Mittwoch, 18. Januar 2017

Speed (1994)

http://www.imdb.com/title/tt0111257/

Ein vollbesetzter Fahrstuhl in einem Hochhaus in Los Angeles hängt nach einer Explosion im 30. Stockwerk fest. Der Lösegelderpresser Howard Payne (Dennis Hopper) verlangt drei Millionen Dollar Lösegeld, ansonsten würde er den Fahrstuhl mit einer weiteren Sprengladung ins Jenseits befördern. Die Bomben-Spezialisten des LAPD, Jack Traven (Keanu Reeves) und Harry Temple (Jeff Daniels), sollen die Lage vor Ort einschätzen. In letzter Sekunde können sie die Passagiere befreien, der Attentäter stirbt vermeintlich durch seine eigene Bombe. Doch falsch gedacht: Kurze Zeit später jagt Payne einen Bus samt Fahrer hoch und meldet sich telefonisch bei Jack, den er zu seinem persönlichen Feind erklärt hat. Payne hat einen tödlichen Sprengsatz unter einem Linienbus angebracht, der mit all seinen Passagieren in die Luft fliegt, sobald dessen Geschwindigkeit unter 50 Meilen pro Stunde fällt. Jack gelingt es, an Bord des fahrenden Busses zu kommen und versucht diesen unbeschadet durch die verstopften Straßen von Los Angeles zu manövrieren. Zu allem Übel wird auch noch der Busfahrer (Hawthorne James) angeschossen und die Passagierin Annie Porter (Sandra Bullock) muss fortan das Steuer übernehmen...

Was für ein herrlicher Nonsense. Da fliegen Busse meterweit durch die Luft, legen sich bei Tempo 80 mal eben in die Kurve und fahren auf zwei Rädern, Aufzüge stürzen halsbrecherisch ab... wie gesagt: herrlich. Und es sieht tatsächlich alles saugefährlich aus, was Regisseur Jan de Bont hier in den Kasten bekam. Dazukommen teils saudumme Dialoge und Witzchen, ein finster dreinblickender Bösewicht, der von Dennis Hopper auch noch das nötige Charisma und die Fiesheit bekommt und ein Bullock/Reeves-Gespann, bei dem die Chemie stimmt und die bei diesen actionlastigen Quatsch sichtlich ihren Spaß haben.

Eigentlich könnte man auf den ersten Blick meinen, dass "Speed" billiges, uninspiriertes 90er-Jahre Kino wäre, aber "Speed" ist glücklicherweise viel mehr als das. Auch wenn der Film aus heutiger Sicht vielleicht banal erscheint. Doch selbst wenn man den Film der fehlenden Originalität bezichtigt: man muss ja das Rad nicht jedes Mal neu erfinden, um etwas Gutes abzuliefern. Tatsächlich hat "Speed" aber eine überragende Eigenschaft, die bei heutigen Action-Filmen nicht mehr garantiert zu sein scheint: Spannung und die dadurch erzielte Unterhaltung, die über die gesamte Laufzeit von rund 110 Minuten aufrechterhalten wird. Allein diese Tatsache reicht dafür aus, dass man die Logiklöcher und die Momente, in denen sich Keanu Reeves entscheidet, auf ein bisschen Overacting umzuspringen und seiner Figur, die ebenso wenig Tiefe wie die anderen besitzt, noch mehr Lächerlichkeit anzuheften, nicht unbedingt ignoriert, aber eben als Makel des Films zu tolerieren.

Denn letztendlich ist die Unterhaltung doch der Faktor, der diesen Film so wunderbar kurzweilig und schön anzuschauen macht, ob nun durch das nicht unbedingte Konzentrieren auf die Haupthandlung im Bus, sondern auch auf die Vorgeschichte oder durch die zahlreichen klassischen Nervenkitzel-Momente, in denen man, welch Wunder, erst in der letzten Sekunde die Katastrophe abwenden kann. Nach einem Film wie "Speed" kann man durchaus sagen, dass übertriebene Action-Sequenzen und Explosionen nicht immer nur abschrecken müssen. Es ist einfach ein gut inszenierter, wortwörtlich schneller, explosiver Film, den man zweifellos als Paradebeispiel für einen guten 90er-Actionthriller sehen kann.

7,5/10