Mittwoch, 1. Februar 2017

One Flew Over The Cuckoo's Nest - Einer flog über das Kuckucksnest (1975)

http://www.imdb.com/title/tt0073486/

Ein Irrenhaus ist immer noch besser als der Knast, denkt sich zumindest der abgebrühte Draufgänger Randle Patrick McMurphy (Jack Nicholson) als er vor Gericht auf Unzurechnungsfähigkeit plädiert und sich in eine Nervenheilanstalt einweisen lässt. Doch weit gefehlt, eine boshafte Stationsschwester führt dort ein brutales und menschenunwürdiges Regime. Die hilflosen Patienten vegetieren in Angst und Verzweiflung vor sich hin, sollte einer von ihnen Anpassungsschwierigkeiten haben, wird er gnadenlos mit schmerzhaften Elektroschocks ruhig gestellt. Um die Gefängnisleitung unter Dr. Spivey (Dean R. Brooks) von seiner vorgespielten Geisteskrankheit zu überzeugen, stiftet McMurphy Unruhe wo er nur kann und findet dabei schon bald Freunde unter den Patienten. Seine aberwitzigen Aktionen entpuppen sich schnell als das beste Heilmittel für die Kranken und langsam erwachen sie von ihrer freudlosen Lethargie...

Mit "Einer flog über das Kuckucksnest" schuf Miloš Forman zusammen mit seinen wirklich überragenden Schauspielkollegen, allen voran natürlich dem hervorragenden Jack Nicholson ein Psycho-Drama, das für Mitte der 70er Jahre kaum hätte besser sein können. Der permanente diabolische Grinser Jack Nicholson in einer seiner besten Hauptrollen, die er im Laufe seiner Karriere je auf einer Leinwand hingelegt hat. Diese Ambivalenz zwischen Ernsthaftigkeit und Humor ist bemerkenswert. "Einer flog über das Kuckucksnest" begegnet einem - für damalige Zeit wohl als nicht hoch genug einzustufendem - Tabuthema mit einer derartigen Leichtigkeit, dass man davor nur den Hut ziehen kann. Zwar hatte der Film damals einen enormen gesellschaftlichen Einfluss; er führte zu einer Debatte über die behandelte Thematik in dessen Folge unter anderem die Lobotomie als Praktik abgeschafft wurde.

Diese Thematik wird nun in diesem Film grandios in Szene gesetzt. Lachen man in der einen Minute noch über vermeintliche Umstände, die einen eigentlich eher zu bedenken geben sollten, schlägt die Stimmung auch prompt in der nächsten Minute direkt um und lässt dem Zuschauer das Lachen im Hals stecken bleiben. Gekonnt wird der Zuschauer somit an ein Thema herangeführt, welches mit höchster Vorsicht zu genießen ist. Wer ist verrückt? Ab wann gilt man als verrückt? Und wer entscheidet überhaupt, wo hier die Grenze liegt, ab der man als verrückt eingestuft wird? Was ist erlaubt? Was sind noch menschenwürdige Methoden? 


Irrenhäuser sind für die meisten Menschen nämlich Orte, die nur auf der Karte existieren. Die Wenigstens haben sich wohl bereits mit diesem Thema im Allgemeinen in ihrem Leben befasst, weshalb man gerade diesem Film eine enorme Relevanz zusprechen darf. Interessant wird der Film nämlich dadurch vor allem dann, wenn man selbst in die Lage des Entscheiders gedrängt wird und sich somit selbst eine Meinung dazu bilden muss, was noch als normal oder was bereits als abnormal bzw. verrückt zu bezeichnen ist.

Ein Film mit so vielen schauspielerischen Glanzleistungen, dass man es zunächst gar nicht glauben mag: Jack Nickolson, Christopher Lloyd, Sydney Lassick, Brad Dourif und Danny DeVito. Der Film legt vor allem viel Wert auf die Figurenzeichnung und nimmt sich anfangs auch viel Zeit, um diese einzuführen. Man nehme ein System, das Menschen klein macht, anstatt ihnen zu helfen. Eine Krankenschwester, die perfekt in dieses System passt weil nichts ihrer niederen Natur mehr entgegenkommt, als wenn sie jemanden unglücklich machen kann. Und einen grandiosen Jack Nicholson als erfolglosen Rebell, der versucht etwas Freude und Leben in depressive Gemüter zu bringen. Er bildet den Gegenpol zu der restlichen 'verrückten' Gemeinschaft und ist sozusagen der Gradmesser, also der Mann, an dem man sich orientiert. Mit ihm steht und fällt die Fassade des durchschnittlichen, normalen Bürgers.

Im letzten Drittel des Filmes wird uns Zuschauern dann aber doch hoffentlich eines immer mehr bewusst - ob verrückt oder nicht verrückt, Menschen sind wir doch letztlich alle und wir haben alle eine eigenständige, einzigartige Persönlichkeit. Wird uns diese jedoch genommen, ist unser Leben nicht mehr lebenswert - ob verrückt oder nicht verrückt, das spielt keine Rolle. Genial.

9,5/10

In den Vereinigten Staaten erschien der Film von WARNER im limitierten Mediabook - natürlich auch mit deutschem Ton.