Dienstag, 7. März 2017

The Monster (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3976144/

Die geschiedene, alleinerziehende Mutter Kathy (Zoe Kazan) fährt wegen eines Notfalls mit ihrer Tochter Lizzy (Ella Ballentine) durch die Nacht, um den Vater des Mädchens zu sehen. Doch während ihrer Fahrt durch die stürmische Dunkelheit auf den verlassenen Landstraßen werden sie plötzlich gestoppt. Eine Kollision verhindert die Weiterfahrt - der Schock sitzt tief. Scheinbar sind sie noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen, es sind keine ernsthaften Verletzungen auszumachen. Doch mit was sind sie zusammen gestoßen? Einzig ein großer Zahn liefert ihnen einen Hinweis, doch erinnert dieser an nichts, was sie kennen... Weil das Auto hinüber ist, müssen sie zu Fuß Hilfe suchen und haben dabei bald die Vorahnung, dass sie nicht alleine in der Dunkelheit sind. Irgendetwas beobachtet und verfolgt sie und scheint den festen Vorsatz zu haben, sie nicht mehr lebend aus dem Wald zu entkommen zu lassen...

Regisseur Bryan Bertino, der bereits mit seinem Debütfilm "The Strangers" bewies, dass Horror und Grauen oft schleichend zu den Menschen kommen kann, begibt sich nun mit seinem aktuellen Streifen "The Monster" auf denselben Pfad, den bereits Jennifer Kent 2014 mit "The Babadook" beschritt und verschmilzt ein Familien-Drama mit Creature-Horror. Der dem Film hier zugrunde liegende Mutter-Tochter-Konflikt ist äusserst interessant, wurde hier aber leider ziemlich holzschnittartig und etwas lieblos in ein paar Rückblenden abgearbeitet, sodass "The Monster" anfangs etwas dröge wirkt, weil ihm gleich von Beginn an wichtiger Tiefgang fehlt. Daher kommt auch anfänglich kaum Interesse beim Zuschauer an den Figuren auf, was angesichts des ansprechenden Grundthemas etwas schade ist.

"The Monster" braucht zudem etwas Zeit, bis er so richtig in Fahrt kommt und auch das Auftauchen des Monsters verschafft der Fahrt nur wenig Geschwindigkeit. Damit ist klar, dass "The Monster" ein eher bedächtiger, ruhiger Film ist, der seine Spannung kontinuierlich über eine gewisse Zeit aufzubauen weiß und beim Zuschauer eher mit schleichender Erkenntnis punkten kann. Denn bei diesem in sich wachsendem, interessanten Genre-Beitrag geht es Regisseur/Drehbuchautor Bertino ganz offensichtlich nicht nur um Hetzjagd, Blut und Gekröse, sondern darum, dem Zuschauer eben jene Monster zu zeigen, die geifernd in der Dunkelheit auf uns warten und andere, die in uns selber hausen. Schön ist zudem zu sehen, wie Zoe Kazan als Mutter Kathy es schafft, ihrer anfangs durch und durch unsympathischen Figur innerhalb der Geschichte Würde und Menschlichkeit zurück zu geben. Diese schauspielerische Tour-de-Force Kazans ist eines der Highlights von "The Monster". Auch Ella Ballentine mit Jahrgang 2001 als Tochter Lizzy legt eine für die Zukunft viel versprechende Performance ab und spielt die von Enttäuschungen gebeutelte Tochter mehr als überzeugend.

So zieht der Film seine Stärken aus den zwischenmenschlichen Tönen, doch während bei anderen Filmen ("Monsters") der Spagat zwischen inneren und äußeren Dämonen subtil und wunderschön gelöst wurde, wird hier mit dem Holzhammer auf die Zuschauer eingeprügelt. Das Monster (Chris Webb) harmoniert irgendwie weder visuell noch erzählerisch und wirkt wie ein Fremdkörper, ist zwar schön 'cheesy' und offensichtlich handgemacht, passt aber daher auch eher zu Filmen wie "Feast". Sein Terror ist einzig nur dann spürbar, wenn Kamerafrau Julie Kirkwood es in unscharfen Konturen und Schattenspielereien im Hintergrund lauern lässt. Sobald das dunkelblaue, schleimige Raubtier in seiner Gänze erscheint, geht leider etwas an Grusel verloren. Oft ist es eben besser, wenn der Zuschauer seine eigenen Gedanken zum Thema, unterstützt durch Andeutungen und Zwischenbilder, aufbauen und sich davor gruseln kann. Dennoch ist "The Monster", genau wie sein Titel, eine bewundernswert schlanke, böse und geradlinige Erzählung einer elementaren Horrorgeschichte mit psychologischem Einschlag und damit in jedem Fall eine Empfehlung wert.

7/10

Vielen Dank an KOCH Media, die mir den Film vorab als DVD-Rezensionsexemplar samt Pressematerial zur Verfügung gestellt haben. Der Film erscheint am 23. März als DVD, Blu-ray und VoD.