Donnerstag, 16. März 2017

Shocker (1989)

http://www.imdb.com/title/tt0098320/

Horace Pinker ist von Beruf Fernsehtechniker. Seine Obsession ist die Ermordung ganzer Familien. Nur Jonathan Parker kann ihn stoppen, denn er sieht die Verbrechen in seinen Albträumen voraus. Mit Jonathans Hilfe kann Horace kurz vor einem weiteren Mord von der Polizei gefasst werden. Doch auch seine Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl setzt dem Grauen kein Ende. Im Gegenteil: Horace Pinker verwandelt sich in ein gefährliches Energiewesen mit der Fähigkeit, den menschlichen Geist völlig zu beherrschen. Niemand kann sich vor ihm sicher fühlen, und vor allem Jonathan muss um sein Leben fürchten. Er muss Horace Pinker ausschalten. Jonathan gelingt es, sich zusammen mit dem Massenmörder in das Fernsehprogramm zu transferieren. Dort beginnt ein mit allen Mitteln der modernen Videotechnik geführter Kampf ums Überleben.

Wes Craven hat es wohl in den achtziger Jahren wohl mit Träumen gehabt. Auch sein End-Achtziger Streifen "Shocker" mit einem herrlich fiesem Mitch Pileggi als Antagonist Horace Pinker bedient sich in Teilen der Traum-Thematik und der geisterhaften Manifestation in der realen Welt. Zum Glück nur zum Teil, denn "Shocker" ist etwas ganz anderes, als man bisher vom Altmeister gewohnt war. "Shocker" ist mehr Horror-Thriller, allerdings einer mit dem Craven von seiner eigentlichen Linie selbst ziemlich abweicht denn ein Schocker mit Action-Touch, lediglich der Plot hat hier was von dem Genre, in dem Craven eigentlich zu Hause ist. Von Kritik und Publikum wie üblich missverstanden, variiert Wes Craven seine bevorzugten Themen um vererbte Schuld, Eltern-Kind-Konflikte und unterschiedliche Realitätsebenen zu einer ebenso vergnüglichen wie vollkommen entrückten Comedy, die wie eine Fernbedienung mit Wackelkontakt munter zwischen Actionthriller, Fantasy-Horror und Mediensatire irisiert.

Dass er von seinem eigentlichen Stil abweicht tut dem Filmspass hier aber keinen Abbruch denn auch trotz seiner vom Regisseur recht ungewöhnlichen Gangart ist "Shocker" für einen Filmabend durchaus zu gebrauchen. Die ziemlich action-lastige Umsetzung beinhaltet nur geringfügig schaurige Momente, hier wurde mehr Wert auf Blut und Kills gelegt. Diese sind gerade am Anfang noch vorzufinden aber mit Verlauf springt Craven dann auf ein anderes Gleis und Action wechselt sich mit gelegentlichen Comedyeinlagen ab. Dies wirkt dann stellenweise auch etwas unfreiwillig komisch, ist aber durchaus so gewollt. Die rockige Musik zum Film passt gut. Auch die Darsteller wissen zu überzeugen und die (Elektro-)Effekte sind eine Klasse für sich und das eigentliche Highlight.

Ähnlich seinem Traumdämon Freddy Krueger lässt Craven den übernatürlichen Mörder Horace Pinker in Bereichen jenseits des Bewusstseins Schrecken verbreiten, um eine folgenschwere Verbindung zur Wirklichkeit herzustellen – zumindest einer filmischen Wirklichkeit, die später in "New Nightmare" und den "Scream"-Filmen schließlich auch sich selbst begegnen wird. Mehr Selbstparodie als Metafilm und mitunter sicher auch allzu albern, macht "Shocker" zumindest seiner interessanten Ansätze und zahlloser Gross-Out-Momente wegen einigermaßen Spaß. Wenn Horace Pinker Besitz von einem kleinen Mädchen ergreift, das wild fluchend mit einem Bagger durch den Park rast, offenbart sich zeitweise wieder einmal die Ultrakunst Wes Cravens. Aufgrund des sehr zügigen Tempos kann sich zwar Gruselstimmung nur sehr verhalten durchkämpfenund wer hier also Horror erwartet, wird sicher Enttäuschung ernten. Spannend und unterhaltsam ist "Shocker" aber dennoch. Die ungewohnte Herangehensweise Cravens ist definitiv mal etwas anderes und wer genau weiss, auf was er sich einlässt, dem muss nicht Bange sein, das er sich hier langweilt.

6,5/10

Von STUDIOCANAL erschien der Film Uncut in HD im Mediabook.