Montag, 13. März 2017

[KINO] Kong: Skull Island 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt3731562/

Anfang der 70er macht sich ein Trupp von Soldaten, Regierungsbeauftragen und Zivilisten auf, eine mysteriöse Insel zu erkunden. Die Gruppe unter dem Kommando von Lieutenant Colonel Packard (Samuel L. Jackson), zu der auch der mysteriöse „Reiseleiter“ Bill Randa (John Goodman), der Spezialkräfte-Veteran James Conrad (Tom Hiddleston) und die Kriegsfotografin Mason Weaver (Brie Larson) gehören, wird sehr unfreundlich empfangen: Etwas holt die Helikopter vom Himmel! Die Überlebenden der Abstürze erfahren, dass auf „Skull Island“ ein Riesenaffe haust, eine gefährliche Kreatur, die wie ein einsamer Gott über die Insel streift. Doch viel Zeit zum Lernen bleibt nicht, denn als die Expeditionstruppe auf Eingeborene und den geheimnisvollen, schon vor langer Zeit auf der Insel gestrandeten Amerikaner Hank Marlow (John C. Reilly) trifft, erfährt sie, dass Affe Kong zwar der König der Insel ist, aber noch viele weitere Monster im Dickicht lauern...

King Kong - wer kennt ihn nicht? Er war das erste Monster, das rein für den Film erfunden und nicht aus Literaturvorlagen adaptiert wurde. Das Original, das 1933 unter dem Titel "King Kong und die weiße Frau" von Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack produziert wurde, ist ein Meilenstein der Filmgeschichte und läutete in gewissem Maße die Ära der Spezialeffekte ein. Seitdem entstanden zahlreiche, sowohl offizielle als auch inoffizielle Neuverfilmungen, Fortsetzungen, Adaptionen und Parodien des Stoffs, bevor 2005 unter der Regie von Peter Jackson die jüngste Neuverfilmung erschien. Seine Version war aufgrund verwendeten Technik und der gut umgesetzten Story ein kleines filmisches Highlight. Selbstverständlich trug der Name des Regisseurs, dem Schöpfer der "Herr der Ringe"-Trilogie dazu bei, dass dessen "King Kong"-Version riesiges Interesse entgegengebracht wurde.


Nun ist der neueste Ableger, "Kong: Skull Island",  ein solider Monsterfilm geworden, dem seine Story und Figuren zwar völlig egal sind, der aber dafür das zeigt, was der Zuschauer schon immer sehen wollte: Monster, Action, Abenteuer und nochmal Monster. Am Drehbuch darf man sich dabei wirklich nicht lange aufhalten, es ist der Rede einfach nicht wert. Und auch wenn sich das erstmal wie ein K.O.-Kriterium anhört, "Kong" besitzt ganz andere Vorzüge. Der "Newcomer" Jordan Vogt-Roberts macht nämlich seine Sache als Regisseur durchaus ordentlich. Ähnlich wie Peter Jackson zaubert auch er eine Welt, isoliert von der Zivilisation und scheinbar mit eigener Evolution. Er weiß auch, wie man Action gut in Szene setzt und bereits die Kameraarbeit von Larry Fong macht diesen Film so gut. Einstellungen mit Gänsehautcharakter, wie Vogelperspektiven über die schön genutzte Landschaft der Insel und atemberaubenden "Slo-Mo"-Sequenzen, bescheren einen optischen Genuss der Extraklasse. Absolut stimmig. Man fühlt sich teils wie im Vietnamkrieg, nur eben im Kampf gegen Monster. Dabei findet der Film vor allem eine gute Mischung aus realen Sets und Green Screen Arbeit. Das CGI ist fast immer sehr gut und es entsteht - und das mag man kaum glauben - kein Overkill wie man bei der 2005er Version oft das Gefühl hatte.

Der neueste "Kong" übersieht auch erst einmal Jacksons Version großzügig. So gibt es lediglich eine angedeutete Beziehung vom Gorilla zur Fotografin und weitere bekannte Storyelemente, u.a. die Zurschaustellung des Riesenaffen zur Belustigung New Yorker Bürger sowie das Erklettern des Empire State Building durch den Riesen-Gorilla fallen schlicht aus. Nun kann man es drehen und wenden wie man will, "Kong: Skull Island" ist rein storytechnisch einfach kein guter Film. Jede Figur besticht durch hauchdünne Charakterzeichnung und ist im besten Fall ein völliges Klischee (der kriegsgeschädigte Lieutenant Colonel, der stille Fährtenleser und Ex-S.A.S., ...) oder einfach nur überflüssig (die Fotografin, die proletenhaften Soldaten). Von der ersten Sekunde an, in der jede einzelne Figur ins Bild tritt, weiß der Cineast exakt, was ihn ausmacht, wie er sich verhalten wird und wie es mit ihm endet, da jede Figur nur an ewigen Stereotypen orientiert wurde. Es ist fast unverschämt, wie wenig der Film sich um Charaktere und deren Motivation schert und gleichzeitig mutig, da in Monsterfilmen die Protagonisten Ankerpunkt und Identifikationsfigur sind. Einem Film, dem sowas so egal ist, muss also sehr viel Selbstvertrauen in seine anderen Qualitäten haben.

Im Fall von "Kong: Skull Island" muss man sagen: zurecht. Die Action und der audiovisuelle Bombast des Film ist dermaßen übertrieben, so aufpoliert und wuchtig, das man ihm seine Fehler spätestens nach der ersten großen Sequenz verzeihen kann. Man erlebt hier beeindruckende Kämpfe zwischen dem wahrlich ungeheuer riesigen King Kong und scheußlichen Monstern. Doch so hatte man das schon (in etwas kleineren Dimensionen) in ähnlicher Weise bei Jacksons Verfilmung 2005 erlebt. Es ist einem daher fast egal, wie nichtssagend Kong in jeder Szene wirkt, in der er nicht kämpft. Es wird egal, wie unlogisch die ständig wechselnde Anzahl von Hubschraubern, Menschen und Motivationen sind. Selbst die überhastet und unglaubwürdige Mensch/Affen-Freundschaft, die im letzten Akt angedeutet wird oder die elendigen Wiederholungen der immer gleichen Musikvideo-Montagen zu 70er Songs - was sie wirklich voll übertrieben haben - stört nicht ansatzweise so sehr, wie es das in anderen, tiefgründigeren Filmen getan hätte. Denn hier explodieren die Helikopter so beeindruckend, sind die Kreaturen der Insel so außergewöhnlich absurd und die Kämpfe zwischen Kong und den "Schädelkriechern" so dynamisch, das der Monsterfilmfan trotz aller Negativaspekte nur ehrfürchtig applaudieren kann.

Der Cast ist klasse. Wie angedeutet, leider verschwendet. Aber klasse. Keiner der Charaktere besitzt irgendeine Hintergrundgeschichte und die Figuren wirken wild zusammengewürfelt. Vor allem Tom Hiddleston, der den Ex-S.A.S. Soldaten Captain James Conrad spielt, ist über die gesamte Laufzeit unterfordert. Das ist etwas schade, aber noch verkraftbar.  Brie Larson gibt überzeugend die Fotografin Mason Weaver. Sie spielt die "weiße Frau", diesmal als selbstsichere Abenteurerin und nicht nur als kreischender Aufputz der vom Helden gerettet werden muss. Der allseits beliebte John Goodman verkörpert den Expeditionsinitiator Bill Randa und zeigt insgesamt weniger, als man von einem Goodman gewohnt ist. In einer Rolle in der er sich nicht ganz so wohlzufühlen scheint, verblasst der Star etwas und ist nicht ganz so prägend wie in so vielen anderen Filmen. Als Lieutenant Colonel Packard tut Samuel L. Jackson, das was er ganz gut kann: er gibt einen dauergrantiger Ledernacken, der nichts anderes im Fokus hat als das pseudo-idealistische Ziel, welches er als Befehl eingeimpft bekommen hat. Was er schauspielerisch auch durchzieht, doch auch er fängt im Lauf des Films - nach einigen kleinen Wiedererkennungswerten seiner wirklichen Stärken - an zu stagnieren. Einer der erfrischendsten Darbietungen ist die von Schauspieler John C. Reilly. Dieser spielt den gestrandeten Ex-Air Force Piloten Hank Marlow und zeigt einmal mehr dass er das Zeug hätte, viel mehr Hauptrollen zu spielen und nicht als Nebendarsteller aufzutreten. Insgesamt also ein sehr stimmiger Cast, welcher sich mit einigen Hochkarätern unter den Nebendarstellern - Toby Kebbell als Major Chapman, John Ortiz als Victor Nieves, Corey Hawkins als Houston Brooks, Jason Mitchell als Glenn Mills, Shea Whigham als Cole und Thomas Mann als Slivko - zu einem qualitativ hochwertigem Ganzen zusammenfügt.

Das "Warner Bros. Monster Universe" erschafft damit nach und nach Neues, welches sich zu einem gigantischen Ganzen zusammenfügen soll. Angesiedelt in der Zeit des Vietnamkrieges, zeigt sich schon beim Plakat des Films, in welche Richtung es geht. Angelehnt an das Poster des Vietnam Klassikers "Apocalypse Now" spürt man förmlich schon die Energie, die diesem Fantasyfilm innewohnt. Die Zeit der 70er Jahre passt perfekt um einen stimmigen Film mit rockiger Musik und den dazu passenden Farben zu erschaffen. Von Rock'n Roll-Dauerbrennern der damaligen Zeit untermalt, bastelt Vogt-Roberts eine Atmosphäre, wie man sie aus "Predator" oder "Platoon" kennt - nur mit allen Attributen die ein klassischer Monsterfilm haben muss. Man kann nun insgesamt festhalten, dass die Laufzeit von 119 Minuten sehr kurzweilig daherkommt. Das Pacing hat zwar manchmal kleine Probleme, aber kaum nennenswerte. An vorderster Front stehen ohne Kompromiss die optischen Schauwerte des Films, denn diese sind wahrlich ein Genuss. Auch was den Sound betrifft, kommt der Zuschauer voll auf seine Kosten, denn wenn der Riesenaffe anfängt zu brüllen, geht wirklich die Post ab. Somit ist "Kong: Skull Island" ein speziell mit John C. Reilly, Tom Hiddleston und Brie Larson toll besetzter Monsterfilm, der zwar durch einen zu großen Hauptcast seine Teilnehmer etwas verblassen lässt, aber sowohl mit schönen Trashfaktoren und klassischen B-Movie Attributen, als auch mit perfekter Animationstechnik, einem Brachialsound und einer wundervollen Kameraführung punkten kann. Man darf gespannt sein, wie die Macher nun weiter agieren werden, denn "Kong: Skull Island" ist nur ein Zwischenspiel zu dramatischeren, noch spektakuläreren Monsterschlachten-Verfilmungen...

7/10