Sonntag, 4. Dezember 2016

Desierto - Desierto: Tödliche Hetzjagd (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3147312/

Um endlich seinen Sohn wiederzusehen, tritt der Mexikaner Moises (Gael Garcia Bernal) eine riskante Reise an. Er hat zwei Führer bezahlt, die ihn als Teil einer Gruppe von Gleichgesinnten durch die Wüste führen und illegal den Weg in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten weisen sollen. Doch als der Lastwagen mitten in der Wüste streikt, müssen die Leute den Rest des Weges in die USA zu Fuß bewältigen. Aber kaum, dass sie die Grenze überschritten und US-amerikanischen Boden betreten haben, kreuzt Sam (Jeffrey Dean Morgan) ihren Weg. Mit seinem Hund an seiner Seite und seinem Gewehr bewaffnet hat der gnadenlose Südstaatler die Grenzpatrouille in die eigene Hand genommen und will den Immigranten eine Lektion erteilen. Haben die Mexikaner gegen den ehemaligen Soldaten, der ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen geht, überhaupt eine reelle Chance?

Der Name Jonás Cuarón lässt aufhorchen. Der Sohn von Alfonso Cuarón, der den großartigen Thriller "Gravity" verfilmte, verfasste nämlich das Drehbuch zu ebenjenem Weltraumepos. Schlicht, ohne viele Worte, aber mit ungeheurer Wucht lies einen der Film aufhorchen. Mit "Desierto" liefert Jonás nun seinen zweiten abendfüllenden Spielfilm ab und setzt auch hier auf die bekannte Prämisse der Schlichtheit. Und "Desierto" ist - kurz gesagt - einfach eine einfache, unkomplizierte, aber hochspannende Geschichte. Das bisschen Story hinter dem Film wird dafür aber in einem ziemlich flotten Tempo erzählt, das Team um Regisseur Jonás Cuarón beschränkt sich auf das Wesentliche. Adrenalin und Spannung. Die Hetzjagd auf die Einwanderer ist gut in Szene gesetzt und leistet sich keine Durchsacker im Spannungsbogen.

Die 'Badlands', das Grenzland zwischen Texas und Mexiko, geben ein sehr eintöniges, trübes Setting ab. Das mag nun auf den ersten Blick nicht sonderlich toll sein, sorgt aber für die passende Stimmung und bietet Raum für so manch interessante Szene. Die Atmosphäre stimmt also. Jeffrey Dean Morgan mimt den grausamen texanischen Jäger authentisch und energievoll, die taktvolle Kameraarbeit leistet ihren Beitrag und ein paar Highlight-Szenen bleiben einem definitiv im Sinn. Auch das ordentliche Pacing lässt eigentlich nichts anbrennen - auch wenn in der Überleitung zum Klimax die Fähigkeiten des Antagonisten zu inkonsequent dargestellt werden. Wer nun bei der bewusst schlicht gehaltenen Prämisse eine krasse Story erwartet leidet an Realitätsverlust. Leidglich auf der Meta-Ebene hätte man aber sicher durchaus mehr daraus machen können als das altbekannte "Typ 1 jagt Typ 2". Leider wird jenes Potenzial achtlos liegen gelassen und der politische, hochbrisante Hintergrund der eigentlichen Problematik nicht einmal kommentiert, was etwas schade ist. So bleibt der Film am Ende ein einfarbiger Trip, der innerhalb seines Rahmens aber ordentliche Unterhaltung bietet und auch ohne anspruchsvollen Unterbau auskommt.

7/10