Donnerstag, 12. Januar 2017

The Night Watchmen (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4102722/

Es ist Justins (Max Gray Wilbur) erster Abend im neuen Job, und schon wünscht er sich, er hätte die Stelle als Nachtwächter in der "Baltimore Gazette" besser nicht angenommen. Nicht nur, dass seine Kollegen ihn einem menschlichen Kegeltest unterwerfen und ihn stoisch mit dem falschem Namen 'Rajeeve' anreden - es scheint auch so, als hätte der ganze Trupp im Keller des Bürokomplexes einen an der Waffel: Ken (Ken Arnold) lässt den Ex-Marine raushängen, Jiggetts (Kevin Jiggetts) ist süchtig nach Donuts und Luca (Dan DeLuca) soll angeblich mal drei Leute umgebracht haben. Zu allem Überfluss legt das Redaktionsteam eine Nachtschicht ein und ein mysteriöser Sarg landet irrtümlich in der Tiefgarage. Dieser enthält einen Vampir... im Clownskostüm! Erst einmal in Freiheit macht sich das blutdürstige Monster mit seinen quietschenden Schuhen sofort über die Belegschaft her und während die Infektion rasend schnell um sich greift, sehen sich unsere heldenhaften Nachtwächter einer wachsenden Armee aggressiver Kreaturen gegenüber.

Regisseur Mitchell Altieri kennt man ja zusammen mit Phil Flores eher unter dem Pseudonym "The Butcher Brothers" - und die wiederum lieferten einige nicht ganz so schlechte Horrorflicks ab, die in den Grundfesten nun nicht gerade vor Originalität strotzten, aber immerhin unterhielten und als solide Horrorkost bezeichnet werden durften. Altieris aktueller Soloausflug "The Night Watchmen" reiht sich in diese Etikettierung mühelos ein und ist doch ein klein wenig besser als alle bisherigen Ergüsse Altieris. Der Film bedient sich zwar einiger personeller Klischees, wie dem Quoten-Schwarzen, dem in gebrochenem Englisch sprechendem Latino, der angeblich ja ein eiskalter Killer sein soll, der heißen Büromaus, die zusätzlich zum Sexappeal noch kämpft als hätte sie noch nie etwas anderes getan und dem blutjungen Anfänger, der gerade sowieso nichts besseres zu tun hatte. Nein, Originalität hat "The Night Watchmen" nur in Bezug auf seinen herrlichen, zum Schmunzeln anregenden Humor, einiger schöner, splattriger Szenen und seiner gradlinigen Art, von der man sowieso schon weiß, wie und wo sie hinführen wird.

Zugegeben, in Horrorstreifen war auch Rumänien noch nie ein vertrauenswürdiges Land und alles was von dort aus in einem Sarg verschifft wird, sollte man besser in selbigem lassen. Das es hier nun unbedingt ein Clown sein musste, der dem Vampirismus anheim fiel sei mal gerade in Bezug auf letztjährige Ereignisse dahingestellt. Clowns sind seit langem nur noch bedingt gruselig und eigentlich wäre man mit etwas mehr Banalität besser gefahren. Über diesem Umstand kann man aber genausogut großzügig hinwegsehen und sich lieber auf den Kampf Mensch gegen 'Zompire' konzentrieren. Zompire? Ja, es sind keine typischen Vampire. Altieri vermischt Zombies (Blutrünstigkeit, Jagdlust und Aussehen) mit Vampiren (Blutdurst, Fangzähne und Angreifbarkeit) und bildet so eine etwas neuere - und man kann schon sagen durchaus gelungene - Symbiose aus beiden Monstern.


Dankenswerter Weise legt der Film auch gleich los, ohne sich zu lange auf eine öde werdende Einleitung zu versteifen. Neben ein paar witzigen Dialogen und zur Einführung der Personen ausreichenden Szenen geht es so nach nur 20 Minuten bereits zur Sache. Ab diesem Zeitpunkt tritt Mitchell Altieri mächtig aufs Gaspedal und lässt es bis zum Ende nur selten wieder los. Einige gute Gags und Einfälle retten dabei vor dem Gefühl das alles schon einmal gesehen zu haben, auch wenn hier längst nicht alles neu ist. Dass dann irgendwann Drogen in Grasform namens "Hebrew Kush" zum Einsatz kommen um die Kreaturen zu verlangsamen ist dabei noch einer der lahmeren Gags. Die Effekte sind eine Mischung aus (vor allem gegen Ende deutlich sichtbarem) CGI und (wesentlich besserer) Handarbeit und erfüllen ihren blutigen Job. Teilweise erinnern ein paar der Figuren an alte Bekannte aus "From Dusk Till Dawn" und auch sonst gibt es einige gut platzierte Verweise, seien diese nun in Worte gekleidet oder im Hintergrund angedeutet, auf andere Vampirstreifen.

Aber die Schauspieler haben spürbar Spaß an ihrer Arbeit (allen voran Kevin Jiggetts, der sich für keinen klischeebelasteten Spruch zu schade ist) und erhaschen sich so ein paar gute Sympathiepunkte beim Publikum. Mit der totalen Überzeichnung der Szenerie und der offensichtlichen Blöd- und Affektiertheit der Protagonisten kann man als Zuschauer aber insgesamt seinen Spaß haben - wenn man nicht allzu viel erwartet. "The Night Watchmen" ist einfach ein weiterer Komödien-Splatter-Horror, der (dank der guten Kameraarbeit) an einigen Stellen eine gute Atmosphäre aufbaut und so für Spaß und gute Laune sorgen kann. Zusammen mit dem rockigen Soundtrack der Achtziger kann man hier eigentlich kaum etwas falsch machen.

7/10

Der Film wird am 24. Februar 2017 von SPLENDID, die mir den Film freundlicherweise zur Rezension zur Verfügung gestellt haben, auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.