Samstag, 22. April 2017

[KINO FFnights] Going To Brazil (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4467176/

"Long Live Pussy!" – das ist das Motto der drei Pariser Girls Lily (Philippine Stindel), Chloé (Margot Bancilhon) und Agathe (Alison Wheeler). Ihre Ex-WG-Mitbewohnerin Katia (Vanessa Guide) hat sich einen schwerreichen Politikersohn geangelt und fliegt die alte Gang kurzerhand zur Hochzeit nach Rio de Janeiro ein. Dort vergnügen sich die Vier am Vorabend der Feierlichkeiten auf einer ausschweifenden Sexparty. Als sie versehentlich einen jungen Mann töten, müssen sie aus der Stadt fliehen. Von nun an stolpern die Stilettoträgerinnen von einem Schlamassel in die nächste Katastrophe.

Der Schauspieler Patrick Mille, der im französischen Film eher für seine komödiantischen Auftritte bekannt ist, versucht sich nach seinem Spielfilmdebüt 2012 erneut als Regisseur und bringt mit "Going To Brazil" eine sexy Actionkomödie über den Zufall und das plötzliche Stolpern in gar allzu blöd gelaufene Situationen. Dabei verlässt er sich auf sein Gespür, den nötigen Witz an der richtigen Stelle einzubringen, ohne dabei jedoch den Fokus auf die Eckpfeiler des Films zu verlieren. Dieser grundlegende Tenor des Films ist dennoch kein Neuer, jedoch versteht es Mille, dem Abenteuer der vier Mädels den richtigen Drive zu geben und unterstützt durch sein gut aufgelegtes Schauspielerensemble Philippine Stindel, Margot Bancilhon, Alison Wheeler und Vanessa Guide, wobei vor allem letztere allgemein positiver als die anderen drei heraussticht, schaffen sie gemeinsam eine knapp anderthalbstündige, recht unterhaltsame Achterbahnfahrt, die für die vier umso schlimmer wird je mehr sie sich darauf einlassen (müssen).

Ein Stück weit erinnert "Going To Brazil" an den sehr ähnlich gelagerten "Spring Breakers". Mit greller Neon-Optik, schwül-warm hämmernden Beats, die einen die Hitze der Nacht förmlich miterleben lassen, lassen beide Witz, Action und ein wenig Dramatik für die nötige Würze einfließen und verstehen es, auf ihre Art zu unterhalten. "Going To Brazl" versucht sogar noch in Ansätzen das System des subtropischen Landes zu kritisieren, allerdings ohne es dem Zuschauer immer und ganz direkt unter die Nase zu reiben. Na klar, in den prunkvollen Villen herrschen geldgierige, korrupte Politiker, die quasi alles für die Erhaltung der Herrschaft ihrer Familie tun würden und in den Slums regieren knarrenschwingende Gangs, die mal eben noch ein paar Dutzend Kilo Kokain an die Grenze schmuggeln wollen - und wenn die Mädels eh auf dem Weg dahin sind... man merkt schon: sämtliche Zuckerhutklischees werden aufs Korn genommen. Die Franzosen kommen aber keinen Deut besser weg – und so spielt Regisseur und Drehbuchautor Patrick Mille den schmierigen Konsulatsangestellten M. Hervé gleich selbst. Selbstironie wird hier also ganz groß geschrieben. Und wenn das mit dem sonnigen, schwül-warmen Setting von Brasilien unterstrichen, mit Mädels in knappen Bikinis gewürzt und mit der nötigen Portion Witz präsentiert wird, hat man einen adäquaten, selten langweiligen Streifen, der vor allem seine Hauptdarstellerinnen überzeugen kann. Nicht schlecht.

6,5/10