Sonntag, 11. Dezember 2016

Ravenous - Ravenous: Friß oder stirb (1999)

http://www.imdb.com/title/tt0129332/

Mitte des 19. Jahrhunderts findet der mexikanisch-amerikanische Krieg statt. US-Lieutenant John Boyd (Guy Pearce) versteckt sich , während seine Einheit niedergemetzelt wird und kann danach trotzdem das gegnerische Lager erobern. Daraufhin wird er zum Captain befördert und in ein Fort in der Sierra Nevada strafversetzt. Eines Tages trifft er auf Colqhoun (Robert Carlyle), der ihm eine schaurige Geschichte erzählt. Als der sich einst mit vielen anderen Auswanderern auf dem Weg zum Pazifik verirrte und die Nahrung knapp wurde, verfielen einige unter ihnen dem Kannibalismus. Anführer Colonel Ives habe damals die Tötung anderer befohlen haben, wobei Colqhoun fliehen konnte. Daher ruft Boyd seine Leute zusammen, um sich gemeinsam auf die Suche nach Überlebenden zu machen. Doch ein indianisches Mitglied warnt die Männer vor einem indianischen Dämon, der Menschenfleisch frisst und dadurch immer stärker wird...

"Ravenous" ist ein enorm eigenwilliger, unheimlich unterhaltsamer Genremix aus Trapperfilm, Kannibalenhorror und makaberer Komödie. Ein Film, der für damalige Verhältnisse sehr teuer war - zumindest im Anbetracht des Genres. 12 Millionen Dollar sind ein starkes Budget für einen Kannibalen-Western. Antonia Bird inszenierte wunderbar, der Film ist durchweg hochwertig, authentisch und eben großartig besetzt. Bis in die kleinste Nebenrolle nur bekannte Gesichter. Angeführt wird das Ensemble von Robert Carlyle und Guy Pearce. Zwei wunderbar aufspielende Schauspieler mit viel Hingabe, galliger Komik und berstender Energie. Ganz außergewöhnlich im Genre selbst.

"Ravenous" dreht sich um eine verschrobene Kompanie seltsamer Typen, u.a. dem strafversetzten Boyd (Guy Pearce), die in der verschneiten Sierra Nevada auf den abgemagerten Colquhoun (Robert Carlyle) treffen. Der geheimnisvolle Überlebende gibt vor, Mitglied eines grauenhaft gescheiterten Siedlertrupps gewesen zu sein. Mehr soll hier auch gar nicht verraten werden, die Geschichte ist für einen Film dieser Art nämlich recht interessant und neben den tollen Landschaftsaufnahmen und der grandios-manischen Schauspielkunst von Robert Carlyle eine der größten Qualitäten des Films. Über jeden Zweifel erhaben ist ebenfalls auch die unvergleichbare Musik von Damon Albarn und Michael Nyman, welche zeitgenössische Instrumente (teilweise bewusst falsch gestimmt) verwendet, aber auf eine ganz eigene Art, z.B. durch Repetition, elektronische Verfremdung und kontrapunktistische Verwendung. Das mag anfänglich vielleicht etwas seltsam anmuten, passt aber hervorragend zum Tenor des Films. Zusammen mit einigen schwarzhumorigen Einschüben sorgt dies dafür, dass der Film trotz der kontroversen und abstoßenden Inhalte nie unnötig ernst wird und so trotz schwieriger moralischer Fragen enorm gut unterhält.

Dennoch ein sehr empfehlenswerter Geheimtipp. Vom Drehbuch bis zum Cast, von der Inszenierung über die angenehme Härte stimmt bis auf wenige Momente und das anfänglich etwas behäbige Drehbuch eigentlich alles. Ein eigenwilliger und einzigartiger Film.

7,5/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD auch im auf 777 Stück limitierten und nummerierten Mediabook: