Sonntag, 1. Januar 2017

Ransom - Kopfgeld: Einer wird bezahlen (1996)

http://www.imdb.com/title/tt0117438/

Tom Mullen (Mel Gibson) ist millionenschwerer Eigentümer einer Fluggesellschaft und glücklicher Vater eines Sohnes (Brawley Nolte) - der entführt wird. Tom und seine Ehefrau Kate (Rene Russo) ziehen ein Team des FBI zu Rate, das die Täter zur Strecke und den Sprössling nach Hause bringen soll. Nachdem die Ermittler unter Anleitung von Agent Lonnie Hawkins (Delroy Lindo) ihre Zelte im Haus der Mullens aufgeschlagen haben, beginnt ein zermürbender Nervenkrieg. Schnell wird klar, dass Gut und Böse deutlich mehr verschwimmen, als es zu Beginn noch den Anschein hat und auch die Ehe von Kate und Tom wird an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geführt. Eine unvorhergesehene Wendung des Geschehens sorgt schließlich dafür, dass Tom ausrastet und den Spieß umdreht: Vor laufenden Fernsehkameras verwandelt er die zwei Millionen Dollar Lösegeld in Kopfgeld! Er will eine landesweite Hetzjagd auf den Täter Jimmy Shaker (Gary Sinise) auslösen...

Die Story mag recht konventionell wirken, vielleicht sogar ein wenig unglaubwürdig und im Ganzen auch mit ein paar Logiklücken verziert, aber sie ist auch interessant und stark. Zudem gibt es hier auch genug schlaue Twists, die zu gefallen wissen, falsche Fährten werden gelegt und der Zuschauer eine ganze Weile an der Nase herumgeführt und dafür, dass der Kern der Geschichte in Abwandlungen schon unzählige Male verfilmt wurde, ist "Kopfgeld" ein überraschend guter Film. In erster Linie natürlich, da dieser Kern durch ein nettes und sehr ungewöhnliches Detail ergänzt wurde - aus dem Lösegeld kann man doch ruhig mal ein Kopfgeld machen...

Nicht ganz unerwartet wirft diese Wendung den Entführer etwas aus der Bahn und es entwickelt sich ein packendes Wechselspiel zwischen Gibson und Sinise, das sowohl auf der stillen psychologischen, wie auch der lauten actionlastigen Seite voll überzeugen kann.
Zu Beginn der braucht der Film etwas, bis er in Fahrt kommt. Das Geschehen bis zur missglückten Geldübergabe verläuft ziemlich nach Schema F, ist aber dennoch gut gemacht. Danach kommt bei Gibson aber vor lauter Wut und Verzweiflung die Spielernatur durch und das Tempo wird ruckartig angezogen. Getragen von einem äußerst überzeugenden Sinise und einem ebenfalls gut aufgelegten Gibson kann man sich über fehlende Spannung wirklich nicht beschweren. Mel Gibbson gibt den trauernden und zugleich unwahrscheinlich wütenden Vater perfekt. Der Film ist spannend von vorne bis hinten, er hat nur ein Manko und das ist Rene Russo, die den Film immer etwas abbremst und dadurch auch etwas an Punkten kostet. Dem entgegen ist die Regie von Ron Howard hervorragend. Der Film braucht zwar eine Weile bis er in Fahrt kommt, dann existiert aber bis zum gelungenen Finale, Hochspannung der Extraklasse, nebenbei schön präzise und sehr genau von Howard erzählt, fast schon psychologisch tiefgründig verpackt er den Film mit seinen menschlichen Abgründen, trotzdem aber auch recht temporeich.

Das knallharte Festhalten an der ungewöhnlichen Verhandlungstaktik, ein Netz aus Lügen und Intrigen, Emotionen und mit gutem Augenmaß gesäte Wendungen in der Geschichte machen diese zweite Hälfte wirklich zu einem Heidenspaß, wenn in den Spitzen auch manchmal zu reißerisch inszeniert. Zusätzlich gehört selbstredend die Kamera gelobt, hier werden ordentlich gefilmte Bilder geboten, mit einem doch etwas düsteren beziehungsweise durchaus realistischen Touch. Dazu wurden die Charaktere sehr gut ausgearbeitet, mit schön vielen psychologischen Aspekten wird hier hantiert, wie den Ängsten oder der Unsicherheit der Eltern des Sohnes oder auch die Beweggründe der Entführer werden gelungen präsentiert, jederzeit interessant sind ihre Hintergründe, eben super gemacht, das gilt übrigens auch noch für die musikalische Untermalung von James Horner, spannungsfördernd.

Das ohnehin hohe Grundniveau wird durch regelmäßige Höhepunkte verschiedenster Art nochmals entschieden aufgewertet und raus kommt dabei ein äußerst überzeugender Film, der sich super darauf versteht, Nervenkitzel, Spannung, Dramatik, Action und Emotion zu einem großen Ganzen zu verbinden. Unterm Strich ist "Kopfgeld" dann ein erstklassig inszenierter und clever ausgedachter Nervenkitzel mit grandiosen Schauspielern, was, wie gesagt, besonders auf Sinise zutrifft.

7,5/10