Mittwoch, 12. April 2017

[KINO] The Fate Of The Furious - Fast & Furious 8 (2017)

http://www.imdb.com/title/tt4630562/

Können Dom (Vin Diesel) und seine Freunde, die er Familie nennt, endlich ein normales Leben haben? Nach dem Rückzug von Brian und Mia hat er sich mit Letty (Michelle Rodriguez) in die Flitterwochen verabschiedet und die restliche Crew ist von allen Vergehen aus der Vergangenheit freigesprochen worden. Doch dann taucht die mysteriöse Cyber-Terroristin Cipher (Charlize Theron) auf, verführt Dom und macht ihn zu ihrem Partner bei einer Reihe von Verbrechen. Mr. Nobody (Kurt Russell) bittet die Gang um Letty, Roman (Tyrese Gibson), Tej (Ludacris) und Co., zu helfen. Gemeinsam mit Hobbs (Dwayne Johnson), der wegen Doms Verrat im Knast sitzt, und Todfeind Deckard Shaw (Jason Statham) müssen sie bei einer Jagd rund um den Globus eine Anarchistin stoppen, die Chaos in die Welt bringen will. Und wichtiger: Sie müssen den Mann nach Hause holen, der sie zu einer Familie machte...

Hätte 2001 einer behauptet, dass der Film "The Fast And The Furious" den Auftakt zu einer der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten bilden würde, man hätte denjenigen nur müde belächelt. Aber die Macher hinter dem furiosen Team haben etwas geschafft, was viele für unmöglich gehalten haben und noch dazu innerhalb einer Reihe nahezu völlig aussichtslos ist: sie haben die Reihe nach einem eher mäßigen zweiten und hundsmiserablen dritten Teil rigoros revolutioniert, ein Quasi-Remake in die Bahn geworfen, die Richtung justiert und damit spätestens mit "Fast Five" Actionkino vom Allerfeinsten geschaffen. Im mittlerweile achten Segment der adrenalingeladenen Filmreihe, die seit 15 Jahren in den unterschiedlichsten Ausführungen auf der großen Leinwand für eine ständige Überschreitung des Tempolimits sorgt, sind Verrat, Vertrauen und Versöhnung die drei Schlüsselworte. Noch größer, noch schneller, noch lauter: "The Fate Of The Furious" ist eine überaus angemessene Fortsetzung nach dem emotionalen Gipfel vor zwei Jahren.

Dank Regisseur F. Gary Gray auf dem Regiestuhl wirkt der neue Film auch wesentlich kompakter, konzentrierter und katalytischer. Der Vorgänger hatte natürlich nicht nur mit James Wans Unerfahrenheit im Actiongenre zu kämpfen, sondern auch mit dem Unfalltod Paul Walker, der den Film überschattete und ihn quasi zwangsläufig zu einem Requiem machte. Dieser tragische Verlust prägte und veränderte die Reihe wie kaum ein anderes Ereignis sowohl im erzählerischen Rahmen als auch dem äußerlichen als Filmproduktion. So treten die "Fast & Furious"-Filme mittlerweile mit einem unglaublichen Selbstbewusstsein für das alles bezwingende Konstrukt der Familie auf, das seit dem Beginn immer im Hintergrund mitgeschwungen ist, ehe es sich in den vergangenen Jahren zur treibenden Kraft hinter den aufregenden Abenteuern entwickelte. In einer Welt, in der jedes Problem mit schnellen Autos gelöst werden kann, selbst wenn es sich dabei um eine globale Bedrohung handelt, gibt es nichts, das für Toretto wichtiger ist als seine Familie. Auf dem Teaser-Poster von "The Fate Of The Furious" steht nun allerdings "Family No More" und das ultimative, geradezu unantastbare Bündnis befindet in Gefahr. Was ist also seit dem letzten Finale passiert, in dem sich unsere Helden in einer unfassbar hoffnungsvollen Sequenz in den Sonnenuntergang verabschiedeten? Drehbuchautor Chris Morgan, der das Franchise seit "Tokyo Drift" begleitet, hat eine passende Antwort darauf gefunden.

Anfänglich kehrt "Fast & Furious 8" allerdings zu seinen Wurzeln zurück und verliert sich unter der heißen Sonne Kubas in der dröhnenden Adrenalinfantasie eines illegalen und höchst unrealistischen Straßenrennens. Ein Streit ist Auslöser für einen Wettkampf, bei dem es nicht bloß um Autos, sondern (wie üblich) vor allem Respekt und Anerkennung geht. Obwohl all die Figuren, die in dieser Szene auftauchen, auf den ersten Blick nicht einmal ansatzweise so viel Tiefe versprühen wie die große Klappe, hinter der sie sich verstecken, weiß Chris Morgan hier bereits bestens, was das Herz der Reihe ist. Hier gehören Macho-Sprüche zur Tagesordnung, doch gleichzeitig bewegt sich der Film nie auf einem herablassenden Level, sondern erkennt in Aufeinandertreffen der verschiedenen Egos ein eine große Spielwiese, um das Ensemble dynamisch, und beinahe Kumpelhaft-liebevoll interagieren zu lassen. So wird aus dem anfänglichen Spaß (etwas zu schnell) schnell ein Familiendrama epischen Ausmaßes, ganz den Regeln der eigenen Mythologie verschrieben.

Regisseur Gray, der bereits mit seinem Remake von "The Italien Job" bewiesen hat, dass er es durchaus versteht, größere Probleme kreativ mittels fahrbarer Untersätze zu lösen, schließt dabei nahtlos an das Schaffen seiner Vorgänger an. "The Fate Of The Furious" strotzt förmlich vor Energie. Sowohl in den aufwendigen Action-Szenen als auch weniger spektakulären Dialogpassagen gibt es keine Aussicht auf eine Verschnaufpause. Sobald in Havanna die Motoren gestartet werden, brettert der Film von einem Schauplatz zum nächsten und ähnelt in dieser Form - wie bereits seit "Fast Five" - der Struktur eines "James Bond"- oder "Mission: Impossible"-Films. Atomwaffen werden hier genauso selbstverständlich in die Handlung integriert wie diverse Konflikte zwischen den Figuren. Dazu kommt, dass mit Luke Hobbs (Dwanye Johnson) seit dem fünften und Deckard Shaw (Jason Statham) seit dem sechsten Teil die zentrale Familie wächst und stetig komplexere Züge annimmt. Das mag teilweise absurd und lächerlich wirken, aber vor solch irrelevanten Einstufungen von Logik und Anschlussfehlern haben sich die "Fast & Furious"-Filme zum Glück schon seit einiger Zeit verabschiedet. In "Fast & Furious 8" liegen die Probleme der Crew rund um Vin Diesel im Rahmen der Fiktion. Anführer Dominic Torettto löst sich von seinen Leuten, kämpft gegen sie und Schuld daran ist die Cyber-Terroristin Cipher, die von Oscar-Preisträgerin Charlize Theron mit hassenswerter Begeisterung dargestellt wird. Mit Cipher erhält das Franchise endlich eine Antagonistin, die man eben nicht so schnell vergisst und dass sie - so viel darf verraten werden - wohl auch in Zukunft Toretto und Freunden das Leben zur Hölle machen wird, lässt freudig auf die noch zwei angekündigten Teile blicken. Zudem ist es eine Freude, Jason Statham wieder mal in Aktion sehen zu dürfen, der eine besonders coole Szene geradezu zelebriert und auch Figuren aus alten Tagen lassen die Augen des Fans strahlen.

Chris Morgan hat mit seinem Drehbuch also sowohl die Figuren als auch die Schauspieler, die sie verkörpert, wahrlich brillant im Griff. Alleine Doms beängstigende Verwandlung in einen fremdgesteuerten Soldaten erschüttert Lettys (Michelle Rodriguez) Weltanschauung in einem unbeschreiblichen Ausmaße, dass ein Blick im Vorbeifahren genügt, um zu signalisieren, was gerade alles zu Bruch gegangen ist. "The Fate Of The Furious" beherbergt zahlreiche dieser markanten Momente, die entgegen der exzessiven Übertreibung auf allen Ebenen stärker sind als jede Abrissbirne, die Polizeiwägen wie Lego-Steine aus dem Weg räumt, und jedes U-Boot, das aus den Untiefen des ewigen Eises herausbricht. Es ist ein Actionfest der Überwältigung und Gray sorgt dafür, dass der Zuschauer nicht gleich erschlagen wird. Nein, sein Debüt im "Fast & Furious"-Universum offenbart sich als angenehm stilsicheres Konstrukt, das insbesondere der Übersichtlichkeit in temporeichen Bewegungsabläufen verschrieben ist.


Im Actionbereich ist also der neuestes Ableger wahrlich ein Genuss, wenn sich die Reifen drehen und einen Action-Tornado auslösen, der jeglicher Beschreibung spottet. Hier findet der Streifen seine wahre Stärke und kann deswegen noch größer, noch schnell und noch lauter werden, ohne sich je in stumpfer Gleichgültig zu verlieren. Es herrscht immer ein kleines, aber überlebensnotwendiges Spannungsverhältnis. Und es ist immer noch mehr als beachtlich, dass eine Reihe, die viele vor zehn Jahren bereits abgeschrieben haben und die sich dann entgegen allen Erwartungen erfolgreich neu erfinden konnte, ihre Formel mit dem achten Teil weiter perfektioniert. Rockt.

7,5/10