Mittwoch, 1. März 2017

War Dogs (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2005151/

2005 lebt David (Miles Teller) in Miami und mit gerade einmal Anfang 20 hat er schon mehrere Bruchlandungen als Unternehmer über sich ergehen lassen müssen. Nun arbeitet er als Masseur, was ihn und seine zukünftige Familie nicht über die Runden bringen wird, denn seine Freundin Iz (Ana de Armas) ist schwanger. Doch dann tritt Davids alter Schulfreund Efraim (Jonah Hill) auf den Plan, der mit seiner Firma Waffen im Netz verkauft. Und dabei ist ihm eine ganz interessante Information unter die Augen gekommen: Die US-Regierung hat damit begonnen, Rüstungsaufträge für den Irak-Krieg jetzt auch im Internet auszuschreiben, wodurch es auch kleineren Anbietern ermöglicht wird, am lukrativen Geschäft teilzuhaben. Efraim will dafür David mit ins Boot holen, doch der hat zunächst Gewissensbisse – schließlich war er doch immer gegen den Krieg. Doch die Aussicht auf Erfolg und schnellem Reichtum stimmt ihn dann doch noch um...

Regisseur Todd Philipps ist ja eher bekannt für derben Humor und nicht so sehr für Anspruch. Von einer bloßen Aneinanderreihung müder Gags ist "War Dogs" allerdings weit entfernt, denn Phillips inszeniert die auf wahren Tatsachen beruhende Geschichte von zwei jungen Unternehmern, die sich als Waffenhändler schnell ein goldenes Näschen verdienten und schließlich auch Geschäfte mit dem Pentagon betrieben haben, als ernstzunehmende Satire, in der sich flacher Humor und platte Situationskomik beinahe vollständig abwesend zeigen. Dabei ist "War Dogs" kein "Lord Of War", aber auch nicht allzu weit davon entfernt und nähert sich dem Thema Waffenschieberei mit sehr viel Feingefühl und der Aussage, dass Geld quasi jedem korrumpiert.

Der Film zeigt zwei Waffenhändler, die ihre Ware verbreiten und dabei zwar Gewalt, Leid und Tod fördern, aber es selber ja nicht sehen sondern die Kohle kassieren und im Wohlstand schwimmen – und so wie diese sieht man als Zuschauer die Ereignisse und damit ermöglicht das dem Film über weite Strecken einen witzigen und humorvollen Grundton. Darin liegt aber natürlich der Trick: die Stimmung kippt und wird sehr ernst wenn auch den Hauptfiguren klar wird was sie da eigentlich tun und welche Tragweite es hat. Das wird durch den hier überragenden Miles Teller transportiert: er berichtet aus dem Off wie der mit seinem Kumpel Jonah Hill vom Masseur zum riesigen Waffenexporteur aufsteigt und sich schließlich in einem zu großen Auftrag restlos verheddert. Beide machen einfach einen großartigen Job. Jonah Hill lässt seine Rolle als Jordan Belfort aus "The Wolf Of Wall Street" wieder aufleben und zelebriert diese mit purem Genuss. Einfach ein charakterliches Arschloch mit zu viel Höhenluft und unendlicher Maßlosigkeit. Großartig. Getragen von eben jenen großartigen Schauspielleistungen und angetrieben von einer wahren Geschichte zeigt Todd Phillips hier, dass er durchaus fähig ist, mit erwachsenem Material umzugehen.

Der Film erzählt nun diese Geschichte über lange Strecken also in Form einer Komödie, mit stets flottem, rockigem Soundtrack und immer einem Lächeln, lässt aber keinen Zweifel daran dass es im Grunde todernst ist. Jonah Hill gibt obendrein eine so dermaßen widerliche Figur ab das es einen schüttelt und überrascht. Wie der ganze Film: der erzählt eine Geschichte, lässt seine Hauptfigur eine Entwicklung durchmachen und erzählt eine ernsthafte Story spaßig und kurzweilig. Kurz gesagt: richtig gutes Kino. Und am Ende von "War Dogs" gibt es dann zwar keine Entrüstung, keine Einsicht, keine wirkliche Satire, sondern nur warmherzigen Zynismus, dennoch ist die Geschichte so spannend und interessant, das man hier gar nicht anders kann, als mit einem breiten Grinsen den Abspann laufen zu lassen.

8/10

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