Sonntag, 10. Dezember 2017

Drive Angry 3D (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1502404/

John Milton (Nicolas Cage) ist zwar seit Jahren tot. Doch das hindert den Schwerkriminellen keineswegs darin, aus der Hölle auszubüchsen und sich an die Fersen einer satanischen Sekte unter der Führung des irrsinnigen Apokalyptikers Jonah King (Billy Burke) zu heften. Die nämlich haben nicht nur seine Tochter verführt und schlussendlich umgebracht, sondern wollen nun gleich noch seine kleine Enkeltochter auf den Opfer-Altar bringen, um so den Leibhaftigen auf die Erde zu rufen. Der ärgert sich derweil enorm über Miltons Ausbruch und hetzt ihm seine rechte Hand hinterher – den „Buchhalter“ (William Fichtner). Dem rätselhaften Hölleburschen fällt es leicht, der Spur der Verwüstung zu folgen, die Milton und seine Begleiterin Piper (Amber Heard) derweil angerichtet haben. Dann schaltet sich auch noch die Polizei ein...

Ein Film wie ein Sampler. Er stopft Elemente von Filmhits aus den letzten Jahren ineinander: das ganze hat Anteile von "Death Proof", "Shoot 'em Up", "Crank" und diversem Fantasykram. Heraus kommt eine wilde Mischung, die man hemmungslos genießen kann wenn man ein paar Abstriche macht: zum Beispiel Nicolas Cage. Mit der schlechtesten Frisur überhaupt (dagegen war selbst die "Con Air"-Matte kleidsam) gibt er den eiskalten Rächer, was aber nicht viel mit Schauspielerei zu tun hat und wäre der Film nicht aufwendig genug fürs Kino wäre dies die Eintrittskarte in die "Direct-to-DVD"-Hölle.


In der Tat ist eine ganze Menge zusammengeklaut, insbesondere die Szene in der Cage Sex hat während drum herum die Schurken einfallen und er den Beischlaf nicht unterbricht während er in alle Richtungen ballert – das wirkt wie Copy and Paste aus "Shoot 'em Up". Aber die Pluspunkte überwiegen trotzdem: Amber Heard hat zwar eigentlich nur die klassische Rolle der Frau, ist aber als flotter Hingucker atemberaubend und gibt einen höchst sympathischen Charakter mit Seele, William Fichtner hat scheinbar einen Heidenspaß als fieser Höllenvollstrecker und kann sich das fröhliche Grinsen kaum aus dem Gesicht wischen - und dann ist da noch der "Rausch": der Film setzt auf ein hohes Tempo und zieht den Zuschauer geradezu mit, das Actionlevel ist hoch und der Adrenalinrausch immens.

Da muss man es auch verkraften dass es - gelinde gesagt -ultra-brutal zugeht; man kann es kaum anders beschreiben. Insbesondere kommt die Nummer natürlich gut in 3D. Da fliegen Körperteile aus der Leinwand das es eine wahre Freude ist. Unterm Strich ist der Film hochpolierter Edeltrash: übelst mies eigentlich, aber spannend, vergnüglich und mitreißend. Auch wenn die Szene mit dem Tanklaster der übelste Spezialeffekt sei langem ist. Hirnverbrannt und dumm, aber irgendwie ein Heidenspaß.

6/10

Freitag, 8. Dezember 2017

아가씨 - Agassi - The Handmaiden - Die Taschendiebin (Langfassung) (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4016934/

Korea in den 1930er Jahren, während der Besatzung durch die japanischen Invasoren: Die junge Sookee (Kim Tae-Ri) ist eine gerissene Taschendiebin, die sich von der reichen japanischen Erbin Hideko (Kim Min-Hee) als Dienstmädchen einstellen lässt. Sookee zieht auf das abgelegene Anwesen, auf dem Hideko völlig zurückgezogen mit ihrem Onkel Kouzuki (Jin-Woong Cho) lebt. Was Hideko allerdings nicht weiß: Sookees Anstellung als Dienerin ist Teil eines perfiden Plans, den sie zusammen mit einem Heiratsschwindler (Jung-Woo Ha), der sich als Graf Fujiwara ausgibt, ausgeheckt hat. Der falsche Graf und das Dienstmädchen planen, die junge Erbin um ihr gesamtes Vermögen zu erleichtern. Und zunächst läuft alles wie am Schnürchen – bis ganz unerwartet Sookee und Hideko echte Gefühle füreinander entwickeln...

Der Originaltitel des zehnten Films des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-Wook, "Agassi" bedeutet so viel wie "Lady" und transponiert die Handlung vom viktorianischen England in das von Japan besetzte Korea der 1930er Jahre. Die in ärmlichen Familienverhältnissen aufgewachsene Sook-Hee (Kim Tae-ri) wird in das Anwesen der jungen Lady Hideko (Kim Min-hee) als deren Dienerin eingeschleust, um sie dazu zu bewegen, den undurchsichtigen Grafen Fujiwara (Ha Jung-woo) zu heiraten, der sich ihr Erbe durch einen Hochzeitsschwindel erschleichen will. Hideko kann das Erbe als Alleinstehende nicht selbst antreten und muss dazu heiraten. Weiterhin plant Graf Fujiwara Hideko anschließend in eine Irrenanstalt einweisen zu lassen und sich das Geld dann mit Sook-Hee zu teilen. Allerdings muss auch Hidekos Onkel Kouzuki (Cho Jin-woong) umgangen werden, der durch eine Heirat seiner eigenen Nichte ebenfalls an deren Erbe gelangen will.

Je weniger man vorweg vom Verlauf von "Die Taschendiebin" erfährt, umso besser kann man sich von den vielen Wendungen des Handlungsverlaufs überraschen lassen, und davon hat der Film eine Menge, bis zu einem bestimmten Punkt im Film an dem die komplette Geschichte um 180 Grad kippt und den Zuschauer völlig im Regen stehen lässt. Dabei ist der Film so gut in seiner Erzählweise konstruiert, dass dieser Twist absolut reibungslos wirkt und man sich gefühlt nahtlos in diese neue Richtung mitreißen lassen kann. Wovon der Film ebenfalls eine Menge hat, ist Sex. Generell ist die Geschichte über weite Strecken erotisch sehr stark aufgeladen und gipfelt in einer der expliziteren Sexszenen des modernen Mainstream-Kinos. Dennoch verkommt diese überdeutliche Darstellung niemals zum Selbstzweck, sondern ist absolut relevant für den Verlauf der Geschichte, die Entwicklung der Charaktere und die emotionale Bindung (oder auch) Distanzierung der Figuren. Schauspielerisch bewegt sich "Die Taschendiebin" ebenfalls auf dem höchsten Level. Gerade die beiden Hauptdarstellerinnen sind absolut glaubhaft und bis auf einen kleinen Moment von Kim Min-Hee, der allerdings auch nur den Bruchteil einer Sekunde ausmacht, war ich durch die Leistung aller Beteiligten von Anfang bis Ende in der Geschichte gefangen.

Etwas im Film verdient noch einen eigenen kleinen Absatz in dieser Rezension, und damit ist das Haus gemeint, in dem die Ereignisse der Geschichte stattfinden. Wie bei Stanley Kubriks "The Shining" oder Norman Bate’s Motel aus "Psycho" hat das Anwesen in "Die Taschendiebin" einen eigenen Charakter und wirkt wie ein lebender, atmender Organismus. 


Es ist ein gewaltiges Anwesen, in das die junge Sookee einzieht. Ein Anwesen, das sich in elegante Speisesäle, winzige Schlafkammern und eine düstere Bibliothek verästelt. Halb viktorianisch, halb traditionell japanisch erscheint es wie Kintsugi-Porzellan, zusammengekittet aus den Scherben zweier Kulturen. So wie das Haus mehrere Epochen der Architektur in sich vereint, so führt auch "Die Taschendiebin" verschiedene Fragmente zusammen: die Geschichte des virtuosen Thrillers entstammt Sarah Waters im viktorianischen England angesiedelten Roman "Solange du lügst", doch Park Chan-wook verlegt sie in das japanisch besetzte Korea der Dreißigerjahre den 20. Jahrhunderts, das er in opulentem Szenenbild und nicht minder akribisch gearbeiteten Kostümen präsentiert. Der Stil kreuzt westliche Gotik mit traditionell japanischem Baustil. Alles in diesem Gebäude hat Struktur, stark gemusterte und im Stil konträr laufende Tapeten, extrem kräftige und dunkle Farben, und der stete Wechsel zwischen klaustrophobisch wirkenden Korridoren und weitläufigen Eingangshallen und Gärten werden von Regisseur Park Chan-Wook mit absoluter Perfektion in Szene gesetzt. Durch die Verwendung der Arri Alexa in Kombination mit einer anamorphen 1974er Kameralinse von Hawk und der meisterhaften Beleuchtung schafft Park es, ein visuelles Meisterwerk auf die Leinwand zu bringen. Es ist ein wunderschöner Film.

Jo Yeong-Wook komponierte einen Soundtrack, der permanent Gänsehaut verursacht. Gerade das Stück "My Tamako, My Sook-Hee" ist der Wahnsinn und begleitet die beste Szene im Film. Die Musik erzeugt Spannung oder unterstreicht Humor, wenn es nötig ist, und trägt in den richtigen Momenten zur emotionalen Tragweite der Szenen bei. Ein Soundtrack, wie er funktionieren und klingen muss. Dadurch dass viele der Stücke Walzer sind, wirkt der klassische Soundtrack oft sehr europäisch und erzeugt hier und einen Moment oder ein Gefühl, das vielleicht an Filme wie "Die fabelhafte Welt der Amelié" erinnert.

Die Langfassung von "Die Taschendiebin" hat eine Lauflänge von 168 Minuten und ist somit 24 Minuten länger als die Kinofassung. Nichtsdestotrotz kann man nicht so weit gehen, die Langfassung als "ungeschnitten" oder gar als "Director’s Cut" zu bezeichnen. Park Chan-Wook erzählte in einem Interview, er habe sich im Grunde von den Koreanischen Fans dazu breitschlagen lassen, so viel von dem gedrehten Material im Film unterzubringen, wie nur irgend möglich, und brachte den Film mit längerer Laufzeit für eine exklusive, einmalige Aufführung ins Kino und veröffentlichte ihn anschließend auch in dieser Fassung für koreanisches PayTV. Aufgrund der Tatsache, dass jedes Standbild ein Gemälde ist, durchaus nachvollziehbar. Und auch, wenn man bereits die Kinofassung wirklich gut fand, ist die Langfassung aus allen soeben genannten Gründen definitiv die zu bevorzugende Fassung.

9/10

Von KOCH Media erschien der Film in der "Limited Collector's Edition" im Hardcoverschuber mit umfassenden Buch zum Film, Setcards und natürlich der Kino- und Langfassung auf DVD und Blu-ray.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Wrecker - Wrecker: Death Truck (2015)

http://www.imdb.com/title/tt4227282/

Emily (Anna Hutchison) und Lesley (Andrea Whitburn) machen einen Road Trip durch die Wüste. Zunächst haben die besten Freundinnen noch Spaß, doch dann entscheidet sich Emily für eine Abkürzung über eine wenig genutzte Straße. Dort rücken sie ins Visier eines mörderischen Truckers, der von nun an nichts unversucht lässt, um die beiden mit seinem massiven Gefährt von der Straße zu drängen...

"Wrecker: Death Truck" ist der hässliche, peinliche, kleine Möchtegern-Doppelgänger von Filmen wie "Joy Ride" und "Duell". Nur leider ist dieses Machwerk hier auf mehreren Ebenen seinen Vorbildern alles andere als ebenbürtig. Neben den von Anfang an völlig talentfreien Darstellern bis zu den sich immer wiederholenden Szenarien ist dieser Film eine einzige Qual. Die Fahrzeuge fahren völlig sinnfrei die immergleichen Streckenabschnitte hin und her. Dazu Filmfehler, die selbst ein Blinder bemerkt: mal spiegelt sich das Kamerafahrzeug im Lack wieder, mal tauchen in einer Einstellung mehrere Fahrzeuge auf, nur um Sekunden später bei der nächsten Einstellung wieder verschwunden zu sein und ständig tauchen Objekte binnen Sekunden mal auf der Fahrer-, mal auf der Beifahrerseite auf.

Kurzum: All jene Filmfehler, die von Komödien wie "Black Dynamite" genüsslich aufs Korn genommen werden, werden hier unverblümt und mit der vollen Ernsthaftigkeit begangen. Ansonsten wird hier völlig ungeniert auf der gesamte Klischee-Klaviatur dieses Genres gespielt. Man ist sich hier wirklich für keine Plattitüde zu schade und unterm Strich bietet "Wrecker" damit nicht nur flache Charaktere, miese Dialoge und dumme Handlungsverläufe, sondern auch extreme Blutarmut und kaum Spannung. Und das ist nicht gerade das, was man von einem Film erwarten würde, in dem die Protagonisten bei 120 Meilen pro Stunde über schmale Bergpässe gejagt werden...

3/10

Montag, 4. Dezember 2017

Colors - Colors: Farben der Gewalt (Unrated Cut) (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0094894/

Die Straßenbanden von Los Angeles: Sie sind fast noch Kinder, bekämpfen sich aber bis aufs Blut. Um die Welle der Gewalt einzudämmen, setzt eine Spezialeinheit des LAPD den erfahrenen Polizeioffizier Bob Hodges (Robert Duvall) auf die Jugendlichen an. Ihm zugeteilt wird der junge Danny McGavin (Sean Penn). Doch mit seinem aggressiven Verhalten bringt der heißspornige Neuling schnell die Gangs gegen sich auf. Die beiden völlig gegensätzlichen Cops finden sich schon bald mitten im Krieg zwischen den rivalisierenden Bloods und den Crips wieder, die selbst vor Mord - auch an Polizisten - nicht zurückschrecken...

Mit "Colors" gelingt Dennis Hopper 1988 ein erstaunlich stilsicherer Blick auf die Gang-Szene von Los Angeles und gleichzeitig ein herausragender Beitrag zum sogenannten Police-Procedural-Film. Die Grundkonstellation von "Colors" dürfte dem Zuschauer bekannt vorkommen: ein Copthriller aus Los Angeles mit einem erfahrenen Polizisten und einem jungen Heißsporn als schicksalsträchtiges Doppelgespann. Probleme sind natürlich vorprogrammiert. Nur spielt es nicht wie im sehr populären Fuqua-Streifen "Training Day" zur Jahrtausendwende, sondern Ende der 80er Jahre. Es ist ein Buddy-Movie, dem allerdings der kumpelhafte Humor anderer Vertreter wie "Red Heat" aus dem gleichen Jahr und der "Lethal Weapon"-Reihe abgeht. Die Konstellation des erfahrenen Cops, der einen Rookie unter seine Fittiche nimmt, war auch 1988 nicht mehr neu, wird aber von Robert Duvall und Sean Penn mit feinfühliger Schauspielkunst zum Leben erweckt. Hopper führt den Zuschauer mit voller Inbrunst in diese Zeit zurück. Da reicht es schon, wie die Kameraführung es im Vorspann vollführt, lediglich aus dem fahrenden Polizeiwagen auf die unterschiedlichsten Straßenzüge zu blicken.

Wie es Dutzende Filme vor und nach ihm gezeigt haben, hatte die Stadt immer ihre Vorzüge und zugleich ihre Schattenseiten. Eine solche sind die blutigen Bandenkriege, womit der Film sogleich startet und damit auch Bezug auf die damalige Realität genommen hat (unter anderem die real existierenden Gangs namens 'Crips' und 'Bloods'). Die Aufklärung einer Schießerei bildet den Auftakt, dessen Handlungsstrang aber neben der charakterlichen Ausgestaltung unserer beiden Protagonisten vergleichsweise locker weitergeführt wird. In diesem Fall kann man das dennoch sehr mögen. Sowieso ist die große Stärke des Films viel mehr die detaillierte Gesellschaftsstudie und ein Einblick in den generellen Umgang der Polizeiapparate mit diesem Thema. Sanfter, abgeklärter Kumpelton oder hartes, konsequentes Eingreifen? Die beiden tollen Hauptdarsteller Robert Duvall und Sean Penn verkörpern diesen Kontrast durch ihr Auftreten auf sehr eindrucksvolle Weise, ohne jedoch dies unnötig plakativ auszureizen. Final wird die ansonsten sehr differenziert ausgearbeitete Geschichte nachvollziehbarerweise auf einen dramatischen Höhepunkt zulaufen, mit einer sehr interessanten Epilogszene hat Hoppers Regiearbeit einen starken Nachhall hinterlassen. Gutes Ding.

7/10

Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film in beiden Versionen (Kinofassung und der hier besprochene Unrated Cut) in HD in einem tollen Mediabook in VHS-Optik:

Sonntag, 3. Dezember 2017

Dr. Giggles (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0104139/

Der kleine Evan muss miterleben, wie sein Vater, ein angesehener Arzt, zum gefährlichen Serienkiller wird, in der Hoffnung, die todkranke Mutter zu retten. Viele Jahre später entkommt der inzwischen erwachsene Evan aus seiner Nervernheilanstalt, nachdem er einen Wachmann im Operationssaal einer sehr tödlichen Behadnlung unterzogen hat. Er kehrt zurück in seine Heimatstadt Moorehigh und ist vom gleichen Wahn getrieben wie sein Vater - um jeden Preis das passende Herz zu finden. Dabei will er auch gleich den Mord an seinem Vater rächen, den die Bewohner damals lynchten.

"Dr. Giggles" ist eine unterhaltsame Slasher-Komödie, der es leider an Spannung fehlt. Dafür ist die Handlung aber generell recht ausgewogen und wird in angemessener Geschwindigkeit erzählt, sodass keine Längen entstehen. Außerdem kann Larry Clarke viel überbrücken, da er den psychopathischen Arzt Dr. Giggles herrlich skurril spielt, ihn jedoch hätte vielleicht etwas beängstigender praktizieren lassen können. Doch da so ein Arztkoffer zum Glück viel hergibt, fallen seine alternativen Behandlungsmethoden ideenreich und teilweise herrlich makaber aus. Zudem sind auch die Einsatzorte abwechslungsreich gestaltet und er hat immer einen passenden, sarkastischen Spruch auf den Lippen. Leider wird vieles nur angedeutet oder passiert im Off. Außerdem hätte neben den bissigen Kommentaren noch etwas schwarze Situationskomik nicht geschadet. Geschenkt.

Neben dem Haupt-Handlungsstrang gibt es noch zwei weitere. Und zwar bekommt man noch einige Passagen aus Dr. Giggles Kindheit zu sehen, die dem Zuschauer nahelegen, woran sein Vater arbeitete, was die Bewohner aufgrund dessen mit ihm anstellten, wie der Kicher-Knirps entkommen konnte und warum er zum verrückten Doktor wurde. Ein weiterer Handlungsstrang handelt von Jennifer Campbell (Holly Marie Combs), die mit einem Herzklappenfehler zu kämpfen, Probleme mit der Stiefmutter und den üblichen Stress mit dem Freund hat. Doch Jennifer ist auch die perfekte Patientin für Dr. Giggles, um das unvollendete Werk seines Vaters fortzuführen. Also dauert es nicht lange, bis sich beide in die Arme laufen. Das heißt, dass beide sogar etwas charakterliche Tiefe bekommen. Nicht schlecht. Auch das Finale enttäuscht nicht und deswegen ist - insgesamt betrachtet - "Dr. Giggles" dem Genre-Freund durchaus zu empfehlen.

6,5/10

Von X-CESS ENTERTAINMENT erschien der Film uncut und in HD im limitierten Mediabook.

Munich - München (2005)

http://www.imdb.com/title/tt0408306/

Während der olympischen Sommerspiele 1972 in München kommt es zu einem feigen Terroranschlag durch die palästinensische Terrorgruppe Schwarzer September, bei dem elf israelische Athleten ermordet werden. Getreu dem Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn" stellt die israelische Regierung eine Todesliste zusammen, auf der die Namen von elf Verantwortlichen stehen. Der junge Mossad-Agent Avner Kaufman (Eric Bana), Sohn eines israelischen Helden, wird speziell für diesen Auftrag ausgesucht, der ausschließlich jenseits des Eisernen Vorhangs in Europa durchgeführt werden soll. Außerpolitische Komplikationen sollen dadurch vermieden werden. Auf sich allein und sein Team gestellt, nimmt Avner den Auftrag an und bekommt von seinem Vorgesetzten Ephraim (Geoffrey Rush) die Namen der in das Attentat Involvierten.

Steven Spielberg entschied sich für "Munich" als Titel seines Politthrillers und dieser Titel verwirrt in der Tat, man könnte erwarten hier eine Nachstellung des furchtbaren Geiseldramas präsentiert zu bekommen - statt dessen gibt's das Massaker nur in ein paar Rückblenden (die trotzdem ihre Wirkung nicht verfehlen) und der Film beschäftigt sich mit den Folgen. Man könnte jedoch der Hollywood-Legende eine bewusste Täuschung unterstellen. Eine ausgeklügelte Marketingstrategie anlässlich der Fokussierung auf ein bedeutendes, geschichtliches Ereignis zu unterstellen wäre dabei aufgrund des enormen, weltweiten Bekanntheitsgrades der Regielegende vermessen, von der wahren Botschaft des Filmes abzulenken jedoch eher in Betracht zu ziehen, denn der Titel der (fiktiven) Buchvorlage lautet "Vengeance" - und trifft den Kern der Sache auf den Punkt.

Schnell wird dem Zuschauer klar, dass ideologische, politische, wirtschaftliche und vorallem profitgierige Interessen längst ein weltweites, verworrenes und undurchschaubares Netz aus Terror und Tod gesponnen haben, in dessen klebrigen Fäden irgendwo als kleines Opferteilchen auch die damaligen Ereignisse aus München auftauchen. Die schonungslose und brutale Darstellung der blutigen Kettenreaktion, welche das olympische Desaster ausgelöst hat, wird von den Machern leider Pro-Israel geführt, wenn auch lediglich anhand der Hauptcharaktere um den Anti-Helden Eric Bana. Dies ist verständlich, aufgrund dramaturgischer Überlegungen, denn irgendwo muß der Zuschauer nun mal seine Emotionen und seine Anteilnahme lassen, oder? Nein, denn ohne diese Positionierung wäre "Vengeance" wohl als Meisterwerk durchgegangen, offenbart es doch (fast) ultimativ die Sinnlosigkeit der weltweiten Vergeltungsspirale, welche seit Jahrhunderten existiert und wohl auch leider niemals enden wird. 

Der Weg den Spielberg dabei einschlägt ist aber verwirrend: er will eigentlich die Ereignisse aufzeigen und im Grunde mahnen das Gewalt eben Gegengewalt erzeugt (ein Kritiker nannte den Film "ein Gebet für Frieden"), benutzt aber dabei sehr viele Thrillerelemente um den Film unterhaltsam zu machen. Letztlich ist es ein düsterer, deprimierender Agentenfilm geworden in dessen Mittelpunkt das Gewissen seiner Hauptfigur steht (Eric Bana bringt als gewissensgebeutelter Agent eine Superdarstellung) und der auf der Grundlage realer Ereignisse basiert.

8/10

Samstag, 2. Dezember 2017

Lion - Lion: Der lange Weg nach Hause (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3741834/

Mit fünf Jahren wird der kleine indische Junge Saroo (Sunny Pawar) von seiner Familie getrennt, woraufhin er sich schließlich tausende Meilen von Zuhause entfernt und verwahrlost in Kalkutta wiederfindet. Nach dieser beschwerlichen Odyssee nehmen ihn Sue (Nicole Kidman) und John Brierley (David Wenham) auf, ein wohlhabendes australisches Ehepaar, das ihn in ihrer Heimat wie seinen eigenen Sohn aufzieht. Doch seine Wurzeln hat Saroo nie vergessen und so macht er sich als junger Mann (nun: Dev Patel) mit Hilfe seiner trüben Erinnerungen und Google Earth auf die Suche nach seiner wahren Mutter. Während seiner Reise in die eigene Vergangenheit hofft er endlich auf jenes Dorf zu treffen, das sich mit seinen Erinnerungen ans Vergangene deckt...

"Lion" ist die unglaubliche, aber wahre Geschichte um den indischen Jungen Saroo Brierley, der im Alter von fünf Jahren verloren ging und 25 Jahre später wieder zurück nach Hause findet. Regisseur Garth Davis Debütfilm schöpft dabei komplett aus dem Vollen. So eine wahre herzzerreißende Geschichte mit einem verzweifelten Jungen punktet ja immer, man muss schon fast Angst davor haben, emotional manipuliert zu werden. "Lion" nimmt sich seine Zeit. Das erste Drittel zeigt nur den jungen Saroo, wie er sein ärmliches Leben als kleiner Junge in Indien lebt. Erst relativ spät kommt der Film in der nahen Gegenwart an, wo Saroo als Erwachsener gezeigt wird. Und dann dauert es erneut einige Zeit bis ihm klar wird, dass er seine leibliche Familie wiedersehen muss. Dies alles wird sehr ruhig, mit sehr hochwertigen Bildern eindrucksvoll und eindringlich geschildert.

Dev Patel, der den Saroo der Gegenwart spielt, macht dabei einen sehr guten Job, auch David Wenham und Nicole Kidman, die endlich mal wieder eine Rolle spielt, in der sich sich nicht nur auf einen Gesichtsausdruck verlassen kann, sind glaubwürdig und hervorragend, aber ausgestochen werden sie alle, ohne Ausnahme, von dem jungen Sunny Pawar, der den Saroo im Alter von fünf Jahren spielt. Man kann ihn und seinen Charakter innerhalb von Sekunden ins Herz schließen und bereits nach 10 Minuten Film klammert man sich an Taschentücher und versucht mit Mühe, die Tränen zu unterdrücken, sofern dies einem überhaupt gelingt. Ja, "Lion" ist dramatisch und berührend. Mehr als das, er ist geradezu Herzzerreißend, wenn man mit dem kleinen Saroo mitgerissen wird und sein Leben verfolgt. Dabei gibt es immer wieder total dramatische Elemente, die durch glückliche Fügung oder Cleverness des Kleinen aufgelockert werden.

Eine Stärke des Films ist auch der Stimmungswechsel in die Gegenwart, wo Saroo nun ein schönes Leben in Australien leben darf. Dieser Kontrast lässt Indien und Australien fast wie zwei verschiedene Welten wirken. Aber obwohl von außen gesehen alles super läuft, er dank seiner priveligierten Eltern alle Chancen der Welt erhält, ist nicht alles so heile Welt wie es auf den ersten Blick wirkt. Diese Familiendramatik packt den Zuschauer, Saroo's Zerrissenheit wird sehr gut übersetzt, aber auch wie sich die Familie fühlt und wie ihn der durch eine Erinnerung erweckte Gedanken seine echte Familie wiederzusehen aus dem Konzept bringt ist nachvollziehbar. Leider schleichen sich in diesen Part gewisse Längen ein, die man so hätte etwas besser hätte ausarbeiten können.


Davis brüllt sein "Lion" jedoch insgesamt so zurückhaltend, fast schon sparsam, dass sich ein wunderbar sanfter filmischer Sog entfalten kann. Natürlich ist die erste Hälfte des Films alles andere als 'Feel-Good-Kino', aber Davis deutet vieles nur an und überlässt es uns Zuschauern, die Bilder in Schwarz oder Bunt auszumalen. Die zweite Hälfte ist damit eigentlich ein komplett anderer Film. Was "Lion" allerdings zu einem Ganzen verbindet, ist genau das, was man an Dramen so lieben kann: emotional herausfordernd, ganz wunderbar gefilmt und mit einem schönen Score unterlegt, schauspielerisch herausragend und am Ende Herzen sprengend. "Lion" reisst von Anfang an mit und entlässt mit einer bitter-süßen, klaffenden Wunde in den Familienalltag.

9/10

Freitag, 1. Dezember 2017

47 Meters Down (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2932536/

Die beiden Schwestern Lisa (Mandy Moore) und Kate (Claire Holt) gönnen sich eine Auszeit in Mexiko, nachdem Lisas Freund gerade mit ihr Schluss gemacht hat. Seine Begründung lautete, Lisa wäre zu langweilig gewesen. Um solch ein Ereignis für die Zukunft auszuschließen, lässt sich Lisa zu einem abenteuerlichen Ausflug aufs Meer überreden: Einige gutaussehende Männer, die sie vor Ort kennenlernen, unternehmen nämlich eine Haikäfig-Tauchfahrt und die beiden Schwestern sind natürlich mit von der Partie. Draußen auf dem Wasser tritt dann der absolute Albtraum ein: Als der Käfig mit den beiden Frauen im Inneren hinabgelassen wird, reißt das Sicherheitsseil und schickt Lisa und Kate auf den Meeresgrund - umringt von Haien! Während der Sauerstoff zur Neige geht, beginnt eine verzweifelte Rettungsaktion, dessen erstes Hindernis die unterbrochene Kommunikation zum sicheren Boot ist. Denn in 47 Metern Tiefe versagen die Funkgeräte...

Nachdem mit dem grandiosen "The Shallows" der Hai-Horror quasi wiederbelebt wurde, kommt mit "47 Meters Down" nun der nächste klassische Hai-Thriller, bei dem das "Gefängnis" diesmal kein Fels ist, der in der Flut zu versinken droht, sondern ein Beobachtungskäfig, in dem zwei Schwestern auf den Grund des Meeres gesunken sind. Neben den Haien, die auf Grund des trüben Wassers und der geringen Sichtweite meist erst in letzter Sekunde zu sehen sind und so für die ein oder andere Schrecksekunde sorgen, ist diesmal der zur Neige gehende Sauerstoff das größte Problem. Wie in "The Shallows" ist das Setting also sehr begrenzt und wie in "The Shallows" gibt es wieder eine Backstory, die es zu überwinden gilt und die in diesem Falle aber deutlich schwächer ausfällt. Der Aufbau ist zudem etwas zäher, die Bilder sind nicht ganz so beeindruckend, wenngleich weitaus realistischer, und das Unterwassersetting wird auf Dauer leider etwas eintönig - hier wäre die ein oder andere originelle Idee für etwas mehr Abwechslung vielleicht hilfreich gewesen - andererseits spielt "47 Meters Down" auch in einer deutlich geringeren Budget-Klasse als "The Shallows" und dafür macht er - das muss man fairerweise sagen - seine Sache dann doch recht gut: die Haie sehen ordentlich aus und zweifelsohne gelingt es dem Werk, eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen. Dazu kommt ein gelungener Schlussakt, so dass Freunde von Tierhorrorfilmen auf jeden Fall einen Blick riskieren können.

6,5/10

Dienstag, 28. November 2017

The Dead Pool - Dirty Harry V: Das Todesspiel (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0094963/

Inspektor "Dirty" Harry Callahan (Clint Eastwood) hasst nichts so sehr wie die so genannten Schönen und Reichen und ihren Lebensstil. Vor allem, da es seine Arbeit erschwert. Doch nach seinem zuletzt gelösten Fall muss er sich wohl oder übel mit der Oberschicht beschäftigen, denn ein kranker Psychopath hat eine fiktive Todesliste veröffentlicht, auf der viele Berühmtheiten, aber auch er selbst zu finden ist. Als der erste Kandidat der Aufzählung, der Rockstar Johnny Squares (Jim Carrey), umgebracht wird steigt auch das mediale Interesse an dem 'Spiel' und Callahan muss unter Zeitdruck die Verbindung zwischen den gelisteten Persönlichkeiten herstellen, um so die Hintermänner dingfest zu machen...

Clint Eastwoods letzter Auftritt im "Dirty Harry"-Franchise - damals 58 Jahre alt, erklärte er das Ende damit, dass er zu alt für die Rolle wird und es nicht mehr glaubwürdig wirkt. Man wünschte sich, dass viel andere ebendiese Einsicht auch hätten.

Das Gesetz, dass sich jeder Teil von den anderen abhebt, setzt sich fort. "Das Todesspiel" ist nach wie vor solide Unterhaltung mit einem kompromisslosen Charakter, der keine Gefangenen macht. Ähnlich wie in "The Enforcer" ist auch nach wie vor die simple und vorhersehbare Story der größte Schwachpunkt, wohl auch deswegen werden ein paar Nebengeschichten eingestreut, die mit der Haupthandlung gar nichts zu tun haben - leider nur Stangenware, die vor allem nach der Mitte Längen enthält, aber auch an manchen Stellen für Lacher sorgt. Jedoch ist Eastwood beim Schurkenaufräumen mit seinem unnachahmlich angewiderten "Dirty Harry"-Gesichtsausdruck unschlagbar.

Der Plot hat hier nur zwei Besonderheiten: zum einen der Cameo-Auftritt der Guns'n'Roses, die bei einer Beerdigung und Aufnahmen für einen Film von Horror-Regisseur Peter Swan (gespielt von Liam Neeson) erscheinen. Die Band hatte nur ein halbes Jahr vor dem Dreh zu "Dirty Harry V" ihr epochales erstes Album "Appetite For Destruction" herausgebracht, war aber noch weit vom späteren Kultstatus entfernt. Es spricht für die Macher, das Besondere in dieser Band erkannt zu haben, als der sog. Glam Metal noch dominierte, und den GnR-Hit "Welcome To The Jungle" mit einer starken Einlage von Jim Carrey als durchgeknallter Rockstar zu bringen.

Das andere Feature ist Eastwoods Verfolgung durch ein ferngesteuertes Spielzeugauto, das mit Sprengstoff bestückt ist - weit weniger beeindruckend, weil die recht ausgedehnte Sequenz überhaupt nicht glaubwürdig erscheint und damit die sonst realistisch gehaltene Krimireihe von allen anderen abhebt. Für den Plot langt das aber allemal. Dafür wartet aber eine der Nebenhandlungen mit einem richtigen Brüller auf. Die Postbotenszene im Knast ist natürlich der Knaller des gesamten Films. Das Finale einer Reihe mit vielen Höhen und Tiefen geht damit insgesamt zwar nicht mit einem Knall in die Filmanalen ein, aber Clint Eastwood als Harry Callahan ist immer einen Blick wert. Alles in allem somit ein würdiger Abschied von "Dirty Harry".

6,5/10

In den USA gibt es die komplette Kollektion in einer 5-Disc Ultimate Collector's Edition mit allen 5 Filmen auf Blu-ray, dem Replik von Callahans Polizeimarke, einem informativen Begleitbuch, das Ganze verpackt in 2 Digipaks in einer stabilen Box. Ein echter Blickfang und Schmuckstück. Natürlich auch mit deutschem Ton.

Sonntag, 26. November 2017

Underworld: Blood Wars 3D (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3717252/

Vampirkriegerin Selene (Kate Beckinsale) muss erkennen, dass sich die Welt gewandelt hat und das Geheimnis um die Existenz von Vampiren und Werwölfen gelüftet wurde, woraufhin die Menschen alles daran setzen, beide Seiten auszulöschen. Indes denkt der Anführer des Lykaner-Clans, Werwolf Marius (Tobias Menzies), selbst im Angesicht der gemeinsamen Bedrohung nicht an einen Frieden mit den Vampiren. Selene kehrt schließlich aufs Schlachtfeld zurück und muss sich gegen zahlreiche Angreifer aus den Reihen der Werwölfe zur Wehr setzen - aber auch einige verräterische Vampire sind der ausgezeichneten Kämpferin feindlich gesinnt. Dabei will Selene nur eins: Den ewig währenden Krieg gemeinsam mit David (Theo James) und dessen Vater Thomas (Charles Dance) endlich beenden, auch wenn sie dafür das ultimative Opfer bringen muss...

So merkwürdig das auch klingen mag, "Blood Wars" lebt davon, dass man hier wirklich gar nichts Relevantes mehr zu erzählen hat. Nach einem Intro, in dem das "Awakening"-Ende und der die Reihe mittlerweile meidende Scott Speedman über Bord geworfen werden, folgt eine 60-minütige Exposition und ein unbedeutendes, aber unterhaltsames Kammer- und Intrigenspiel.


Und - das kann man kaum anders sagen  -als "Game Of Thrones"-Fan hat man daran großen Spaß. Während der böse "Edmure Tully"/Marius mit seiner Werwolfhorde vor der Tür steht, streiten sich die Vampirfürsten "Tywin Lannister", "Randyll Tarly" und "Irene Adler" um den eisernen... ach nein - die Macht am Hof des Östlichen Ordens. Irgendwo dazwischen bewegt sich eine immer noch sehr sexy auftretende Kate Beckinsale, die hier allerdings gar nicht wirklich benötigt wird. Mehr Dialoge mit Charles Dance, James Faulkner und Lara Pulver wären da angebrachter gewesen. Stattdessen hetzt "Underworld: Blood Wars", der nunmehr fünfte Ableger des "Underworld"-Franchise von Scharmützel zu Scharmützel und vebindet diese durch etwas generischen Dialog. Immerhin sind die Kämpfe schön actionreich und auch blutig, sodass hier keine Langeweile aufkommt.


Doch irgendwann schickt "Tywin" dann seinen Sohn David (ganz gut: Theo James) und Selene in den eisigen und beeindruckend bebilderten Norden, wo sie eine Mauer erklimmen und im Nördlichen Vampirorden von Davids wahrer Abstammung erfahren: er ist der Erbe des Throns des Östlichen Ordens! Selen stirbt im Kampf gegen Werwolf Marius ("Edmure Tully") auf dem Eis, wird von den nördlichen Vampiren allerdings wiederbelebt. Zum Schluss kommt es im Östlichen Orden zum entscheidenden Kampf, in dem die Werwölfe von einer nun noch mächtigeren Selene und David mit seinem neuen übermächtigen Familienschwert bezwungen werden. Wie unfassbar vorhersehbar.

Eigentlich komplett nichtssagend und ziemlich mies, bewegt sich "Underworld: Blood Wars" dennoch irgendwo zwischen langweilig und unterhaltsam hin und her. Die Optik bleibt weiterhin ein Augenschmaus, einen schöneren Bildschirmschoner als diesen Film kann es daher gar nicht geben.

5,5/10 

Donnerstag, 23. November 2017

Blood Simple. - Blood Simple: Eine mörderische Nacht (Director's Cut) (1984)

http://www.imdb.com/title/tt0086979/

Die Ehe mit dem reichen Barbesitzer Julian Marty (Dan Hedaya) ist für die attraktive Abby (Francis McDormand) eine Qual. Der misstrauische Kerl vertraut seiner Frau nicht, weswegen er den zwielichtigen Privatdetektiv Visser (M. Emmet Walsh) engagiert hat. Der liefert anschauliche Beweise: Ausgerechnet einer von Martys Angestellten, der Barkeeper Ray (John Getz), treibt es mit der Frau seines Chefs. Natürlich kann und will Marty das nicht auf sich sitzen lassen. Für 10.000 Dollar heuert er den Detektiv ein weiteres Mal an. Diesmal soll Visser statt mit einer Kamera mit einem Revolver bewaffnet in Rays Appartement einbrechen und das Pärchen im Schlaf ermorden. Doch Visser hat eigene Pläne und bringt stattdessen seinen Auftraggeber um. Nun sieht es so aus, als wären Abby und Ray die Schuldigen...

Man muss sie einfach mögen. Diese ruhigen, aber sorgfältig erzählten Krimi-Geschichten. 1984, irgendwo in der texanischen Pampa. Ein Rabe zieht einsam seine Kreise am Himmel. Ein Auto tuckert gemächlich die verlassene Landstrasse runter. Das Schild des schäbigen Motels hängt schief, an der Telefonzelle blättert langsam die Farbe ab und aus dem Autoradio des lokalen Senders erklingt ein längst vergessener Oldie. Man atmet ihn förmlich ein, den unterkühlten Pulsschlag der Provinz, weit weg von der Hektik der Metropolen. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Oder?

Nicht ganz. Denn wir befinden uns längst mittendrin im Spielfilmdebut der kongenialen Coen-Brüder Ethan und Joel, die mit dieser wertigen Hommage an den Film Noir den Grundstein für ihren bis heute anhaltenden Erfolg legten. Trotz relativ bescheidenem Bugdet kommt der interessierte Zuschauer bereits hier in den Genuss sämtlicher Elemente, welche die Werke der Coens auch später so sehenswert machen: rabenschwarzer Humor, ein intelligentes Storyboard, die unaufgeregte Erzählweise, leicht schrullige, skurrile aber liebens- oder (je nachdem) hassenswerte Charaktere, die zwar teilweise etwas überzeichnet daherkommen, in Stresssituationen aber glaubwürdig handeln und somit nie der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Und immer dann, wenn man sich auf der sicheren Seite fühlt, ja schon fast eine vermeintliche Länge im Film zu erkennen glaubt, boxt einem das Drehbuch mit einer unerwarteten Wendung eine dicke Faust in die Magengegend. Was als unspektakuläres Ehedrama beginnt entwickelt sich mehr und mehr zum nervenzerreissenden Psychothriller, bei dem die Protagonisten wie Schachfiguren verschoben werden und bald keiner keinem mehr trauen kann... Und obwohl das titelgebende Blut nicht gerade in Strömen fließt wird vor explitziter, aber stilsicher und psychologisch passend eingesetzter Gewaltdarstellung nicht zurückgeschreckt.

Den Coen-Brüdern gelingt gleich mit ihrem ersten Werk ein ganz großer Wurf, der beim Sundance Festival 1985 absolut zurecht mit dem Jury-Preis gekrönt wurde und der vor allem im leicht reduzierten und hier besprochenen Director's Cut von 1999 jeder mindestens einmal gesehen haben sollte. Nicht viele Regisseure schaffen es, mit ihrem Debüt schon einen Meilenstein zu setzen. Die Coens gehören zu den Wenigen, die dieses Ziel eindeutig und unumwunden erreicht haben.

8/10

Dienstag, 21. November 2017

A Perfect Getaway (2009)

http://www.imdb.com/title/tt0971209/

Für Cliff (Steve Zahn) und Cydney (Milla Jovovich) steht die Hochzeitsreise an. Ein Abenteuer soll es werden, weswegen sie sich für die hawaiianische Wildnis entscheiden. Doch gleich am Anfang des Trips steht ein Schock: sie erfahren von einem anderen Paar in den Flitterwochen, das einem Killerpärchen zum Opfer fiel. Dann treffen Cliff und Cydney den bedrohlichen Kale (Chris Hemsworth) und seine flippige Freundin Cleo (Marley Shelton). Zum Glück tauchen gerade rechtzeitig auch noch der stämmige Nick (Timothy Olyphant) und seine nette Freundin Gina (Kiele Sanchez) auf. Cliff und Cyndey beschließen, von nun an gemeinsam mit den beiden lebenslustigen Abenteurern zu reisen. Doch nach und nach reift in Cliff der Verdacht, dass sie mit Killern unterwegs sind...

"A Perfect Getaway" ist der erste Film von Drehbuchautor und Regisseur David Twohy, der kein übernatürliches Thema bzw. Fantasy- oder Science Fiction Elemente beinhalted. Twohy weiß, wie man den Zuschauer gut unterhalten kann, egal ob mit oder ohne übernatürlichen Inhalt. Die Landschaft von Hawaii ist wirklich beeindruckend schön, so stellt man sich eine paradisische Insel vor. Eine perfekte Kulisse also für einen Abenteuerthriller. Die Filmmusik bleibt immer im Hintergrund und begleitet die Handlung angenehm zurückhaltend. Die sparsam eingesetzten, verzögerten Einstellungen oder zeitversetzten Schnitte vermitteln in bestimmten Szenen gekonnt das Gefühl von Dramatik. Mit den Schauspielern hat der Regisseur ebenfalls alles richtig gemacht.

Timothy Olyphants Figur Nick ist ein ein wenig selbstverliebter Exsoldat und Filmfreak, der außer der Geschichte wie er zu der Metallplatte in seinem Kopf gekommen ist, noch einige weitere abenteuerliche Geschichten auf Lager hat und diese am Liebsten in Form einer Verfilmung auf der großen Leinwand wieder sehen möchte. Kiele Sanchez wirkt herrlich natürlich, sie überzeugt sowohl in ruhigen als auch in actionlastigen Sequenzen, die Chemie zwischen ihr und Olyphant stimmt einfach. Milla Jovovich ist einfach cool und Steve Zahn darf hier zur Abwechslung mal wieder eine ernste Rolle spielen und er hatte sichtlich Freude daran, seinem üblichen Rollenklischee zu entfliehen.

Der Film bietet zwar kaum Neuerungen im Thrillergenre, doch ist sich Twohy dessen ziemlich bewusst und deshalb lässt er seine beiden männlichen Hauptcharaktere auch ständig über neue Drehbücher diskutieren, über mögliche Namen, Storyvarianten und unerwartete Endtwists. Ganz ohne Ironie darf eben auch ein an sich ernst gemeinter Film nicht auskommen. Der Twist am Ende ist dann auch nicht völlig unerwartet doch überzeugend in der Auflösung. Ein kleiner, feiner Thriller also, wirklich gut und gemacht; der Regisseur hat wirklich genau gewusst was er macht und man hat keinen Zweifel daran, dass dies ein völlig professionell gemachter Film ist. Die wunderschöne Kulisse und die sehr guten Darstellern runden den sehr positiven Eindruck noch zusätzlich ab und irgendwie ist das Gesamtprodukt echt sympathisch geworden.

7/10

Odd Thomas (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1767354/

Auf den ersten Blick wirkt Odd Thomas (Anton Yelchin) wie ein ganz normaler junger Mann. Er ist Imbisskoch in einem Schnellrestaurant und verliebt in die hübsche Stormy (Addison Timlin). Doch Odd hat ein besondere Gabe: Er kann die sogenannten Bodachs sehen, Schattengestalten, die sich vom Unglück und Verderben der Menschen nähren. Besonders im Umfeld von Bösem tauchen die Kreaturen auf, bleiben jedoch für gewöhnliche Menschen unsichtbar. Odd kann nicht nur die Gestalten sehen, sondern auch mit den Geistern der Toten kommunizieren und schlimmes Unheil vorausahnen. Eines Tages betritt ein Mann das Restaurant, um den sich so viele Bodachs tummeln, wie Odd es noch nie zuvor gesehen hat. Er muss den Fremden mit der Aura des Bösen mit allen Mitteln aufhalten, bevor das Grauen seinen Lauf nimmt...

"Odd Thomas" basiert auf einem Roman des Schriftstellers Dean Koontz, der wie Stephen King vornehmlich im Horror-Genre zu Hause ist. Eine Portion Horror bietet auch die Verfilmung von Stephen Sommers, der die Romanvorlage aber durchweg locker und humorvoll umgesetzt hat. Hauptdarsteller Anton Yelchin macht als optischer Loser der eigentlich ein taffer Superheld ist eine gute und sympathische Figur, Addison Timlin als seine kecke Freundin ist sehr amüsant und wirklich sexy und Willem Dafoe soll in seiner etwas knappen Nebenrolle bestimmt nicht unabsichtlich an seinen Kultauftritt in "The Boondock Saints" erinnern (leider ohne Erfolg). Die audiovisuellen Einfälle sind toll, auch wenn die Effekte (wahrscheinlich budgetbedingt) in der Qualität oft schwanken.

Die Handlung, welche man auch bierernst hätte servieren können, wird immer wieder durch manchmal mehr, manchmal weniger gelungene bis hin zu unnötigen Gags und Sprüchen aufgelockert. Da wird unnötig überdreht, was einem leider oftmals aus den an sich atmosphärischen spannenden Grundton des Films rausreißt. Der Film ist eine ungewöhnliche Mischung aus Teenieromanze, Krimi und Horror/Mystery, was letztendlich auch das Problem des Streifens ist. Aufkommende Spannung und Dramatik wird zu oft durch lockere Dialoge im Keim erstickt. So weiß der Film zwar durchaus zu unterhalten, doch kann leider nicht richtig zu fesseln - abgesehen vom großen Finale, dass einen dann doch noch etwas umhaut. Aufgrund der sympathischen Figuren und der originellen Story bzw. deren filmischer Umsetzung kann man hier durchaus mal einen Blick riskieren. Es ist einfach eine spaßige, spannende, kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch.

6,5/10

Von NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 245 Stück limitierten Mediabook: