Freitag, 10. Februar 2017

Gods Of Egypt (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2404233/

Nachdem sich Set (Gerard Butler), der Gott der Dunkelheit, des ägyptischen Throns bemächtigt hat, droht das einst friedliche und wohl behütete Reich im Chaos zu versinken. Nur wenige Rebellen leisten noch Widerstand gegen den unbarmherzigen Herrscher und seine brutalen Gefolgsleute. Einer von ihnen ist der Dieb Bek (Brenton Thwaites), ein mutiger Held, der sich auf eine ungewöhnliche Allianz einlässt, um nicht zuletzt seine große Liebe Zaya (Courtney Eaton) aus dem Totenreich zurückzuholen: Gemeinsam mit dem Gott Horus (Nikolaj Coster-Waldau) plant Bek, Sets Schreckensherrschaft ein für alle Mal zu beenden. Ihre abenteuerliche Reise führt sie bis ins Jenseits und hinauf in den Himmel, wo der Sterbliche und der Gott mehrere gefährliche Aufgaben meistern müssen. Schließlich bringt sie jede von ihnen dem alles entscheidenden Aufeinandertreffen mit dem Gott der Dunkelheit ein Stückchen näher...

Die Geschichte hört sich eigentlich vielsprechend an und lässt den Zuschauer auf ein fantastisches Abenteuer im Stile von "Die Mumie" hoffen. Doch leider ist "Gods Of Egypt" mehr Schein als Sein, ein Bilderbuchbeispiel für den Spruch "Style over Substance". eine etwas überladene und keinesfalls geschichtlich korrekte Erzählung aus dem alten Ägypten zu verfilmen, mit den aus Sagen und Überlieferungen bekannten Göttern, die sich in verschiedenen Echsen- und Vogelarten verwandeln, hört sich tatsächlich auch spannend an, verliert sich aber in einem völlig abstrusen Effektgewitter, in dem mehr Wert auf Sauberkeit gelegt wurde als auf die Story an sich. Schade eigentlich, denn diese Geschichte hätte eine gute Grundlage geboten. Auch die Figuren bleiben oberflächlich und emotionslos. Und von Regisseur Alex Proyas ist man eigentlich besseres gewohnt. Mit legendären Filmen wie "Dark City", "The Crow" und "I, Robot" besitzt er ein gutes Repertoire, aber was er mit "Gods Of Egypt" anstellte, ist leider eine einzige herbe Enttäuschung. 


Viele Filme, die von Kritikern und ihrem Publikum einstimmig abgelehnt oder sogar wütend in der Luft zerrissen werden, schreien ja auch förmlich danach, dass man sie sich ansieht, nur um selbst zu prüfen, ob nicht vielleicht doch irgendetwas faszinierendes, überzeugendes, außergewöhnliches oder bemerkenswertes in ihnen verborgen liegt und ob alle anderen Kritiker vielleicht nur voreingenommen im Kino saßen. Im Fall von "Gods Of Egypt" wurde dieses - milde ausgedrückt - angespanntes Verhältnis zwischen Alex Proyas und der Öffentlichkeit noch zusätzlich angeheizt durch den Facebook-Post des Regisseurs, in dem dieser alle Kritiker als "verwirrte Idioten" bezeichnete, die sich nie eine eigene Meinung bilden und als kollektiver Schwarm auch nur eine (negative) Meinung vertreten können. Und dieser ganze Wirbel verschleiert ganz gut, dass der Film selbst tatsächlich eher kaum der Rede wert ist, denn "Gods Of Egypt" ist auf praktisch allen Ebenen ein belangloses, überlautes, missratenes Debakel, an dem sich tatsächlich so gut wie gar nichts finden mag, das einigermaßen positiv heraussticht. Proyas beschwört eine göttliche Familienfehde in einem antiken Ägypten herauf, das von übermächtigen Göttern und gewöhnlichen Menschen bevölkert wird, und weitet die altbekannte Keilerei, die sich um Macht, Egoismus, Liebe und Rache dreht, auf unnötig epische Proportionen aus. In den Topf geworfen werden daher krude Mensch-Tier-Transformationen, wüste Kreaturen, knifflige Rätsel, Hindernisse in Form von tödlichen Prüfungen und noch viel mehr hochglanzpoliertes Effektspektakel.


Die Grenze zwischen einem multimillionenschweren Blockbuster, der tatsächlich eine Kinoauswertung erhielt, und einer billigen Trash-Produktion aus der berühmten Asylum-Schmiede, die Mega-Budget-Produktionen mehr oder weniger fast schon parodistisch imitiert, verläuft hier extremst schmal. Nahezu alle CGI-Effekte (und nur aus solchen besteht der komplette Film) sind als solche erkennbar, teilweise richtig schlecht und wirken oft wie Zwischensequenzen aus einer Spielekonsole. Zudem machen sie aus den Actionsequenzen ein überwiegend lärmendes, unübersichtliches Chaos, das einen ständig unangenehm aus dem Geschehen reißt. Da ist es fast schon amüsant, dass Darsteller wie Nikolaj Coster-Waldau und Brenton Thwaites zwischen ihren ansonsten unglaublich hölzernen Dialogen ab und an so etwas wie Selbstironie durchblitzen lassen, was so wirkt, als seien sie sich dem Desaster, in dem sie gerade mitwirken, sehr wohl bewusst. Gerard Butler kommt einem aufgrund seines stets zornigen Herumgebrülls dagegen so vor, als würde er gerade besoffen eine Kneipenschlägerei anzetteln wollen. Die hauchdünne Geschichte, an der man als Zuschauer ohnehin bereits nach kurzer Zeit jegliches Interesse verliert, wird somit nur durch die Tatsache ausgeglichen, dass der Film in seiner eigenen Gleichgültigkeit, in der sich ein komplett ernst gemeinter Blockbuster und ein abgefahrenes Trash-Vehikel gegenseitig bekämpfen, fast so etwas wie eine interessante Ausstrahlung versprüht. Aber eben nur fast.


Alles bleibt oberflächlich und austauschbar. Selbst große Mimen wie Geoffrey Rush als Göttervater Ra verkommen zur Karikatur, einzig die Filmmusik von Marco Beltrami kann manchmal für Laune sorgen. Kurzum: "Gods Of Egypt" ist der üblich Bombastquatsch. Großes Budget, bekannte Schauspieler, solide Effekte. Die Story ist aber genau so wie erwartet - altbacken, langweilig und wenig mitreißend. Das soll nun auch nicht heißen, dass der Film in der Versenkung verschwinden sollte, aber viel erwarten sollte man dabei nicht. Zugute halten muss man dem Film schließlich, dass es durchaus ein paar wenige nette Ideen gibt und die Laufzeit von knapp zwei Stunden doch recht zügig vorüber geht. Dass dies allerdings mit einem permanenten "Facepalm" einhergeht... damit muss man einfach leben.

4/10