Samstag, 18. Februar 2017

Hail, Caesar! (2016)

http://www.imdb.com/title/tt0475290/

Hollywood 1951: Capitol Pictures feiert mit Regisseuren wie Laurence Laurentz (Ralph Fiennes) und Schauspielern wie Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) einen Erfolg nach dem anderen – bis unter mysteriösen Umständen Baird Whitlock (George Clooney) verschwindet, der gerade noch für ein  Prestigeprojekt des Studios vor der Kamera stand, für den Monumentalfilm "Hail, Caesar!". Helfen soll der gewiefte Eddie Mannix (Josh Brolin), Hollywoods Problemlöser Nummer eins, für den Anliegen wie dieses nichts Ungewöhnliches sind. Jetzt ist es also an Mannix, den größten Star von Capitol Pictures zurückzuholen, ehe die Klatschreporter von der Entführung Wind bekommt, allen voran die Zwillinge Thora und Thessaly Thacker (Tilda Swinton). Whitlocks Entführer nennen sich „Die Zukunft“ und fordern einen großen Batzen Geld für die Freilassung. Mannix macht sich an die Arbeit, aber dabei geht so ziemlich alles schief, was nur schiefgehen kann...

Der neue Film der Coen-Brüder nimmt durchaus bissig das Hollywood der 1950er Jahre aufs Korn. Diesmal als Abschluss der sogenannten 'Numbskull-Trilogie' (zusammen mit "Ein (un)möglicher Härtefall"/"Intolerable Cruelty" und "O Brother, Where Art Thou?". Und so wird wieder freudig in alle Richtungen geschossen. Unterbezahlte Autoren, Dummköpfe vor und hinter der Kamera, arrangierte und für die Presse aufbereitete Hintergrundgeschichten der Stars und Sternchen und der Kommunismus als direkte Gefahr für die kapitalisierte Filmindustrie (an dieser Stelle übrigens mehr als treffend besetzt mit Dolph Lundgren als U-Boot-Kapitän, aber kaum zu erkennen). Es ist zwar nicht der beste Coen Film, weil ihm irgendwie etwas fehlt, aber er ist trotzdem extrem witzig geworden.


Eddie Mannix ist ein erfolgreicher Filmproduzent bei Capitol. Gerade finden die Dreharbeiten zu seinem Christen-Epos "Hail, Caesar!" statt, da passiert das große Unglück. Sein Hauptdarsteller Baird Whitlock wird entführt und es wird 100.000 Dollar Lösegeld verlangt. Mannix ist in Not denn er hat noch mit zusätzlichen Problemen zu kämpfen. Da wären noch zwei Journalistinnen, zufällig Zwillinge, die einen Skandal über seinen Hauptdarsteller drucken wollen. Hinzu kommt noch ein erfolgreicher Western Jungdarsteller, der erstmals in einem Drama mitspielen soll, doch sein Regisseur verzweifelt an ihm, da er keinerlei schauspielerisches Talent besitzt.

Wie das für einen Coen-Film typisch ist, bekommen man hier zahlreiche Dialoge geboten, die zum brüllen komisch sind. Auch die Story ist ziemlich verworren und man blickt vielleicht nicht bei allem durch. Leider konzentriert sich der Film oft mit Dingen, die irgendwie nicht zur Haupthandlung passen wollen. Trotzdem bleibt der Film stets unterhaltsam und liefert uns neben witzigen Dialogen, auch eine Hand voll Situationskomik. In "Hail, Caesar!" steckt aber auch unfassbar viel Wahrheit, besonders wenn es um die Drehbuchautoren geht.


Josh Brolin ist in gewisser Weise ein Genie seines Fachs und er liefert durch die Bank weg stets gute Leistungen ab. In "Hail, Caesar!" überzeugt er komplett mit seiner herrlich trockenen Art als Filmproduzent und man nimmt ihm seine Rolle zu jeder Zeit ab. George Clooney spielt hier einen richtig seltsamen Zeitgenossen, den man irgendwie nie so richtig einschätzen kann. Sein Verhalten ist einfach hin und wieder etwas seltsam, aber besonders gegen Ende stets amüsant. Ein richtiger Brüller war Alden Ehrenreich als eintöniger, talentfreier Cowboystar. Er wirkt auf der einen Seite total vepeilt, auf der anderen Seite auch irgendwie clever. Channing Tatum beweist hier nicht nur erneut sein komödiantisches Talent, sondern auch seine akrobatischen Leistungen können sich sehen lassen. In weiteren kleinen Nebenrollen kann man sogar Christopher Lambert, Tilda Swinton, Jonah Hill, Scarlett Johansson und Ralph Fiennes entdecken - und sie alle spielen total verrückt auf.

Der Humor trifft überwiegend ins Schwarze und ist Coen-typisch genug aufgeregt, um die gesamte Laufzeit gute Unterhaltung zu garantieren. Schenkelklopfer, wie eine zum Lasso umfunktionierte Spagetti (Stichwort Spagetti-Western), sind einfach zu köstlich; eine genervte Meerjungfrau mit unzähligen klischeebeladenen persönlichen Problemen krönt ihre eigene Rolle. Das Setting ist auch wieder so großartig, das man sich umgehend heimisch fühlt und sich im Grunde in diesen Film legen könnte. Und doch gehört "Hail, Caesar!" zu den etwas schwächeren Filmen, der vor grandiosen Filmen nur so strotzenden Filmographie, der Coens. Einerseits bleiben zu viele angerissene Handlungsstränge in der Luft hängen und andererseits fehlt es dem Film an der nötigen Stringenz, sodass es trotz der bissigen Ansätze bei einem Ensemble-Spektakel bleibt. Viele grandiose Einzelszenen ergeben in der Summe leider nicht immer ein neues Meisterwerk. Im Grunde ist der Film eine herrlich amüsante Satire auf die Filmindustrie, in der unfassbar viel Wahrheit drin steckt. Es schadet aber nicht, wenn man etwas Hintergrundwissen mitbringt und man sollte den Stil der Coen Brüder mögen, auch wenn "Hail, Caesar!" jetzt nicht ganz so kultig ist wie manch anderes Werk der begabten Brüder.

7/10