Samstag, 14. Januar 2017

Le Guetteur - The Lookout (2012)

http://www.imdb.com/title/tt1946298/

Nach langer Zeit scheint die Festnahme einer berüchtigten Bankräubertruppe für den ehrgeizigen Kommissar Mattei (Daniel Auteuil) endlich greifbar. Gemeinsam mit einer ganzen Schar verdeckter Ermittler verschanzt er sich vor einer Pariser Großbank, dem nunmehr 16. Ziel der Verbrecher. Bevor die Polizeibeamten jedoch einen der Räuber fassen können, stehen sie unter Beschuss und die Zahl der Überlebenden ist gering. Der Scharfschütze Vincent Kaminski (Mathieu Kassovitz) hat hier sein Werk verrichtet, war auf dem gegenüberliegenden Dach positioniert und hatte ein äußerst leichtes Spiel. Voller Wut und Entsetzen schwört Mattei Rache für die ermordeten Kollegen, koste es, was es wolle. Doch bei seiner gefährlichen Jagd auf Kaminski gerät er zwischen zahlreiche Gangster und Auftragskiller. Sein langsam zur Besessenheit werdender Wille, den Scharfschützen zu schnappen, bringt ihn in ernste Schwierigkeiten und am Ende des Katz-und-Maus-Spiels steht ein soziopathischer Serienmörder.

Das französische Kino hat ein ungeheuer begabtes Gespür für packende Thrillerkost. "The Lookout" ist da keine Ausnahme. Hier gibt es einen Gangsterfilm mit Serienkiller-, Raub-, Scharfschütze- und Cop-Krimi-Einlagen zu sehen, inklusive einer Verbrecherhatz in den eigenen Reihen. Zum Auftakt verplempert Regisseur Michele Placido auch erfreulicherweise keine Zeit und katapultiert den Zuschauer direkt hinein ins Geschehen. Wenig Vorgeplänkel, sofort gibt es Action, gut inszeniert, da verspricht "The Lookout" noch ein kurzweiliger Actioner zu werden. Doch nach gut 10 Minuten fährt das Tempo runter und das Interesse des Zuschauers bald ebenso. Denn die Geschichte wird - gerade nach dem rasanten Beginn - eher zäh vorgetragen und beinhaltet kaum etwas, was es nicht anderswo schon deutlich besser zu sehen gab.


Ex-Schauspieler-Regisseur Michel Placido rast in monochromer blau-weiß-Optik aber durch ein nicht zu dürres Handlungsgerüst und bietet erstklassig montierte, blutige Actionszenen. Auch wenn der Konflikt zwischen Kommissar und Sniper nicht sauber herausgearbeitet wird und Mathieu Kassowitz als Antiheld blass wirkt, der teilweise überraschende Verlauf und die zielgenaue Regie packt. "The Lookout" kämpft aber deutlich mit der Start-Stopp-Automatik und wird zwischendurch immer mal wieder zu einem müden, kaum mitreissenden Crime-Flick, bei dem die Suche nach dem Verräter in den Reihen der Ganoven mindestens so blass gestaltet ist, wie alle Figuren des Streifens. Obwohl er weder strickt aus Polizeiperspektive erzählt und um Ambivalenz seiner beiden Hauptfiguren bemüht ist - meist eine gute Idee - wirkt das Ganze am Ende irgendwie lieb- und belanglos zusammengestrickt, ohne echte Höhepunkte oder den besonderen Kick serviert.

Speziell das Aufheben des klassischen Gut/Böse-Schemas funktioniert nur bedingt, da die Rollen dafür schlicht zu platt und uninteressant charakterisiert sind. Die im Schlusspurt eingestreute "Wendung", die zu dem persönlichen Vergeltungsdrang von Cop Mattei gegen Sniper Kaminski führt, wird darüberhinaus so überhastet und urplötzlich noch aus dem Ärmel gezaubert, schlicht aufgesetzt und damit auch etwas unglaubwürdig konstruiert.

6/10