Sonntag, 23. April 2017

[KINO FFFnights] It Stains The Sands Red (2016)

http://www.imdb.com/title/tt5735280/

Anstatt wie andere Filme des Genres mit riesigen Zombiemassen in überlaufenen Städten aufzuwarten, spielt "It Stains The Sands Red" in der Wüste Nevadas. Molly (Brittany Allen) ist mit ihrem Freund, dem zwielichtigen Nick, auf dem Weg zu einem Deal in der Wüste von Nevada, als ihr Wagen stecken bleibt. Just in diesem Moment ist anderswo eine Zombie-Apokalypse ausgebrochen, und der langsam heranstolpernde Wanderer hat es auf Nicks Innereien abgesehen. Der entsetzten Molly bleibt nichts anderes übrig als quer durch die lebensfeindliche Wüste zu fliehen – stets mit ihrem hartnäckigen neuen Verehrer im Schlepptau. Bis an die Zähne bewaffnet mit Wodka, Kokain, Kippen und Tampons versucht sich die erschöpfte junge Frau in Richtung Zivilisation durchzuboxen. Doch während der glutheißen Tage und dunklen Nächte, in denen sie Sandstürmen, Skorpionen und ihrer eigenen Verzweiflung trotzt, wird ihr klar, dass eine wandelnde Leiche noch das Geringste ihrer Probleme ist ...

Wenn das Programmheft schreibt, dass dieser Film "das Zombiegenre revolutionieren wird", dann lässt einen das erst einmal aufhorchen, aber dann erinnert man sich an Filme aus den letzten Jahren und denkt "naja". Doch "It Stains The Sands Red" ist tasächlich anders und überrascht mit einer völlig neuen Sichtweise auf altbekannte Genremuster. Nun, um genau zu sein ist am Zombie selbst nur wenig verändert worden, doch die Geschichte von Molly, die von Brittany Allen wirklich richtig gut verkörpert wird, reißt einen von der ersten Minute an mit. Diese kleine - und anders kann man das wohl nicht sagen - Nutte, die mit Koks und Alkohol umgeht als wäre es Bonbons und Limonade und dabei noch nicht einmal an ihr Kind denkt, welches sie vor Jahren abgab, ist einfach ein Unsympath.

Doch im Verlauf der Geschichte, in der man relativ schnell ihren Freund Nick ausgeweidet da liegen sieht, beginnt man sie näher kennen zu lernen. Inmitten von Vodka, Zigaretten und dem letzten Tampon,welches zum Rettungsmittel umfunktioniert wird, scheint man dann doch die zynische Schale von Molly durchbrechen zu können. Genau wie der Zombie, der Molly unaufhaltsam und gnadenlos durch die Wüste Navadas verfolgt - wenngleich mit einem anderen Ziel als sie kennen zu lernen. Hier zeigt sich auch, dass es der Film zwar ernst, aber dann doch nicht ganz so ernst und vielleicht sogar ein wenig lustig meint. Und das ist gut so. Denn wenn Molly durch die Wüste spaziert und ihr der Zombie, den sie scherzhaft und aus Gründen "Smalls" tauft, ebenso langsam folgt, dann sorgt zumindest dies für ein kleines Glucksen im Hals. Und dann - man glaubt es kaum - hat Regisseur Colin Minihan es geschafft und der Zuschauer erkennt, was wirklich unter Mollys Fassade steckt. Und plötzlich hat sie alle Sympathien auf ihrer Seite. Gut, solche Kniffe sind im Genre nicht ganz selten, aber werden doch spärlich genug eingesetzt, um immer noch Interesse zu wecken. Dass der Film dann und wann auch in punktuell gut gesetzten und auch sehr blutigen Auseinandersetzungen kleine Höhepunkte findet, gehört im Zombiegenre ja beinahe schon zum guten Ton.

Mit harmonierenden Bildern und passendem Score ist "It Stains The Sands Red" damit eine potente Mischung aus spannendem Horrorthriller, ironischer Komödie und staubigem Roadmovie zugleich. Und zugleich ein klitzekleiner, erfrischender Lichtblick im sich ständig wiederholenden Untoten-Kino, der sich mal etwas mehr traut, als nur Massen von Untoten gegen Menschen anrennen zu lassen. Fein.

8/10