Sonntag, 11. Dezember 2016

Hudson Hawk - Hudson Hawk: Der Meisterdieb (1991)

http://www.imdb.com/title/tt0102070/

Hudson Hawk (Bruce Willis) ist das, was man einen Meisterdieb nennt. Wenn es darum geht, wertvolle Kunstgegenstände zu stehlen, kann ihm niemand das Wasser reichen. Frisch aus dem Gefängis entlassen, zwingen ihn einige Mafiosi, eine wertvolle Da Vinci-Statue zu entwenden - kein Problem für Hudson und seinen Partner Eddie (Danny Aiello). Doch dann stellt sich heraus, dass hinter dem Auftrag nicht die Mafia, sondern das ausgeflippte Millionärspärchen Mayflower (Richard E. Grant, Sandra Bernhard) steckt, das in Wirklichkeit noch ganz andere Absichten hegt. Fortan überschlagen sich die Ereignisse und Hudson gerät zunehmend in Bedrängnis. Bei seiner Odysee, die ihn schließlich nach Italien führt, macht er die Bekanntschaft einer ebenso reizenden wie durchtriebenen Mitarbeiterin des Vatikans (Andie MacDowell). Und auch eine wenig zimperliche Schokoriegel-Truppe mitsamt ihres undurchsichtigen Anführers (James Coburn) kreuzt immer wieder seinen Weg.

Wenn man bei dem Streifen "Hudson Hawk" zwischen Gefallen und Abscheu hin- und hergerissen ist, dann ist das in jeder Hinsicht verständlich. Realistisch betrachtet ist der Film von Regisseur Michael Lehmann völlig überdreht, die Handlung ist zum Teil haarsträubend, die Figuren ohne jeglichen Tiefgang, einige Darsteller neigen krass zum Overacting und die Dialoge könnte einer Zucker-Abrahams-Zucker-Produktion entsprungen sein. Aber nicht nur die Dialoge, auch einzelne übertriebene, fast schon slapstickartige, Szenen erinnern stark an die Komödien des Trios. Wer also einen Action-Heist-Thriller mit Tiefgang oder gar Ernsthaftigkeit erwartet, ist hier definitiv falsch.

Anderseits hat "Hudson Hawk" auch irgendwie Kultcharakter. Die Heists sind klasse inszeniert, es gibt einige Lacher (auch wenn noch viel mehr darauf ausgelegt sind) und die Schauspieler, mögen sie noch so verstörend wie die Mayflowers (Richard E. Grant und Sandra Bernhard) sein, sind irgendwie unterhaltsam. Mit Bruce Willis, Danny Aiello und eine hinreißende Andy MacDowell, James Coburn und Frank Stallone (dem man seinen Vater wirklich problemlos ansieht) hat man ein perfekt harmonierendes Ensemble gefunden, welches offensichtlich gut aufgelegt und mit Leidenschaft diesen Blödsinn für den Zuschauer zelebriert. Auch das Zusammenspiel von Bruce Willis mit Andie MacDowell gehören klar zu den Stärken des Films. Mit einigen - ebenfalls völlig überzogenen - Todesszenen zurecht eine Heist-Komödie für Erwachsene. Ein wesentlicher Bestandteil des Films sind die Gesangseinlagen von Bruce Willis und Danny Aiello. Ihre Songs sind auch im Soundtrack des Films enthalten. Dieser passt insgesamt auch hervorragend in die Heist-Szenen.

Der generell locker-flockig-überdrehte Ton, der dafür sorgt das man den Film kaum je ernst nimmt, machen also ganz klar den Reiz und Spaß dieses heute fast vergessenen Streifens aus. "Hudson Hawk" wurde von der Kritik 1991 spektakulär verrissen, die Einnahmen an den Kinokassen waren sehr gering: bei Kosten von knapp 65 Millionen US-Dollar spielte der Film in den USA nur 17,2 Millionen ein. Es folgten die "Goldene Himbeere" für den schlechtesten Regisseur (Lehmann), das schlechteste Drehbuch (Kraft, Willis, de Souza) und den schlechtesten Film. Außerdem war der Film in den Kategorien schlechtester Hauptdarsteller (Bruce Willis), schlechtester Nebendarsteller (Richard E. Grant) und schlechteste Nebendarstellerin (Sandra Bernhard) nominiert. Die Macher schrieben dies vor allem den teils chaotischen Dreharbeiten und dem ständig umgeänderten Drehbuch zu. Letzteres ist beinahe beispiellos anhand des gesamten Films zu bemerken.

Ja, "Hudson Hawk" ist damit ganz sicher ein Meinungsspalter. Überdreht, überzogen, übertrieben. Und doch hat der Streifen einen gewissen Charme, der irgendwo zwischen Wortspielwitz-Dialogen, Zoten, Kalauern und Slapstick-Handlung seine Fans gefunden hat. Insgesamt ein recht unterhaltsamer Streifen und immer noch besser als sein insgesamt schlechter Ruf.

6,5/10