Mittwoch, 12. April 2017

Deepwater Horizon (2016)

http://www.imdb.com/title/tt1860357/

Die Ölbohranlage Deepwater Horizon steht 2010 kurz vor einem bahnbrechenden Meilenstein: Mehr als 100 Millionen Barrel Öl sollen nur 70 Kilometer vom US-Festland entfernt direkt aus dem Golf von Mexiko gefördert werden. Die beiden Chef-Techniker Mike Williams (Mark Wahlberg) und Jimmy Harrell (Kurt Russell) werden damit beauftragt, gemeinsam mit ihren Teams die Bohrung vorzubereiten. Dabei bemerken sie, dass der Druck auf das Bohrloch viel zu hoch ist, um bedenkenlos fortfahren zu können. Doch ihre Warnungen werden ignoriert und so kommt es zum katastrophalen „Blowout“, bei dem Gas und Öl unkontrolliert und unter enormen Druck an die Oberfläche schießen. Das zieht gewaltige Explosionen nach sich, Öl strömt ungehindert ins Meer und über 120 Menschen sind auf der Bohrinsel eingeschlossen. Williams und seinen Leuten bleibt nicht viel Zeit, Überlebende und Verletzte zu retten...

Komplett konventionell gehaltener Katastrophenfilm, der praktisch jedes Klischee bedient, allerdings keines davon bis zum Erbrechen ausreizt. Es ist nicht so, dass jeder der Erste sein will, der sich für die Gruppe opfert. Falsche Heldenmythen werden nicht geschaffen. Man kann "Deepwater Horizon" von Peter Berg als ambitionierte Unglücksrekonstruktion mit Anspruch auf Anspruch sehen, die sich letztendlich bloß in stereotypen Figuren und Explosionen verliert. Man kann "Deepwater Horizon" aber auch als klassischen Katastrophenfilm mit allen Klischees betrachten, der jedoch mit seiner nüchternen Schilderung technischer Vorgänge überrascht und damit das Genre in interessanter Weise kontrastiert. Überdies gehen der Spannungsaufbau eines effizienten Katastrophenfilms und die Beschreibung von Arbeitsprozessen das gleiche Tempo. Beides erweist sich als am effektvollsten, wenn die Erzählung minutiös, Schritt für Schritt vonstatten geht.


Und das tut sie. Die Katastrophe selbst wird nicht bis zum Äußersten hochstilisiert, sondern geht relativ zügig von vonstatten und bietet starke Effekte. Der Zuschauer findet sich dank der detailreichen, aber simplen Erläuterungen zu "Blowouts", "Magenta-Alarm" und "Unterdruck-Tests" schnell selbst auf der Plattform ein und so kann das Unheil wirkungsvoll seinen Lauf nehmen. Außerdem entwickelt Regisseur Berg ein feines Gespür für das Räumliche - "Deepwater Horizon" lebt von der Kulisse - und von den alten Hasen Kurt Russell/John Malkovich und nicht zuletzt von Mark Wahlberg, der hier mal eben nicht der Überheld ist, sondern eher ein normaler Mensch, der versucht zu retten was eben zu retten ist.

Aber es fehlt eben auch der Tiefgang und die emotionale Bindung zu den anderen Arbeitern, da es keine Hintergrundinformationen zu ihnen gibt. Auch werden die Arbeiter, die ihr Leben ließen nur als Nebendarsteller oder gleich gar nicht behandelt. Am Ende des Films weiß man nicht so recht, welcher der Schauspieler die Rolle eines der Opfer verkörperte, da der Fokus überwiegend auf Mike Williams (Wahlberg), Jimmy Harrell (Russell) und Vidrine (Malkovich) liegt, die allesamt die Katastrophe überlebten und noch einige andere Nebencharakteren das Leben retteten. Also geht es hier überwiegend um die Helden als um die Opfer und das hinterlässt einen etwas faden Eindruck, der die Belanglosigkeit des Todes der Abeiter nicht ganz leugnen kann.


Aber wenngleich es schon wieder eine ganze Weile zurück zu liegen scheint, so dürften sich die meisten noch gut an die weltweite Betroffenheit erinnern, als 2010 die schwimmende Bohrinsel "Deepwater Horizon" havarierte. Vorwürfe, Peter Berg fokussiere zu stark die akuten Todesopfer der Katastrophe und vernachlässige den Umweltaspekt, zeigen umso mehr die Gründe für den Dreh dieses Films. Über das ökologische Fiasko wurde nämlich lang und ausführlich berichtet, doch was ist wirklich unmittelbar auf der Bohrplattform vor sich gegangen? Es ist allgemein ein Problem des heutigen Kinos, dass der Zuschauer am liebsten das sehen will, was er ohnehin schon kennt. Dann mag an dieser Stelle manch einer dem Film alternativ vorwerfen, er habe zu viel Pathos. Mag sein. Trotzdem bietet "Deepwater Horizon" unterm Strich einen guten Katastrophenfilm mit viel Spannung, Drive und Gespür.

7,5/10