Samstag, 17. Dezember 2016

Pride And Prejudice And Zombies - Stolz und Vorurteil & Zombies (2016)

http://www.imdb.com/title/tt1374989/

Im England des frühen 19. Jahrhunderts verbreitet sich eine Zombie-Seuche rasend schnell und fordert auch unter den edelsten Familien Britanniens ihre Opfer. Um der Epidemie zu trotzen, gibt Mr. Bennet (Charles Dance) seinen fünf Töchtern Stunden im Umgang mit Waffen und in Kampfsport, er bildet seinen Nachwuchs so zu einer Zombie-killenden Armee aus. Besonders Elizabeth (Lily James) tut sich als herausragendes Talent hervor. Mrs. Bennet (Sally Phillips) hat derweil ganz andere Sorgen, denn sie wünscht sich nichts sehnlicher, als ihre Töchter an den Mann zu bringen. Als der vermögende Mr. Bingley (Douglas Booth) in die Nachbarschaft zieht, wittert sie die passende Chance. Auf einem Ball kommen sich die älteste Tochter Jane (Bella Heathcote) und Bingley tatsächlich näher, trotz einfallender Zombies. Elizabeth dagegen, ohnehin damit beschäftigt, dem Charme des manipulativen Mr. Wickham (Jack Huston) zu widerstehen, gerät mit Bingleys eigensinnigem Freund Mr. Darcy (Sam Riley) aneinander. Der stolze Monsterjäger begegnet ihr zunächst mit eitler Hochmütigkeit, findet aber schon bald Gefallen an dem schlagfertigen Mädchen...

"Stolz und Vorurteil & Zombies" könnte man am ehesten als Horrorfilm mit romantischen Elementen und einer guten Portion schwarzem Humorbezeichnen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen parodistischen Roman von Seth Grahame-Smith aus dem Jahr 2009. Bereits vor der filmischen Adaption entstand eine Comicversion des Buches, in der Tony Lee den Roman adaptierte und Cliff Richards die Geschichte in schwarzweiße Zeichnungen umsetzte. Das ebenfalls von Grahame-Smith geschriebene Buch "Abraham Lincoln: Vampire Hunter" wurde bereits 2012 verfilmt - und genau auf dieser Woge schwimmt "Stolz und Vorurteil & Zombies" eben mit.

Nun ist "Stolz und Vorurteil & Zombies" ein Film, der seinen einzigen Gag bereits im Titel trägt: dies ist die Geschichte von "Stolz und Vorurteil" mit der gewagten Ergänzung, dass die Figuren eben auch noch Zombies jagen. Wobei man diese Wesen nicht einmal Zombies nennen mag: es sind irgendwelche bluttriefenden, körperlich verunstaltete Horrorgestalten, die aberimmer noch geordnet handeln und - laut anfänglicher Erklärung - erst wirklich zu den bekannten Monstern mutieren, wenn sie einmal ein menschliches Gehirn zu sich nehmen – also was auch immer sie sind, sie entsprechen nicht der im Moment recht gängigen "Definition". Aber gut. Geschenkt.


Die Kombination aus dem Jane Austen-Klassiker "Stolz und Vorurteil" der zugleich als Liebesroman aber auch als zeitgenössische Gesellschaftsstudie zu verstehen war gewürzt mit Zombies hat definitiv etwas für sich. Die Darsteller spielen ihre Rollen recht gut besonders die Hauptfiguren bekommen dank Lily James und Sam Riley deutlich Profil. Aber auch Lena Headey, Charles Dance und Matt Smith bereichern den Film mit ihren wunderbar gespielten Nebenrollen. Die Dialoge bringen das gesellschaftliche Lebensgefühl und Moralvorstellungen der Zeit erlebnisreich herüber und die ganze Geschichte, die rund um die Zombies erdacht wurde ist deutlich mehr und frischer als man sonst mit ihnen versucht hat. Alleine schon die Tatsache das eine junge Dame nicht nur gebildet sein muss in den schönen Künsten sondern auch in der Lage sein muss sich gegen Untote zur Wehr zu setzten und dafür in Japan oder China ausgebildet wurde macht einfach nur Laune und bringt das ein oder andere Grinsen mit sich.


Leider ist von der Mischung her dann etwas zu viel "Stolz und Vorurteil" und etwas zu wenig Zombie im Film mit eingeflossen. Diese sehen zwar schon klasse aus, bekommen aber nur in kurzen Zwischenszenen (die immerhin cool gemacht sind) etwas mehr zu tun. Rein aufgrund der Absurdität der mit Zombie-Szenen versetzten Geschichte des weltberühmten Jane Austen-Klassikers und ein paar blutrünstiger Zombie-Kills gab es immer mal wieder amüsante Szenen. Aber meistens waren der Wechsel zwischen schwülstig-poetischen "Wer heiratet wen?"-Szenen/-Dialogen auf Aristokraten und Abschlachten von Untoten eine recht fade und oftmals auch elend langweilige Angelegenheit, die einzig wegen der originellen Prämisse nicht gänzlich zu einem Desaster geraten ist. Auch schon dank des wunderbaren Settings und des Einfallsreichtums von "Stolz und Vorurteil & Zombies". Das Ende mit der Eroberung Londons durch die Untoten, die man im Film leider nicht zu sehen bekommt verschenkt sehr viel Potential, eine große Schlachtszene zu bieten. Diese fehlt am Ende (was dann doch recht plötzlich daher kommt und leider vieles offen lässt und auf eine mögliche Fortsetzung hin arbeitet statt einen Abschluss zu bieten) völlig. Das kostet den Film damit leider (und völlig zurecht) auch Punkte in der Wertung.


Zweifelsohne, und das ist wohl das Traurigste, hätte "Stolz und Vorurteil und Zombies" das Potential zu einem echten Kultfilm gehabt. Die zugrundeliegende Idee darf man guten Gewissens als vielversprechend bezeichnen, nur scheitert diese signifikant an der mangelhaften Umsetzung und dem fehlenden Wagemut des Regisseurs. Zu keinem Zeitpunkt kann sich der Film für eine Richtung entscheiden und so verkommen fast alle kreativen Elemente (allen voran natürlich die Zombies) zu einem reinen Gimmick inmitten einer banalen Liebesgeschichte ganz im Zeichen der omnipräsenten Vorlage. Da ist es zumindest ein geringer Lichtblick, dass so manche Darsteller etwas bemühter agieren als der restliche Film.

6/10