort ein Kreuz befestigen wollen. Kommissar Niemans (Jean Reno) wird an den Ort des Geschehens gerufen. Er stößt schnell auf den Grund des sonderbaren Vorfalls: Hinter der Wand wurde ein Mann noch bei lebendigem Leib eingemauert. Parallel zu Niemans Fall ermittelt sein ehemaliger Polizeischüler Reda (Benoit Magimel) an einem ähnlichen Ritualmord. Als die Spuren die beiden Polizisten zusammenführen, gehen sie die Sache gemeinsam an. Eine zwölfköpfige Apostel-Gruppe um einen Mann namens Jesus (Augustin Legrande) wird systematisch einer nach dem anderen von Männern in dunklen Mönchskutten dahingemetzelt...

Der Titel verheißt auch im französischen Original eine Fortsetzung des ersten Teils, die inhaltlich jedoch nicht stattfindet. Es ist eher die Weiterführung des Konzeptes, dass zwei Cops getrennt an ihren eigenen Fällen sitzen, die sich dann zu einem Fall vereinen. Ebenso bleibt man im Bereich des Psychopathenthrillers, der mit Okkultem und etwas Nazi-Hintergrund vermischt wird. Der Aufbau ist sehr ähnlich dem des Erstlings, wobei sogar einige Details aus dem ersten Teil direkt übernommen wurden (z.B. die Prügel-Einführung von Renos Partner-Cop, oder die Dauerlauf-Verfolgung eines Typs in Mönchskutte). Da wären ein paar neue Ideen besser gewesen. Während Regisseur Mathieu Kassovitz noch wusste, was er seinem Ruf schuldig war, und in seinem Thriller Ansätze einer sozialen Realität erkundete, gibt sich Dahan lustvoll der Gerüchteküche und den Verschwörungstheorien hin - mit teils arg absurden Einfällen.

Religions- und Zeitgeschichtlern werden die Haare zu Berge stehen bei der Kombination von Nazischergen und biblischer Sühne. Sähe man Bessons Drehbuch als repräsentativ an, hätten sich aus französischer Sicht die bundesdeutschen Gepflogenheiten in Sachen Demokratie und Kabinettsbildung seit dem Dritten Reich nicht wesentlich verändert. Doch die Story von "Die purpurnen Flüsse 2: Die Engel der Apokalypse" ist - abseits dieses Wahnsinns - interessant und schlüssig, mit einigen wirklich spannenden Momenten, wobei auch die Action nicht zu kurz kommt. Nur das Ende hätte wieder einmal so nicht sein müssen - warum übertreiben, ja sogar aus anderen Filmen deutlich abkupfern, wenn man bisher storytechnisch so viel richtig gemacht hat? Für eine inhaltlich überzeugende Auflösung bieten sich viele Ansätze, doch man dachte wohl, dass das Publikum so etwas braucht. Seis drum, dafür wird man neben einem starken Jean Reno mit einem überzeugenden Auftritt von Christopher Lee als Bösewicht belohnt - es ist immer wieder ein Vergnügen, ihn in solchen Rollen zu sehen.

6/10