Donnerstag, 27. April 2017

[KINO] Guardians Of The Galaxy Vol. 2 - Guardians Of The Galaxy 2 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt3896198/

Die "Guardians Of The Galaxy" rund um Star-Lord (Chris Pratt) sind mittlerweile im ganzen Universum bekannt und auch Ayesha (Elizabeth Debicki), die Anführerin der Sovereign People, einem Volk von genetisch zur Perfektion veränderten Wesen, bemüht sich um ihre Dienste. Die Guardians sollen für sie und ihre Mitbürger ein interdimensionales Monster bekämpfen. Im Ausgleich will sie ihnen Nebula (Karen Gillan) übergeben, so dass die Guardians die Killerin und Schwester von Gamora (Zoe Saldana) ins Gefängnis bringen können. Doch Rocket (Stimme im Original: Bradley Cooper) ist diese Bezahlung zu wenig, weswegen er noch ein paar mächtige Batterien klaut. Ayesha ist darüber alles andere als begeistert und heuert die Ravagers an, die Guardians zu jagen und die Energiequelle zurückzuholen. Weil Yondu sich weigert, seinen Ziehsohn Star-Lord zu verfolgen, kommt es innerhalb der Ravagers zur Meuterei. Taserface (Chris Sullivan) übernimmt das Kommando und setzt Star-Lord nach. Bei deren Überführung von Nebula zum Nova Corps geht derweil wenig nach Plan und bald werden die Helden getrennt...

Das MCU wächst und gedeiht prächtig. Nachdem im Jahr 2012 Phase I mit "The Avengers" abgeschlossen und mit "Iron Man 3" und "Thor: The Dark World" Phase II eingeläutet wurde, erweiterte sich dann 2014 das Spektrum der Superhelden mit den "Guardians Of The Galaxy", einem facettenreichen, quietschbunten Comicspaß, der die Befürchtung der Fans, dass das MCU seinen Höhepunkt bereits erreicht und hinter sich gelassen haben könnte, zerschlug. "Guardians Of The Galaxy" belehrte nach einem grandiosen, aber weitaus nüchtererem, bodenständigeren "Captain America: The Winter Soldier", der wenige Monate zuvor erschien, die Fans eines Besseren und zeigte die vielfältigen Facetten des MARVEL-Universums auf. Dank der Bereitschaft von Kevin Feige, seines Zeichens C.E.O. von MARVEL, mit der eigenen Formel zu experimentieren und Filmemachern, die noch nie großartig im Blockbustergeschäft tätig waren, zwar die Richtung zu zeigen, aber ihnen ansonsten ihre kreativen Freiheiten zu überlassen, sind 2014 zwei Filme entstanden, die bis heute zu Recht zu den besten des MCUs zählen. Gerade "Guardians Of The Galaxy" ist ein Film, der durch seine Eigenständigkeit auch von vielen Zuschauern genossen wurde, die mit den bisherigen untereinander verwobenen Comicadaptionen wenig anfangen konnten. Zugleich legte der Film auch das Fundament für entscheidende Ereignisse von Phase III und die unausweichliche Zusammenführung aller Helden im großen Kampf gegen Oberbösewicht Thanos.


Und nun legte "Guardians Of The Galaxy" die Messlatte für all seine unmittelbaren Franchise-Nachfolger sehr hoch. Mit "Guardians Of The Galaxy Vol. 2" wählte der erneut dafür verantwortliche Regisseur und Drehbuchautor James Gunn frei nach dem Motto "never change a running system" einen etwas beinahe schon konservativeren Ansatz und hielt sich an dem fest, was im ersten Film bereits so grandios funktionierte: sympathische Antihelden, freche Sprüche, gepaart mit anarchischem Humor, visuell grandiose Weltraumaction und ein fetziger 80er-Jahre Soundtrack. Und die gute Nachricht ist, dass dies alles ganz genau so gut funktioniert wie beim ersten Mal. Natürlich kann es nur ein erstes Mal geben und der zweite Teil muss eben auf den Bonus, dass der Zuschauer diese schräge Welt und ihre liebenswert-schrulligen Charaktere zum ersten Mal kennenlernen darf, verzichten. Dafür gibt es aber jede Menge neue Charaktere und einige Fragen, die aus dem Vorgänger noch in den Köpfen der Zuschauer herumschwirrten, werden geklärt. Bereits von Beginn an ist "Guardians Of The Galaxy Vol. 2" erneut ein großartiger Spaß ohne Durchhänger oder zähe Momente, jedoch ohne den Neuheitswert oder die "Freshness" des Vorgängers.


Nun mag man dem Film mangelnde Innovation vorwerfen, doch dies macht er um Längen durch Emotion und Herz wieder wett. Denn Herz und insbesondere Familie ist das Thema, welches den Film zusammenhält und den emotionalen Nucleus des Sequels bildet. Peter "Star-Lord" Quills Sehnsucht nach (s)einer Familie spielt genau so eine große Rolle wie die komplexe Beziehung zwischen den Geschwistern Nebula und Gamora, Rockets Angst, sich an seine neu gefundenen Freunde zu binden, oder Yondus (väterliche) Zuneigung gegenüber Quill. Als Krimineller mit Herz aus Gold hat Michael Rooker eine noch größere Rolle als im letzten Film und macht seinen Charakter Yondu zu einem der besten Charaktere der Fortsetzung. Aber auch insgesamt stimmt die Chemie wieder zwischen allen Charakteren und man gewinnt den Eindruck, dass sie bereits einige Zeit miteinander verbracht haben, frühere Differenzen überwunden und neue entdeckt haben. Es werden regelmäßig Konflikte ausgetragen, nur um diese, sobald es ans Eingemachte geht, beiseite zu legen und zueinander zu stehen. Wie eine Familie eben. Damit legt auch diese MCU-Verfilmung den Fokus auf Emotion, ohne jedoch zu sehr in unnötige Sentimentalität abzudriften. Immer wenn eine Szene droht, zu ernst zu werden, lockert James Gunn sie mit einem lustigen One-Liner auf, sodass der Film die Balance zwischen ernst und witzig locker halten kann. Die Charaktere werden weiterentwickelt, ohne dass der Film seine Wurzeln aus den Augen verliert.


Neben James Gunn liegt es natürlich auch an der bestens aufgelegten Besetzung, dass " Guardians Of The Galaxy Vol. 2" mit seinem Vorgänger mithalten kann. Überraschenderweise sorgt Dave Bautistas Charakter Drax für die größten komödiantischen Highlights, was auch gleichzeitig das Problem dieses Teils ist: man nimmt es dem 'Destroyer' irgendwie nicht Hundertprozentig ab. Aber seine Szenen mit der liebenswerten Franchise-Newcomerin Pom Clementieff als schüchterne Mantis wechseln gekonnt von urkomisch zu überraschend rührend. Und die knuffige Baby-Version des lebenden Baums Groot ist so unwiderstehlich süß, dass sie gleich zu Filmbeginn eine unvergessliche Szene zu denn großartigen Klängen von Electric Light Orchestras mit "Mr. Blue Sky" hat, bei der alles drumherum in Vergessenheit gerät. Eine echte Freude bereitet auch der Auftritt von Kurt Russell, dessen Rolle als Ego im Marketing zum Glück recht kurz gehalten wurde. Er hat eine facettenreiche Rolle und kann sein natürliches Charisma zur Geltung bringen kann. Er bringt als Ego die nötige überirdische Ausstrahlung mit, mit der er jeden Raum füllt, den er betritt. Trotz seiner Verfehlungen bleibt Ego nicht unsympathisch und seine Gefühle gegenüber Peter und dessen Mutter wirken echt. Und hier - und das wird gerade die Comicleser freuen - gelingt dem Film tatsächlich eine interessante und durchaus getreue Umsetzung von Russells Charakter als der lebende Planet aus den Comics - und schon hier schlägt das MCU (mit einigen kleinen, aber feinen Anspielungen) erneut gekonnt den Bogen zum kommenden "Thor: Ragnarok". 


Zudem strotzt der Film vor vielen weiteren großartigen visuellen Einfällen, von denen einer im großen Finale für richiges Augenfutter sorgt. Auch die 3D-Effekte sind, insbesondere für einen nachträglich konvertierten Film, überraschend gut. Manch einer wird vielleicht bemängeln, dass "Guardians Of The Galaxy Vol. 2" seinem Vorgänger gegenüber eben nicht noch einen draufsetzen kann und der bewährten Formel treu bleibt, ohne Neues auszuprobieren oder die Geschichte im Hinblick auf "Avengers: Infinity War" bedeutend weiterzuentwickeln. Aber das muss der Streifen auch nicht. Es ist schon so eine beachtliche Leistung, dass der zweite Teil nicht nur den Spaßfaktor und die Gagdichte des Originals konstant halten kann, sondern dass ein Film mit einem sprechenden, schießwütigen Waschbär, einem wortkargen, lebenden Baum und außerirdischen Wesen in allen Regenbogenfarben in richtigen Momenten aufrichtig ans Herz geht, ohne jedoch zu kitschig zu wirken.

Die Überraschung des Erstlings übertrifft "Guardians Of The Galaxy Vol. 2" damit insgesamt freilich nicht, aber er kommt genau so frisch und frech daher wie man es so von der bunten Truppe erwarten würde. Mit viel Herz und Humor, fantastischen visuellen Einfällen, einer liebevollen Weiterentwicklung seiner Hauptfiguren und einem großartigen Kurt Russsell auf dem Hoch seines Karriere-Revivals zeigt Regisseur und Drehbuchautor James Gunn wie ein gutes Sequel sein sollte und macht auch die Fortsetzung zu einen gelungenen Weltraumabenteuer. Sogar die zahlreichen Gastauftritte zünden perfekt. So reicht "Guardians Of The Galaxy Vol. 2" zwar nicht völllig an den großartigen ersten Teil heran, aber für den den Gang ins Kino, allein was die Musikauswahl angeht, lohnt er sich dennoch absolut.

8/10